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WERNER KARLOFF – SELOFAN – NEUE STRASSEN

Ort: Bielefeld - Nr.z.P

Datum: 08.09.2017

UNTER NULL

Die Zeit der großen Festivals wie AMPHI oder M`ERA LUNA sind für dieses Jahr vorbei, und es geht endlich wieder in die Clubs. Schon seit der Ankündigung der Veranstaltung UNTER NULL mit den Mexikanern WERNER KARLOFF und NEUE STRASSEN freute ich mich seit Monaten auf diesen Freitagabend. Mit dem griechischen Duo SELOFAN gesellte sich eine weitere Combo zu diesem Line Up, und um es vorweg zu nehmen, es versprach nicht nur ein toller Abend zu werden, er war es auch!

Gegen 21 Uhr eröffneten NEUE STRASSEN mit „The City“ auf der spärlich beleuchteten Bühne ihr Set. Werner Karloff (voc, synth und drumbox) und Casper Fokop (guit) präsentieren auf ihrer kleinen Tour durch Europa – u.a. Berlin, Madrid und London – ihr gerade veröffentlichtes Album „Moderne Zeiten“ auch hier im beschaulichen Bielefeld. Ihr Sound bewegt sich zwischen New Wave, Minimal Synth, Post Punk und wer hätte es gedacht, auch Einflüsse aus der Neuen Deutschen Welle – so zwischen PALAIS SCHAUMBURG und IDEAL – kommen hier nicht zu kurz. Sie starteten ihr Gig mit „The City“ vom aktuellen Werk, der Song wurde 2014 auch schon auf der „Landschaften Und Maschinen“-EP, auf Cassette in einer limitierten Auflage veröffentlicht. Mit „Tanks“, „Trinchera” und “Airfighter” folgten weitere kraftvolle Tracks, die einige im Publikum zum Mittanzen animierten. Es wird nicht nur mir so gegangen sein, denn die Texte oder auch nur Sprachfetzen von Herrn Karloff konnte man kaum wahrnehmen, da war die Musik viel präsenter und der Gesang mehr in den Hintergrund abgemischt, genau wie auf Konserve. Nach nur einer viel zu knappen halben Stunde verließ das Duo nach der Zugabe „Workers Riot” die Bühne, leider gibt ihr Output an veröffentlichten Songs im Moment nicht mehr Spielzeit her, dann eben beim nächsten Mal.

Setlist NEUE STRASSEN (ohne Gewähr)
The City
East Front
The Fall
Tanks
Trinchera
Fiction
Atack On The City
Airfighter
Workers Riot

Mit ein paar Alben mehr im Rücken betraten Joanna Badtrip und Dimitris Pavlidis, besser bekannt als SELOFAN die kleine Stage. Kaum zu übersehen war der opulente Iro der Frontfrau, die auch sonst mit Gesang, Mimik und Gestik das Publikum vom ersten Song an begeisterte. Auch dieses Duo ist mit ihrem aktuellen Longplayer hier angereist, um den Anwesenden einige Stücke aus “Cine Romance” vorzustellen. Als Opener wählten sie “Schwarz” vom letzten Album “Στο Σκοτάδι (In The Darkness)” bevor “Romance” dann das erste neue Stück ihres Sets war. Auch bei den beiden Griechen ist Minimal Electro angesagt, umso verwunderlicher ist es, als Dimitris doch tatsächlich bei einem Song auf dem Saxophon spielte, oder bei einen anderen den Bass bediente. Auch am Micro unterstütze er seine Bandkollegin, um mit ihr das Duett “Μαυσωλείο (Mausoleum)” zu performen. Bei “La Undustria Del Sexo” verließ Joanna die Bühne, um Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen und links vor der Bühne postierte sich ein tanzender Roboter, mit dem sie anschließend flirtete. Nach einer guten dreiviertel Stunde verabschiedeten sich die beiden Athener von der Bühne, aber eine Zugabe durfte nicht fehlen: “Musik” war dann der letzte Track der beiden bei diesem vielumjubelten Auftritt.

Setlist SELOFAN (ohne Gewähr)
Schwarz
Romance
Φωσφωριζω
A Whimper
Μαυσωλείο (Mausoleum)
Love Is A Mental Suicide
Verboten
Alone
La Undustria Del Sexo
The One You Wanted
Shadowmen
Snakes
Στο σκοτάδι (In The Darkness)
The Wheels Of Love
Musik

Nach einer weiteren kurzen Umbaupause, es war ja nur ein kleines Pult mit einem Synthi aufzubauen, brach ein Soundgewitter in der kleinen Venue los. Es klang verdammt nach der ersten Band des Abends und ich verrate jetzt kein Geheimnis, denn WERNER KARLOFF ist im Prinzip das Projekt NEUE STRASSEN, dieses Mal nur ohne Gitarre und als Ein Mann-Kapelle. Nur konnte man den Mexikaner bei seinen ersten Songs “Industrielle Staate” und “Verloren” durch den starken Nebel gar nicht sehen. Erst bei “Staub Und Schatten” legte sich selbiger und gab den Blick frei auf Herrn Karloff. Dieser stand dann doch nicht ganz alleine auf der Stage, sondern wurde unterstützt von dem Roboter, der auch schon bei SELOFAN kräftig mittanzte. Beide arbeiteten sich größtenteils durch das im letzten Jahr auf Young & Cold Records veröffentlichte Album “Tanz Der Automaten”. Mit seinem analogen Retro Sound und den deutschen Songnamen erinnert das Ganze an die frühen DAF und DIE KRUPPS, wobei letztere mit “Schmutzfabrik” ja auch einen Track gleichen Namens in ihrem Repertoire haben. Auch dieser Auftritt war nach nur viel zu kurzen 35 Minuten vorbei, aber mit ”Besuch” gab es dann noch die lautstark geforderten Zugabe.

Setlist WERNER KARLOFF (ohne Gewähr)
Industrielle Staate
Verloren
Staub und Schatten
Fabrik
Strassen
Tanz Der Automaten
Schmutzfabrik
Dreiecke und Quadrate

Besuch

Unter dem Motto der Post-Punk-Ära „Fuck Art Let’s Dance“ huldigt die Veranstaltungsreihe UNTER NULL der Subkultur der späten 70er und frühen 80er Jahre. Kreativität ohne künstlerischen Zwang. UNTER NULL steht für das Lebensgefühl dieser Zeit – sie ist anarchisch, neonschwarz, absolut tanzbar und giert nach „Lust for life“ – so die Ansage des Veranstalterkollektivs. Ich möchte mich an dieser Stelle für die tolle Veranstaltung bei den Organisatoren bedanken. Es gibt sie doch noch, diese kleinen Events aus den Bereichen Wave, Gothic und Minimal Elektro in Bielefeld, und es gehört schon eine Menge Mut und Enthusiasmus dazu, so etwas zu planen und durchzuführen.

Einen kleinen Kritikpunkt gab es dann doch noch und das betrifft das Merchandise der Mexikaner. So minimal ihre Musik ist, so war auch deren Angebot an Produkten. Ich wollte mir unbedingt ihr aktuelles NEUE STRASSEN-Album kaufen, nur hatten sie es nicht dabei, nix in dieser Richtung. Nur ein WERNER KARLOFF-Musikträger war im Angebot, das war alles. SELOFAN zum Beispiel brachten einiges an Material zum Konzert mit. Also muss ich mir „Moderne Zeiten“ doch noch über andere Kanäle besorgen.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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