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NEGATIVE

Ort: Hamburg - Logo

Datum: 04.10.2010

Bei unserem Interview ein paar Stunden zuvor war Jonne Aaron zwar noch schlecht bei Stimme, aber wie sich herausstellt, sind Negative bei ihrem Gig in Hamburg in bester Spiellaune. Dass die Bühne ein wenig kleiner ist als bei ihrem letzten Besuch in der Hansestadt, als sie noch in der Markthalle spielten, mag daran liegen, dass trotz des neuen Major-Deals mit Warner nicht so viel an Promotion gelaufen ist, wie man sich vielleicht hätte erhoffen können – und vielleicht auch daran, dass „Neon“, das neue Album, stärker in Richtung amerikanischem Mainstream-Rock geht, als es vielen Fans der ersten Stunde lieb ist. In Finnland stehen die fünf Musiker auf größeren Bühnen und setzen dort entsprechend mehr auf große Gesten. Nach einer kurzen Aufwärmphase jedoch ist klar, dass heute auch im recht kleinen Logo Stadionfeeling aufkommt.

Das ist zum großen Teil Jonne Aaron zu verdanken, der sich über die Jahre zum perfekten Frontmann entwickelt hat und dem der Dialog mit dem Publikum leicht fällt. Jonne erzählt von den bisherigen Gigs, von den Aufnahmen zur neuen Platte, und dass er seine regenbogenfarbenen Turnschuhe mit den Flügeln, die er eigentlich tragen wollte, im Hotel vergessen hat – und als er schließlich zwischendurch fragt, ob auch alle im Publikum gut drauf sind und ihren Spaß haben, ist wohl niemand dabei, der das verneinen würde. Dabei ist der Sound unterirdisch, um es höflich auszudrücken – Antti Anatomys Bass wummert und hallt, Jay Slammers Schlagzeug scheppert, und Keyboards und Gitarre gehen im Mix oft ebenso unter wie Jonnes Gesang. Das wird vor allem deutlich, als Gitarrist Larry Love und Keyboarder Mr. Snack „Neverending Parade“ als Instrumental bringen. Ganz offenkundig spielen die beiden mit viel Gefühl und Inspiration, aber der enorm schlechte Sound lässt wenig davon übrig.

Neben den neuen Songs, die sich ohne die aalglatte Produktion von Jimmy Westerlund live deutlich stärker als echte Negative-Songs zu erkennen geben als auf „Neon“, spielen Negative natürlich viele ihrer alten Klassiker. Da darf das Neil-Young-Cover „My My/Hey Hey“ ebenso wenig fehlen wie die ersten Hitsingles „In My Heaven“ und „Moment Of Our Love“. Dass Jonne stimmlich wirklich angeschlagen ist, zeigt sich zwar gerade im zweiten Teil des Konzerts zunehmend, aber es gelingt ihm gut, die Melodien der Songs so umzuarbeiten, dass er sich einige der hohen Töne ersparen kann. Bei der lockeren Atmosphäre, die bei diesem Gig herrscht, nimmt ihm ohnehin niemand etwas übel. Im Anschluss an Larrys und Snacks Instrumentalteil holt er die Akustikgitarre heraus und bringt „Stay Alive“ und „Fucking Worthless“ ganz allein, nur begleitet von drei Grazien, die direkt vor den Verstärkern stehen und in diesen emotionalen, stillen Momenten so laut gackern und lachen, dass der Meister ihnen erst ein paar böse Blicke zuwirft und schließlich die Gitarre reicht: „Do you want to play? I could take a break – I don’t mind!“ In diesem Augenblick wird auch klar, dass Jonne, so humorvoll und freundlich er sich ansonsten gibt, keinen Spaß versteht, wenn es um seine Musik geht. Tatsächlich, danach ist Ruhe. Und auch wenn gerade „Fucking Worthless“ stimmlich eine Herausforderung wird, ist der Song schon allein durch seinen hymnischen Aufbau einer der Höhepunkte des Konzerts.

Eine phantastische Version von „Planet Of The Sun“ beschließt das eigentliche Set. Mit „Frozen To Lose It All“ und „Love That I Lost“ ist die Zugabe noch einmal der perfekte Mix aus Alt und Neu, und danach verabschieden sich Negative wie immer, indem sie die Zuschauer in den ersten Reihen mit Rosen beschenken. Als das Saallicht wieder angeht, haben die fünf Finnen ein echtes Kunststück vollbracht: In einem kleinen Club wie diesen ein Stadionkonzert in ganz intimer Atmosphäre zu geben. Das muss man ihnen erst einmal nachmachen.

Setlist (ohne Gewähr)

Won’t Let Go
Moment Of Our Love
Giving Up
No-One Can Save Me Tonight
Blood On Blood
My My Hey Hey
Motherfucker
After All
In My Heaven
Since You’ve Been Gone
Neverending Parade
Still Alive
Fucking Worthless
End Of The Line
Planet Of The Sun

Frozen To Lose It All
Love That I Lost

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