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NEVER SAY DIE!

Ort: Hamburg - Übel und Gefährlich

Datum: 21.11.2007

COMEBACK KID – PARKWAY DRIVE – CANCER BATS – THE WARRIORS – THIS IS HELL – SOLDIERS

Das Package mit dem etwas verqueren Namen führte mich zum ersten Mal ins „Übel & Gefährlich“, welches in einem alten Bunker in der Nähe des Millerntors beheimatet ist. Da dieser Bau schon ganz andere Sachen unbeschadet überlebt hat, fand das Konzert nicht wie normalerweise ebenerdig, sondern im Dachgeschoß dieses Riesenbaus statt. So war es denn auch das erste Mal, dass ich als Besucher mit eigenem Fahrstuhlservice in den geheiligten Konzertsaal begleitet wurde. Stylishe Angelegenheit, welches von allen Anwesenden mit heiterer Gelassenheit kommentiert wurde. Da fühlt man sich fast wie ein Mitglied der Yakuza. Oben erwartete einen ein angenehm gefüllter Saal mit einem relativ gemischten Publikum, welches gegen Ende des Konzertes dafür sorgte, dass kein Wasser mehr aufzutreiben war. Wurde halt umsonst Leitungswasser ausgeschenkt, ist ja auch in Ordnung. Aber so ist es mittlerweile, auf Straight Edge Konzerten ist immer das Bier alle und bei normalen Hardcore Konzerten das Wasser. Verkehrte Welt. Etwas unvermittelt stand dann pünktlich die erste Band auf der Bühne, die überraschender weise nicht im Billing aufgeführt war.

SOLDIERS

Dass die SOLDIERS noch mit ins Boot geholt worden waren, machte durchaus Sinn, da die Band ein Sideproject von den THIS IS HELL Mitgliedern Rick Jimenez und Dan Bourke ist. Man hat zwar im Oktober das Debüt-Album auf Trustkill Records veröffentlicht, die Songs waren den meisten Anwesenden, mich eingeschlossen, jedoch unbekannt. Deswegen war es nicht weiter verwunderlich, dass die Band aus sicherer Entfernung betrachtet wurde. Die im NYHC Bollo-Style gehaltenen Stücke machten durchaus Spaß, aber ob die Band von vielen im Gedächtnis gehalten wurde, wage ich zu bezweifeln. Und das nächste Mal ein wenig Bums aus der Bass-Drum nehmen, vielleicht stehen dann auch mehr Leute vor der Bühne.

THIS IS HELL

Da die Hälfte der Band sowieso schon auf der Bühne stand, ging es dann gleich zügig mit THIS IS HELL weiter, die mit “Sundowning” ja eine ordentliche Platte im Repertoire haben. Die Formation kannte der Eine oder andere dann doch und so war vor der Bühne etwas mehr los, aber der Funke sprang trotzdem nicht über. Sollte das Hamburger Publikum wieder einmal einen gelangweilten Tag haben? Die Band hatte jedoch sichtliche Spielfreude, Schlagzeuger Dan Bourke ging jedenfalls ab wie Schmidts Katze. Das Organ von Sänger Travis Reilly ist anscheinend auch nicht jedermanns Sache. Ich persönlich finde seinen Style ja erfrischend, weil seine Tonlage beim Geschreie für einen gewissen Wiederkennungswert sorgt. Songs von der neuen Single „Cripplers“ kamen ebenfalls zum Zuge. Guter Auftritt!

THE WARRIORS

Etwas überraschend für mich war, dass die WARRIORS vor den CANCER BATS auf die Bühne kamen. Da die Kalifornier ihr letztes Album ja auf Victory Records herausgebracht haben, hätte ich der Band ja einen höheren Platz in der Reihenfolge zugetraut. Ebenso hätte ich gedacht, dass die Jungs für mehr Euphorie im Publikum gesorgt hätten, da ich ja persönlich sehr angetan von den „War is Hell“ und „Beyond the Noise“ Scheiben gewesen war. Aber anscheinend war ihr vom Neunziger Crossover beeinflusster Style heute jedoch nicht allzu sehr angesagt, denn die Reaktionen des Publikums waren ebenfalls als eher verhalten zu bezeichnen. Sind die ganzen Menschen also doch nur wegen COMEBACK KID gekommen, die nun mir wiederum recht egal waren? Egal, imposante Erscheinungen waren die Musiker auf jeden Fall, es sah fast so aus, als wären BOO-YAA TRIBE dort oben auf der Bühne. Gitarrist Javier Zarate war jedenfalls richtig niedlich, wie er sich pustend die Riffs aus der Gitarre entwand. Im kleinen Club als Headliner wahrscheinlich die Hölle, hier reichte es ebenfalls nur für einen guten Auftritt. Und „Set the Stage“ ist natürlich immer ein Knaller!

CANCER BATS

Die CANCER BATS sind ja eine recht undurchsichtige Band. Sind sie nun eine Hardcore, Metal, Southern-Rock oder Stoner Band? Die richtige Antwort ist wohl eine Mischung aus allen Möglichkeiten. Was man aber unbedingt festhalten kann ist, dass sie eine hart rockende Live-Truppe sind. Gitarist Scott Middleton lässt die Matte wirbeln, dass es eine wahre Freude ist und zeigt nebenbei auch noch seine vorzüglichen Fähigkeiten an der Gitarre. Sänger Liam Cormier rennt auf der Bühne wie ein Löwe in seinem Käfig herum und macht gehörig Alarm. Aber wie schon vorher, weiß das Publikum hier auch nicht viel mit der Band anzufangen, wird aber kopf nickend wohlwollend zur Kenntnis genommen.

PARKWAY DRIVE

Endlich PARKWAY DRIVE! Haben die Australier schon auf der Tour mit SHAI HULUD für Furore gesorgt, war ich gespannt, ob heute Abend wieder so die Post abgehen würde, vor allen Dingen, da das Publikum bis jetzt recht reserviert war. Also freudig zur Stage gepilgert und nach den ersten Takten war klar, dass sie trotz der etwas schwächeren neuen Scheibe live noch genau so killen. Als ob jemand einfach den Schalter umgelegt hätte, fing das Publikum an zu moshen, was das Zeug hält. Stage-Diving und Circle-Pits galore. Yippie Kay-Yah Motherfucker! Gitarrist Jeff Ling haut die Solis raus, dass ihm unweigerlich die Fäuste entgegengestreckt werden. Shouter Winston McCall macht seinem Namen wahre Ehre und im Publikum wird das erste Mal lauthals mit geschrieen. PARKWAY DRIVE haben wieder einmal klar gemacht, dass sie im Moment eine der besten Live-Bands und die Könige eines stagnierenden Genres sind. Und sie machen ebenfalls klar, dass es keine cleanen Vocals braucht, um die Massen zu begeistern, egal Ob Männlein oder Weiblein. Mein Nacken hat den Auftritt bis jetzt noch nicht vergessen. Mehr davon, aber bitte nicht in größeren Hallen, denn dort würde eine Menge von dem Charisma der Band verloren gehen.

COMEBACK KID

Ich muss ja gestehen, dass COMEBACK KID irgendwie immer an mir vorüber gezogen sind. Als ich mir die Band da vorne so anschaute, fragte ich mich warum? Die haben alles, was guter melodischer Hardcore braucht: Sing-A-Longs, Breakdowns, schöne Gitarren-Linien und charismatische Band-Mitglieder. Das Publikum hat mir da einiges voraus und feiert die Band mit großer Freude ab (Selbst wenn ich wollen würde, könnte ich nicht mitmachen, da PARKWAY DRIVE alles von mir verlangt haben. Man ist halt keine 18 mehr, haha). Die Seitendekoration wird von den Divern einfach mal zum Kite-Surfing missbraucht und Sänger Andrew Neufeld wird des Öfteren fast auf der Bühne erwürgt. Was sich schon vorher angedeutet hat, wird nun vollends zur Gewissheit: Was 7 SECONDS schon vor mehr als 20 Jahren gefordert haben, ist mittlerweile endlich zur Realität geworden: Hardcore ist schon längst nicht mehr nur „Boys fun“. Nein, die Mädels sitzen mittendrin im Pit und diven was das Zeug hält (was von den Jungs auch gerne unterstützt wird…). Das Geschlechterverhältnis war an diesem Abend wirklich fast 50 zu 50 (ob das auf der kommenden Persistence Tour auch so sein wird, wage ich einmal zu bezweifeln). COMEBACK KID waren auf jeden Fall good, clean fun. Selbst als Headliner gehen sie ohne Zugabe von der Bühne. Aber darüber meckert keiner der Anwesenden, denn man weiß, man hat ausreichend Value for Money an diesem Abend geboten bekommen.

Copyright Fotos: Michael Päben

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