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NATHANIEL RATELIFF & THE NIGHT SWEATS

Ort: Köln – Live Music Hall

Datum: 05.11.2016

Ob die Live Music Hall wohl auch rappelvoll gewesen wäre, wenn NATHANIEL RATELIFF nicht vor ziemlich genau einem Jahr bei Ina Müller zu Gast gewesen wäre? Immerhin 650.000 Platten hat der stimmgewaltige Bartträger weltweit von seinem selbstbetitelten Debütalbum verkauft, das im August 2015 das Licht der Plattenläden erblickt hat und zweifellos hilft so ein Fernsehauftritt ungemein, die Bekanntheit eines Musikers zu pushen, so dass es kein Wunder war, dass es für sämtliche Konzerte (die teilweise sogar höher verlegt wurden) in Deutschland schon lange keine Tickets mehr gab.

Nun war der Bandleader nicht nur mit seinen NIGHT SWEATS in die Domstadt gekommen; im Schlepptau hatte er zudem noch MATTHEW LOGAN VASQUEZ aus den Staaten mitgebracht, der bereits vor 20.00 Uhr mit seiner Combo im alten Industriegemäuer loslegte. Damit war ich dann leider auch raus, denn auf der A1 staute es sich unfallbedingt, weshalb mir vom DELTA-SPIRIT-Fronter nur noch der letzte, durchaus mitreißende Song blieb, als ich endlich in der Lichtstraße angekommen war. Dem Applaus nach hatte es den rund 1.800 Zuschauern bestens gefallen, bleibt mir deshalb nur zu hoffen, dass mir der Herr samt Anhang noch einmal über den Weg läuft, um seine hoch gelobte Solo-Mucke vorzutragen. Wo DELTA SPIRIT eher auf Folk- und Americana-Pfaden unterwegs ist, beschreitet Matt mit seinem Sidekick eher rockige Wege und das was es heuer zu hören gab, war wohl auf jeden Fall bestens geeignet, das Auditorium schon mal in Stimmung zu bringen.

Für ihre Fans hätten NATHANIEL RATELIFF & THE NIGHT SWEATS um 20.30 Uhr mit „I’ve Been Failing“ also gar nicht verhalten starten müssen. Die Zuschauerschaft war bestens präpariert und nachdem sich die sechs Herren auf der Bühne eingespielt hatten, ging es auch auf beiden Seiten des Fotograbens ordentlich zur Sache. Etwa mit „I Need Never Get Old“, mit dem der Longplayer druckvoll eröffnet wird und das auch im Live-Vortrag ebenso wie das nachfolgende „Look It Here“ für jede Menge Drive sorgte. Währenddessen groovte „Howling At Nothing“ wie der Teufel und mit „I Did It“ inklusive fettem Gebläse wären auch die BLUES BROTHERS bestens bedient gewesen. Mit viel Soul übernahm derweil „Thank You“, bevor der Tastenmann für prägnante Orgelsounds sorgte und „Wasting Time“ einen nachdenklicheren Moment bescherte. Für „I’d Be Waiting“ verließen Joseph Pope III, Patrick Meese, Luke Mossman, Mark Shusterman und Andreas Wild die Stage und überließen dem Chef das Feld, der mit einer Akustikgitarre bewaffnet Emotionen weckte, die leider im hinteren Bereich der Halle nicht mehr in Gänze ankamen, da hier für einen derart reduzierten Vortrag deutlich zu viel gequatscht wurde. Für das temperamentvolle „The Intro“ erschien wieder die gesamte Truppe im Rampenlicht und provozierte mit treibenden Soul-Melodien ekstatische Handclaps, ehe es mit „Parlour“ absolut tiefenentspannt zur Sache ging. Bei „Shake“ lag die Bühne zunächst in relativer Dunkelheit, um sehr smooth zu beweisen, dass man sich auch in slo-mo schütteln und diesen Vorgang zudem ausführlich zelebrieren kann. Für die Hymne zum Samstagabend („Out On The Weekend“) verzichtete Nathaniel auf ein Saiteninstrument, ehe es mit „Trying So Hard Not To Know“ wieder elektrisch verstärkt in die Vollen ging. Was fehlte bislang noch auf der Setlist? Natürlich der Kracher „S.O.B.“! Hier gingen noch einmal alle Anwesenden steil und während die Kapelle gegen 21.40 Uhr im Off verschwand, ließen es sich die Kölner nicht nehmen, den Song weiterzusingen, weshalb es mit der Nummer auch gleich noch mal weiterging.

Nahtlos schloss sich daran ein wahres Soul-Monster an, das im Original von THE BAND ist und auf den Namen „Ophelia/ The Shape I’m In“ hört. Für ein wirklich grandioses Finale sorgte schließlich „What I Need“. Hier ging’s mit alle Mann nochmals ans Eingemachte und auch nach einer schweißtreibenden Show waren die Jungs auf der Stage immer noch mit viel Spaß, Herzblut und handwerklichem Können bei der Sache, weshalb ich gern noch mehr gehört hätte, aber leider war’s das nach 80 Minuten schon. Doch da Qualität klar vor Quantität geht, gab’s an diesem Gig nichts auszusetzen. Ich freue mich aufs nächste Mal, Mr. Rateliff!

Setlist
I’ve Been Failing
I Need Never Get Old
Look It Here
Howling At Nothing
I Did It
Thank You
Wasting Time
I’d Be Waiting
The Intro
Parlour
Shake
Out On The Weekend
Trying So Hard Not To Know
S.O.B.

Ophelia / The Shape I’m In (THE-BAND-Cover)
What I Need

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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