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MUFF POTTER – GHOST OF TOM JOAD

Ort: Münster – Jovel

Datum: 12.12.2009

MUFF POTTER sind Geschichte. Nach 16 Jahren haben Gründungsmitglied Thorsten „Nagel” Nagelschmidt (Gesang & Gitarre), Dennis Scheider (gleiche Besetzung), Bassist Dominic „Shredder“ Laurenz und Drummer Thorsten „Brami“ Brameier ihre Kapelle mit einem rauschenden Fest im ausverkauften Jovel sterben lassen. Vorangegangen war eine letzte Tour durch die Clubs der Republik, bevor in der MUFF-POTTER-Heimatstadt (neben Rheine natürlich) das große Finale steigen sollte.

Zuvor durfte eine andere Münsteraner Kapelle um 19.45 Uhr den Abend eröffnen. Leider führten technische Probleme dazu, dass der Auftritt von GHOST OF TOM JOAD nach sechs Songs und 20 Minuten Spielzeit bereits beendet werden musste. Gerade mal das MUFF-POTTER-Cover „Ich bin doch kein Idiot“ saß noch drin, bevor die Instrumente überraschend vom Strom genommen wurden, nachdem die Post-Punker bereits mit „Back To School“ oder auch „Into The Wild“ von ihrem aktuellen Album „Matterhorn“ ordentlich Druck gemacht hatten. Als kleine Vorpremiere auf die kommende Langrille gab es zudem eine etwas ruhigere Nummer mit dennoch knackigen Langäxten und dem obligatorischen Keyboard des Dreiers, die ebenfalls gut beim überwiegend jugendlichen Publikum ankam. So war es nur eine kurze Aufwärmübung, welche die Herren Henrik Roger, Jens Mehring und Christoph Schneider jedoch souverän bestritten.

Warm genug war es eh in dem ehemaligen Autohaus, weshalb es sich anbot, seine Jacke an der Garderobe abzugeben, was sich jedoch später noch als Fehler erweisen sollte. Zuvor standen satte 140 Minuten MUFF POTTER auf dem Programm. Wie nicht anders zu erwarten, haben sich die Jungs noch einmal quer durch ihre Discografie gespielt und es dabei gewaltig krachen lassen. Trauerstimmung war dabei keinesfalls angesagt, auch wenn zum Schluss schon ein bisschen Wehmut mitschwang. Zunächst jedoch zurück auf Anfang: Der hätte mit „Alles war schön und nichts tat weh“ vom letzten Silberling „Gute Aussicht“ nicht besser gewählt werden können und brachte zum Leidwesen der Security auch gleich ein paar Indoor-Feuerwerke zum Brennen, ehe bei „Unkaputtbar“ (im Jahr 2000 auf „Bordsteingeschichten“ erschienen) zum ersten Mal die Flitterkanone gezündet wurde. Ungewöhnliches Equipment für ein MP-Konzert, aber es war halt das letzte (von übrigens insgesamt 18 in Münster, die in insgesamt neun Venues von der Halle Münsterland bis zum Kebap-Haus Bosporus stattgefunden haben) und dazu noch vor einem so großen Publikum, wie MUFF POTTER es als Hauptact noch nie hatten, da durfte natürlich eine abwechslungsreiche Licht- und Effektshow nicht fehlen. In diesem Sinne wurde gerockt, was das Zeug hielt und bis „22 Gleise später“ vom 2005er „Von wegen“ sollte sich daran auch nichts ändern. Jetzt war die Zeit für einen eher melancholischen Track gekommen, schließlich halten es MUFF POTTER wie THE GASLIGHT ANTHEMS, mit denen sie gemeinsam beim Vainstream Festival gespielt haben, und lieben die „sad, sad songs“. Es wurde recht emotional, wozu auch die Wunderkerzen beitrugen, die im Zuschauerraum in die Höhe gereckt wurden, ehe es mit „Wenn dann das hier“ erneut in die Vollen ging. Beim krachend-gefühlvollen „Elend #16“ wunderte sich Nagel selbst, wie viele Songs übers Abschiednehmen seine Combo im Repertoire hat und betonte, dass auf der Abschiedstour nur die Lieder gespielt worden seien, auf die MP wirklich Lust hatten. In Münster ist insbesondere die Langrille „Von wegen“ diesbezüglich gut weggekommen. Immerhin sieben Stücke des Silberlings haben es auf die Setlist geschafft, aber auch „Die Guten“ vom vorletzten Studiooutput „Steady Fremdkörper“ war mit von der Partie. Für die Nummer hatte sich zudem Ingo Knollmann von den DONOTS auf der Stage eingefunden und steuerte seinen Gesang bei, so wie die Ibbenbürener den Kollegen wohl das ein oder andere Mal mit allerlei Technik ausgeholfen haben, wofür sich Nagel noch einmal bedankte. Bedankt wurde sich noch häufiger, genauso wie noch weitere Gäste die Bühne enterten. Etwa der MUFF-POTTER-Backliner Ole Fries, der um kurz vor 22.00 Uhr bei der ersten Zugabe „Von wegen (aus Gründen)“ Nagels Sechssaiter übernahm, damit dieser in die Clarina pusten konnte, wenn er sich nicht gerade im ruhigen Sprechgesang übte oder den Schellenkranz schlug. Zum EA80-Cover „Auf Wiedersehen“ gesellte sich Bernd Ahlert zu den MP-Herrschaften. Er war in den ersten drei Jahren ebenfalls ein Bandmitglied und in Anbetracht des Umstandes, dass die „Angry Pop Music“ aus dem Hause MUFF POTTER auch stark von EA80 inspiriert wurde, passte die Neuinterpretation bestens ins Bild. Langsam kam die bereits erwähnte Wehmut auf und auf der Stage wurden Küsschen zwischen Bernd und Nagel ausgetauscht, der zwischenzeitlich zudem auch sein Hemd gewechselt hatte. Bevor „Alles was ich brauch“ gespielt werden konnte, mussten zunächst technische Probleme gelöst werden; eine Problematik, die das Quartett jedoch von so ziemlich jedem Auftritt zu kennen schien und am allerletzten Abend schon mal gar nicht aus der Ruhe bringen konnte. Schließlich gab’s für alle über 25, die nicht nur Versicherungen abschließen und ein neues Auto kaufen wollen, noch „Steady Fremdkörper“ auf die Ohren, ehe sich die Jungs zu einem Outro ins Off verabschiedeten. Es sah ganz so aus, als sollte es das gewesen sein, doch MUFF POTTER legten noch einmal nach und hauten auf der Zielgeraden noch „Born Blöd“ sowie „Hundert Kilo“ raus. Es regnete im großen Finale erneut Flitter und Kunstschnee (oder so etwas ähnliches), Nagel und Shredder tauschten Schmatzer und zu den Klängen von JOHNNY CASHs „In My Life“ starteten MUFF POTTER ihr Dasein nach MUFF POTTER mit einer vermutlich feucht-fröhlichen Aftershow-Party.

Für diejenigen, die noch ihre Jacken abholen wollten, musste die anschließende Party oder heimfahrt allerdings noch warten. An der Garderobe herrschte ein ziemliches Chaos und leider hatten einige nicht begriffen, dass es überhaupt nichts bringt, von hinten wie verrückt zu schieben, dadurch ging’s definitiv nicht schneller, man lernte höchstens seinen Nachbarn besser kennen. Irgendwann war aber auch dieser Part abgehakt und auch die Verkehrsflut am Hawerkamp (in der Halle Münsterland war zeitgleich das PET SHOP BOYS-Konzert zu Ende gegangen und die ersten Gäste der Ü-30-Party befanden sich im Anzug) konnte uns nach diesem wunderbaren Abend nicht mehr schrecken, selbst wenn zumindest in der nächsten Zeit MUFF POTTER-Gigs Mangelware sein dürften. Warten wir ab, was die Protagonisten stattdessen machen – wenn’s terrorrelevant ist, werden wir es Euch wissen lassen…

Setlist MUFF POTTER
Alles war schön und nichts tat weh
Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus
Unkaputtbar
Bis zum Mond
Blitzkredit Bop
Gute Aussicht
Wir sitzen so vorm Molotow
Fotoautomat
Take A Run To The Sun
Zu wenig
22 Gleise später
Wenn dann das hier
Elend #16
Auf der Bordsteinkante
Die Guten
Bitter Lemon
Den Haag
Allesnurgeklaut

Von wegen (aus Gründen)
Das Siegerlied
Auf Wiedersehen (EA80-Cover)
Alles was ich brauch
Steady Fremdkörper

Born blöd
100 Kilo

Copyright Fotos: Uli Klenk

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