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NACHTMAHR – SPETSNAZ

Ort: Leipzig WGT Kohlrabizirkus

Datum: 12.05.2008

Als ich in den Kohlrabizirkus geeilt war, standen die Schweden von SPETSNAZ bereits auf der Bühne. Etwa die ersten zehn Minuten hatte ich anscheinend verpasst, denn der Zeitplan der einzelnen Gigs wurde – soweit ich es miterlebt habe – auf dem kompletten WGT mit klitzekleinen Ausnahmen immer toll eingehalten. Das Backdrop in diesem Falle trug das Cover der aktuellen Scheibe „Deadpan“, von der auch diverse Songs präsentiert wurden, darunter „Indifference“ und „Faustpakt“. Des Weiteren präsentierte man während der etwa 40-minütigen Spielzeit Titel wie „Hardcore Hooliogans“, das mit coolen, druckvollen Beats versehene „That Perfect Body“ sowie natürlich den Klassiker schlechthin „Apathy“. Während der Mann an den elektrischen Drums, Stephan Nilsson, diskret an der Seite der Bühne seinen Job machte, marschierte der bullige Fronter Pontus Stålberg wie ein Raubtier im Käfig immer dynamisch von links nach rechts am Bühnenrand entlang und wieder zurück. Hätte er einen Schrittzähler getragen, so wäre sicherlich eine nicht zu verachtende Strecke zusammen gekommen. Die beiden waren guter Dinge und alberten zwischendurch ein wenig herum, was u.a. zum Entblößen des Bauches von Nilsson führte. Kommentare wie Stålbergs „This is by far the best sex I’ve ever had, thank you!“ als Hommage an das Publikum lösten bei mir jedoch ein wenig Stirnrunzeln aus. Und kritisch wurde es stimmlich immer dann, wenn Stålberg versuchte, melodiöse Passagen zum Besten zu geben. Aber das deutet sich ja bereits bei einigen Titeln der SPETSNAZ-Diskographie an. Besser sind da ganz eindeutig die geschrienen Passagen sowie das tiefe Sprechen der Texte. Insgesamt übertrug sich die gute Laune der Herren Stålberg/Nilsson auch auf mich sowie auf weite Teile des Publikums. Ein kurzweiliger, unterhaltsamer Auftritt.

Ich wäre bei meiner Schilderung des nachfolgenden NACHTMAHR-Gigs etwas milder gestimmt, hätte ich nicht unlängst auf der Myspace-Seite des Projekts folgende Statements lesen müssen: „WGT 08: We came – We saw – We conquered. […] The show at Wave Gotik Treffen was a beat blitzkrieg that left no-one of the more than 2,000 vistors standing still in the dome hall of Kohlrabicircus“. Na ja, na ja, muss da der genaue Beobachter sagen. Ich hasse ungerechtfertigtes Eigenlob. Verblendung des Herrn Rainer? Erfolg kann also doch zu Kopf steigen. Mag ja sein, dass sich der neue Tonträger „Feuer Frei“ wie geschnitten Brot verkauft, meinetwegen auch bereits im Vorverkauf. Wobei selbst so etwas immer relativ zu betrachten ist. De facto haben sich die Reihen nach SPETSNAZ überaus deutlich ausgedünnt im Kohlrabizirkus. Und wenn zumindest in der zweiten Hälfte des besagten Gigs auf dem WGT nichts Bahn brechendes mehr passiert ist (denn mehr wollte ich mir nicht zumuten), dann kann man den zitierten Kommentar so wirklich nicht stehen lassen. Zwar stimmt es, dass überall verstreut tanzende Personen zu entdecken waren – wie üblich vermehrt am Rand und im hinteren Bereich, wo sich entsprechend Platz fand. Aber: Es gab ebenfalls diverse Leute, die ob des Posings von Rainer und auch der Klänge NACHTMAHRs mit ungläubiger Mine den Kopf schüttelten, wenn nicht lachten. Gut, alles Geschmackssache. Aber von einem musikalischen Blitzkrieg zu sprechen, ist in diesem Falle total vermessen. Wenngleich ich natürlich zugestehen muss, dass Thomas Rainer weiß, wie man wummernde, tanzbare Beats produziert. Der Rest der Kompositionen ist aber id.R. grenzwertig (gespielt wurden u.a. „Schwarzflug“ und „Deus Ex Machina“). So gewollt, nicht gekonnt. Die Ausrichtung des Projekts sowie die letztendliche Präsentation sind mir zudem zu konstruiert und dabei wenig authentisch. Diese Kriegs-Schiene passt nicht zum Initiator Rainer, da kann er sich noch so viele BW-Parker überziehen und kilometerweise Flecktarn-Deko auf der Bühne verteilen. Glaubwürdig wird das Konzept dadurch auch nicht. Genauso „toll“ fand ich die große Leinwand im Hintergrund der Bühne, auf der eine Videoprojektion im inzwischen im elektronischen Musikgenre so angesagten 40er-Jahre-Stil gezeigt wurde. Neben Kriegsszenarien mit Bombern und Soldaten, verwaisten Landschaften aber auch tanzenden Menschen und natürlich dem NACHTMAHR-Logo zeigte man dort pseudo-intellektuelle Statements von Persönlichkeiten wie etwa dem Schriftsteller Aldous Huxley, bekannt in erster Linie für seine Dystopie „Brave new world“ oder dem Linguisten Noam Chomsky. Wow. Klischee pur. Dazu dann noch vier Damen in Fliegeruniformen mit dem NACHTMAHR-Logo als Armbinde, die sich mit finsterer Mine unterhalb der Videoleinwand drapiert hatten. Und sonst? Langweilige Melodien, pseudo-dramatische Samples. Gähn. Und Beats. Zum Glück.

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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