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MUSTASCH – BLACK BONE

Ort: Nürnberg – Hirsch

Datum: 01.12.2013

MUSTASCH – das steht für Melodiös-Unterhaltsamen, Steinig-Trockenen, Arschtreter-Schweine-Coolen Heavy Metal – äh – Rock!

„Thank You For The Demon“ nennt sich die (Mini)-Tour-Schneise, die das Quartett kurz vor Veröffentlichung des gleichnamigen neuen Albums zu Januar 2014 und zu dessen brandheissem Vorgeschmack „Feared and Hated“ durch 11 ausgewählte Städte brennt. Weil sich das neue dämonisch-göttliche Meisterwerk der Schweden-Rocker gerade noch nicht im live-tauglichen Status befindet, müssen die zahlreich erlesenen Fans mit alten Gassenhauern vorlieb nehmen, die nichts desto weniger abgehen wie die metallische Luzie höchstpersönlich!

Als Vorheizer mit am Start: BLACK BONE! Die sympathischen holländischen Milchbubis stehen auf guten alten Hardrock in der Tradition von MOTÖRHEAD, GUNS’N‘ROSES und AC/DC und eifern ihren Vorbildern live so fabelhaft nach, dass zuletzt sogar VOLBEAT die Youngster direkt für Ihren Gig in Amsterdam engagierten. Zu einem halbstündigen “No Bullshit Rock N Roll”-Intermezzo legen Steef, Sven und Jules pünktlich ab 20 Uhr das Rocker-Pokerface auf und die Windeln ab. Songs des im letzten Jahr veröffentlichten Debut-Albums „Back To Mayhem“ bestimmen die Setlist der jungen Old-School-Hüpfer und begeistern auch die anwesende deutsche Metal-Meute mit dreckig-lautem Sound, anhörlichen Möchtegern-Dicke-Hose-Riffs und ordentlichst vor dem heimischen Spiegel einstudierter Coolness. Schließt man die Augen und blendet die Pickel und schlaksigen Bewegungen der drei Holländer aus, bleibt eine cremige Tonspur aus AUDREY HORNE, AIRBOURNE und MOTÖRHEAD in der Ohrmuschel hängen. Respekt! Dabei finden sich BLACK BONE selbst aber auch so was von schweinegeil und degradieren das angeheizte Publikum angesichts ihrer enthusiastisch vorgetragenen Soli noch weit unter den Status des Beifall-Statisten. Dafür muss man erst mal die Eier in der Hose haben!

Auf ordentlich Eier in ihrer Hose – das haben sie auf diversen Festivals in diesem Jahr bewiesen – können sich in jedem Fall die vier Jungs von MUSTASCH verlassen. Die mehrfachen Gewinner schwedisch fachmännischer Grammi-Verleihungen haben zuletzt Ende 2012 mit „Sounds Like Hell – Looks Like Heaven“ den Dampfhammer ausgepackt und in guten 35 Minuten hochgradig ansteckende metallisch rockende Kost abgeliefert. Die Metal-Super-Schnurrbärte rund um Rampen-Gott Ralf Gyllenhammer stellen jetzt mit „Feared and Hated“ das nächste schwermetallische Knallbonbon vor, einen ausführlicheren Beweis ihrer metallisch groovenden Fachkompetenz ab Januar mit „Thank You For The Demon“ zum Kauf / Download fürs heimische Soundsystem bereit. Doch vorerst kann der eingefleischte Schnurrbart-Fanclub dafür noch mal Hüften-Schwingen üben.

Zum wohlbekannten „Tritonus (Prelude)“ preschen Drummer Perkovic und seine Gitarrenhalter-Kollegen pünktlich gegen 21:00 wie erhofft gleich mal in die metallischen Vollen: „Heresy Blasphemy“ vom 2009er „Mustasch“ begeistert mit Johanessons messerscharfen Riffs, die Rotz-Rock-Superröhre Gyllenhammer gekonnt in Szene setzen. Eine kleine begrölte Posing-Fotosession später grooved „Mine“ an, wie selten etwas in die Gehörgänge rauscht. Zeit für ausgiebige Huldigungsversuche anwesender MUSTASCH-Fan-Populationen bleibt keine. Denn weiter knallt der Metal-Hammer durch eingängige Rock-Hymnen schwedischer Schnurrbart-Memoiren. „Destroyed By Destruction“, das großartige „It’s Never Too Late“ oder „I don’t hate you“ lassen keine Mosh-Ausfälle zu und werden durch Groove-Perlen wie „Down In Black“ oder „Falling Down“ inkl. rauer Melodien und außergewöhnlicher Refrains ergänzt. Als „Bring Me Everyone“ das glitzernde Backdrop mitsamt Discokugel in kühles blaues Licht taucht, Gyllenhammer die Hookline aggressiv-tönend in den Nebel presst und die Lyrics auf so unnachahmlich lautmalerische Art und Weise zelebriert, fragt sich spätestens jetzt wirklich jeder anwesende durchgerockte Zeitzeuge, warum zum Teufel VOLBEAT statt MUSTASCH diese großen Hallen füllen? Was ist da bloß schiefgegangen? Egal, weiter geht’s mit staubtrockenem breitbeinigem Arschtreter-Rock-Kino in 3D!

Ein Höhepunkt jagt den nächsten. „Speed Metal“, „Double Nature“ inkl. euphorisierendem Sechs-Saiten-Gitarren-Solo des letzten Bullen – äh…tschuldigung – des unnachahmlichen Johanesson sowie Johanssons Tieftöner-Einlage und schließlich „Black City“ treiben Gyllenhammer mitsamt Flying V in die Menge, wo weibliche Die-Hard-Fans ihrem metallischen Superhelden den Schweiß von der Stirn tupfen und sich diebisch über ekelig nasse „Merch“-Hinterlassenschaften freuen. Eine feierwütiger, lärmender und vorzüglichst groovender Haufen entlässt ihre bärtigen Rockgötter gegen 22:35 nur höchst ungern zum abschließendem „I Hunt Alone“ in erholsame Backstage-Lokalitäten. Lautstark fordern die Fans ihre Helden zurück auf die Bühnenbretter. Doch Stam Johansson, Jejo Perković, Ralf Gyllenhammar und David Johannesson haben Erbarmen und mischen in ihrer authentisch, erfahrenen Lässigkeit und ohne großen Firlefanz ein letztes Mal mit „6:36“ und „Dogwash“ den Laden auf.

Sound: Wow! Mehr geht nicht! Bitte ein belohnendes Bier für diese arme staubtrockene Kehle und ein bisschen Schmiere für diese Saiten!
Publikum: Durfte die Rock-Götter anfassen und ihnen die die Füße küssen!
Vom Konzert gelernt: Mehr vom MUSTASCH-Schweiß!

Seltist MUSTASCH
Tritonus (Prelude)
Heresy Blasphemy
Mine
Destroyed by Destruction
Down in Black
It’s Never Too Late
Falling Down
I Don’t Hate You
Deep in the Woods
Bring Me Everyone
Parasite
Speed Metal
Double Nature
Black City
I Hunt Alone

6:36
Dogwash

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