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MONEYBROTHER – RADIOPILOT

Ort: Osnabrück - Haus der Jugend

Datum: 13.03.2008

Osnabrück scheint in Skandinavien momentan eine sehr große Anziehungskraft zu besitzen. Neben DÚNÉ aus Dänemark, die vor Kurzem das Glanz & Gloria in Grund und Boden rockten und den Schweden MOLOTOV JIVE, die am Gründonnerstag in der Kleinen Freiheit auftreten werden, hatte jetzt auch Anders Wendin aka MONEYBROTHER den Weg in die Stadt des Westfälischen Friedens gefunden, wo im gut gefüllten Haus der Jugend ein sehr gemischtes Publikum die schwedische Antwort auf BRUCE SPRINGSTEEN erwartete.

Bevor Herr Wendin allerdings mit seinen Mannen die Stage betrat, enterten fünf junge Herren in identischen Polo-Shirts und Blue Jeans die Bühne. Es handelte sich um RADIOPILOT aus Berlin, welche die ehrenvolle Aufgabe haben, während der aktuellen Tour für MONEYBROTHER zu eröffnen. Das taten sie mit deutschsprachigem Indie-Pop, der offensichtlich das Publikum spaltete. Dem einen war die Show die Hauptstädter zu bemüht, dem anderen gefiel der flotte Gitarrensound, der bei „Tokyo Osnabrück“ (eigentlich „Tokyo Berlin“ – wird wohl jeweils dem Auftrittsort entsprechend abgeändert) auch mal ohne die Saiteninstrumente auskam und stattdessen auf Xylofon und ein zweites Keyboard setzte. Vielleicht wirkte die Show einfach in Momenten wie bei „Schmetterling“, den RADIOPILOT für den Hauptact des Abends spielten, zu einstudiert. Im Grunde gab es an der Musik nichts auszusetzen, solides deutsches Indie-Geschrammel, dem es nur ein wenig an Ausdruckskraft der Protagonisten fehlte. So ging die erste halbe Stunde mit dem eher verhaltenen „Immer wenn wir träumen“ eher unspektakulär zu Ende und die Vorfreude auf MONEYBROTHER trieb auffallend junges Publikum in die ersten Reihen.

Um 21.40 Uhr begann die Show mit „Just Another Summer“ von der aktuellen dritten internationalen VÖ „Mount Pleasure“ temporeich, nachdem sich zuerst die Live-Band des Allroundkünstlers in Position gebracht hatte. In gleicher Weise und vom gleichen Album ging’s mit „Guess Who’s Gonna Get Some Tonight“ weiter. Was das Besondere am MONEYBROTHER-Sound ist, zeigte sich dann bei „Tonight“, das mit Bargeplänkel anfing und dann zu einem bombastischen Soundgewitter mit Soul-Elementen, Saxofon-Arrangements und Hammondorgel wurde. Auf diese Art mauserte sich netter Poprock zuletzt auch durch Anders charmant-spitzbübisches Wesen zu einer einzigartigen Darbietung, die Unterstützung in der hochklassigen Band des Stockholmer fand. Es folgte ein unterhaltsamer Abend mit langsamen Liedern über die Liebe, schnellen Liedern über die Liebe und – Überraschung – einigen Midtempo-Nummern über die Liebe. So wurde es von MONEYBROTHER angekündigt und so kam es dann auch. „No Damn! I Don’t Love You“ gehörte zu den Slow-Motion-Songs mit einem eindringlichen Zwiegespräch zwischen Orgel und Sax. Groovig ging’s mit „Golden Lonely“ vom 2003er „Blood Panic“ weiter, bevor alle Musiker außer Patrik Kolar an den Tasten und MONEYBROTHER an der Akustikgitarre die Stage verließen und sie zu zweit „I’m Not Ready For It, Jo“ vom äußerst erfolgreichen „To Die Alone“ aus 2005 (Platz 1 in der schwedischen Heimat und bei uns immerhin auf Rang 37 der Charts) performten. Dabei störte leider der sehr dominante Hall, der auf Anders Vocals lag. Sehr amüsant war „It Might As Well Be Now”, eigentlich ein Duett das MONEYBROTHER zusammen mit der Norwegerin ANE BRUN eingesungen hat, bei dem in Osnabrück jedoch Gitarrist Patrick Andersson und Saxofonist Gustav Bendt im Falsett den weiblichen Part übernahmen. Das kam beim Auditorium bestens an und wurde mit viel Jubel und ausgiebigem Lachen aufgenommen. Inzwischen waren wir in der High-Speed-Abteilung angekommen: Zu „They’re Building Walls Around Us” durfte eifrig getanzt werden und auch „Stormy Weather“ ging ins Bein. Mit dem Stomper „Reconsider Me” kam schon der letzte Track, der mit frenetischem Applaus belohnt wurde. So endete nach einer knappen Stunde das reguläre Set, doch an ein Ende war längst noch nicht zu denken. Es bekann ein Zugabenmarathon, der von „Blow Him Back Into My Arms“ anfangs ruhig, später sehr flott eröffnet wurde. „My ‘Lil Girl’s Straight From Heaven” bot schnörkellosen Rock’N’Roll, dann war mit “It’s Been Hurting All The Way With You, Joanna” noch mal Zeit zum Kuscheln. Die Fans waren begeistert und quittierten dies mit ohrenbetäubendem Klatschen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Schweden eigentlich an ihren endgültigen Abgang gedacht, doch hatten sie nicht mit dem Enthusiasmus der oftmals eher zurückhaltenden Hasestädter gerechnet, die lautstark nach einer Fortsetzung verlangten. Die sollten sie auch bekommen! Zuerst ließen es MONEYBROTHER wieder einmal krachen, dann kamen noch mal Akustikgitarre und Saxofon zu Ehren. Inzwischen war es nach 23.00 Uhr, für die Anwesenden jedoch kein Grund nach Hause zu gehen. Also berieten die Musiker, was noch gespielt werden könnte und Anders Wendin glänzte mit Deutschkenntnissen wie „Ein großes Bier vom Fass.“ Vermutlich ließ die Erwartung eines solchen Getränkes die Herrschaften auf der Stage noch mal richtig aufdrehen, was allerdings nicht dazu führte, dass vor der Bühne Müdigkeit aufkam. Entsprechend kam Herr Wendin im inzwischen komplett aufgeknöpften weißen Rüschenhemd nochmals zurück und sang ein Stück, welches er vor einiger Zeit auf der Hochzeit eines Freundes zum Besten gegeben hatte. Unterstützung fand er dabei beim Kollegen Gustav, der ein letzten Mal in sein Instrument blies.

Um 23.20 Uhr war dann tatsächlich Schluss und MONEYBROTHER bedankten sich für ihr „bestes Publikum“, das sich rundum zufrieden mit dem abwechslungsreichen Gig zeigte. Kein Wunder, dass MONEYBROTHER mit dieser Leidenschaft und Spielfreude auch den dritten Part der Jägermeister Rock:Liga gewonnen haben. Von skandinavischer Schwermut war dieser Abend mit flotten Klavierakkorden, feinen Saxofonspielereien und knackigen Gitarrenriffs auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Setlist RADIOPILOT
?
Tokyo Osnabrück
Foto von dir
Schmetterling
Fahrrad
Immer wenn wir träumen

Setlist MONEYBROTHER (Zugaben unvollständig)
Just Another Summer
Guess Who’s Gonna Get Some Tonight
Nobody’s Lonely Tonight
No, Damn! I Don’t Love You
Will There Be Music?
Golden Lonely
I’m Not Ready For It, Jo
It Might As Well Be Now
They’re Building Walls Around Us
Down At The R
Stormy Weather
Reconsider Me

Blow Him Back Into My Arms
My ‘Lil Girl’s Straight From Heaven
It’s Been Hurting All The Way With You, Joanna

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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