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MUSE

Ort: Köln - Lanxess Arena

Datum: 16.11.2009

Mit MUSE kündigte sich eines DER Konzerthighlights im musikalischen Herbst 2009 an und wir standen zunächst einmal entsprechend ungeduldig im Stau vorm Leverkusener Kreuz – beim Versuch von der A1 auf die A3 zu wechseln. Langsam wurde die Zeit immer knapper und über Umwege gelangten wir dann doch zur Lanxess Arena und waren pünktlich um 19.45 Uhr in der Halle. Zumindest pünktlich um ein für 20 Uhr angekündigt beginnenden Konzertabend miterleben zu können. Doch leider wurde die Vorband BIFFY CLYRO an diesem Abend viel zu früh auf die Bühne geschickt, so dass wir in diesem Fall nur noch pünktlich zum letzten Song der Truppe kamen. Sehr schade, denn nicht nur wir hätten uns gerne die Schotten aus Glasgow, die an diesem Abend ihr neues Album „Only revolutions“ vorstellten, angesehen.

In der folgenden Umbaupause stieg die Spannung immer weiter an. Bei einer Band wie MUSE, deren Live-Qualitäten mittlerweile berühmt berüchtigt und nicht zuletzt auch Grund des hohen Zuschauerinteresses sind, waren die Erwartungen umso höher, zumal die aufgebaute Bühne wieder einmal Großartiges erahnen ließ. Geduldig wartete man also ab, bis das Licht ausging und dann löste sich die Spannung mit einem Male in einen Riesenjubel und großen Applaus auf. Doch zunächst folgte ein Intro, bei dem auf drei ungefähr 10 Meter hohen Bühnentürmen per LED eine Treppe projiziert wurde, auf der Menschen im Anzug hinaufstiegen. Oben angekommen stürzten sie langsam in Zeitlupe wieder hinunter, dann fielen in der Mitte der Türme die Vorhänge und krachend brach der bereits erwartete neue Hit „Uprising“ los. Und da standen sie mittig der Türme: Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy, Schlagzeuger Dominic Howard sowie Bassist Chris Wolstenholme und zeigten zunächst erstmal keinerlei großartige Regung, sondern schmetterten direkt „Resistance“ hinterher und ließen Musik und Show wirken. Um das Publikum komplett auf ihre Seite zu ziehen, wurde direkt als dritter Song „New born“ gespielt und entsprechend abgefeiert. Das Auditorium jubelte, sang beherzt mit und die Tribünen standen das erste Mal komplett aus ihren Sitzen auf. Bei diesem Song wurden dann auch die Türme runtergefahren und die Band spielte zum ersten Mal auf der eigentlichen Bühne.

Die Show wirkte und beeindruckte über die Dauer des gesamten Konzerts. Auf den Türmen liefen verschiedene virtuelle Umsetzungen der Songs, mal spielerisch leicht mit herbstlichen Bäumen und fallenden Blüten sowie herumfliegenden Bienen bei dem Leslie Bricusse und Anthony Newley Cover „Feeling good“, dann wieder düster und beklemmend beispielsweise bei „Hysteria“. Dort wurden Hochhaus-Wracks projiziert, die mal verschwammen, dann zerrissen wurden und den Blick auf ein digitales Rauschen freigaben und unwillkürlich Assoziationen zu George Orwells 1984 aufkommen ließen. Immer aber abgestimmt auf den jeweiligen Track und dessen Stimmung und umgesetzt mit vielen künstlerischen Elementen. Mittlerweile hat die Live-Show ein Niveau erreicht, bei dem mach sich locker mit den ganz Großen dieses Genres messen kann und Vergleiche zu Bands wie PINK FLOYD lagen gerade immer dann auf der Hand, wenn die aufwendige Lasershow zum Einsatz kam. Etwas ruhiger wurde es dann in der Mitte des Sets, als zunächst Portraits verschiedener Nationalitäten auf den Türmen gezeigt wurden und sich Matthew Bellamy an einen Glasflügel setzte, um „United States of Eurasia“ anzustimmen. Hier zeigte sich die zweite große Stärke (und das Aushängeschild) der Formation in ihrer ganzen Pracht: Pathos. Bei manchen Songs erinnerte es ganz, ganz stark an QUEEN zu ihren besten Zeiten. Dann wirkte auch der Gesang Bellamys in seiner ganzen Virtuosität und erzeugte das eine ums andere Mal eine Gänsehaut-Stimmung vom Allerfeinsten. Vom Allerfeinsten war an diesem Abend auch der Sound, was eindrucksvoll bei „Undisclosed desires“ zum Ausdruck kam, als sich der mittlere Turm mit dem Schlagzeug wieder in die Höhe reckte, sich das Podest auf dem Turm um sich selbst drehte und Dominic Howard und Chris Wolstenholme zunächst mit Schlagzeug und Bass alleine einen druckvollen Rhythmus mit wirklich extrem fetten Sound lostraten. Unglaublicher Jubel brach dann bei „Starlight“ los, dem Überhit der Band, der sehnlichst erwartet wurde und bei dem das Publikum dann auch unisono mitsang und -sprang. MUSE schafften es dann aber auch beim nächsten Song, die Stimmung nicht kippen zu lassen und so wurden bei „Plug in baby“ große mit Konfetti gefüllte Ballons von der Stadiondecke ins Publikum geworfen und sorgten für weiteren Spaß.

Dieser endet dann leider nach 90 Minuten und dem abschließenden „Unnatural selection“ nach welchem die Band kurz winkend die Bühne verließ. 90 Minuten großartige Musik, eine umwerfende Live-Show und ganz genau KEINE Ansage und keinerlei Kommunikation mit den Fans. Das allerdings schien auch weder erwartet noch vermisst worden zu sein und lautstarke Zugaberufe setzten sofort ein. Der folgende Zugabenblock begann mit großen Konzertpauken und „Exogenesis: Symphony, Part1: Overture“, bevor dann bei „Stockholm syndrome“ noch einmal richtig gerockt werden konnte. Dann stand Chris Wolstenholme allein mit einer Mundharmonika auf der Bühne und stimmte „Spiel mir das Lied vom Tod“ an, welches das Intro von „Knights of cydonia“ und damit gleichzeitig den Abschluss des 1 Stunde und 45 Minuten dauernden Konzertes bildete. Zum Schluss des Liedes schossen dann als endgültig letzter Effekt große Dampffontänen von der Bühne Richtung Bühnendecke.

Der Ärger über den verpassten Auftritt von BIFFY CLYRO war am Ende dieses großartigen Konzertes verflogen, ein kleiner Wehrmutstropfen war es aber dennoch. Doch MUSE konnten einmal mehr ihre außergewöhnliche Stellung als Ausnahme-Liveband manifestieren.

Setlist MUSE
Uprising
Resistance
New born
Map of the problematique
Supermassive black hole
Guiding light
Interlude
Hysteria
United States of Eurasia
Feeling good (Leslie Bricusse & Anthony Newley Cover)
Undisclosed Desires
Starlight
Plug in baby
Time is running out
Unnatural selection

Exogenesis: Symphony, Part 1: Overture
Stockholm syndrome
Knights of Cydonia (Man with a harmonica Intro)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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