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MY CHEMICAL ROMANCE – KVELERTAK

Ort: Dortmund - FZW

Datum: 05.11.2010

CLUB SABOTAGE hosted by VISIONS

Unter dem Motto „Club Sabotage“ haben in diesem Jahr im FZW Dortmund schon einige Bands die Bretter gerockt, um mit THE SOUNDS, JULIETTE LEWIS und den DEFTONES mal nur die Spitze des Eisberges zu nennen. Nun ging das vom Musik-Mag VISIONS gehostete Event in die nächste Runde. An diesem mit fast 17 Grad viel zu warmen und verregneten Freitag Anfang November waren diesmal die Lokalmatadoren REMEMBER (Ersatz für THE SWORD), KVELERTAK aus Norwegen und die aus den USA stammenden MY CHEMICAL ROMANCE dabei. Dank des moderaten Ticketpreises von 15,- Euro war die Veranstaltung innerhalb von zwei Tagen schnell ausverkauft und als wir, bedingt durch Freitagsstaus auf der Autobahn, gegen 20:00 am Dortmunder FZW eintrafen, konnten wir immer noch eine ordentlich Schlange vor dem Eingang ausmachen, während REMEMBER schon im Foyer der Location spielten. Viel bekamen wir von diesen Jungs so leider nicht mit, da sich der Einlass dann noch etwas in die Länge zog.
Aber wir schafften es, pünktlich um 21:00 in der kleinen Halle des FZW zu sein, um das musikalische und auch optische Kontrastprogramm zu MY CHEMICAL ROMANCE zu erleben: KVELERTAK aus dem hohen Norden Europas.

Nach anfänglichen kleinen Soundproblemen und dem fehlenden Stuhl des Drummers, der sich dann aber wieder auffand, brach ein wahres Soundgewitter über die Anwesenden herein. KVELERTAK heißt übersetzt „Würgegriff“ und in eben diesem befanden wir uns für die nächsten 45 Minuten. Ein paar Vertreter der Turbojugend waren auszumachen, was auch nicht weiter verwunderte, denn der Stil der Norweger kann man wie eine Mischung aus TURBONEGRO und Black Metal beschreiben. Rau und hart wie man sich den norwegischen Winter vorstellt, aber durchaus melodisch mit harten Riffs. Auch äußerlich hatte der Shouter von KVELERTAK durchaus große Ähnlichkeit mit Hank von Helvete (TURBONEGRO, die sich leider 2010 aufgelöst haben), aber ganz spontan fiel mir auch der Frontmann von VALIENT THORR ein, diesen konnten wir 2010 auch schon auf mehreren Festivals bewundern. Bis zum Ende des Sets hatte er sich fast aller Kleidungstücke entledigt (ja er stand nur noch mit dem Schlüpper auf der Bühne) und heizte der Meute vor ihm, es hatten sich sicherlich um die 150 Leute in der kleinen Halle eingefunden, mächtig ein. Nicht minder seine Bandkollegen an den drei (!) Saiteninstrumenten. Sehr frisch dieser norwegische Wind, der uns da ins Gesicht blies!

Nun ging es nach nebenan in die größere Halle des FZW, die auch bereits mit knapp 1300 Fans mehr als gut gefüllt war. Und schon erklangen auch die ersten Töne – Punkt 22:00 starteten MY CHEMICAL ROMANCE ihren Gig in Dortmund mit der derzeitigen Single „Na Na Na“ und verwandelten die Halle sofort in einen Hexenkessel. In den letzten Jahren war es ruhig geworden um MCR. 2007 hatte man sich nach einer ausgedehnten Welttour eine kreative Pause gegönnt. In dieser Zeit widmeten sich alle Bandmitglieder neuen, anderen Bandprojekten oder kümmerten sich um die Familienplanung. Sänger Gerard Way ist inzwischen Vater geworden und hat seine kreative Ader, das Comic zeichnen, wieder entdeckt. Nun hat man ein neues Album „Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys“ am Start, dieses wird am 19. November erscheinen und muss natürlich auch mit entsprechenden Gigs promoted werden.
MY CHEMICAL ROMANCE zeigten sich rundum erneuert, was das Video zur Single „Na Na Na“ schon angekündigt hatte, zogen sie nun auch live durch. Sänger Gerard präsentierte sein knallrot gefärbtes Haar, auch Bassist Mickey Way hatte den Friseur aufgesucht und seine Haare blondieren lassen. Insgesamt wirkten die Jungs lebendiger und weniger pathetisch als noch zu „Black Parade“-Zeiten. Die Emo- ist der Punk-Attitüde gewichen – zurück zu den Wurzeln also.

Das Geschehen auf der Bühne ging unterdessen weiter – sichtlich spielfreudig gab es aber nicht nur neues Songmaterial auf die Ohren (die Single „Sing“ wurde natürlich auch vorgestellt), es gab einen guten Querschnitt durch alle Alben der Jungs aus New Jersey. Highlights waren u.a. „Not ok“, „I don’t love you“ und auch „Helena“, unterstützt von einer wirklich beeindruckenden Lightshow. Auch der Sound ließ keine Wünsche offen. Das – zumeist junge und zu 70% wohl weibliche Publikum – zeigte sich textsicher, egal ob altbekanntes oder neues Material. Gerard Way (voc), Mickey Way (bass), Frank Iero (git), Ray Toro (git) und der neue Drummer Michael Pedicone genossen es sichtlich, wieder on stage zu sein und Frontmann Gerard war zu einigen Scherzen und Späßen aufgelegt. In einer kleinen Pause zwischen zwei Songs intonierten die Fans direkt vor der Bühne „Du hast die Haare schön“. Zuerst irritiert, weil er den Gesang für einen Fussballsong hielt, dann aber offensichtlich geschmeichelt, nahm Gerard das Kompliment entgegen. Der Pathos und die überzogenen Gesten, die mich bei MCR bisher doch immer etwas gestört hatten, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Nachdem das reguläre Set mit „The Ghost of you“ zunächst beendet wurde, ließen sich die US-Boys nicht lange bitten, und kamen noch für eine kleine Zugabe zurück auf die Bretter. Der Abschluss eines wirklich gelungenen Abends. Und – soviel hat Gerard auch schon verraten – diesmal müssen die Fans nicht wieder vier Jahre warten, bis MCR nach Deutschland kommen. Schon im nächsten Frühjahr wollen sie wieder live in Deutschland spielen, u.a. auch auf einigen Festivals.

Setlist MY CHEMICAL ROMANCE
Na Na Na
Thank you for the Venom
Planetary
I´m not ok
Desolation row
Bring more knives
I don´t love you
House of wolves
The only hope for me is you
Black parade
Mama
Helena
Sing
Teenangers
The ghost of you
Famous last words

Cancer
The kids from yesterday

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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