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MOLOTOV JIVE – EVERLAUNCH

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 20.03.2008

Sind eigentlich noch schwedische Musiker in ihrer Heimat? Fast scheint es, als seien sämtliche Bands momentan in Deutschland unterwegs – womöglich noch Auswirkungen des 30-jährigen Krieges? Da die Stimmung in der Kleinen Freiheit unter den gut 100 überwiegend weiblichen Fans keineswegs feindlich war, nehme ich eher an, dass MOLOTOV JIVE sich hierzulande als Support der Landsleute SUGARPLUM FAIRY eine solide Fanbase erarbeitet haben, die nun erneut in den Genuss kommen, das Quartett aus Karlstad live zu hören und zu sehen.

Unterstützt wurde der Vierer von EVERLAUNCH aus Rotenburg/ Wümme, die auch die Gigs in Dortmund und Köln begleiten werden. Bei den rund 200 Konzerten (darunter auch ein Auftritt beim Hurricane im benachbarten Scheeßel), die Thorsten (voc./git.), Andreas (bass), Sönke (drums) und Patrick (git./voc.) bereits absolviert haben, könnten sie dem ein oder anderen schon mal über den Weg gelaufen sein, denn auch mit PALE, SLUT, ESKOBAR, HARD-FI oder BLACKMAIL waren die Niedersachsen bereits on Tour. In der Hasestadt wollten sie ihr schnellstes Konzert ever spielen, was aber weniger etwas mit dem bpm zu tun hatte, sondern dem Umstand, dass sie nur eine Spielzeit von 20 Minuten bekommen hatten. Also legten die Herrschaften in den schwarzen Hemden (nur Andreas hatte sich für ein schwarzes T-Shirt entschieden) gleich amtlich los und nutzten die knappe Zeit hervorragend. Die Jungs boten eingängigen Indierock, der vom Publikum positiv aufgenommen wurde, auch wenn die Osnabrücker sich mal wieder sehr schwer taten, sich auch zur Musik zu bewegen oder Enthusiasmus zu zeigen. An den Songs wie „Picturefreak“ oder „Setting Sun“ (beide auch unter auf der bandeigenen MySpace Seite nachzuhören) kann es jedenfalls nicht gelegen haben, daran war nämlich rein gar nichts auszusetzen. EVERLAUNCH boten gemeinsam mit ihrem Fronter Thorsten, der stimmlich irgendwo zwischen Brian Molko (PLACEBO) und Aydo Abay (BLACKMAIL) unterwegs ist, eine wunderbare Einstimmung auf den Hauptact, der nur eine Viertelstunde später die kleine Bühne mit Beschlag belegte.

Auch MOLOTOV JIVE waren als Kleeblatt unterwegs. Der modische Dresscode der Schweden empfahl für den Gründonnerstag Anzug- oder Uniformjacke, nur Bassist Anders Wennberg tanzte hier aus der Reihe und erschien im schwarzen Rolli. Die aparten Schwedenhäppchen hielten sich dann auch gar nicht lange mit irgendwelchen Sperenzchen auf und starteten mit „Made In Spain“ von ihrem Debüt „When It’s Over, I’ll Come Back Again“ aus dem Jahr 2006. Nicht fehlen durfte zur Mucke natürlich das passende Posing, auf das sich besonders Sänger und Gitarrist Anton Annersand sowie Oskar Olofsson an der Lead-Gitarre sehr zur Freude der zahlreichen Mädels bestens verstanden. Sehr melodiös und temperamentvoll ging’s mit „Die She Must“ weiter, leider war der Sound nicht wirklich optimal, so dass der Output etwas breiig beim Auditorium ankam. Bevor die Singleauskopplung „Weight (Off My Shoulder)“ zu Gehör gebracht wurde, forderte Anton die Fans noch auf, auch die Platte zu kaufen, damit man auch wieder am Schluss der Konzertreise nach Hause fahren könne. Sollte es den Skandinaviern etwa nicht in good old Germany gefallen? Zumindest schienen die Herrschaften es eilig zu haben, den Gig zu beenden, was vielleicht auch am ganztägigen Sauwetter lag, wodurch sie die Stadt des Westfälischen Friedens wahrlich nicht von ihrer besten Seite gezeigt hatte. Oder am zu festen Händedruck der EVERLAUNCH-Members, die zur Begrüßung wohl zu kräftig hingelangt hatten. Auf jeden Fall gab es nach „Here Comes The Flood“ (Osnabrück und den sintflutartigen Regenfällen gewidmet) nur noch „The Luck You Got“ zu hören. Dierser sehr tanzbare Song beendete nach gerade einmal 40 Minuten das reguläres MOLOTOV JIVE-Set. Mit dem sehr geilen „Mr. Mushroom“, das mit knackigen Drums und fetten Gitarrenriffs zu überzeugen wusste, und „Hold Me Tight (Like A Gun)“, welches Anton an der Gitarre anfangs nur mit Drummer Johan Hansson am Tambourin vortrug (wozu zwei junge Damen in der ersten Reihe Wunderkerzen schwenkten), bevor die beiden anderen Akteure an den Langäxten wieder hinzustießen und der Fronter zum Finale noch die Mundharmonika blies, ging das Konzert dann doch überraschend früh zu Ende.

So wurde der Besuch der Schweden mit 50 Minuten Spielzeit zu einer etwas kurz geratenen Stippvisite. Irgendwie machte die Band aber auch den Eindruck, als sei sie mit den sehr zurückhaltenden Reaktionen der Zuschauer nicht so zufrieden, aber so sind die Osnabrücker nun mal. Auch an diesem Abend kehrte in die jungen Menschen erst im zweiten Drittel Leben, dabei hätte es sich vor allem bei EVERLAUNCH gelohnt, die knappe Zeit zum Tanzen zu nutzen. Vielleicht mussten die Damen und Herren ihre Kräfte aber auch für den möglicherweise noch folgenden Tanz in den Karfreitag nutzen.

Setlist MOLOTOV JIVE
Made In Spain
Die She Must
?
She Dreamt of New York
Weight (Off My Shoulder)
Song For The Fallen
?
Here Comes The Flood
Valentines Day
The Luck You Got

Mr. Mushroom
Hold Me Tight (Like a Gun)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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