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MURDERDOLLS – MARIONETTE

Ort: Lingen – Alter Schlachthof

Datum: 21.01.2011

Mein erstes Konzert im neuen Jahr führte mich am 21. Januar in den alten Schlachthof zu Lingen, wo die MURDERDOLLS ihr letztes Stelldichein der „Women And Children Last“-Tour auf deutschen Boden gaben. Sie wurden auch nicht müde, dies während des Konzerts mehrfach zu betonen. Als Anheizer hatten sie MARIONETTE aus Schweden im Gepäck. Das Negativste vorweg: der Abend war mit einer Menge Wartezeit verbunden. Wir waren von einem Beginn um 20 Uhr ausgegangen – zu der Zeit war aber erst Einlass. Und auch die Kasse zur Akkreditierung öffnete erst fünf Minuten vorher ihr Fenster. So ging’s also ziemlich durchgefroren in den überschaubaren Veranstaltungsraum. Anfangs war auch die bunt-gemischte Zuschauerschar – vom „gewöhnlichen“ Rocker über einen Jacket und Zylinder tragenden Fan bis zu bleichgesichtigen jungen Mädels war alles dabei – doch eher spärlich, aber das sollte sich bis zum Konzert-Beginn noch ändern. Dennoch hätte ich den MURDERDOLLS auch zugetraut, eine größere Halle zu füllen, aber das nur nebenbei.

Pünktlich um 21 Uhr ging’s dann endlich los und MARIONETTE aus Göteborg betraten die Bühne. Ob man die sechs Jungs aus Göteborg nun der Visual-Kei-Szene zuordnen kann, weiß ich nicht genau, aber sie waren optisch schon auffällig. Alle hatten sich schick gemacht mit Hemden und teilweise auch Krawatte, die Augen geschminkt und auf dem Haupt wilde Mähnen und Iros. Der Sänger betrat die Bühne gar mit einer Gesichtsmaske, aber die setzte er gleich zum zweiten Song wieder ab. Nur der Aushilfsdrummer stach mit seiner „Normalität“ etwas aus der Runde heraus. Musikalisch jedenfalls verstanden sie ihr Handwerk! Da gab’s feinsten Death Metal auf die Ohren und auch das Publikum war recht angetan. Allerdings war bereits nach 25 Minuten der Spaß vorbei. Das hieß nun wieder über eine halbe Stunde warten…

Das Publikum war jedenfalls richtig heiß und so gab es schon heftigen Pogo, bevor der Hauptact überhaupt irgendeine Note gespielt hätte. Dabei fragte ich mich noch, weshalb man Handtücher auf der Bühne fest tapte, aber der freizügige Umgang des Frontmans mit seinem Speichel schien mir die Frage letztlich ausreichend zu beantworten. Um 21 Uhr aber war es dann endlich soweit! Das Intro ertönte und die Bühne wurde eingenebelt – sehr zum Missfallen des Fotografen. Der Sänger, Wednesday 13, hatte sich vorher anscheinend noch mit Mottenpulver eingepudert, jedenfalls kam es anfangs zu netten Effekten, wenn er moshte. Joey Jordison ist an der Gitarre übrigens auch nicht unbegabt – für alle Unwissenden (wenn es denn welche gibt): das ist der Schlagzeuger von SLIPKNOT. Egal, hauptsache er hat es drauf – und das hat er! Zu den zwei Köpfen hinter den „Möderpuppen“ gesellten sich dann noch Roman Surman (Guitar), Jack Tankersly (Bass) und Racci Shay Hart (Drums). So folgte Song auf Song, ohne dass es dazwischen zu allzu lange Pausen kam. Keine ellenlangen Ansagen, nur ab und an die Aufforderung zum Mitklatschen oder zu den „Devil Horns“ und die anfangs erwähnten Hinweise darauf, dass heuer der letzte Gig in Deutschland sei. Die Masse brauchte auch gar keine großartigen Anweisungen, ging sie doch auch so von Anfang bis Ende steil. Der Horror-Metal/ Punk der Amis erinnerte mich teilweise etwas an den Godfather des Genres: ALICE COOPER. In Sachen Bühnenshow konnte man mit dem Altmeister natürlich nicht mithalten, aber die Mucke und die Stimmung braucht sich nicht zu verstecken! Die Setlist setzte sich dabei sehr ausgeglichen aus den beiden Alben „Beyond The Valley Of The Murderdolls“ und „Women And Children Last“ zusammen. So gab es selbstverständlich auch die Singles „Dead In Hollywood“, „My Dark Place Alone“, „Chapel Of Blood“ und die neueste Auskopplung „Nowhere“, welche die Band dem zu früh verstorbenen Bassisten von SLIPKNOT, Paul Gray, widmete, zu hören. Einzig „White Wedding“, ein Bonus-Track der ersten Scheibe, wurde leider nicht gespielt.

Gegen 23.10 gab es dann noch mal eine kleine Unterbrechung, bevor man für die Zugaben zurück kam. Weshalb Joey dazu jedoch eine rote Perücke trug, bleibt mir ein Rätsel. Zum letzten Song, „I Love To Say Fuck“ – was der Sänger während des Konzerts eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte, gab’s vorher noch einige Anwendungsbeispiele vom Band, bevor der Sänger mit einem Regenschirm inklusive selbstgemachtem Fuck-Schriftzug das Konzert zu einem krönenden Abschluss brachte. Dieses Utensil wäre vielleicht noch eine nette Idee für den Merchandise-Stand, die auch erschwinglich wäre. Dort wollte man nämlich sagenhafte 30 Euro für T-Shirts oder Mützen haben. Das günstigste war ein String für 15 Euro, aber der war nicht in meiner Größe, glaube ich…

Setlist MURDERDOLLS
The World According To Revenge/ Intro
Chapel Of Blood
Death Valley Superstars
Homicide Drive
Slit My Wrist
Twist My Sister
She Was A Teenage Zombie
My Dark Place Alone
Drug Me To Hell
Summertime Suicide
Die My Bride
People Hate Me
Bloodstained Valentine
Pieces Of You
Bad Things
Nowhere
Welcome To The Strange
197666
Motherfucker I Don’t Care

Dawn Of The Dead
(I Take Drugs) Dead In Hollywood
I Love To Say Fuck

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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