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NEW MODEL ARMY – ESHA NESS

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 10.03.2010

30 Jahre und kein bisschen leise!

Es war soweit: Justin Sullivan und seine Mannen wieder auf Tour und sie machten Halt im Capitol in Hannover. 30 Jahre schon bereichern sie die Musikwelt mit ihrem schwer klassifizierbaren Rock, der durch Einflüsse aus Punk und Folk geprägt ist und sich nicht leicht verorten lässt. Im Gepäck haben sie neben dem aktuellen Album „Today Is A Good Day“ auch noch Hits von den 80ern bis heute. Da war es spannend, mit welchen Songs sie den Saal rocken würden. Das Capitol als optimale Räumlichkeit für dieses Vorhaben war auf jeden Fall mit rund 800 Fans gut gefüllt. Ein Blick in die Runde zeigte, dass die meisten hier NMA wohl bereits aus den 80ern kennen; wer unter 30 war, fiel schon etwas auf.

Doch bevor es soweit war, erhielten ESHA NESS die Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren und die Stimmung schon mal anzuheizen. Ein Blick auf die Homepage im Vorfeld verriet, dass es sich um eine 2005 am Bodensee gegründete Band handelt, deren Namen sich von einer Steilküste auf den Shetland Islands ableitet. Von dort kommen die Vorfahren des Sängers Kevin Paterson und von daher beziehen sie auch die Bezeichnung ihres Musikstils „Volcanic Rock“. Das soll “eingängiger Gitarrenrock versetzt mit dem Geist verschiedener folkloristischer Elemente, klaren Melodien und einprägsamen Texten” sein. Ich war gespannt, wie sich das in der Praxis anhört!

Pünktlich um 20:00 Uhr ging es dann los und ich kann nur sagen, dass die Beschreibung ihres Sounds sehr treffend war. Der von Gitarren geprägte Rock kommt ohne große Ecken und Kanten daher und geht direkt rein ins Ohr, wo er sich festsetzt. Die Musik ist eingängig, ohne dabei langweilig oder beliebig zu sein. Kevin Paterson macht seine Sache am Mikro sehr gut, seine Stimme ist mal energisch und dann wieder einfühlsam. Sehr angenehm ist der Folkeinfluss, der vor allem durch das von Janina Walter gespielte Akkordeon getragen wird. Dabei fügt sich dieses sehr harmonisch in die Songs ein, ohne sich in den Vordergrund zu spielen oder die Songs zu dominieren. Leider sind die Reihen bei ESHA NESS noch nicht so gut gefüllt, wie es dieser sehr gute Support verdient hätte. Aber zum Ende des Sets mit insgesamt neun Stücken kommt dann doch Bewegung ins Publikum und es wird mitgeklatscht. Nach 50 Minuten guter Unterhaltung ist um 20:50 Uhr Schluss und die Bühne frei für NEW MODEL ARMY.

Nach rund 30 Minuten Umbau/ Pause enterten dann Justin Sullivan & Co die Bühne, um gleich mit “State Radio” vom aktuellen Longplayer richtig loszulegen. Auch die beiden folgenden Songs “Get me out” vom 1990er Album “Impurity” und “The Charge” vom “Überalbum” Thunder and Consolation aus 1989 ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass Justin und seine Truppe heute den Saal rocken würden. Unterstützt vom Strobo und Lichtsalven wurde von Beginn an Gas gegeben. Der Start verfehlte seine Wirkung nicht, das Publikum ging sofort voll mit. Wie bei den ersten drei Songs sollte es dann auch mit einem Mix aus Songs vom aktuellen Album („Mambo Queen“, „Peace Is Only“, „Disappeared“, „Autumn“) und alten Klassikern („Vagabonds“, „51st State“, „White Coats“, „Green and Grey“) sowie vor allem noch Stücken vom High-Album („High“, „Wired“, C“hosen, In The Wind“). Dazu kamen noch je einmal “Wonderful Way To Go” (“Strange Brotherhood“), „Bluebeat“ („Carnival“), „Purity“ („Impurity“) und das 85er „No Rest“ vom zweiten Studioalbum „No Rest For The Wicked“).

Die gute Stimmung wurde locker über das ganze Konzert gehalten, da auch die neuen Stücke gut angenommen wurden, ebenso wie die vom vorherigen „High“-Album. Aber wie es der Altersschnitt schon vermuten ließ, waren die meisten der Gäste auf eine Zeitreise zurück in die 80er aus, denn bei den alten Klassikern “ging die Post so richtig ab” und es wurde ausgiebigst gefeiert und mitgesungen. Während “White Coates” und “Vagabonds” bereits im regulären Set gespielt wurden, waren “51st State” und “Green And Grey” der Zugabe und als Höhepunkte vorbehalten. Bei letzteren war dann auch ein Hardcorefan auf Schultern stehend zu finden, der mir auch bei der High-Tour und auf dem M’era Luna 2008 aufgefallen war.

Bei den Ansagen hielt sich Justin Sullivan eher zurück, ließ es sich jedoch nicht nehmen, auch ein paar Brocken Deutsch einzuwerfen (bei „White Coats“: “Wir sind Englisch. Wir können kein Deutsch. Now something old”) oder auf das deutsche Wetter einzugehen: “Germany is the only country where winter comes in spring” Passenderweise wurde danach gleich “Autumn” vom aktuellen Longplayer zum Besten gegeben. Nach einem ersten Zugabenblock mit “Bluebeat”, “51st State” (Dean White verstärkte hier die Gitarrenfraktion) und “No Rest” endete das Konzert nach knapp zwei Stunden um 23:15 Uhr mit dem zweiten Zugabenblock. Den krönenden Abschluss bildete “Green And Grey”, wobei Mister Sullivan darauf hinwies, dass es die Band schon seit dreißig Jahren gibt. Wenn man sich die Power der Band anschaut und wie wütend, energisch und stimmstark Justin Sullivan noch immer performed, dann braucht man keine Angst zu haben, dass ein Ende bald in Sicht sein könnte.

Am Ende der zwei Stunden steht für alle Anwesenden eins ganz klar fest: Tonight was a good night!!

Copyright Fotos: Holger Bücker

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