Konzert Filter

MONSTER MAGNET – BOOZED

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 23.06.2009

Kaum, dass sich meine alten Knochen von drei Tagen Hurricane erholt hatten, stand der nächste Rock ’N’ Roll-Doppelpack ins Haus. Diesmal praktischerweise direkt vor der Haustür, hatte sich mit MONSTER MAGNET ein Stoner-Urgestein angekündigt, das einen vollen Rosenhof erwarten ließ.

Um kurz vor 20.00 Uhr sah es jedoch noch erstaunlich übersichtlich in dem ehemaligen Kino aus – kaum vorstellbar, dass Fronter Dave Wyndorf auf seiner Tour anlässlich des 20. Bandjubiläums die Bude nicht voll bekäme. Um es vorwegzunehmen, die Freunde härterer Gangart hatten wahrscheinlich nur noch das schöne Wetter genutzt und ein Eis gegessen, denn mit Beginn der Headliner-Show um 21.30 Uhr war der Rosenhof brechend voll. Allerdings hatten die Schleckermäulchen damit die absolut sehens- und hörenswerten BOOZED verpasst, die ihre Rolle als Anheizer hervorragend ausfüllten. Die Jungs aus dem benachbarten Bramsche hatten die ehrenvolle Aufgabe, MONSTER MAGNET auf ihrer Deutschland-Tour zu begleiten und stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass ihnen der Rock’N’Roll im Blut liegt. Die Herrschaften, die im Durchschnitt 16 Jahre alt waren, als sie 2001 eine AC DC-Coverband gründeten, haben gerade ihre vierte Langrille „One Mile“ veröffentlicht, mit dessen Quasi-Titeltrack „One Mile To The Moon“ es um 20.10 Uhr nach einem Intro aus dem Off mit fettem Arschrock losging. Die wohlbekannte Zurückhaltung des Osnabrücker Publikums hinderte Sänger Markus Strothmann ebenso wenig am wilden Gekreische und Gepose wie der Umstand, dass er seine Setlist backstage vergessen hatte und von den Kollegen zunächst Ansagen brauchte, mit welchem Kracher es als nächstes weitergehen sollte. Natürlich standen Songs des aktuellen Silberlings im Mittelpunkt, aber auch ältere Nummern wurden amtlich abgeliefert, so dass schon bald der Schweiß in Strömen floss und langsam auch Bewegung ins Auditorium kam. Zu diesem Zweck verließ Drummer Klaas Ukena bei „Laserlight“ kurzfristig seinen Platz hinter der Schießbude und kam an den Bühnenrand, um mit erhobenen Drumsticks die Meute zum Klatschen zu animieren. Die beiden Gitarristen Michael Ponert und Nico Choczko legten wenig später noch einen drauf, indem sie zu „Don’t Hold Back“ mit einem beherzten Sprung über den Stagegraben segelten und sich durch die Menge einen Weg auf die Theke suchten, um an dieser exponierten Stelle ein langes Instrumental abzuliefern, das in einem krachenden Langaxtgewitter mündete, zu dem Lichtblitze durch den Saal schossen und die Stimmung einen ersten Höhepunkt erlebte. Verdientermaßen wurden BOOZED nach ihren 45 Minuten mit reichlich Applaus belohnt und zweifellos war auch die nötige Betriebstemperatur für den folgenden MM-Gig erreicht. Ein großartiger Start, den man sich ruppiger und energiegeladener nicht hätte wünschen können!

Setlist BOOZED (ohne Gewähr)
One Mile To The Moon
This Ain’t My City
Bad Seed
Circus
Street Skills
Diana K.
You Gotta Go Again
Save Me
Laserlight
Don’t Hold Back

Ein halbes Stündchen blieb dem überwiegend männlichen Zuschauern, um noch mal ein bisschen Luft zu schnappen, bevor in den kommenden 90 Minuten der Sauerstoff knapp wurde, denn schon kurz nach den ersten Klängen von „Dopes To Infinity“ vom gleichnamigen Stoner-Album aus 1995 brannte im Rosenhof die Luft. Die Hasestädter vergaßen ihre sonst übliche Contenance und gaben sich dem Teufelswerk vor ihren Augen stattdessen mit vollem Körpereinsatz hin. Dazu regnete es Bierduschen und liefen im Bühnenhintergrund auf einer großen Leinwand psychedelische Videos, während Mr. Wyndorf sich von zwei großen Ventilatoren Luft zupusten ließ. Das hatte der 52-jährige vermutlich auch nötig, denn der Gute hat inzwischen deutlich zu viele Kilos mitzuschleppen. Von den Muskeln junger Jahre ist nicht mehr viel zu erkennen, stattdessen trug das einzige verbliebende Gründungsmitglied von MONSTER MAGNET eine schlabberige Sweatjacke, die es auch trotz der tropischen Temperaturen nicht auszog. Seiner grollenden Stimme hat die Gewichtszunahme, die möglicherweise auch in Zusammenhang mit seiner überstandenen Tablettensucht steht, wenigstens nicht geschadet und die Band tat ein Übriges, um den Rosenhof zu rocken. Zwar waren die Vocals nicht immer gut zu verstehen, aber der überwiegende Teil der Zuschauer bestand eh aus langjährigen, textsicheren Fans, die jeden Song gebührend abfeierten, wobei auch einzelne Crowdsurfer gesichtet wurden. Für „Zodiac Lung“ vom 1991er „Spine of God“ verabschiedeten sich alle bis auf Wyndorf und Gitarrist Ed Mundell ins Off, während die beiden verbliebenen Mucker eine kleine musikalische Verschnaufpause anstimmten, bevor es mit „Radiation Day“ einen verhältnismäßig jungen Track vom kommerziell erfolgreichen „Monolithic Baby!“ aus 2004 gab, der als rhythmusbetonter Stomper daherkam. Höhepunkt des regulären Sets war natürlich DIE MM-Hymne „Space Lord“ vom 1998er „Powertrip“-Longplayer. Frenetischer Jubel begleitete bereits die ersten Akkorde des straighten Rockers und wahrscheinlich wären Daves Erklärungen, wann „Motherfucker“ zu singen gewesen wäre, gar nicht nötig gewesen, denn der Hexenkessel im Rosenhof brodelte auch so schon nahe am Siedepunkt und sang lauthals mit. Nach einer schweißtreibenden Stunde und dem ausgiebigen Zelebrieren der Nummer verabschiedeten sich MONSTER MAGNET für ein paar Minuten von ihren Fans, ließen die an die Verstärker gelehnten Langäxte derweil jedoch weiter jaulen, um mit einem halbstündigen Zugabenset noch mal in die Vollen zu gehen.

Dave Wyndorf, der seine Effektgeräte in bequemer Armhöhe auf einem Notenständer platziert hatte, frickelte ausgiebig an seinem Sechssaiter und den Effekten herum, so dass es noch mal eine heftige Space Rock-/ Stoner-Breitseite gab, bei dem auch ein ausführliches Gitarrenarmageddon nicht fehlen durfte. Zu guter Letzt verabschiedeten sich MONSTER MAGNET mit einer kurz angespielten und sehr knackigen Version von „American Pie“ und dem finalen Hirnverdreher „Spine of God“, während sie unter Lichtgewittern die letzten Sauerstoffreserven aus der Location saugten. Ganz großes Kino!

Setlist MONSTER MAGNET
Dopes To Infinity
Crop Circle
Powertrip
Medicine
Third Alternative
Zodiac Lung
Radiation Day
Bummer
Negasonic Teenage Warhead
Space Lord

Superjudge
Right Stuff
Spine of God

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BOOZED auf terrorverlag.com

Mehr zu MONSTER MAGNET auf terrorverlag.com