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NEGATIVE – SUBSTYLE

Ort: Leipzig - Anker

Datum: 12.12.2008

Vor-Weihnachtszeit ist NEGATIVE-Zeit und so packte Familie Ahlig mit den Kolleginnen Tine und Steph wieder einmal ihre sieben Sachen und stürzte sich im Anker zu Leipzig in ein glitzerndes Teenie-Gemult, wo am Abend des 12. Dezember den finnischen Glam Rockern aus Tampere gehuldigt werden sollte…

Doch als Support sollten uns erst einmal die Kölner SUBSTYLE einheizen. Moment mal: Seit wann hat DSDS-Gewinner Mark Medlock eine Rockband und wo verdammt noch mal ist Dieter Bohlen? Doch alle Aufregung ist unbegründet, handelt es sich dabei lediglich um den Gitarristen Heiwi, der die Ähnlichkeit zum RTL-Star wahrlich nicht verleugnen kann. Ich muss sagen, als Vorband von NEGATIVE hatte ich eingangs anderes erwartet, war man doch von Auftritten der letzten Jahre ebenfalls niedlich glitzernde Finnen mit verwuschelten Haaren gewohnt. Doch die Enttäuschung sollte nicht lange währen. Denn SUBSTYLE ziehen die Leute ziemlich schnell auf ihre Seite und bringen mit ihrem Mix aus Polka und Metal die ersten Köpfe zum Wackeln. Als Sänger Guido sich leicht verschüchtert für das Klatschen der Fans bedankt, wird mir klar, dass auch er Bedenken hatte. Aber die werden spätestens vom Tellerrand gefegt, als Heiwi das Akkordeon auspackt und eine Nummer anstimmt, die mich in ein Straßencafé Frankreichs beamt. Steph und ich sind angetan, kommen nun so richtig in Fahrt und treiben Heiwi mit unserem Schunkeln ein breites Grinsen übers ganze Gesicht – na bitte! Guido motzt über Saturn und Kollegen, die ihre CDs natürlich viel zu teuer anbieten und weist darauf hin, dass man heute Abend am Merchstand die Waren auch um einiges billiger haben kann – wie süß. Harter Alternative Rock mit gewitzt-schunkelnden Elementen, der sich sehen lassen kann. Feine Sache, der Applaus sei verdient…

Ein Blick nach links und rechts geworfen, schon fällt auf, dass das Publikum sich zum Vergleich der letzten Jahre irgendwie verändert hat. Ich sehe zwar immer noch Muttis und Papis, die ihre minderjährigen Teenies begleiten, aber insgesamt sind die Mädels eher ruhiger und unscheinbarer geworden. Wo man einst schreiendes Pink, kurze Röcke, farblich absolut unpassende Outfits und Glitter en masse entdecken musste, sieht man heute Abend einfach nur junge Mädels, die sich auf ein Konzert ihrer Lieblingsband freuen – ob es wohl am aufsehenerregenden Gitarristen Sir Christus liegt, der wegen unverträglichen Auseinandersetzungen das Feld räumen musste?! Sei es drum, merkwürdig bleibt jedoch nur, dass man zu jeder Zeit absolute Körperfreiheit hat und sich frei in der Räumlichkeit bewegen kann…

Eine weitere Erneuerung stellt der überraschend ruhige Auftakt dar. Frontmann Jonne Aaron positioniert sich mit Akustikgitarre und stimmt das massenbewegende NEIL YOUNG Cover „My My, Hey Hey“ an, welches sich glücklicherweise in der Mitte des Songs zum gewohnt typischen Rockfetzen verwandelt. Die Mädels sind nun ganz aus dem Häuschen. Wahrscheinlich war es vorher die bekannte Ruhe vor dem Sturm. Die Amphs dröhnen auf, die Gitarren spielen sich direkt unter die Haut, während die saftig-rockigen und zugleich einschmiegsamen Vocals volle Fahrt voraus ins Herzel schießen. Jonnes kreisende Hüftbewegungen und sein ständiges sich-in-den-Schritt-Gefasse, lässt Mädchenhöschen ziemlich feucht werden. Finnland-Flaggen werden gehisst, während der Teufel sich auf die Schulter setzt. Plötzlich wird es ganz heiß in dem gerade mal bis zur Hälfte gefülltem Anker. NEGATIVE beweisen wieder einmal ganz eindeutig ihre Professionalität. Da sitzt jeder Ton, jede Bewegung, jedes Haarflattern und lässt nun bei den Fans fanatische Massenhysterie aufkommen. Zu Recht, denn obwohl vor einigen Jahren es ihnen wohl nur wenige zutrauten, haben die finnischen Glamrocker bewiesen, dass sie auch (in dieser Szene ja nicht unbedingt üblich) mit ihrem vierten Album „Karma Killer“ ungestüme Power, mitreißende Melodien, locker-fluffiges Flair, deftige Soli und einen Hit nach dem anderen aus dem Kasten schlagen können und sehr wohl mit Vorbildern wie HANOI ROCKS mitzuhalten wissen. Begeistert darf man immer wieder von Sänger Jonne sein, der mit seiner wuchtigen Rockröhre die Limette aus der Flasche hüpfen lässt. Zehn Glitzerpunkte!!! Egal ob es sich um ältere Songs wie das rotzige „Naive“, Klassiker wie „Moment Of Our Love“ oder aktuelle Sachen wie „An Ornament“ handelt, die Fans sind unermüdlich und singen bei jedem einzelnen Stück voller Innbrunst jede Textzeile mit und tanzen sich voller Glückseligkeit in die Nacht hinein. Endlich löst sich nun auch die Frage auf, wer eigentlich die fehlenden Gitarren-Parts von Ex- Gitarristen Sir Christus ersetzen soll. Was Leadgitarrist Larry nicht übernehmen kann, bekommt Unterstützung von Keyboarder Snack – soundtechnisch absolut kein Minuspunkt. Plötzlich stimmt Jonne den Pink Floyd Überhit „Another Brick In The Wall“ an und ob ihr’s glaubt oder nicht, auch diesen Part übernehmen die Mädels ohne mit der Wimper zu zucken, bevor mit „Giving Up“ weiter im NEGATIVE-Flair abgehottet wird. Doch dies sollte nicht die einzige PINK FLOYD Einlage bleiben, Jonne schnappt sich ein weiteres Mal die Akustikgitarre und stimmt unter aufflackernden Handykameras (schon seltsam, damals waren es noch Feuerzeuge…) das herzerweichende „Wish You Were Here“ an – erste Sahne!!!

Larry rockt die Box, Wirbelwind Johnne rennt von einem Bühnen-Ende zum nächsten, um sich mittig mit Mikroständer im Kreis zu drehen und erneut von der Box zu springen. Holzfellerhemd-Rocker Antti lässt wild die Rastas schwingen, während wir versuchen die Phrasen, die über seine LED-Gürtelschnalle huschen, zu entziffern. Ich erkenne irgendwas mit Deutschland…beste Ärsche…hat jemand Gras? Die Kommunikation zum Publikum lässt an keiner Stelle zu Wünschen übrig und hält das Volk mit ständig niedlichen Ansagen und Geflirte bei Laune. Ein perfekter Mix aus griffigen Glam Rock, sanfter Gefühlsduselei und Sexappeal!!! Der Rhythmus droht zu explodieren, die Leidenschaft zu eskalieren und die Gitarrensaiten zu reißen wenn Larry seine überwältigenden Soli vom Leder zieht und Energiebündel Johnne über die Bühne fegt und den Mädels mit heißen Po-Wackel-Aktionen den Atem raubt. Sprüche wie weichgespülter Mädchenrock sind gänzlich unangebracht was unter anderem das durchpowernde „Motherfucker“ beweist bei dem sich das Publikum in kleine krachende Rockmiezen verwandelt und Dirigent Jonne mit peitschenden Bewegungen immer wieder die ohnehin aufgeheizte Stimmung zum höllischen Überkochen bringt. Was bei einem NEGATIVE-Konzert nicht fehlen darf – wir wollen Geschichte schreiben und so setzt die Masse in ein kollektives Gejubel ein, das die Trommelfelle zu zersprengen droht. Ich weiß nicht ob die Erinnerung jedes Mal aufs Neue trügt, aber es scheint als würden NEGATIVE-Fans nichts anderes tun als Schreien zu üben, um jedes verdammte Jahr lauter zu werden. Bei dem Überflieger „Planet Of The Sun“ droht eine Massenorgie auszubrechen – Antti wird’s zuviel und rennt lieber in Duck-Stellung über die Bühne um sich in Sicherheit zu bringen. Kurze Pause um die Stimme zu kurieren, bevor mit einem fetten schnalzenden Gitarrensolo die erste Zugabe „Misery“ einsetzt, die letzten Schweißdrüsen beansprucht werden und sich nach der genialen Rockhymne „Until You’re Mine“, bei der die Fans mittlerweile lauter als Jonne selbst grölen, und dem kraftvollen „Won’t Let Go“ vom Fußboden kratzen lassen. Die Finnen scheinen von ihrem wohlverdienten Applaus nicht genug zu bekommen und lassen sich eine halbe Ewigkeit weiter feiern – die Mädels können ihre Stimmorgane einfach nicht mehr bändigen. Larry wirft sein Handtuch auf die Lampe und auch Antti scheitert an dieser, bevor der Sensenmann nun endgültig am Zuge ist.

Fazit: Obwohl um eine Person geschrumpft, wissen NEGATIVE wie eh und je zu begeistern und ich bin mir sicher, dass sie uns auch in Zukunft nicht enttäuschen werden! Und so verschwinden wir in die Nacht und lauschen draußen auf ein Neues Heiwis Akkordeon, der zusammen mit der restlichen SUBSTYLE Truppe den NEGATIVE-hungrigen Fans die Wartezeit auf ihre Helden versüßen möchte…

Setlist NEGATIVE
My My, Hey Hey (Out Of The Blue)
A Devil On My Shoulder
In My Heaven
Lust N‘ Needs
The Moment Of Our Love
Sealed
Giving Up!
Wish You Were Here
An Ornament
After All
Naïve
Frozen To Lose It All
Motherfucker (Just Like You)
Planet Of The Sun
One Last Shot

Misery
Until You’re Mine
Won’t Let Go

Copyright Fotos: Tine Kersten

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