Konzert Filter

NAPALM DEATH – IMMOLATION – MACABRE – WAKING THE CADAVER

Ort: Hannover – Bei Chez Heinz

Datum: 08.11.2010

Die leider inzwischen recht weit verbreitete Unsitte, Supportbands vor dem offiziellen Konzertbeginn auf die Bühne zu schicken, machte auch vor dem Anfang November in Hannover stattfindenden Konzert der NAPALM DEATH Campaign For Musical Destruction 2010-Europa-Tour nicht Halt. Als ich mit meinem Kumpel Carsten den kleinen Underground-Club betrete, spielen WAKING THE CADAVER schon. Ein Blick auf die Uhr besagt, dass es 20:10 Uhr ist. Auf Carstens Ticket steht hingegen zu lesen, dass um 20:00 Uhr Einlass wäre und Konzertbeginn um 20:30 Uhr. Nun ja, somit sehen wir nicht mehr so viel von der ersten Vorband, die ultrabrutalen Death Metal mit einigen Sludge-Elementen spielt, der zwar nichts besonderes darstellt, aber auch nicht nervt und der direkt vor der Bühne auch schon einige Metalheads versammelt hat. Das Chez Heinz zeigt sich allgemein bereits recht gut gefüllt, wenn man bedenkt, dass wir Montag Abend haben, man vom Heinz in der Nacht nicht besonders gut wieder weg kommt und es auch noch kalt draußen ist. Das Publikum setzt sich aus Death Metallern, Punks, Alternativen und einigen Freaks zusammen. Bunt gemischt also und keine reine Metalshow, aber wirklich Death Metal waren NAPALM DEATH ja eh nur auf „Harmony Corruption“.

Das Publikum scheint zu 90% nur wegen IMMOLATION und eben NAPALM DEATH in den kleinen Club gekommen zu sein und große Teile der Anwesenden vergnügen sich während der ersten beiden Bands des Abends an der Bar und genießen die wirklich günstigen Bierpreise. So kann man bei MACABRE dann ohne Probleme in die zweite Reihe vorpreschen. Reihe eins zu erreichen ist zwar auch kein Problem, aber da toben zwei Osteuropäische Fans so herum, dass man lieber etwas Sicherheitsabstand nehmen sollte, wenn man seine Zähne behalten will und keinen Bock auf blutige Lippen und blaue Augen hat. MACABRE, die Erfinder des Murder Metals, beginnen ihr Set mit „Zodiac“, welches gleich herrlich krank dargeboten wird. Dennoch zeigt sich auch sofort, dass die Band polarisiert und wer den strangen Sound der Band nicht kennt, wird kaum warm mit dem Trio. Leider versäumen es die Jungs, die während des Gigs mit einigen technischen Schwierigkeiten konfrontiert werden, ein wenig mehr in der Mottenkiste zu wühlen und ganz alte Klassiker herauszuholen, die von den anwesenden Die-hard-Fans vermisst werden, wie sich beim letzten Song „Vampire of Düsseldorf“ zeigt, der die besten Reaktionen des Auftrittes erntete und für coole Stimmung sorgt. Stattdessen spielen die drei Serienkiller-Freaks einiges vom „Dahmer“-Album und stellen auch zwei neue Songs vor, von denen einer über den römischen Kaiser Nero erzählt und mit italienischer Folklore besticht, die in das abgedrehte metallische Songgerüst eingebettet wurde. Cool, aber gewöhnungsbedürftig. Man muss die Songs von MACABRE halt öfter gehört haben, um sie zu genießen. Letztendlich habe ich auch ein wenig mehr von der Band erwartet. Ihr Frontmann ist zwar ein guter Geschichtenerzähler, der zu jedem Killer-Song einige Fakten und Hintergrundinfos zum besten gibt, aber die Band wirkte leider wenig agil und auch nicht wirklich begeistert. Schade eigentlich, denn nicht nur ich hatte mich darauf gefreut, das Trio endlich einmal live zu erleben und irgendwie erwartet, dass der Gig mehr sein würde als „nur“ eine Metal-Show.

Bei den folgenden IMMOLATION ist dann schon deutlich mehr los. Vor der Bühne wird getobt ohne Ende und die anwesende Death Metal-Fraktion feiert ihre Helden ohne Kompromisse, wenngleich diese auch mit einem „Hallo Hamburg!“ auf die Bühne kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein Gag sein sollte, oder ein Fehler war… Dennoch begeistert die Band, die sich und die Fans feiert, eine Lobeshymne auf den Old-School-Death Metal und seine Fans loslässt und das Feeling des Gigs lobt. Songtechnisch werden sämtliche Phasen der musikalischen Band-Evolution bedacht, wobei alles gleichermaßen abgefeiert wird, im Pit wirklich die Hölle los ist und die Amerikaner ein tight gespieltes, nahezu perfektes Set abliefern, bei dem ich alter Mann mir allerdings noch mehr Songs von kultigen Debütalbum „Dawn Of Possession“ gewünscht hätte, welches allerdings besonders zum Ende des Konzertes eindrucksvoll gewürdigt wird.

NAPALM DEATH können dann eigentlich nichts mehr falsch machen. Nun steht die gesamte Meute wie eine Eins hinter den britischen Krawallbrüdern. Apropos stehen – einen Konzertbesucher begeistern die Jungs so, dass er plötzlich nackt mit seinem Pimmel in der Hand auf der Bühne steht und… äh… wie nenne ich das… feiert. Als der Typ dann kurze Zeit später von der Bühne gefallen ist, gibt es aber auch eine weitere Störung, denn ein Stagediver reißt den Bandgitarristen zu Boden – der Song muss abgebrochen werden und es kommt zu einem Handgemenge. Überhaupt ist die Stimmung im Publikum sehr wild und aggressiv. NAPALM DEATH hingegen voller Energie und Spielfreude. Spaß und Wut liegen bei ihnen sehr dicht beieinander und Frontmann Barney geht ab wie Schmitz Katze. Er tobt, er brüllt, er tanzt, wenn man seine Tanzbärenhaften Bewegungen so nennen will und animiert das Publikum unermüdlich. Zwischendurch gibt es intelligente, politische Ansagen und eigentlich ist es auch vollkommen egal, ob man nun einen Song wie „Suffer The Children“ spielt oder „Greed Killing“, denn jeder, wirklich jeder Track wird komplett abgefeiert und vom gut gelaunten Frontmann hinreißend interpretiert. Der Sound ist nicht toll, dafür extrem laut – aber NAPALM DEATH wollen auch nicht schön klingen, sondern brutal und wütend. Das gelingt ihnen und irgendwie passt somit auch wieder der Livesound im Heinz. Während des Gigs wird dann noch eine der Bühnenboxen fasst umgerissen, die gottlob mit Ketten gesichert sind. Einfach heftig und wahnsinnig, was im inzwischen brechend vollen Chez Heinz abgeht. Da fliegt mir fast das AUTOPSY-Shirt vom Leib! Leute springen, diven, schlagen um sich, pogen, toben, auf dem Klo sind Blutlachen zu sehen, in der Menge gibt es Verletzungen, aber das scheint der tobenden Meute egal zu sein, wer am Boden liegt, wird wieder aufgehoben und gleich geht es wieder zurück in die Hölle vor der winzigen Bühne, die der Band kaum Platz bietet. Brutal! Definitiv keine reine Metal-Crowd und für meinen persönlichen Geschmack ein wenig zu viel des Guten und ein wenig zu krass, weshalb ich mich schnell an den Rand zurückziehe, um das infernalische Soundmassaker, welches die Kult-Grinder da anrichten, in Ruhe zu bestaunen und zu genießen.

NAPALM DEATH sind einfach großartig und ich habe die Band selten so vor Energie und Spielfreude strotzen sehen, wie heute Abend. Die Briten haben definitiv allen ihren Vorbands das Wasser abgegraben und konnten sogar die fantastische Leistung von IMMOLATION noch toppen. Einfach nur geil. Noch ein Wort zu den Preisen. Der Eintritt lag bei 20.-€, Shirts kosteten 15.-€ und Bier gab es zwischen 1,20.-€ und 2.-€. Geht also fast noch, nicht wahr?

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu IMMOLATION auf terrorverlag.com

Mehr zu MACABRE auf terrorverlag.com

Mehr zu NAPALM DEATH auf terrorverlag.com

Mehr zu WAKING THE CADAVER auf terrorverlag.com