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MOTORPSYCHO

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 18.10.2011

In Sachen psychedelischer Rockmusik geht definitiv kein Weg an MOTORPSYCHO vorbei. 1989 im norwegischen Trondheim als Alternative-Metal-Band von Bent Saether (Gesang & Bass) und Hans Magnus „Snah“ Ryan (Gesang & Gitarre) gegründet, zählten immer schon auch progressive und psychedelische Anleihen zu den musikalischen Einflüssen der Skandinavier, die seit 2007 von Kenneth Kapstad an den Drums verstärkt werden. Nach 14 Studioalben sowie diversen Live-Scheiben und EPs, war der Dreier erstmals in Osnabrück zu Gast, wo sich im nahezu ausverkauften Rosenhof ein vergleichsweise älteres Semester eingefunden hatte, sodass zu vermuten stand, dass auch einige Fans der ersten Stunde mit von der Partie waren.

Um 20.10 Uhr ging es ohne große Vorrede oder einen Support gleich mit viel Gefrickel mitten rein ins Geschehen und so sollte es dann auch für die kommenden 145 Minuten weitergehen. Geredet wurde nur sehr wenig, gesungen nicht viel mehr und wenn, dann handelte es sich eher um eine Art Lautmalerei, denn vom finalen „Vortex Surfer“ einmal abgesehen, waren die Vocals eher schlecht zu verstehen, was aber wohl Absicht war, denn der Sound war ansonsten ohne Fehl und Tadel. Die Gesangspassagen teilte sich die Saitenfraktion brüderlich, gelegentlich wurde auch gemeinsame Sache gemacht und für das kraftvolle MOTÖRHEAD-Cover „Iron Horse“ überließen die beiden sogar einmal dem Kollegen hinter der Schießbude das Mikro. Kenneth machte seine Sache ganz hervorragend und brachte außerdem Bewegung ins Auditorium, das bisweilen regelrecht andächtig dem Gefrickel der Norweger lauschte. Nun gab es beispielsweise mit „Sister Confusion“ auch wirklich rares Live-Material auf die Mütze, aber auch ganz neue Tracks hatten es auf die Setlist geschafft. Etwa das rhythmusbetonte „Iron Club“, das zumindest an diesem Abend so hieß, aber wohl seinen finalen Titel noch nicht gefunden hat. Die langen Instrumentalparts wurden auf jeden Fall mit viel Applaus bedacht und fanden ebenso wie die alten Schätze eine Menge Anklang. Zu den Highlights zählte zweifelsohne auch das etwas vertrackte und ruhigere „Serpentine“ aus 2002, das reichlich Raum für Emotionen bot. Des weiteren sei noch das jazzige „Hogwash“ vom 1991er Debüt „Lobotomizer“ genannt, welches langsam Fahrt aufnahm und fordernder wurde, während sich angenehmes Bassgrummeln mit jaulenden Gitarrenklängen verband. Zum Einsatz kam hier neben allerlei Effektgeräten der Moog Taurus II Bass-Syntheziser, der dem Ganzen einen dezenten Orgelsound verpasste. MOTORPSYCHO ließen sich ausgiebig Zeit für ihr nicht enden wollendes Gefrickel und trafen damit genau den Nerv ihrer Fans, die sich im weiteren Verlauf unter anderem noch am 1997er Klassiker „Like Always“ erfreuen durften, der mit viel Schmackes zum Vortrag kam, bevor die Herren Saether und Ryan beim kraftvollen „Mountain“ ein paar – nennen wir es mal – „Tanzschritte“ zum Besten gaben. Ebenfalls aus 1993 stammte „Nothing To Say“, welches sich nahtlos anschloss und bei dem die Sangeskünste der Zuschauer gefragt waren. Während der ebenso mitreißende wie stoische Stomper abermals durch Moog-Synthetik aufgepeppt wurde, neigte sich das reguläre Set unter dem Gesang des Publikums langsam seinem Ende zu – immerhin war es inzwischen 22.00 Uhr und das Trio hatte bereits fast zwei Stunden auf das Feinste gegniedelt.

Natürlich durften die drei Rotweintrinker nicht ohne eine Zugabe gehen und so startete der Nachschlag mit dem psychedelischen „Satan“. Auf der Bühne ging man ziemlich schnell ziemlich steil und auch im Saal des ehemaligen Kinos gab es so langsam kein Halten mehr. Großes Geschrammel stand ebenfalls bei „The Alchemyst“ auf dem Programm, ehe das vortreffliche „Vortex Surfer“ für ein krachendes Finale mit eruptiven Einschüben im einen Hauch getrageneren Sound sorgte. Hier ging’s noch mal nach allen Regeln der Kunst ans Eingemachte und so entließen MOTORPSYCHO ihre zufriedenen Fans schließlich nach fast 2 ½ Stunden allerbester Live-Mucke in die herbstliche Osnabrücker Nacht.

Setlist (ohne Gewähr)
Überwagner
Sister Confusion
On A Plate
Iron Club
Serpentine
Starhammer
Hogwash
Iron Horse
Sinful
Like Always
Triggerman
Mountain
Nothing To Say

Satan
The Alchemyst

Vortex Surfer

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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