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MISERY INDEX – DESPISED ICON – BENEATH THE MASSACRE – MAN MUST DIE

Ort: Hamburg - MarX

Datum: 14.02.2008

Ziehen vier der angesagtesten Baller-Metal-Grind-Death-Core Bands wirklich nicht genug Leute, um die große Markthalle zu füllen? In Berlin oder Essen sollen sich ja jeden Abend um die 500 zahlende Besucher eingefunden haben. Aber wir sind in Hamburg und da gelten andere Gesetze. So war es denn genau richtig, die kleine Markthalle zu buchen, da diese mit um die 200-300 Menschen gut gefüllt war. Zu beobachten war wieder einmal der Clash der Generationen: Old-School-Nieten-Metalheads versus New-School-Violent-Dance-Affen. Da ich keiner Fraktion so richtig angehöre und eher zwischen den musikalischen Stühlen sitze, kann es ganz unterhaltsam sein, einfach mal das Publikum zu beobachten. Aber wenn ein paar degenerierte „Fliegenfänger“ anfangen Schlägereien provozieren zu wollen, ist der Spaß vorbei. Das Thema ist anderswo auch schon oft genug diskutiert worden und Konzerte sollten sicherlich für jeden etwas bieten, aber von so einem Spacko umgetreten zu werden, ist für mich jenseits der Toleranzgrenze. Früher hat man sich gegenseitig im Pit geholfen und ließ eine gewisse Umsichtigkeit walten. Jetzt kann man froh sein, wenn solche Trottel einen nicht den Kiefer zertrümmern. Thankfully wurden die Kontrahenten von anderen Besuchern voneinander getrennt, aber der normale Headbanger hatte von da an keinen Spaß mehr und beobachtete das Konzert von außen. Geht zu FLER Konzerten oder zu irgendwelchen Berliner Bollo-Bands und pöbelt da herum, aber macht durch so einen Scheiß nicht die Underground Szene kaputt. It’s not just Boys fun…

Zur Klarstellung: Das waren nur ein oder zwei Trottel während des DESPISED ICON Sets, aber so etwas vergrätzt mich ohne Gleichen. Aber ich bin ja auch ein alter Old-School-Sack und hab nichts mehr zu melden, aber wenn dieser Crew-Mist hier irgendwann explodiert, dann gute Nacht. Aus Gesprächen mit den Bands weiß ich, dass diese gerne nach Europa kommen, weil wir noch die Musik zu schätzen wissen und uns nicht gegenseitig umbringen wollen. Lasst die Bands gerne zu uns kommen. Punkt. Aber wir wollen nicht den wahren Anlass vergessen und wenden uns einen ansonsten astreinen Konzertabend zu, an dem kein Ohr ohne Blessuren davon kam. Und das ist auch gut so!

MAN MUST DIE

Die Scotsmen aus Glasgow läuteten den Abend denn auch standesgemäß mit einer ohrenbetäubenden Baller-Attacke ein, die den einen oder anderen sogar schon zum bangen animierte. Schreihals Joe grunzte ins Mikro und machte auf dicke Hose, während er zwischen den Grind-Attacken mit seinem schottischen Akzent begeisterte. Bass-Märtyrer Danny, der schon während des Soundchecks mitsamt seinem Bass rastlos, aber freundlich lächelnd, durch die Markthalle tigerte, rollte die meiste Zeit manisch mit seinen Augen und gab den vier Saiten keine Chance auf Erholung. Trotzdem kam mir das live alles etwas zu undifferenziert herüber und dementsprechend wirkten die Songs schnell etwas monoton. Nach circa 25 Minuten war der Spaß dann aber auch schon vorbei. Genau richtig, denn ansonsten wäre ich, glaube ich zumindest, zwischendurch mal ein Bier holen gegangen. Ihren Job als Opener haben die Jungs jedenfalls gut gemacht, auch wenn der Ruf nach einem Circle-Pit unerfüllt blieb. Die Meute war aufgewacht und wurde gut auf die folgenden Bands eingestimmt.

BENEATH THE MASSACRE

Zeit für die erste der beiden Bands aus der Montreal-Connection, ihren Einstand zu geben. Und was BENEATH THE MASSACRE da aus ihren Instrumenten quetschten, wusste mich schon etwas mehr zu überzeugen. Die Gitarrenarbeit von Christopher Bradley konnte man schon um einiges besser zwischen den Blast-Attacken herausfiltern. Obendrein besitzt dieser auch noch eine sympathische Ausstrahlung und beweist mit seinen Old-School-Moves auf der Bühne auch eine geschmackssichere Sozialisation. Auch bauen die Kanadier ein wenig mehr rhythmische Abwechslung in ihre Songs ein, die zum leichten Headbangen animieren. Durch solch kleine Breakdown-Parts gerät die Musik um einiges variantenreicher, was für komplette Grind-Freaks natürlich schon eines Auswimpens nahe kommt. Music for the Masses gibt es natürlich trotzdem nicht von der Band: Da wird soliert, gegrunzt und die Snare verprügelt, dass man wirklich nur von einem „leicht“ zugänglicheren Sound sprechen sollte. Ein paar Die-Hard-Fans waren ebenfalls im Publikum und tickten regelrecht aus. Da flogen die Plastikbierbecher (da ist Pfand drauf! Ihr verwöhnten Kids!) und den Fotohandys wurde keine Ruhepause gegönnt. Guter, solider Auftritt einer Band, die in meinen Augen gute Ansätze zeigt in der Zukunft noch einiges zu reißen. Fuckin´ Brutal! Unter den Besuchern war die nächste Band sicherlich die umstrittenste, aber auch gleichzeitig die, die mich am meisten beeindruckte.

DESPISED ICON

Die sechs Mannen fanden kaum Platz auf der Bühne, ohne sich in die Quere zu kommen. Denn bei den Kilometern, die auf der Bühne von den beiden Schreihälsen Alex und Steve zurückgelegt wurden, stand man sich zwangsweise im Weg. Trotz seiner Erkältung, shoutete Alex seine Parts aus voller Brust und wirkte dadurch wie kurz vor dem Kreislaufkollaps. Steve unterstützte ihn dabei tatkräftig, war aber irgendwie nicht in der Lage, die „Bree“ Parts astrein zu performen. Vielleicht lagen einfach schon zu viele Konzerte hinter ihnen, denn an diesem Abend befand man sich ja schon im letzten Drittel der Tour. Trotzdem legte die Band eine intensive, energiegeladene Show hin, bei der selbst Kritiker der Band verstummen sollten. Über die Grabenkämpfe innerhalb der Metal-Szene hatte sich Alex schon vor dem Auftritt in einem langen Gespräch mit mir geäußert, aber dazu an anderer Stelle mehr. Jedenfalls war auf der Bühne einiges los und es herrschte ein regelrechter Hardcore-Spirit innerhalb der Band. Die Fans waren sichtlich aus dem Häuschen und gingen gut ab. Natürlich wurde das Ganze etwas getrübt von den eingangs erwähnten unschönen Szenen, die sich zwischendurch abspielten. Bei einem Track wie z.B. „In the arms of perdition“ bleibt einem wirklich nichts anderes übrig, als mit dem Kopf zu bangen, denn die Breakdowns wiegen eine Tonne und der Sound springt einen regelrecht an. Soundmann Yannick, der bis vor kurzem noch selbst die Gitarre bediente, hatte die Akustik auf jedem Fall so gut wie möglich im Griff. Weiterhin standen ein paar Girlies in der Ecke und himmelten Gitarrist Al Glassman an (dem das natürlich nicht verborgen blieb). So ist das also: Death-Core is the new Hair-Metal. Na ja, mit 25.000 verkauften Scheiben alleine in Nord-Amerika kann man wohl schon als Stars bezeichnet werden. Tatsache ist, dass die kanadischen Deather alles gegeben haben und keine Kompromisse mit ihrer Musik eingehen: Egal ob kurze Haare oder Base-Caps. Metal kommt von innen… Und die Jungs haben eine menge davon im Blut. Word!

MISERY INDEX

Vor der Bühne konnte man eine kleine Wachablösung feststellen, denn die etwas reiferen Herrschaften sowie richtige Metal-Heads, inklusive Kerry King Gedächtnis-Nietenarmband, prägten jetzt das Erscheinungsbild des moshenden Mobs. Die Grind-Deather aus Baltimore hatten das Publikum von den ersten Takten an fest im Griff. Sänger und Bassist Jason Netherton übernahm souverän die Rolle des Frontmanns, während Gitarrist und Sympathiebolzen Mark Kloeppel wiederholt ein Geschenk zum Valentinstag forderte. Der andere Mann an der zweiten Gitarre Sparky Voyles schien nicht so entspannt zu sein, denn er feuerte zwischendurch eine leere Bierflasche an die hintere Bühnenwand. Dies hielt ihn natürlich nicht davon ab, wie wild zu bangen. Besonderes Augenmerk muss aber auf Drummer Adam Jarvis gelegt werden: Was dieser an den Drums leistet ist in jeglicher Hinsicht bewundernswert. Dermaßen schnell, präzise und ohne jeglichen Verspieler, schaffen es nur wenige Schlagzeuger live zu glänzen. Dem Mann könnte man den ganzen Abend zuschauen. Wahnsinn. Im Pit wurde heftigst gemosht, während in den Pausen lauthals Songtitel in den Raum geworfen wurden. Bei all der Klasse der Band, sind mir die Songs aber auf Dauer ebenfalls etwas zu monoton geraten und so war ich nicht weiter traurig, als sich die Band ohne Zugabe verabschiedete.

Das Package bot auf jedem Fall einiges an Value for Money und sollte Krach-Fanatikern einen Abend beschert haben, der lange in Erinnerung bleibt. Auch wenn ich an der Theke folgendes hören musste: „Die Hamburger Metal-Szene ist voll für´n Arsch!“ Na, wenigstens gibt es eine!

Copyright Fotos: Michael Päben

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