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MONDO GENERATOR – HY-TEST

Ort: Hamburg – Hafenklang

Datum: 12.07.2010

Fast sah es so aus als stünde mein Konzertbesuch bei MONDO GENERATOR und HY-TEST in Hamburg unter keinem guten Stern, denn als ich im Osnabrücker Hauptbahnhof ankam, prangten auf der großen Anzeigetafel jede Menge Verspätungen und Totalausfälle, die mit den Unwettern einhergingen, welche am Nachmittag über den Westen Deutschlands hinweg gefegt waren. Mein Glück, dass just in diesem Moment ein Zug mit zweistündiger Verspätung eintraf, der mich dann doch statt meiner eigentlichen Verbindung sicher und mit funktionierender Klimaanlage (bei der Deutschen Bahn läuft es dieser Tage mal wieder nicht rund) in die Freie und Hansestadt brachte, wo ich flugs meinen Koffer ins Hotel brachte, um mich schnellstens auf den Weg Richtung Hafen zu machen.

Ziel meines kleinen Fußmarsches war das Hafenklang in der Nähe des Fischereihafens, wo sich um 21.30 Uhr die meisten Gäste noch vor der Tür tummelten. Kein Wunder bei den immer noch hochsommerlichen Temperaturen, die das Innere des Hafenklangs schnell in eine subtropische Zone verwandelten. Als schließlich um 21.50 Uhr HY-TEST aus Tarrawanna/Wollongong/Australien die kleine Stage enterten, fanden sich jedoch alle vor selbiger ein – inklusive Nick Oliveri, der offensichtlich viel Spaß an der Mucke seines Supportes hatte und ordentlich steil ging. Bei „Girl In Black“ vom kürzlich veröffentlichten Debüt-Longplayer „Dishing Out The Good Times“ ließ sich das EX-QUEENS-OF-THE-STONE-AGE- und KYUSS-Member es dann auch nicht nehmen, statt Luke Armstrong (Bass & Gesang) den Stahlsaiter zu zupfen und auch das Publikum hatte schnell alle Zurückhaltung fahren lassen und wurde vom treibenden Sound der Aussies mitgerissen. Das Trio agierte jedoch auch ohne Herrn Oliveri sehr druckvoll, wobei Lukes extrem kratziges Organ wohl kein Produkt zu vieler Konzerte in Kombination mit zu vielen Kippen und zu viel Whiskey ist, sondern schlicht und ergreifend ein Dauerzustand, der sich nur so anhört als würde er jeden Moment seine Stimme verlieren – zumindest behauptete er das im Anschluss an das Konzert in einem kleinen Gespräch, das ich noch mit den Musikern führte. Zunächst einmal hatten die Jungs jedoch genug damit zu tun, Tempo zu machen, denn rumgetrödelt wurdedefinitiv nicht bei HY-TEST. So konnte beim Opener „9 Volt“ keineswegs von niedriger Spannung gesprochen werden und auch der bluesgeschwängerte Oldschool-Rock’N’Roll von „Goodbye“ machte mächtig Druck, ehe „Our Carreer“ im Highspeed-Modus zulangte und der krachende Stomper „Take Ya Money“ auf die Meute niederging. Zum blitzschnellen Punk von „Smokeskull“ lieferten sich Luke und Gitarrist Mick Curley ein kleines Kämpfchen mit ihren Langäxten, ehe es mit „Road Kill“ mit allerlei Geschepper und Geknüppel auf die Zielgerade ging. Hier durfte sich das Auditorium mit spitzen „Oh“-Schreien am Geschehen beteiligen, die am Ende im wilden Gekreische des Bassisten gipfelten. Besser als mit diesem australischen Wirbelwind, der 35 Minuten über dem Hafen tobte, hätte der Abend nicht beginnen können. Zwar brachten HY-TEST keine wirkliche Abkühlung, dafür aber energiegeladene Musik, die Nick Oliveri aus gutem Grund ins Herz geschlossen hat. Dass im Anschluss „Down Under“ von MEN AT WORK erklang, war wohl eine kleine Hommage an die ferne Heimat auf der Südhalbkugel, eine richtige Umbaupause brauchte es schließlich nicht.

Setlist HY-TEST (unvollständig)
9 Volt
Goodbye
Girl In Black
All The Way
Our Carreer
Take Ya Money
Smokeskull
Road Kill

Sieht man mal von Drummer Neil Mathews ab, gehören nämlich HY-TEST zur Live-Garde bei MONDO GENERATOR, weshalb sich die Herren wohl auch nur einen viertelstündigen Break gönnten und dann gleich wieder loslegten. Luke hatte seine Bassgitarre gegen ein Exemplar mit sechs Saiten getauscht und den Tieftöner an Nick Oliveri abgegeben, der in Stoner-Kreisen nicht nur als Exmitglied von KYUSS und QUEENS OF THE STONE AGE höchste Verehrung genießt. Ob der schweißtreibenden Temperaturen im Hafenklang war zudem nicht auszuschließen, dass der Herr mit dem blanken Schädel auch sonst blank ziehen würde, aber dieses Mal begnügte sich der Kalifornier damit, sich wie die Kollegen seines Oberteils zu entledigen und die wilde Fahrt konnte mit „Fuck You I’m Free“ vom 2003er Album „A Drug Problem That Never Existed“ beginnen. Natürlich durften auf der Setlist auch QOTSA- und KYUSS-Songs nicht finden und selbstverständlich wurden gerade Nummern wie „Gonna Leave You“ (QOTSA) oder auch „Green Machine“ (KYUSS) gewaltig abgefeiert. „Shawnette“ zeigte sich nicht ganz so flott wie die übrigen Stücke, dafür aber ganz besonders bitterböse, aber schon „All The Way Down“ vom „Dead Planet“-Silberling gab erneut ordentlich Gas, ehe es mit „Burn The Bridge“ einen jaulenden Ausblick auf die neue Langrille „Time To Destroy“ gab. Zu „Life of Sin“ wurde bereits ausgiebig getanzt. Kein Wunder bei solchen Tracks wie „This Isn’t Love“, dessen Wumms und Rhythmus man sich kaum entziehen konnte. Entsprechend standen „All Systems Go“, „Like You Want“ und „I Never Sleep“ dann auch stellvertretend für die Party, die inzwischen im schummrigen Hafenklang auf höchster Flamme kochte, bevor es an der Schießbude einen Besetzungswechsel gab. Der reich bebilderte Josh Stucken durfte zum treibenden „Lie Detector“ eine kleine Verschnaufpause einlegen und übergab seine Drumsticks an Neil Mathews von HY-TEST. Mit „You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire” gab’s noch einen weiteren Stomper aus der QUEENS-OF-THE-STONE-AGE-Diskografie, der als letztes Lied angekündigt wurde. Selbstredend holten die zahlreichen Zugaberufe MONDO GENERATOR noch einmal zurück auf die Bühne, so dass zu „13th Floor“ erneut geschrien und geknüppelt werden konnte. Zu guter Letzt legte Nick seinen Bass beiseite, um bei „Jr. High Love“ mehr als einmal ein Bad in der Menge nehmen zu können. Die Fans antworteten mit ein paar Stage-Diving-Einlagen und so endete nach einer Stunde ein knackiger Gig, der es mir allemal wert war, gute 200 km Anfahrt in Kauf zu nehmen, wo ich doch schon beim Konzert im heimischen Osnabrück nicht dabei sein konnte.

Setlist MONDO GENERATOR
Fuck You I’m Free
Invisible Like The Sky
Gonna Leave You (QUEENS OF THE STONEAGE Cover)
Shawnette
All The Way Down
Burn The Bridge
Life of Sin
Green Machine (KYUSS Cover)
This Isn’t Love
All Systems Go
Like You Want
I Never Sleep
Lie Detector
You Think I Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire (QUEENS OF THE STONEAGE Cover)

13th Floor
Jr. High Love

Im Anschluss an die Show hatte ich backstage noch die Möglichkeit, ein paar Worte mit den Bandmitgliedern von MONDO GENERATOR und HY-TEST zu wechseln. Auch wenn Nick lieber ein Lager getrunken hätte und doch mit Jever Pilsener vorlieb nehmen musste, zeigte sich der Glatzkopf äußerst gesprächig und gut aufgelegt. Zudem wurde Hamburg nach dem Gig im Hafenklang bereits auf die Tourliste für den nächsten Besuch in good old Germany gesetzt, denn Mr. Oliveri und seine Mannen scheinen die Hafenstadt genauso zu lieben wie ich. Während Drummer Josh am Boden liegend langsam wieder zu Kräften kam, erfuhr ich, dass Nicks Freundin letztlich dafür verantwortlich ist, dass HY-TEST nicht nur Support der laufenden MG-Tour sind, sondern Luke Armstrong (Bass und Gesang bei HY-TEST) und Michael Curly (Gitarre und Gesang) gleich auch noch den Live-Sechssaiter beim Kollegen Nick bearbeiten. Die Gute hatte HY-TEST nämlich in deren australischer Heimat gesehen und in letzter Konsequenz schließlich ihre bessere Hälfte ordentlich angefixt. Im Weiteren wusste dieser zudem von der neuen Platte „Time To Destroy“ zu berichten, die gerade den letzten Feinschliff erhält und im Herbst erscheinen soll. Als kleinen Vorgeschmack kam bereits im Mai die Vorabsingle „Dog Food“ in die Läden, für die Oliveri sich prominenter Unterstützung versichert hatte. So saß hinter der Schießbude niemand geringeres als Dave Grohl (NIRVANA, FOO FIGHTERS, THEM CROOKED VULTURES), Happy Tom von TURBONEGRO zupfte den Stahlsaiter und The Fresh Prince of Darkness (THE DWARVES) war an der Langaxt aktiv, die auch Nick neben dem Mikro bearbeitete. Mit allen verbinden den 38-jährigen freundschaftliche Bande, so dass es nur ein paar Anrufe bedurfte, um die Truppe zusammenzutrommeln, die auf diese Weise auch gleich für den Titelsong eines Independent Films gesorgt haben, den Nicks Freundin gemacht hat. Im Vordergrund scheint aber ganz eindeutig die Live-Mucke zu stehen. Nachdem Oliveri Ende letzten Jahres just unplugged im Hafenklang gespielt hat, berichtete er jetzt von seinen Gigs in Australien und Europa (Rostock und drei Norwegen-Termine stehen noch aus), bevor es schon Anfang August erneut in den USA über Land geht. Erstaunlicherweise in ganz ähnlichen Venues wie hierzulande. Übereinstimmend betonten Nick, Luke und Josh, dass die Stimmung auf kleinen Konzerten einfach viel intensiver sei und sie es alle sehr lieben, kleine Shows mit direktem Publikumskontakt zu spielen.

Den suchten alle Beteiligten ja auch bereits im Vorfeld ihrer Gigs, denn statt backstage abzuhängen, hatten sich die Jungs vor ihrem Auftritt unters Volk gemischt und wer hätte gedacht, dass Mr. Oliveri genau wie die Terrorverlegerin mit dem Zug nach Hamburg gereist ist? Da auf der Stage jedoch noch das Equipment verräumt werden musste, wollte ich die Herrschaften nicht länger aufhalten und so beendeten wir unseren unterhaltsamen und informativen Plausch.

Mehr von MONDO GENERATOR gibt es übrigens am 09. August 2010 in der Glotze. Dann zeigt der WDR in der Rockpalast-Reihe eine Aufzeichnung des Konzertes, das am 16. Juni im Kölner Underground stattfand.

Copyright Fotos: Katrin Saalfrank

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