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NEVER SAY DIE TOUR 2008

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 28.11.2008

PARKWAY DRIVE – UNEARTH – DESPISED ICON – ARCHITECTS – PROTEST THE HERO

Welchen Grund kann es geben, dass man an einem Freitagabend, an dem ja eine ganze Woche Arbeit hinter einem liegt, sich nicht feierabendmäßig entspannt aufs Sofa haut, sondern stattdessen direkt vom Firmenparkplatz aus anderthalb Auto-Stunden nach Münster brettert? Dieser Grund nannte sich am 28. November „Altamont Never Say Die! Club Tour 2008“, in diesem Jahr mit Krachern wie UNEARTH und die von mir vergötterten Australier PARKWAY DRIVE, für die ich meinen Feierabend doch nur zu gerne hinten anstelle.

Am Münsteraner „Skaters Palace“ angekommen hatten der Opener CARNIFEX und die Deathcore-Tieftöner WHITECHAPEL dann leider ebenfalls Feierabend; durch die mir nicht früher mögliche Anreise bekam ich die Knüppelbrüder also nicht mehr vor die Ohren. Scheinen aber einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, denn am recht großen Merch-Stand gingen die Shirts, Pullis und Sweat-Jacken weg wie warme Semmeln. Apropo „sweat“ und „warm“: Ordentlich gefüllt war die Skater-Halle und darüber hinaus trotz der kalten Außentemperaturen mollig warm. Dieser Zustand sollte sich im laufe des Abends noch verstärken.

Doch fürs Nächste waren es erstmal PROTEST THE HERO, die den Anwesenden einheizen sollten. Die ehemaligen HAPPY GO LUCKY legten dann auch direkt furios los. Wütete die Instrumentenfraktion ziemlich spielfreudig und druckvoll los, waren es besonders Bass und Gitarren, denen die Kanadier imposante Klänge entlockten. Beeindruckende Leads durchfluteten den Raum, welche selbst MAIDEN themselves nicht besser hätten abfeuern können. So ließen sich die Anwesenden auch bereitwillig zum mitnicken animieren. Mehr war dann aber allerdings nicht wirklich drin. Wahrscheinlichster Grund dafür ist sicherlich der Gesang von Rody Walker – sehr hoch und ebenfalls der „Eisernen Jungfrau“ nicht unähnlich. Doch das ist halt nicht unbedingt das, was die zahlreichen ALL SHALL PERISH-, WALLS OF JERICHO- oder eben auch PARKWAY DRIVE-Shirtträger hören wollen, so dass sich die Euphorie und die Moshaction sehr in Grenzen hielten. Dass man zu dieser Musik sehr wohl abgehen kann, bewiesen die fünf Mathcoreler jedenfalls durch ihre sehr aktive Bühnenpräsenz, bei dem nach Herzenslust gepost und geturnt wurde. So bleibt halt die Frage, ob die Jungs nun im Billing richtig aufgehoben waren – allemal lockerten sie es ganz nett auf und Songs wie „Sequoia Throne“, „Bloodmeat“ und „Bury the Hatchet“ wissen allemal zu unterhalten. Geschmäcker sind halt verschieden – aber die Leistung der Saitenklimperer ist in jedem Fall bemerkenswert.

Wurde ihnen eben von PROTEST THE HERO noch ein Song gewidmet, bestiegen sie nun selbst die Bühne: ARCHITECTS. Der britische Fünfer startete mit „Always“ in den Abend und leitete so die musikalische Marschrichtung wieder in gewohnte Bereiche: Frontkreischer Sam Carter brüllte sich ordentlich die Stimmbänder wund, während Double Bass und Breakdowns die Menge dann doch wieder etwas mehr zur Bewegung anregen konnte. Die gute Stimmung hielt sich auch bei „Early Grave“ und „Numbers Count For Nothing“ weiter ohne Probleme. Der etwas verwaschene Sound hielt nicht vom vereinzelten Crowdsurfen ab und auch das ein oder andere Gitarrensolo konnte punkten. Mit „Follow The Water” und “We’re All Alone” kam dann erste Eintönigkeit auf, wenngleich die Jungspunde auf der Bühne eine unterhaltsame Show boten. Das abschließende „Buried At Sea“ widmete man dann artig allen Besuchern der „Never Say Die Tour“ und hinterlies freudige Gesichter unter den Ticketzahlern.

Auf diese wurden anschließend DESPISED ICON losgelassen. Nach kurzem Intro wurde das Sextett von Anfang an bereits frenetisch zu den Klängen von “Furtive monologue” gefeiert. Dieses dankte man mit lupenreinem, bitterbösem Deathcore und einer unglaublichen Bühnenpräsenz. Doch nicht nur dort tobte man sich aus: Shouter Alex Erian verlies auch mal die Stage, um sich vom Wellenbrecher aus in die Crowd zu lehnen. Im Posing ist die „verachtete Ikone“ ganz, ganz groß! Wie wild wuselte man zu ”A fractured hand”, ”Warm blooded” und ”Bulletproof scales” durcheinander, stand sich trotzdem nie im Weg und machte zurecht einen auf dicke Hose. Unterstrichen wurde dies unter anderem auch durch den Kleidungsstil (überwiegend war man übrigens mit WHITECHAPEL-Shirts bekleidet). Ging teilweise eher Richtung Rap, uncool ist aber auch was anderes. Neben der ganzen Optik machten die Montrealaner aber auch Klangtechnisch bei weiteren Titeln wie ”The Ills of modern man”, ”The sunset will never charm us” und ”Sheltered reminiscence” einiges her. Die Drums donnerten wie MG-Salven im Brustkorb, während die Äxte sich durch die Stakkato-Riffs und Breaks hakten. Während der Ansagen, bei denen man unter anderem erwähnte, das erste Mal überhaupt in Münster zu sein und auch ansonsten sehr sympathisch wirkte, bekam man dann auch mit, dass der gute Herr Erian auch beim Sprechen eine unglaublich tiefe Stimme hat. Zusammen mit Brüllkollege und Vorgrowler Steve Marois „breee bree breeeeeete“ man sich dann noch durch ”Retina”, ”Immaculate” und ”In the arms of perdition” und zeigte sich sichtlich zufrieden mit der hervorragenden Stimmung, welche sich auch in einigen geforderten Circle Pits widerspiegelte. Hatte man durch die kaum zu bändigende Soundwucht leichte Probleme mit dem Klang, hinterlies man dennoch auch beim abschließenden ”Fainted blue ornaments” äußerst positiven Eindruck als Live-Band!

Den Eindruck einer absolut großartigen Live-Band haben UNEARTH bei mir schon längst hinterlassen. Doch nach dem vor kurzem veröffentlichten Mega-Album „The March“ war ich umso gespannter auf den nun folgenden Auftritt der Mass-Metal-Ikone. Nach stimmungsvollem Drum-Intro, inklusive im Takt liegender „Hey! Hey! Hey!“-Rufe und Geklatsche der anwesenden Gemeinde fetze man mit „Endless“ los und sofort hoffte man, dass auch dieser Abend „endlos“ sein würde. Die Ausstrahlung der Amis ist einfach übermächtig und wird nur noch von ihrem Können übertroffen. Allen voran die Gitarrenvirtuosen Ken Susi und Buz McGrath. Erstgenannter ist ja ein ähnliches Energiebündel wie KILLSWITCH ENGAGEs Adam Dutkiewicz, der neben seinen musikalischen Fähigkeiten auch durch Showeinlagen begeistern kann. So zockte er das erste Drittel vom neuen Hit „My Will Be Done“ mit aus der Nase hängendem Rotz, den er stolz die ganze Zeit über der Menge zur Schau stellte. Weniger eklig verhielt sich dann Kollege Buz, dessen Soli auch live die Definition von Perfektion sind! Doch auch er ist bei jedem Spaß dabei und so rutschte er phasenweise mit Ken über den durch verschüttetes Wasser rutschig gewordenen Bühnenboden um die Wette – natürlich dabei sauber weiterspielend! „This Lying World” und “Sanctity of Brothers” standen des weiterem auf dem Programm, zwischen denen Vokalist Trevor gestand, dass sie es jedes Mal lieben, in Deutschland zu sein. Das hört man doch gerne, und diese Liebe gab man auch in Form einer ausgelassenen Stimmung mit Gecircle, Gemoshe, tosendem Applaus und rotierenden Haaren wieder. Angetrieben wurde das Schauspiel weiter durch Übersongs wie „Crow Killer“, „Bloodlust of the Human Condition“ und „Giles“. Hier viel dann auf, dass die Leads teilweise zu laut vom Soundman herausgearbeitet wurden, und man so Bass-Mann und Nackenbrecher Chris Rybicki oft nicht mehr so wirklich heraushören konnte. Umso monströser vernahm man dann aber das unfassbare Fistelsolo in „We Are Not Anonymous“, ehe man mit der Bandhymne „Black Harts Now Reign“ (und somit überraschenderweise ohne „Zombie Autopilot“) einen wieder mal beeindruckenden Auftritt ausklingen lies. UNEARTH gehören ohne Zweifel an die Spitze in diesem Bereich der Musik, auch wenn sie wohl unter dem nur bedingt guten Klang im „Skaters Palace“ wohl am meisten zu leiden hatten. Die Anwesenden waren jedenfalls begeistert.

Jene Begeisterung sollte anschließend seinen Höhepunkt erreichen. Dann war es nämlich soweit: Im letzten Jahr bei der Tour noch direkt vor den Hauptakteuren COMEBACK KID und in der diesjährigen Ausgabe nun Headliner: PARKWAY DRIVE! Diese legten nach kleinem Intro direkt mit dem Kracher „Boneyards“ los, so dass es unter den Anwesenden kein halten mehr gab. „Wellenbrecher“ ist bei dem Titel eh ein gutes Stichwort, darüber hinaus war die Einrichtung durchaus sinnvoll, da man sonst sicher immer noch dabei wäre, uns Rezensenten und Fotografen von der Bühnenwand zu kratzen. Doch wenn die Fans nicht zur Band kommen (können), dann kommt die Band halt zu den Fans. So dachte es sich wohl Shouter Winston McCall, der passend zur Textzeile „There’s blood, in the water!!“ und dem einsetzenden Breakdown mitsamt dem Mikro über de Fotograben hinweg in die Menge Sprang. Wahnsinn! Als dann erst das Mikro und ein wenig später dann auch der sichtlich amüsierte Winston wieder auf der Bühne angekommen waren, musste der nun defekte Stimmenverstärker erstmal ausgetauscht werden, während Herr McCall nur ungläubig grinsend „Unbelievable! Unbelievable!“ vor sich hinstammelte. Unglaublich sympathisch, der Junge! Als nächstes folgte der Opener vom Debüt-Album „Killing with a smile“: „Gimme A D“, der mehr als verdeutlichte, warum die Zahl der PWD-Anhänger seit diesem Album förmlich explodiert ist. Kamen das Shouting bisher immer leider zu leise an, besserte sich dies von diesem Zeitpunkt an, doch da man eh jeden Textfetzen mitschrie, war das anfängliche Problemchen eher nebensächlich. „Idols and Anchors“ ist einer meiner persönlichen Lieblingssongs des aktuellen und heißgeliebten Lonplayers „Horizons“ und folgte nicht nur zu meiner Freude als nächstes. Immer wieder erstaunlich, wie souverän das Quintett die Wahnsinnsmelodien auch live mit den brachialen Breaks und den vielen Rhythuswechseln verschmelzen. Nur einmal schlich sich ein kleiner Fehler ein, weshalb man einen Song kurz abbrechen und noch einmal neu starten musste. Doch diese kleine Panne wurde charmant umspielt und wirklich böse sein konnte keiner der Anwesenden den gut gelaunten Australiern, die ansonsten sehr sauber und druckvoll spielten. Lediglich das Ende der jeweiligen Kompositionen wirkte oft ziemlich abgehackt. Diesen kleinen Schönheitsfehler könnte man durch einfaches ausfaden doch recht leicht beheben. Das gute an der Sache ist dafür, dass die folgenden Songs umso schneller starteten. So unter anderem auch „Guns for show, knives for a pro“ und „Mutiny“, mit welchen man den dem ausgelassen moshendem Publikum wieder mit Liedgut vom Erstlingswerk keine Chance zum verschnaufen lies, bis dann „Dead Mans Chest“ die ohnehin sehr gute Stimmung dann endgültig zum kochen brachte. Dass PARKWAY DRIVE-Konzerte nichts für zartbesaitete Zeitgenossen sind, wurde auch an diesem Abend wieder mehr als deutlich. Ebenso ließen sich die Fans wie üblich bei PWD-Auftritten zu allerlei verrückten Aktionen verleiten. So bestieg man diesmal wagemutig die Deckenträgerkonstruktion des Skateparks, um sich aus ca. 3m mit Saltos, Schrauben und sonstigen Dives in die anfeuernde und auffangbereite Menge zu stürzen. Hier is’ was los! Der Musikerfraktion blieb das natürlich nicht unbemerkt (wie auch, wenn dauernd Menschen von der Decke fallen) und so erfreuten man sich an dem spektakulären Schauspiel teils ungläubig, teils begeistert. Zu „Smoke `em if you got `em“ gab es dann auch wieder „normale“ Publikumsaktionen wie Circle- und Moshpits, gerne auch mal mit kontrolliertem Violent Dancing (Lob an die Tanzenden, die wirklich nicht nur blind um sich schlugen, sondern redlich bemüht um Sicherheit und Abstand waren – so soll das sein Jungs und Mädels, so macht das Spaß!). Den offiziellen Abschluss bildete dann „Horizons“ – ohne Frage ein starker Song, doch als Live-Titel, noch dazu am Ende, vielleicht doch etwas zu langatmig. Die Leute freute es trotzdem, sangen artig mit und forderten natürlich als Zugabe noch DEN Song. „You want THAT song? Well, you get THAT song!!“, quittierte Mr. McCall die Rufe und man riss zu den Klängen von „Romance is dead“ die Hütte nun endgültig ab: „So cry me a fucking river, bitch!”.

Wiedereinmal ein stimmungsvolles Erlebnis, der Auftritt von PARKWAY DRIVE, die ihrer Rolle als Headliner absolut gerecht wurden. Eine Tatsache, die umso größer zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass eine Band wie UNEARTH ebenfalls im Billing stand. Aber egal welche Band wann in welcher Reihenfolge gespielt hat: die Veranstaltung kann nur als gelungen bezeichnet werden. Die Halle war voll, die Leute zufrieden, die Bands hatten sichtlich Spaß – so kann eben auch ein perfekter Wochenausklang aussehen.

Copyright Fotos: Alexander Vogt

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