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MISERY INDEX – GRAVE – ARSIS – THE LAST FELONY – THE ROTTED

Ort: Hamburg - Markthalle (Marx)

Datum: 03.11.2010

Wenn man schon beruflich halbwegs in der Nähe ist, nimmt man doch gerne einige Kilometer mehr auf sich, um einer Show der befreundeten Schweden von GRAVE beizuwohnen. So machte ich mich an diesem Herbst-Abend auf den Weg in die Hansestadt, um mir eine ordentliche Dosis Death Metal zu geben.

Angekommen in der Markthalle war ich dann doch etwas überrascht, denn wirklich viel los war noch nicht. Nur vereinzelte Fans wanderten durch die Räume und GRAVE-Fronter Ola schaute vorbei, um hochprozentigen Getränkennachschub zu organisieren. Dennoch schallte schon ordentlich Krach aus der kleinen Area der Markthalle. Dort mühten sich nämlich bereits THE ROTTED ab, um den bis dato Anwesenden schon mal einzuheizen. Früher als GOREROTTED unterwegs sind die Kollegen nun weg vom Grind und nur noch im Death Metal zu Hause und mischen diesem auch noch einen Schlag Punk/ Core bei. Mit dabei hatten sie natürlich die neuen Tracks „Dawn of a new Error“ und „Drink myself to Death“ von der neuen „Anarchogram“ EP, bei denen sich der erwähnte Punkeinfluss auch live deutlich bei den nun mehr shoutigen Vocals bemerkbar macht. „Angel of Meth“ vom Debüt-Album „Get dead or die trying“ oder “Only Tools and Corpses” aus GOREROTTED-Zeiten passten da schon eher in die Gangart dieses Abends. Dies aber half dennoch nichts, denn wirklich aus den Schuhen hauen konnten die Briten kaum jemanden. Da durften die Riffs noch so direkt und die Shouts noch so energetisch rausgepeitscht werden.

Auch an diesem Billing ging der Trend des frickeligen Death Metal/ Deathcore nicht vorüber. Was JOB FOR A COWBOY u.s.w. vorgemacht haben, nutzen nun viele Bands als Blaupause. Auch wenn THE LAST FELONY aus Kanada nicht arg so vertrackt zu Werke gingen, fiel es schon sehr schwer, den Songs auf Anhieb zu folgen. Dazu war man eher gebannt von der Show des hyperaktiven Bassisten, der mehr als einmal fast Gäste und Bandkollegen mit dem Hals seines Instrumentes ausknockte. Spielerisch haben es THE LAST FELONY aber ohne Frage drauf. Schwere Riffs wechselten sich mit komplexen Melodien ab und dazu röhrten die Vocals als satte Konstante. Nach der guten halben Stunde reichte es denn aber auch, denn auch wenn die Band nicht so komplex wie andere klingt, blieben die Songs dann doch eher weniger hängen.

ARSIS boten dann den dritten Grad an Abwechslung. Die Band, die am ehesten noch mit THE BLACK DAHLIA MURDER in Zusammenhang gebracht wird (Gitarrist Ryan Knight wechselte vor gut 2 Jahren von ARSIS zu TBDM), schien vor allem erstmal sehr pflegeleicht zu sein. Instrumente einstöpseln, Monitore anchecken, die Frage „Noch Wünsche?“ vom Soundmann fast schüchtern abdanken und los gehts. Und wie es los ging! So konnten die Amis mit einem packenden Mix aus klassischem Thrash Metal, Black-Anleihen, Death-Groove und packenden Heavy-Grundlagen mehr als nur gut punkten! Mit Nick Cordle hat sich Band-Chef und Fronter James Malone einen hochkarätigen Gitarristen in die Band geholt, der sich einfach herrlich mit ihm und den jeweiligen Flying-Vs tolle Solo-Duelle leistete. Stark! Dazu rockte der neue/ alte Basser Noah Martin mächtig ab und ließ den Mähnen-Propeller wie auch die wummernden Bass-Lines ordentlich rotieren! Diese Band ließ doch mal richtig aufhorchen und machte die mittlerweile ordentlich gefüllte kleine Markthalle richtig wach!

Nun folgte der erste Headliner und dazu noch eine der legendärsten Death Metal Bands aus Schweden überhaupt. Und diese hat mit „Burial Ground“ mal wieder ein ordentliches Pfund abgeliefert. Auch live durfte man darauf hoffen, denn auf der Bühne bieten die Nordmannen eigentlich immer genau das, was man von ihnen erwartet. Und dabei schaffen es Fronter Ola Lindgren und seine Mannen immer wieder, genug alte Hits zu spielen und dennoch die Setlist bei jeder Show ausreichend genug zu variieren. So waren dieses Mal nicht nur drei neue Tracks dabei, von denen „Liberation“ gleich als Opener los wummerte, sondern auch mal nicht alltägliche Titel wie „In Love“. Kracher wie „Turning Back“ sind natürlich weiterhin wunderbare Vollkellen und wenn die Riffs donnern, die Doublbass wummert und Fronter Ola angepisst wie immer aussieht und inbrünstig die Vocals röhrt, ist jeder Death Metal-Fan glücklich. Besonders wenn der Sound auch noch recht ordentlich daher gewalzt kommt. Und wenn dann noch mein Fave „Burn“ angestimmt wird, kann es eigentlich nicht mehr besser werden. Doch leider gab dabei die Gitarre des Sängers ihren Geist auf, was den Druck für einen Moment ein wenig schmälerte. Auch die Band schien sichtbar Spaß an der Show und den Reaktionen der Fans zu haben, flachsten sie untereinander umher, Drummer Ronnie baute hier und da kleine Spielereien mit ein, die für einige Lacher sorgten und der wiedermal aushelfende Basser Tobias Christiansson (DISMEMBER) ist eh ein Old School-Poser vor dem Gehörnten!

So ging die Zeit leider viel zu schnell um, so dass nach dem Alltime-Klassiker „Into the Grave“ leider keine Zeit mehr für „Soulless“ blieb, aber dennoch haben GRAVE wieder bewiesen, dass sie jedes Mal wieder eine Reise für jeden Death Metal-Fan Wert sind!

Setlist GRAVE
Liberation
Semblance in Black
In Love
You’ll never see
Turning back
Hating Life
Dismembered Mind
Burn
Deformed
Conquerer
Into the Grave

Leider gab dann der Akku meiner Cam auf (ja ja, sehr professionell, ich weiß), aber ich kann auch so versichern, dass die folgenden MISERY INDEX zwar nicht ganz mit der GRAVE-Show mithalten konnten, aber dennoch eine satte Aufführung boten.Wenn eine Band eine gute Mischung aus Core und Death Metal hinbekommt, dann wohl MISERY INDEX. So schaffen es die Amis auch in umgekrempeltem Line Up das bisherige Level mit dem aktuellen Werk „Heirs to Thievery“ zu halten und live entsprechend umzusetzen. Ganz vorne dabei ganz klar Drummer Adam Jarvis! Der Mann ist einfach der Knaller! Dazu duellierten sich Basser Jason Netherton und Gitarrist Mark Klöppel herrlich mit Screams, Shouts und Grunts und auch der neue Mann an der Axt, Darin Moris, hat seinen Platz gefunden und agierte souverän und engagiert. Diese motivierte Show wusste auch die nur wenig kleiner gewordene Meute zu schätzen, ging gut mit und erfreulicherweise blieben hier an diesem Death Metal-Abend diese komischen Hampeleien weitgehend aus.

So muss ein Death Metal-Konzert sein. Gute Bands, guter Sound und gute Stimmung. Schade nur, dass es in der Woche stattfand, am nächsten Tag die Arbeit auf den Rezensenten wartete und direkt nach dem Gig noch ein langer Weg bevorstand, ansonsten hätte man sich die Party wirklich bis Anschlag geben können!

Setlist MISERY INDEX
Embracing extinction
Defector (Thinning the herd)
The carrion call
Traitors
The spectator
Ruling class cancelled
The great depression
Retaliate
Ghosts of catalonia
Manufacturing greed
You lose
Conquistadores
Heirs to thievery
We never come in peace
Theocracy

Copyright Fotos: Michael Werneke

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