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NEUWERK-FESTIVAL 2008

Ort: Berlin - Postbahnhof

Datum: 26.12.2008

Nach einer viel zu kurzen Nacht fuhren wir am Morgen nach dem Chemnitzer Darkstorm-Festival weiter nach Berlin, um das dort stattfindende Neuwerk-Festival zu besuchen. Pünktlich zum Einlass um 17 Uhr fanden wir uns am Postbahnhof, nahe des Berliner Ostbahnhofs ein. Die schöne Location füllte sich schnell, die letzten Karten wurden an der Abendkasse verkauft und dann hieß es „ausverkauftes Haus“!

Vor der Bühne warteten schon viele auf die absoluten Newcomer und Abräumer des Jahres 2008, die Engländer KLOQ, denen mit ihrem Debüt „Move Forward“ ein elektronisches Feuerwerk gelungen ist. KLOQ besteht hauptsächlich aus Mastermind Oz Morsley, der die Stücke schreibt und produziert. Dieser nahm zusätzlich zu einem Livedrummer und Live-Gitarristen hinter einem Synthesizer seine Position ein. Den Anfang machte der Kracher „Ibiza“, einer Coverversion des Dance Acts AMNESIA. Einigen Minuten lang wurde uns der Instrumentalsong um die Ohren geschlagen, bevor Sänger Greg Cumbers auf die Bühne kam und der nächste Song „We’re just physical“ begann. Auf dem Album wurden die Vocals von keinem geringeren als Douglas McCarthy (NITZER EBB) eingesungen, aber auch Gregs Shouts konnten sich hören lassen. Der explosive Sound ging ordentlich in die Beine und das Berliner Publikum schien die Singleauskopplung aus dem Jahre 2007 gut zu kennen. Auch der nächste EBM-Smasher „You never know“ zündete sofort. Mitglieder verschiedenster Bands des Abends wurden tanzend irgendwo in den Massen entdeckt. Nach zweimaliger Aufforderung kamen wir auch der Aufforderung nach „some fucking noise“ zu machen. Melodischer und synthie-poppiger folgte „Move forward“. Gregs Gesang war dabei ruhiger und gefühlvoller und er tänzelte auf der blau beleuchteten und nebligen Bühne hin und her. Zwischendrin zauberte der Drummer ein tolles Solo und Greg rockte abschließend zum Gitarrensound. Wieder mit härteren elektronischen und tanzbaren Klängen endete das Set mit „You never know“ und „Push it“. Well done!

Setlist KLOQ
Ibiza
We´re just physical
You never know
Move forward
I never said
Push it

Es blieb elektronisch mit SOLITARY EXPERIMENTS, die in Berlin ein Heimspiel hatten und herzlich begrüßt wurden. Das Trio um Sänger Dennis Schober, Michael Thielemann und Steve Graeber hatten sich einen Live-E-Drummer zur Unterstützung mitgebracht, der den Songs noch zusätzlichen Drive verlieh. Alle waren mit roten Hemden und schwarzen Schlipsen bekleidet. Sänger Dennis agierte im Vordergrund und heizte dem Publikum mit einer Mischung aus treibendem EBM und atmosphärischen, melodischen Elektroklängen ordentlich ein. Stimmlich deckte er die gesamte gesangliche Bandbreite von soft bis hart ab. Mit den Worten „Wir spielen Tanzmusik…“ und druckvollen Sounds wurden die Berliner weiter angetrieben und feierten zu Songs wie „Delight“ oder dem abschließenden deutschen Titel „Seele bricht“.

Es wurde immer voller im Postbahnhof. So dass man richtig drängeln musste, um in den Saal zur Bühne zu gelangen. Die ersten Reihen waren offensichtlich schon von den Fans des Headliners VNV NATION besetzt, die ihren Platz verteidigten. Doch erstmal hieß es Abzappeln zu dem aus dem Ruhrpott stammenden Trio ROTERSAND. Seit ihrem Debütalbum 2003 gibt es regelmäßig neue Tanzflächenfüller von Sänger Rasc, DJ Krischan Wesenberg und Gun. Den Beginn machte „Almost Violent“ und der imposante, über 2 Meter große Rasc wirbelte zu technoiden Beats ordentlich über die Bühne. Der Song, der das Trio 2003 bekannt gemacht hatte und ein Cluberfolg wurde – „Merging Oceans“ – folgte im Anschluss. Zwischen den Stücken alberte Rasc viel mit dem Publikum herum und sicherte sich mit seinem Charme volle Aufmerksamkeit. Vom aktuellen Album schloss sich „Lost“ an. Ein Titel, der anfangs aggressiv und hart klingt, dann aber in einen eingängigen und sehr melodiösen Refrain übergeht. Bei ROTERSAND Live-Auftritten schon fast üblich ist, dass Rasc irgendwann einfach von der Bühne klettert und sich unter das Publikum mischt, um dort kräftig mitzutanzen. So auch an diesem Abend und es bekam den Namen „Tanzkontrolle“. Minutenlang blieb er im Publikum und schwang sich erst beim nächsten Song wieder zurück auf die Bühne. Die hymnische Single „I cry“ mit verträumten Synthie-Sound und Gesang heimste ordentlich Applaus ein. Wieder nahm Rasc sich Zeit für Dialoge mit dem Publikum und stellte seine Mitstreiter vor, bevor es mit dem Club-Stampfer „Exterminate Annihilate Destroy“ härter nach vorn ging. Krischan verließ sein Pult, ergriff ein Mikro und zu dritt stellten sich alle nach vorn, streckten die rechten Fäuste nach oben, um sie im Takt zu bewegen. Das Publikum zog nach und das steigerte die Stimmung merklich. Gemeinsam ging das Trio mit ernstem Blick über die Bühne und sang „Destroy“, während sie mit den Fingern auf uns im Publikum zeigten. Die tanzende Masse mobilisierte die letzten Kräfte zum Abschlusssong „Undone“ und streckte die Arme in die Luft, während gemeinsam „Everybody need somebody…“ gesungen wurde. So endete der stimmungsvolle Auftritt einer sympathischen Band.

Setlist ROTERSAND:
Almost Violent
Merging Oceans
Lost
Dare to Live
I cry
Exterminate Annihilate Destroy
Undone

Eine Ausnahme im elektronischen Line-Up bildete die nächste Formation DIARY OF DREAMS, deren Fans nur teilweise in die ersten Reihen gelangten, da wie schon oben erwähnt die Headliner-Fans dort konsequent ausharrten. Für mich aufgrund des Vorabends keine Überraschung mehr, aber andere staunten nicht schlecht, als der ehemalige Keyboarder und DIORAMA-Mastermind Torben Wendt zusätzlich zu Keyboarder Taste die Bühne betrat. Neben Schlagzeuger D.N.S, Gitarrist Gaun:A und Adrian Hates standen sie dann zu fünft auf der Bühne und begannen mit dem Titel „Nekrolog 43“ vom gleichnamigen letzten Album. Das Tour-Outfit hatte zumindest Adrian schon abgelegt und erschien mit offenen Haaren, in schlichter Hose, Hemd und Mantel. Anfängliche technische Probleme konnten schnell behoben werden, so dass bei „Chemicals“, Torbens zusätzliche Keys und sein Gesang schön zur Geltung kamen. Insgesamt wirkte die Stimmung besser als am Vortag, was auch an der kleineren Location gelegen haben mag. Einen herzlichen Applaus und laute Schreie ertönten aus dem Publikum, bevor es rockig mit „The Plague“ weiterging, wo auch Adrian zur Gitarre griff. Es blieb schnell und gitarrenlastig bei „MenschFeind“, bei dem besonders Taste hinter seinem Keyboard mächtig abrockte. Nach dem bezaubernden und einnehmenden „AmoK“ folgte der Kultsong „Traumtänzer“, bei dem das Publikum sang „Wirst du mich nie verstehen, wirst du denn nie verstehen, hast du noch nie gesehen, wie meine Augen glitzern?“. Noch immer bekomme ich dabei eine Gänsehaut. As die ersten Klänge von „Butterfly:Dance“ ertönten, ergriff Torben wie am Abend zuvor sein Mikrofon, um den Titel gemeinsam mit Adrian zu singen. Die Beiden zogen zusammen eine ergreifende und mitreißende Show ab und harmonierten prächtig. Ausdrucksstark auf ganzer Linie, gesanglich und auch bewegungstechnisch faszinierten sie das Publikum. Das Publikum steckte die Arme zum gemeinsamen „Hello“-Singen nach vorn. Passend zum Line-Up hatte man sich für die Setlist schnellere Stücke ausgesucht. Da durfte auch der Titel „Soulstripper“ nicht fehlen, der vor Energie nur so strotzt und unweigerlich zum Tanzen führt. Eine kleine Tradition mittlerweile ist das großartige Drummsolo, das D.N.S. in diesen Song einbaut und welches das Publikum auch hier verdientermaßen mit einem Extra-Applaus belohnte. Das zweite Duett zwischen Adrian und Torben folgte mit „The Curse“. Wieder sahen wir einen packend schönen Vortrag des Songs mit zwei außergewöhnlich harmonierenden Stimmen. Wie schon am Abend zuvor beendete „Kindrom“ den viel zu kurzen Auftritt und trotz lauter Zugabe-Rufe konnte diese aufgrund des Zeitplans nicht gewährt werden.

Setlist DIARY OF DREAMS
Nekrolog 43
Chemicals
The Plague
MenschFeind
AmoK
Traumtänzer
Butterfly:Dance
Soulstripper
The Curse
Kindrom

Aufgrund der strengen Zeitvorgaben (Ende um 22:45 Uhr) fingen die Headliner VNV NATION schon einige Minuten früher an als geplant. Der Postbahnhof platzte aus allen Nähten und wer sich bis jetzt keinen Platz an der Bühne gesichert hatte, konnte dies getrost vergessen. Drummer Mark Jackson nahm auf einem Podest seinen Platz ein und rechts und links neben ihm unterstützten an den Synthesizern wie so oft auch an diesem Abend Tom von [:SITD:] und Vasi Vallis (REAPER, FROZEN PLASMA). Sänger Ronan Harris wurde heiß umjubelt, als er zum Intro die Bühne betrat. Nachdem sich zu „Chrome“ aufgewärmt wurde, nutzte Ronan die Pause danach für ein wenig Smalltalk. Er verriet, dass er ganz schön erkältet sei und wünschte uns allen ein Frohes Fest, bevor es mit „Epicentre“ weiterging. Pro Song hörten wir ungefähr dreimal „Berlin wo seid ihr?“ oder „Come on“, um das Publikum weiter anzutreiben. Zu den zuckenden Lichtblitzen auf der Bühne wirbelte Ronan auf der Bühne hin und her und genoss die ihm entgegengestreckten Arme. Es wurde überall wild getanzt bis hinten in die letzten Ecken des Saals und auch wenn der gemeinsame Gesang teilweise noch nicht so klappte: Bei „Nemesis“ klang das doch sehr beachtlich. Hinter Mark wurden während des gesamten Sets auf einer Leinwand Bilder, Schriftzüge und Videos projiziert, die zusätzlich zur Lichtshow für schöne Effekte sorgten. Trotz der grandiosen Stimmung bemerkte man bei einigen Songs nochmals eine Steigerung, so auch bei „Standing“. Als alle zusammen den Refrain sangen und die Arme hochhielten, bekam ich eine dicke Gänsehaut. Ronan lachte sich hin und wieder über die Textpatzer in den ersten Reihen kaputt und schüttelte haufenweise Hände. Auch der Klassiker „Darkangel“ wurde vom Publikum abgefeiert. Mit der Einleitung von „Illusion“ und dem Aufruf zum Anderssein wurde es gefühlvoller und wunderschöne Piano-Klänge erfüllten den Saal. Immer wieder sang das Publikum ganz allein den Text, während Ronan sein Mikro in die Menge hielt. Nach dem Motto „Ronan macht vor und alle machen nach“ folgten lustige „Oh eh ooohhh“-Chöre zum Beginn von „Perpetual“ und die Musiker auf der Bühne wurden vorgestellt. Einige Tage vor dem Festival gab es im Fanforum VIP-Nation eine Umfrage, welcher Wunschsong an diesem Abend gespielt werden sollte. Gewonnen hatte der Titel „Arena“, den auch Ronan nach eigenen Aussagen liebt und der als erste Zugabe präsentiert wurde. Richtig laut ging es mit „Fearless“ weiter.. Doch die Berliner wollten nach dieser Zugabe mehr und holten die 4 mit Applaus schnell wieder zurück auf die Bühne. Ronan bedauerte es, dass nur noch Zeit für ein Lied da wäre und versprach alle später zur Aftershow-Party im K17 zu treffen. Mit den Worten „I love you people“ begann der letzte Song des Abends „Beloved“ unter heftigem Jubel und Geschrei. Ein abschließendes gemeinsames Hüpfen und Klatschen beendete den Auftritt und damit das Neuwerk-Festival 2008, welches wieder ein voller Erfolg wurde. Auf ein Neues in 2009!

Setlist VNV NATION
Intro
Chrome
Epicentre
Nemesis
Further
Standing
Darkangel
Illusion
The farthest star
Perpetual

Wunschsong: Arena
Fearless (incl. Cowgirl)

Beloved

Copyright Fotos: VNV NATION (Daniela Vorndran)/ Rest (Cathie Niemann)

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