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NADA SURF – MINUS THE BEAR – ESCAPADO

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 30.11.2007

Trotz Baustellen und Umleitungen pünktlich in der Matrix in Bochum angekommen begann die erste Band des Abends, ESCAPADO, mit leichter Verspätung um 21.15 Uhr. Die Jungspunde aus dem hohen Norden bretterten dann sogleich ordentlich los und knallten dem Publikum gnadenlos eine mächtige Portion Hardcore um die Ohren. Die Flensburger hatten Ende September diesen Jahres auf dem Grand Hotel van Cleef Label, das sonst eher bekannt für gemässigtere Indie-Bands wie KETTCAR, TOMTE usw. ist, ihr neues Album „Initiale“ veröffentlicht und präsentierten die neuen Songs an diesem Abend live. In Anbetracht der Tatsache, dass nicht unerhebliche Teile des Publikums wegen NADA SURF und MINUS THE BEAR angereist waren, passte die Musik nicht unbedingt in den musikalischen Rahmen, wurde dennoch mit zumindest höflichem Applaus bedacht. Die Songs variierten dabei stark, hatten ruhigere, gar poppige Momenten, die dann sofort wieder niedergeschrien wurden. Gerade der Sänger sprang wie ein Irrer über die Bühne, schrie, kreischte und litt mit seinen Texten und der Musik. Ein Auftritt, der durchaus Spaß machte und nach 30 Minuten sein Ende fand.

Nun wurde die Bühne schnell umgebaut, unglaubliche Mengen an Effektgeräten aufgefahren und dabei deutlich gemacht, dass als nächstes die progressiven Rocker von MINUS THE BEAR folgen würden. Ein aufgeregter Kerl neben uns zählte seinem Kumpel derweil auf, mit welchen Effekten und Gerätschaften der Gitarrist alles Spielen würde, ein wahrer Technik-Freak. Und so strömten einige Fans Richtung Bühne, um MINUS THE BEAR zu empfangen und der Platz in der mittlerweile vollen Matrix wurde enger. Was die Jungs aus Seattle dann boten, sorgte für offene Münder. Die meisten Songs begannen seicht, poppig und steigerten sich dann in wildes Gefrickel, bei dem klar wurde, dass sämtliche Effekte nicht nur zum Angeben aufgefahren, sondern wirklich benötigt wurden. Gerade der Gitarrist erstaunte nicht nur mich, indem er halbe Songs auf der Gitarre tappte oder diese einfach mal auf den Rücken hängte, um dann mit den Füßen auf den Effekten zu tanzen und diesen Melodien zu entlocken. Schon nach der Hälfte des Sets war er schweißgebadet, ging aber, wie auch der Rest der Band völlig in der Musik auf, kniete nieder und spielte mit den Händen am Effektboard weiter und gab den Songs eine hypnotisierende Wirkung, die das Publikum gänzlich fesselte und nach jedem Song wahre Begeisterungsstürme entfachte. Insgesamt 50 Minuten spielten MINUS THE BEAR, die jedoch wie im Fluge vergingen. Auf jeden Fall ein großartiger und mehr als überzeugender Auftritt.

Das Publikum vor der Bühne wechselte nun ein wenig und es wurde erstaunlich (eigentlich nicht wirklich) jung und weiblich und hatte oftmals eine Digicam oder fototaugliches Handy in der Hand (neben mit sogar eine richtig geile oldschool Einwegknipse). Effektgeräte gab es dann bei NADA SURF nicht, sondern einfach „nur“ schlichte gute Popsongs. Die Band legte mit „Happy Kid“ und „Hi-Speed“ von ihrem Album „Let go“ mächtig los. Überhaupt sollte sich die Songauswahl an diesem Abend auf die Alben „Let go“ und „This wight is a gift“ reduzieren. Nach ca. 20 Minuten kündigte Sänger Matthew Caws dann einen neuen Song an und das im Februar 2008 erscheinende Album. Wirkliche Überraschungen bot der Titel nicht, er knüpfte an den Stil der letzten beiden Alben an, wurde gut aufgenommen und stark beklatscht. Insgesamt schien das Publikum textsicher: NADA SURF hatten sichtlich Spaß an diesem Auftritt und genossen den Jubel nach jedem Song. Matthew Caws bot eine kleine Anekdote vom letzten Auftritt in der Matrix, nach welchem eine Black Night stattfand. Er hatte gehört, Bochum sei „The capital city of Gothic in Germany, but I think ist the capital city of Gothic in the world. It was so scary but amazing at the same time.” Sagte dies, zeigte auf ein schwarz gekleidetes Mädel in der ersten Reihe und fragte diese, ob heute wieder so eine Gothic-Party sei. Basser David Lorca nutzte einen ruhigeren Song, um sich bequem auf seinen Bass zu stützen (ist ja nun auch nicht mehr der Jüngste) und einfach mitzusingen. Die New Yorker beenden den regulären Teil des Sets mit „Imaginary friends“, das von den Fans gänzlich mitgesungen wurde.

Unter großem Applaus verließ die Formation dann die Bühne, wurde aber von lautstarken Sprechchören zurückbeordert, begann die Zugabe mit „Blonde in blonde“ und ging dann zu (nicht nur meinem) Favoriten „Always love“ über, der ausgelassen gefeiert wurde. Danach folgte, was folgen musste, der einzige Song dieses Abends vom 1996er Album „High/ Low“ und der Indiehit „Popular“, selbstverständlich abgefeiert. Als endgültig letzten Track wählten NADA SURF „Blankest year“ und ließen das Publikum „Fuck it, I gonna have a party“ wieder und wieder singen. Was nach diesem Auftritt bleibt, ist die ganz große Hoffnung, dass NADA SURF nach Erscheinen des neuen Albums auf ausgedehnte Europatour gehen und für hoffentlich viele Konzerte nach Deutschland zurückkehren.

Setlist NADA SURF
Happy Kid
Hi-Speed
What is your secret?
Concrete bed
Fruit fly
Whose authority
Killians
Blizzard
I like what you say
Inside of love
Imaginary friends

Blonde on blonde
Always love
Popular
Blankest year

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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