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NIGHTWISH – PAIN – INDICA

Ort: Lingen - Emslandhallen

Datum: 18.03.2009

Das war schon ein sehr amtliches Paket, welches an diesem Mittwoch im Grunde genommen mitten im Nirgendwo in die Lingener Emslandhallen kommen sollte. Entsprechend lang war bei unserer Ankunft die Schlange am Einlass. Bunt gemischt war das Publikum, von Eltern, die offensichtlich mit ihren 14-jährigen Töchtern da waren, bis hin zu Eltern, die scheinbar ihre Kinder vergessen hatten. Vereinzelt ein paar Gothics, aber der Großteil im schwarzen Metal-Shirt, was wohl am örtlichen „Herrenausstatter“ EMP liegen könnte. Da die eigentlich für das Konzert vorgesehene Halle wegen des Aufbaus für eine am Wochenende stattfindende Messe bereits belegt war, musste das Konzert kurzerhand in der großen Emslandhalle durchgeführt werden. Diese wurde mit schwarzen Vorhängen auf die für das Publikum richtige Größe abgetrennt, so dass die ca. 2200 Fans an diesem Abend gute Bewegungsfreiheit hatten, sich aber dennoch nicht in der Halle verloren.

Mehr als pünktlich um 5 Minuten vor 20 Uhr kamen die Mädels von INDICA auf die Bühne gestürmt und legten auch sofort los, um keine Sekunde ihrer wertvollen Spielzeit zu vergeuden. Optisch herausragend war Sängerin Jonsu im Kleid mit ihren feuerroten Haaren und einem kleinen schwarzen Witwenhut mit Schleier. Der Rest passte richtig klischeemäßig ins skandinavische Konzept: Blonde Mädels mit jeder Menge Spaß in den Backen und die ganze Zeit am Posen und Grinsen. Musikalisch war das ganz recht rockig und abwechslungsreich und so dürfte man von der augenscheinlich noch sehr jungen Band in den nächsten Jahren bestimmt noch etwas hören. Aufgelockert wurden die Songs immer wieder vom Keyboard oder auch mal durch die zwischenzeitlich Geige spielende Jonsu. Als 4. Song bauten die Mädels ein Cover von KATE BUSHs „Wuthering heights“ ein und ernteten wie auch nach allen anderen Lieder ordentlichen Applaus. Doch wirklich zu interessieren schienen INDICA an diesem Abend nur wenige und diese taten sich dann in erste Linie auch durch „Ausziehen-Rufe“ hervor, so dass niemand wirklich traurig war, als nach kaum 20 Minuten und gerade einmal 5 Songs die Bühne geräumt wurde.

Der Umbau dauerte keine 15 Minuten und um 20.30 Uhr kamen bereits PAIN auf die Bühne und donnerten los. Und was für ein Kontrastprogramm. Nach jungen blonden Mädels kamen nun die alten schwarzhaarigen Herren um Peter Tägtgren zum Zuge, zeigten aber von Beginn an, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Die ursprünglich vom HYPOCRISY Mastermind als Nebenprojekt gegründeten PAIN ziehen seit mehr als 10 Jahren erfolgreich durch die Lande. Langsam war die Halle mit Fans gut gefüllt und so konnten die Skandinavier dann die Stimmung auch noch einmal etwas steigern. Dennoch standen immer noch dichte Menschentrauben um die Bier- und Pommesbuden und ließen keinen Zweifel daran, dass sowohl INDICA als auch PAIN nur nettes Beiwerk sein sollten und NIGHTWISH an diesem Abend alleiniger Headliner waren. Auch wenn sich die Herren aus Schweden redlich bemühten, konnte der Industrial-Sound zwar überzeugen und mehr als Höflichkeits-Applaus ernten, viel mehr jedoch nicht. Der mit Abstand bekannteste und folgerichtig als letzter Song gespielte Hit „Shut your mouth“ wurde dann auch von vielen erkannt und mitgefeiert, Zugaberufe gab es nach ca. 30 Minuten Spielzeit dann aber so gut wie keine.

In den folgenden 30 Minuten wurde dann die Bühne gewissenhaft für NIGHTWISH vorbereitet und komplett in eine Hafen- und Seekulisse umgebaut. Es wurden große Backbanner mit Wellen gehängt sowie ein riesiger Anker aufgestellt. Am vorderen Bühnenrand verstärkte eine aufgestellte Gischt den Eindruck der rauen See. Die Keyboards waren komplett in einem Ruderboot aus Holz aufgebaut. Optisch gab es also schon einmal eine Menge zu entdecken und nach einem sehr langen instrumentalen Intro kamen dann auch endlich die Mannen um die „neue“ Frontfrau Annette Olzon auf die Bühne und wurden mit stürmischem Applaus begrüßt. Um rein gar nichts anbrennen zu lassen, legten die Finnen dann auch mit „Dead to the world“ ordentlich los und hatten fortan das Publikum auf ihrer Seite. Lauthals wurden alle Songs mitgesungen und in den ruhigeren Parts fast immer rhythmisch mitgeklascht. In den folgenden 90 Minuten spielten NIGHTWiSH eine gelungene Mischung ihrer größten Hits und mit Songs wie „Amaranth“, „Sahara“, „The Siren“ natürlich einige Stücke des aktuellen Albums „Dark Passion Play“. Umrahmt wurden die Songs von einer ausgeklügelten Show mit jeder Menge Flammen und Pyros. Als besondere Extras gab es dann lange Luftschlangen oder bei „Nemo“ kam eine Menge Schnee aus drei großen Schneekanonen, die an der Decke hingen. Doch auch neben den starken Stücken und den guten Effekten mühte sich die Band zudem und legte eine wirklich gute und mitreißende Bühnenshow hin. Keyboarder Tuomas Holopainen fühlte sich in seinem Boot offensichtlich ein wenig wie Käpt’n Jack Sparrow und es machte richtig Spaß, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Doch auch Gitarrist Emppu Vuorinen und Bassist Marco Hietala posten um die Wette. Zudem konnte Hietala nicht nur optisch durch seinen langen gespaltenen Bart, sondern auch gesanglich voll und ganz überzeugen. Nicht zuletzt hüpfte Annette Olzon über die Bühne und animerte das Publikum ein ums andere Mal mit großem Erfolg.

Neben den mitreißenden rockigen Titeln gab es aber dann auch eine Menge Atmosphäre, wenn beispielweise beim akustischen „The Isländer“ die Bühne mit Fackeln illuminiert wurde. So gingen die Finnen dann nach ca 75 Minuten zum ersten Mal von der Bühne und wurden mit tosendem Applaus und lauten Zugaberufen zurückbeordert. Beim nun folgenden „Ghost love score“ wurden große Konfetti-Kanonen eingesetzt und die Luft war voller bunter Schnipsel. Mit „Wish I hab an angel“ beendeten dann NIGHTWISH nach 90 Minuten ein großartiges Konzert.

Setlist NIGHTWISH
Intro+ 7 days to the wolves
Dead to the world
The siren
Amaranthh
Romanticide
Dead boy´s poem
The poet and the pendulum
Nemo
Sahara
The islander
Escapist
Dark chest of wonders

Ghost love score
Wish I had an angel
Outro

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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