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MONO INC. – REPTYLE

Ort: Bielefeld - Falkendom

Datum: 05.06.2008

Support your local Scene? Es ist immer wieder erfreulich, wenn kleinere Veranstalter den Sprung ins kalte Wasser wagen und ein Konzert Ereignis in die Stadt bringen, gerade im dunkel-düsteren Bereich. Allerdings zeigt sich in regelmäßigen Abständen auch die Lethargie der örtlichen Besucherschaft, die solche Konzerte gerne ignoriert und dann doch wieder nur die großen Festivals besucht. So hatte ich schon vor Beginn des heutigen Abends kein besonders gutes Gefühl in Richtung Zuschauerzahlen, obwohl die beiden Live Acts durchaus Interessantes versprachen. MONO INC. aus Hamburg, die Goth Rock und Elektronik miteinander verbinden, sowie die OWL-Urgesteine REPTYLE wollten die Bühnenbretter des alterwürdigen Falkendoms in der Meller Straße rocken und die Terror-Abordnung traf gegen 21 Uhr ein, um dem Schauspiel beizuwohnen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich mit etwas Wohlwollen 30 Leute eingefunden und weitere Menschenmassen trafen auch zu späterer Stunde nicht mehr ein. Dennoch legte der 5er von REPTYLE gut gelaunt los, der auch einen eigenen kleinen Fanclub dabei hatte. Das Line Up hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt, von meiner letzten Live Begegnung waren noch die Herren Zulu, Keule und Slash dabei, am Bass hat ein gewisser D(e)ad die hübsche Moci ersetzt (optisch zweifelsohne ein Verlust) und schließlich gibt es nun einen echten Diesel an den echten Drums statt dem Kufi-Keyboarder. Diese Veränderungen waren auch im Sound spürbar, so musste man bei den alten Tracks die synthetischen Elemente vom Band aus starten, was immer wieder zu kleinen Verzögerungen zwischen den Titeln führte, während die neueren Kompositionen spürbar an Härte zugelegt haben. Teilweise fühlte ich mich sogar an PARADISE LOST light erinnert, was dem Quintett durchaus gut zu Gesicht stand. Die relative Bewegungslosigkeit der Saitenfraktion lenkte das Augenmerk natürlich wieder auf den exaltierten Sänger, der im Vergleich zu früher aber seine ganz manischen Aktionen beiseite gelegt hat. Nur die Obsession für seine Haarpracht schien geblieben zu sein, die immer wieder etwas theatralisch zelebriert wurde. Dafür überraschte Slash zwischendurch mit der Frage, ob Fans von Borussia Mönchengladbach anwesend seien, was ich im Geiste laut bejahte. Neben ein paar Songs von der noch aktuellen Scheibe „Consequence“ sowie den bereits angesprochenen neuen Stücken gab es zum Schluss noch den bandeigenen Klassiker „Just another Message“ (Demo 2001) sowie „(And the Devil said) because“ vom Debüt Longplayer auf die Ohren, bei dem plötzlich ein wilder Pogo Wettstreit zwischen Bass und Gitarre ausbrach. Schön, wenn die ja nicht mehr ganz taufrischen Herren noch so viel Spaß an der Sache haben. Insgesamt ein launiger Gig, der neugierig auf den hoffentlich bald anstehenden Tonträger machte.

Setlist REPTYLE
Lost
Where I come from
Desert
Bought me a Lie
Damned again
Just like you
Just another Message
Heroes
(And the Devil said) because

Ein weiterer Grund für den eher mäßigen Zulauf dürfte das schöne Wetter gewesen sein, das auch uns während der 20-minütigen Umbaupause nach draußen zog. Als die ersten Klänge von MONO INC. nach draußen drangen, kehrten wir jedoch umgehend in den Konzertsaal zurück, wo Katha Mia (neu an Drums & Vocals), Carl Fornia (Gitarre & Vocals) und Manuel Antoni (Bass & Vocals) mit den ersten Akkorden von „This Is The Day begannen, während von Martin Engler noch nichts zu sehen war, der seinen Job hinter der Schießbude aufgegeben hat, nachdem der alte MONO INC.-Sänger Miky Mono die Segel gestrichen hatte, um fortan den Hanseaten vorzustehen. Alsbald enterte der Herr mit blondem Minimal-Iro und stark geschminkter Augenpartie allerdings die Stage und es konnte mit eingängigem Goth Rock vom aktuellen Album „Pain, Love & Poetry“ losgehen. Den Titel der Langrille hatte der Fronter übrigens auch in weißer Schrift auf einem Ärmel seines Sakkos stehen – was man liest und nicht nur hört, behält man ja bekanntlich auch viel besser. Mit „Temple of The Torn“ vom gleichnamigen 2007er Longplayer legte das Quartett ebenso druckvoll nach, bevor es mit „The Last Waltz“ elektronischer wurde. Wer das „DSF-OPC-Race Camp“ kennt, dem dürfte auch der Titelsong „Burn Me“ vertraut sein. Die knackige Nummer stammt aus der MONO INC.-Feder und wurde abgelöst von einem fetten Gitarrenbrett, das „The Hole“ einläutete, welches ebenso wie das Midtempo-Stück „Euthanasia“ vom Debüt „Head Under Water“ aus 2004 stammte. Der Lieblingssong von Schlagzeugerin Katha Mia „My Sick Mind TV“ animierte in der ersten Reihe gar zwei jugendliche Schuppenschüttlerinnen zu wildem Headbanging, wozu „Life Hates You“ allerdings gar nicht angetan war. Es wurde stattdessen für ein paar Minuten kuschelig im Falkendom. Zwar blieben die Langäxte sehr präsent, doch hatten die Hamburger das Tempo deutlich gedrosselt und weckten so Erinnerungen an „Silent Lucidity“ von QUEENSRYCHE. Zu „Get Some Sleep“ bangte die Jugendabteilung wieder und Engler fegte über die Bühne, um bei „Grown“ das Feld für die Rhythmusfraktion zu räumen, die mit ihrem fordernden Spiel sogar Teile des Auditoriums zum Mitklatschen bewegen konnte. Zum finalen „Sleeping The Day Away“ (die aktuelle Single und ein Cover eines alten D-A-D-Hits) stiegen auch Martin und Carl wieder ein und bescherten gemeinsam den Anwesenden den Höhepunkt des Abends.

Auf Zugaben mussten die Zuschauer nach einer Stunde regulärer Spielzeit leider verzichten. Ebenso wie auf einen Gastauftritt von Lisa Middelhauve. Die Bielefelderin, welche bis vor Kurzem bei XANDRIA am Mikro stand, hat mit MONO INC. das Duett „Teach Me To Love“ aufgenommen, das aber an diesem Abend ebenso wie die Dame selbst fehlte. Stattdessen war ihr ehemaliger Bandkollege Marco Heubaum im Publikum zu entdecken, ebenso wie ein paar Musikerfreunde, die von Martin Engler begrüßt wurden, mir jedoch nicht bekannt waren. In der eigenen Zunft herrschte also durchaus Interesse am düster-rockigen Doppeldecker MONO INC./ REPTYLE, nur der Zuspruch der Genre-Fans an der durchaus unterhaltsamen Veranstaltung ließ zu wünschen übrig.

Setlist MONO INC.
This IS The Day
Temple of The Torn
The Last Waltz
Burn Me
The Hole
Euthanasia
My Sick Mind TV
Avalon
Life Hates You
Get Some Sleep
Grown
Sleeping My Day Away

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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