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MONSTER MAGNET – CHURCH OF MISERY

Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 02.02.2014

Ausverkauft! – Wer am 02.02.2014 spontan beschließt, sich vor dem Start in die neue Arbeitswoche noch schnell die Stoner-Rock-Schwergewichte MONSTER MAGNET um die Ohren zu knallen, hat verdammt schlechte Karten, nämlich keine! Das Frankenland beweist also mal wieder seinen Hang zu traditionsreicher, authentisch rockender Kost. Keine Chance für zufällig daher gelaufene Musiknomaden.

Schließlich entwickeln MONSTER MAGNET auf unverwechselbare und oft innovative Art und Weise Elemente des progressiven, klassischen Metal sowie Punk mit psychedelischen Einflüssen und kreieren daraus die ihnen ureigene Mischung aus dreckigem, schrammeligen und gleichzeitig doomig betörenden, energiegeladenen Stoner-Sound – inkl. surrealer Lyrics versteht sich. Diese Magie haben die US-Amerikaner auf „Last Patrol“, ihrem zehnten Studioalbum, in einer Rückbesinnung auf ihren ursprünglichen Psychedelic-Space-Rock der 60er dank Vintage-Gitarren, Amps und Effekten eingefangen.

CHURCH OF MISERY, die für diese Tour organisierte Vorband und die wohl bekanntesten Doom-Metal-Vertreter der östlichen Hemisphäre, schlagen in die gleiche Kerbe, „Thy Kingdom Scum“ heißt das neue Vinyl-Ereignis, das allerorts bestaunt werden darf. Die Japaner glänzen im Vorfeld vor allem durch Besetzungswechsel: Gitarrist Tom Sutton fungiert mittlerweile wohl nur noch als Tourmitglied und Hideki Fukasawa ersetzt Yoshiaki Negishi wieder mal am Mikro. Einzige echte Personalkonstante seit Gründung 1995 ist allein Basser Tatsu, der die Band stoisch auf ihrem krachend-knisterenden Riff-Kurs hält. Freuen dürfen fränkische Metaller mit leichtem Hang zu depressiver Verstimmung sich also ab 20 Uhr über knisternd krachende Doom-Hymnen, die Peter Steele – oh … äh … nein! … tschuldigung – Fukasawa gekonnt verbalisiert. CHURCH OF MISERYs Sound ist eine giftig brodelnde Mischung aus BLACK SABBATH, ELECTRIC WIZARD und CATHEDRAL, nicht neu, aber deshalb auch nicht schlecht. Beeindruckend viel Schmackes, brachial und trotzdem eingängig groovig geht’s zur Sache. Kurz sorgt die Deutscher-Schlager-Einlage „Marmor, Stein und Eisen bricht“ zu Ende des Sets für Verwirrung, doch welcher Titel passt besser, um monströsen Patriotismus mit leicht tänzelndem Disco-Pop auf möglichst surreale Weise zu verbinden? Also bitte! 40 Minuten rödelt das asiatische Wunderwerk, dann ist vorerst Schluss mit Psychedelic, Drugs and Rock’n’Roll.

21 Uhr und damit lassen MONSTER MAGNET wenig Zeit für den Umbau verstreichen, um die gespannte Anhängerschaft nicht in ein allzu alkoholisch depressives Stimmungstief fallen zu lassen. Und die Pioniere des Stoner Rock haben es wieder drauf! Allen voran der legendäre Frontmann Mister Wyndorf. Bekannt für einen Lebenswandel, der dem Lemmy Kilmisters an medizinischer Fragwürdigkeit in nichts nachsteht, wirkt die heutige Version frisch, knackig und stimmlich beieinander wie just aus den 90ern gehüpft. Wow! Schließlich hat die Kehle des ehemaligen Comic-Buch Verkäufers seit Gründung im Jahr 1989 allerlei Alk und artverwandtes Zeugs verkraften müssen. Doch sind solche Zusammenbrüche ja eher unter Imagebildung zu verbuchen und deshalb auch gefälligst auszuhalten. Aber 25 Jahre Tanz auf dem trügerischen Drogendrahtseil hinterlassen eben den ein oder anderen, kleineren und manchmal ziemlich großen Kratzer am musealen Erbe. MONSTER MAGNET trifft es in den Nuller Jahren.

Die sind zum Glück vorbei und dank „Last Patrol“ zeigt sich ein nebeliger Hoffnungsschimmer am Horizont. Einen autobiographischen musikalischen Streifzug unternimmt die Band hier, erinnert sich mit einem fetten Grinsen im Gesicht an steinische Glanzlichter. Kein Wunder also, dass die heutige Setlist ausschließlich aus Songs des neuen Albums plus Zugaben-Klassiker besteht. „I Live behind the Clouds“, Opener des neuen Silberlings „Last Patrol“, stellt von Beginn an klar: It’s Wyndorf Time! Die Frontsau dirigiert frenetisch jubelnde Statisten nach Belieben durch alle Akte des neuen Albums. Das gesamte Theaterstück wirkt betörend hymnisch wie suggestiv, was Regisseur Wyndorf majestätisch gestikulierend zelebriert, während Garret Sweeney und vor allem Phil Caivanos Gitarrensoli den Stoner-Metal in jedem Ton zentrieren. Das Logo des Vorgängeralbums „Mastermind“, den mit Auspuffrohren aufgemotzten Stierkopf, diesmal inklusive muskulösem Oberkörper, setzt den MONSTER MAGNETischen „Spacerock“ auch visuell gekonnt in Szene. Die fetten Gitarrenkaskaden in Kombination mit einem vollendet diabolischen Wyndorf finden einen vorläufigen Höhepunkt im großartigen „End of Time“, wecken Erinnerungen an die „Spine of God“ und besonders den Song „Nod Scene“. Das prophetische „Stay tuned“ beendet das vorläufige Set nach einer guten Stunde Stoner Kultur Deluxe viel zu früh, doch lässt auf Verlängerung hoffen.

Diese tritt nach guten 10 Minuten intensiver Zugabe-Rufen und einem Verschnauf-Bier endlich in Form wiedererstarkter MONSTER MAGNET in Erscheinung. „Twin Earth“ wird gefeiert wie die Wiedergeburt vergangener Helden und entlädt sich nach “ Look to Your Orb for the Warning“ und „Dopes Of Infinty“ endlich im verzweifelt ersehnten „Space Lord“. Puh!

Publikum: verschroben, verraucht, verranzt
Sound: messerscharf schrammelig betörend
Vom Konzert gelernt: Auf Platte gebannte epische Meisterwerke wie diese bitte öfter live in einem Gig!

Setlist MONSTER MAGNET
I Live Behind the Clouds
Last Patrol
Three Kingfishers
Paradise
Hallelujah
Mindless Ones
The Duke of Supernature
End of Time
Stay Tuned

Twin Earth
Look to Your Orb for the Warning
Dopes to Infinity
Space Lord

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