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NEW MODEL ARMY – DEMANDER

Ort: München – Muffathalle

Datum: 01.11.2007

Glückliche Umstände führten mich an Allerheiligen nach München, wo es übrigens an diesem hohen katholischen Feiertag ein Tanzverbot gibt. Wie sollte das mit einem NEW MODEL ARMY-Konzert zusammengehen, bei dem definitiv getanzt werden würde? Des Rätsels Lösung: Wie beim mittelalterlichen Ablasshandel kann der Veranstalter sich von diesem Verbot freikaufen und das hatten die Verantwortlichen der Muffathalle offensichtlich getan, schließlich stand der deutsche Tourauftakt der Briten auf dem Programm, die im Sommer ihr zehntes Studioalbum „High“ rausgebracht haben. Bereits seit 1980 stehen Justin Sullivan und seine Mannen für politisch inspirierten Rock erster Güte. Songs wie „51th State“, „Vagabonds“ oder „Here Comes The War“ gehören inzwischen schon für zwei Generationen zu jeder Party und genauso sah auch die Altersspanne in der ehemaligen Industriehalle aus, die mit etwa 1.000 Zuschauern noch ein wenig Platz zum ausgelassenen Tanzen bot. Teilweise waren sogar Kinder unter den Anwesenden, die meisten dürften ihren 30. Geburtstag jedoch bereits gefeiert haben.

Ob dies auf Karen, Sivan und Jared auch zutrifft, möchte ich eher bezweifeln. Das Trio firmiert unter dem Namen DEMANDER, kommt aus New York, macht Indie Rock mit Happy Hardcore-Einflüssen und darf NMA bis Ende November begleiten. Im Gepäck hatte der flotte Dreier das Debütalbum „The Unkindness of Ravens“, von dem die knackigen Songs „G.M.T., „Hollis“, „O Eleonor“, „Elijah“ und „Lovelife“ gespielt wurden. Für den Gesang ist bei DEMANDER die dunkelhaarige Karen zuständig, die auch den Bass zupft und mit ihrer kratzigen Stimme für die passende Untermalung des treibenden Sounds sorgte. Optisch punktete die Dame, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem britischen Soul-Junkie AMY WINEHOUSE hat, mit einem knappen schwarzen Dress inklusive Netzstrümpfen mit Glitzernaht und hohen Stiefeln, während die Kollegin hinter der Schießbude sich für eher funktionale Kleidung entschieden hatte. Miss Sivan ließ es an ihrem Arbeitsplatz ordentlich krachen und konnte spätestens mit ihrem finalen Schlagzeuggewitter bei „Future Brite“ auch die Münchner aus der Reserve locken. An den sechs Saiten und dem zweiten Mikro agierte derweil der ruhelose männliche Part der Band, der auf der linken Bühnenhälfte ein erhebliches Laufpensum bestritt. Später trafen wir Jared noch mit einem Glas Bier in der einen und einer Flasche Apfelsaft in der anderen Hand. Offenbar wusste er selbst gar nicht so genau, was er mit dem Apfelsaft machen sollte, zumindest fragte er uns noch, ob es guter Saft sei. Wir hoffen, er hat geschmeckt. Das halbstündige Appetithäppchen der sympathischen Amis hat bei den NMA-Fans sicher keinen faden Nachgeschmack hinterlassen.

Setlist DEMANDER
G.M.T.
Hollis
Common
Coolie
O Eleanor
Elijah
Lovelife
Future Brite

Die warteten jetzt natürlich gespannt auf Justin Sullivan (Gesang & Gitarre), Marshall Gill (Gitarre), Peter „Nelson“ Nice (Bass), Dean White (Keyboard) und Michael Dean an den Drums. Um 21.35 Uhr erklang dann auch das erlösende Intro, zu dem der Fünfer auf die Bühne eilte, um gleich mit „Rumour & Rapture“ in bester NMA-Manier zu starten. Mit „Bloodsports“ folgte ein Titel der aktuellen VÖ, der sich ebenso in der Tradition der alten Songs präsentierte wie „Island“ vom 2005er „Carnival“. Mit „Into The Wind“, „Breathing“ und „Rivers“ wurden gleich im Dreierpack neue Tracks zum Besten gebracht. Wie nicht anders zu erwarten, waren auch diese Titel äußerst druckvoll und wurden von Justin emotionsgeladen vorgetragen, wobei „Into the Wind“ und „Rivers“ etwas ruhigere Vertreter waren, die von „The Charge“ abgelöst wurden. Mit diesem Evergreen vom legendären „Thunder And Consolation“ (1989) kam richtig Bewegung in die tanzwütige Meute, die auch „Get Me Out“ und „Before I Get Old“ vom 1990er Nachfolger „Impurity“ heftig abfeierten. Derweil schleuderte Justin die Vocals in der im eigenen sehr eindringlichen Art und mit dem typischen starren Blick in die Menge und bewies, dass seine Truppe auch nach 27 Jahren nichts von ihrer Energie verloren hat. Das neue „One of The Chosen“ überzeugte mit geilen Gitarrenriffs von Marshall Gill und tollen Lichteffekten ebenso wie der kraftvolle Titelsong „High“, der nach einem verhaltenen Opening ebenfalls in die Vollen ging. Die NMA-Hymne „Here Comes The War“ verwandelte die Muffathalle binnen Sekunden in einen Hexenkessel, die Stimmung bewegte sich unaufhaltsam Richtung Siedepunkt. Die fantastische Live-Umsetzung mitsamt Sprechgesang und leisem Instrumentalteil, den das Publikum gesanglich begleitete, sorgte sowohl für eine kollektive Gänsehaut als auch für den Ausstoß enormer Mengen Glückshormone. So wurde auch zum aktuellen „No Mirror No Shadow“, welches mit hypnotischen Drums und ebensolchem Gesang startete, ausgelassen getanzt. Dafür bedankte Justin sich dann auch artig mit einem deutschen „Danke“, um an der akustischen Gitarre die ersten Takte von „Purity“ anzustimmen. Daraus wurde aber leider nichts, da die Langaxt nicht an die Stromversorgung angeschlossen war. Dies störte jedoch niemanden, der kleine Patzer wurde mit einem Lachen bedacht, das fehlende Kabel eingestöpselt und schon konnte es weitergehen. Ein weiterer Klassiker vom Album „The Love of Hopeless Causes“ schloss sich mit Bad Old World“ an, zu dem weiter schweißtreibend getanzt und mitgesungen wurde, wozu das Auditorium zum folgenden „Wired“ die unbedingte Aufforderung des charismatischen Fronters bekam. Diese war zu „225“ überhaupt nicht mehr nötig, hier wurde gepogt, was das Zeug hergab und auch Justin hatte sich seiner Gitarre entledigt, um seinen Bewegungsdrang auszuleben. Dabei wurde auch schon mal der Mikroständer geschultert und zum Schluss einfach mal umgeworfen. Damit war dann auch um 22.50 Uhr das Ende des regulären Sets besiegelt, doch fehlten natürlich noch ein paar Kracher.

Unter heftigem Applaus kehrte daher das Quintett zurück auf die Stage, um sich nach Zugabewünschen zu erkundigen. Die Wahl fiel auf „Poison Street“, inzwischen auch schon 21 Jahre alt, aber unverbraucht wie eh und je und bestens geeignet, um den Saal erneut zum Kochen zu bringen. Die Betriebstemperatur wurde selbstverständlich auch bei „Vagabonds“ gehalten, das einen Hammer-Einstieg in Slow Motion bot und mit einen High Speed Gitarren- und Lichtgewitter endete. Bei „Wonderful Way To Go“ war die Bühne stattdessen in rotes Licht getaucht und erneut gab es kein Halten mehr für die Bajuwaren, welche die Darbietung verdientermaßen mit langanhaltendem Applaus belohnten und so die Band nach ihrem zweiten Abgang nochmals auf die Stage zurückholen konnte. Schließlich fehlte ja auch noch „51th State“. Allerdings verzichteten NEW MODEL ARMY in München auf diesen Hit und spielten stattdessen das sehr emotionale „Green & Grey“, mit dem sie nochmals ihre Zuschauer zum Tanzen und Singen mobilisieren konnten, um dann endgültig um 23.15 Uhr Backstage zu verschwinden.

Zurück ließen sie erschöpft, aber glücklich grinsende Fans, die einmal mehr erleben durften, warum NMA seit Jahren zu den wichtigsten Independentbands überhaupt zählen. Wer nicht dabei war, sollte sich schnellstens Tickets für einen der folgenden Gigs besorgen!

Setlist NEW MODEL ARMY
Intro
Rumour & Rapture
Bloodsports
Island
Into the Wind
Breathing
Rivers
The Charge
Get Me Out
Before I Get Old
One of The Chosen
High
Here Comes The War
No Mirror No Shadow
Purity
Bad Old World
Wired
225

Poison Street
Vagabonds
Wonderful Way To Go

Green & Grey

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