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MONSTER MAGNET – PUPPY

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 18.01.2019

Eigentlich sollte der elfte MONSTER-MAGNET-Longplayer „Mindfucker“, das im März letzten Jahres erschienen ist, ein Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Wohlfühl-Album werden. Dazwischen kam jedoch ein US-Präsident, der Fronter Dave Wyndorf dazu bewegte, gegen seine eigentliche Überzeugung, dass es bessere Leute als Sänger von Rockbands gibt, um über Politik zu reden, auch in politischer Hinsicht die Schnauze aufzumachen. Ob das den Plattenverkäufen daheim geschadet hat, ist schwer zu sagen, denn die Band, die 2019 ihren 30.Gründungstag feiern kann, war bei uns immer deutlich erfolgreicher als im gelobten Land. Deshalb überraschte es auch wenig, dass der etwa 800 Personen fassende Rosenhof restlos ausverkauft war. 2011 hatten Wyndorf & Co. noch den damals ebenfalls gut gefüllten Osnabrücker Hyde Park in Grund und Boden gerockt, doch diese größere Location stand wegen einen Gigs von FÜNF STERNE DELUXE heuer leider nicht zur Verfügung, weshalb es im ehemaligen Kino am Rosenplatz deutlich kuscheliger zuging.

Als um 20.00 Uhr PUPPY aus Great Britain die Bühne enterten, gab es zwar noch kleinere Lücken vor der Stage, das sollte sich aber noch ändern und ein begeisterter (und wohl auch nicht ganz nüchterner) Besucher wagte später sogar den Sprung über den kleinen Graben auf die Bühne, von wo er jedoch durch MM-Gitarrist Phil Caivano und die Secus schnell vertrieben wurde. Doch zurück zum dreiköpfigen Support, der seine Homebase in London hat und in der kommenden Woche seinen Erstling „The Goat“ in die Plattenläden schickt, von dem auch die meisten Songs des ersten Gigs in der Hasestadt stammten. Vom Bandnamen PUPPY (übersetzt: „Welpe“) sollte man sich bei diesem Trio nicht täuschen lassen, denn auch in den ersten 40 Minuten des Abends wurde schon ordentlich gerockt. Stilgebend waren wohl die späten Neunziger mit Größen wie WEEZER und den SMASHING PUMPKINS. Entsprechend war man in alternativen Rock-Gefilden unterwegs, in denen Sänger und Gitarrist Jock Norton beispielsweise bei „Black Hole“, der ersten Single-Auskopplung, für Vocals sorgte, die ein wenig an die ruhigeren Nummern von GHOST erinnerten. Dass beide Kapellen in Tom Dalgety für ein paar Tracks denselben Produzenten hatten, mag den Sound zusätzlich beeinflusst haben. Die Osnabrücker waren wie üblich anfänglich eher zurückhaltend, was möglicherweise auch daran lag, dass sie zunächst einen Zugang zur nicht immer eingängigen Musik der Insulaner finden mussten. Die Rhythmusverantwortlichen (allen voran: Drummer Billy Howard nebst Bassist Will Michael), sorgten für einen stets stampfenden Beat, wobei die Gitarren mitunter auch thrashige Momente hatten, die zudem auf frickelige Passagen stießen. Am Ende hatten PUPPY aber spätestens mit „Forever“ das Auditorium im Sack, denn dieser Track ging auf der Zielgeraden noch einmal ordentlich ins Bein, ehe zum finalen „Demons“ noch mal ausgiebig gegniedelt wurde. Einziger Wermutstropfen: der Sound hätte besser abgemischt sein können.

Setlist PUPPY

  • Entombed
  • My Tree
  • Just Like You
  • Black Hole
  • World Stands Still
  • The Great Beyond
  • Arabella
  • Forever
  • Demons

Den Sound bekam der Mischer glücklicherweise noch in den Griff und als 21.20 Uhr endlich die Herren von MONSTER MAGNET ihre Arbeitsplätze für die kommenden 80 Minuten einnahmen, stand einem gelungenen Konzert nichts mehr im Weg. Mit „Dopes To Infinity“ stand gleich einmal ein echter Kracher auf der Setlist, denn das gleichnamige Album von 1995 gehört zweifellos zum Besten, was Wyndorf & Co jemals abgeliefert haben. Der gute Dave schien seine Suchtprobleme, die in den Nuller Jahren unübersehbar waren, im Griff zu haben und strotzte vor Energie und Spielfreude. Neues Material wie das sich anschließende „Rocket Freak“ und das temporeiche „When The Hammer Comes Down“ ließ ebenso wenig Wünsche offen wie die alten Hits. Es ging dank des hypnotischen „Dinosaur Vacume“ bis ins Jahr 1993 und zur „Superjudge“-Langrille zurück, doch bis dahin gab es zunächst einmal nach allen Regeln der Stoner-, Space- und Psych-Rock-Kunst was auf die Mütze. Dass „Melt“ („God Says No“ – 2000) hier ein wenig ruhiger ums Eck kam, tat dem kraftvollen Vortrag keinen Abbruch. Dave bleckte die Zähne und schob sein Becken vor und zurück – wie schade, dass sein Auditorium überwiegend männlich und mit der Band gealtert war. Derweil erwartete die Zuschauerschaft mit „Look To Your Orb For The Warning“ knackige Stakkato-Riffs, halliger Gesang und ein großes Schrammel-Finale, bevor mit „Ego, The Living Planet“ schwere Geschütze aufgefahren wurden. Mit dem bereits erwähnten „When The Hammer Comes Down“ stand der komplette Abriss des Saales auf dem Programm und mit Hilfe des sich nahtlos anschließenden „Negasonic Teenage Warhead“ zelebrierte der Meister seine mitreißende Rock-Messe auf das Feinste. Ein entscheidendes Stück fehlte natürlich noch auf der Setlist. Was wäre denn ein MONSTER-MAGNET-Gig ohne DIE Band-Hymne? „Space Lord“ vom 1998er „Powertrip“ war unverzichtbar und selbstverständlich wurde diese musikalische Granate in der gebührenden Ausführlichkeit abgefeiert.

Nach einer Stunde Spielzeit war nun ein kurzer Break angesagt und MONSTER MAGNET verabschiedeten sich ins Off und ließen sich auch ein wenig bitten, bis schließlich Mr. Caivano, Garrett Sweeny (Gitarre), Chris Kosnik (Bass) und Drummer Bob Pantella zurückkehrten, um ohne den Chef und das einzig verbliebende Gründungsmitglied das „CNN War Theme“ vom „Monolithic Baby!“-Longplayer aus 2004 zu performen. Was mit einem Trommelwirbel begann, entpuppte sich als ein instrumentales Abholzen mit Tiefgang, dem sich „Dinosaur Vacume“ mit viel Schmackes und Dave Wyndorf am Mikro anschloss. Das Schlussgebet sprach selbiger mit „Powertrip“ in opulenter Weise und wer jetzt noch nicht ins Schwitzen gekommen war, hatte sich ganz offensichtlich in der Veranstaltung geirrt.

Setlist MONSTER MAGNET

  • Dopes To Infinity
  • Rocket Freak
  • Crop Circle
  • Radiation Day
  • Melt
  • Look To Your Orb For The Warning
  • Ego, The Living Planet
  • When The Hammer Comes Down
  • Negasonic Teenage Warhead
  • Space Lord
  • CNN War Theme
  • Dinosaur Vacume
  • Powertrip

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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