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NINA HAGEN

Ort: Osnabrück - Lutherkirche

Datum: 13.11.2010

Der Verfasser dieses Berichtes (also ich) wurde vor einiger Zeit gefragt, ob er nicht Lust habe, bei dem Konzert von NINA HAGEN in der Lutherkirche zu Osnabrück Fotos zu machen und dachte sich „Warum nicht, das wird optisch sicher sehr bunt und interessant“. Als nun der gestrige Tag des Konzertes gekommen war, erreichte mich schon auf dem Weg die Nachricht über die kurzfristige Erkrankung unserer Redakteurin und so wurde ich kurzfristig ins kalte Wasser geworfen, denn viel mehr, als dass NINA HAGEN vor nicht allzu langer Zeit den Song „Personal Jesus“ von DEPECHE MODE gecovert hatte und auf dieser Tour ihr Hauptaugenmerk auf Gospels legen würde, wusste ich nicht.

Umso gespannter war ich, als ich in dem Gotteshaus eintraf, welches an diesem Abend sehr gut gefüllt, wenn nicht gar ausverkauft war. Am Eingang verteilte der Pastor selbst den Gemeindebrief an die Besucher des Konzertes. Bei meiner letzten Stippvisite dort hatten SUBWAY TO SALLY eine aufwendige Bühne aufgebaut, am gestrigen Abend hatte NINA HAGEN komplett auf derartiges verzichtet und ließ zu ihren Songs die Kirche an sich mit dem Altar und dem beleuchteten Jesus-Bild wirken. Nina spielte an diesem Abend mit ihrer langjährigen Band und wurde von Gitarre, Bass und Keyboard begleitet. Hin und wieder griff sie selbst auch noch zur Gitarre. Pünktlich um 20 Uhr betrat sie unter tosendem Applaus die Bühne und gleich als zweiter Titel wurde „Personal Jesus“ präsentiert. Danach erklang ein Song von Elvis, dem an diesem Abend noch einige weitere folgen sollte, denn die 3 Gospel-CD vom ihm haben, so NINA HAGEN, ihr geholfen zum jetzigen Glauben zu finden. Frau Hagen, die lange Zeit dem Hinduismus gefolgt war, hatte sich 2009 taufen lassen, performt aber schon weitaus länger Gospels und christliche Songs (seit den 80er Jahren, wie sie betonte).

In der Lutherkirche predigte die als „Godmother of Punk“ und durch etliche skandalöse und ungewöhnliche Auftritte bekannt gewordene Dame Nächstenliebe und Solidarität und wies auf ihren „Bruder“ Vanunu hin, dem am 12. Dezember in Berlin der Carl-von-Ossietzki-Preis verliehen werden soll und für dessen Freilassungs- und Reisegenehmigung zur Preisverleihung sie bete. Die gesundheitlich etwas angeschlagene und erkältete Künstlerin erzählte gleich zu Beginn die Geschichte, wie sich bei einem Auftritt in Bremen 2 ältere Damen beschwert hätten über die Taschentücher („Ich weiß nicht ob das auch Christen waren“) und stellte klar, dass man sich die Nase putzen müsse, egal ob man auf der Bühne sei oder nicht. Dies tat sie an diesem Abend dann ausgiebig und verteilte die Taschentücher auf der ganzen Bühne. Beim Song „Soldaten Soldaten“ las sie Auszüge einer E-Mail, die ihr Stiefvater Wolf Biermann an sie geschrieben hatte vor und amüsierte damit das Publikum, bevor sie einige Zeit später „We are the world“ von MICHAEL JACKSON auf Deutsch spielte. Zwischen den Liedern immer Ansagen einer sehr sympathisch ehrlichen und an diesem Abend wenig skandalösen NINA HAGEN, die mit ihrer direkten Art und ihrem neu gefundenen Glauben sehr authentisch wirkte und es schaffte, das Publikum mitzureißen und dafür immer größer werdenden Applaus erntete. Dabei verhaspelte sie sich einige Male bei schnelleren Stücken, improvisierte im Text, vergriff sich beim Gitarrenspiel, aber alles in allem auf eine Art, die es egal werden und durchaus so erscheinen ließ, als sei der Song genau so geplant wie gespielt. Nur einmal sagte sie zu ihrem Gitarristen, er solle sich auf der neuen CD das Lied noch einmal anhören, da käme nach der Strophe noch mal ein Doppelrefrain und machte somit gleich geschickt Werbung für die neue CD „Personal Jesus“. Doch ganz stark und ergreifend wurde NINA HAGEN bei den langsamen Liedern, bei den Gospels und Blues, wo ihre tiefe, markante Stimme zu Höchstleistungen auflief und ein ums andere Mal für Gänsehaut sorgte. Entsprechend großen Applaus und Standing Ovations gab es, als sie sich mit ihrer Band nach 90 Minuten verbeugte und das reguläre Set beendete.

Doch nach kurzer Zeit kehrte sie auf die Bühne zurück und spielte als Zugabe alleine mit der Gitarre das „Vater unser“. Dann winkte sie ihre Band erneut herbei und setzte das Konzert fort. Letztendlich verabschiedete sich Nina dann erneut unter großem Applaus nach 2 Stunden Spielzeit zunächst von ihrem Publikum und dann mit einer tiefen Verbeugung vor Jesus und verließ die Bühne. Die unten abgedruckte Setlist, wie der Gitarrist sie auf der Bühne liegen hatte, war für NINA HAGEN wohl lediglich grobe Orientierung und stimmt an vielen Stellen nicht, da sie spontan und manchmal etwas chaotisch (im positiven Sinne) die Reihenfolge nach ihrem Willen veränderte.

Setlist (ohne Gewähr)
God’s radar
Personal Jesus
Mean old world
Run on
This world is not my own (I’m just passing)
All you fascist bound to lose
Soldat Soldat
We shall overcome
I’ll love again (this world is not my home)
Wonderful time up there
Sweet song of salvation
Jesus is a friend of mine
Nobody’s fault
Medley:
I shall not be moved
(I’ve got) peace like a river
By the rivers of Babylon
Down by the riverside
Oh when the saints go marching in
Jesus is a rock / Amazing grace
Vater unser
Help me
Take Jesus with you
Why should the devil
His hand in mine
Live the life
Hold me
Afghanistan
We are the world
Sometimes I ring up heaven
Glory
Lilly of the valley
Just a little talk with Jesus
Ave Maria
You can’t hurry my god (right on time)
Ave Maria
Milky white way
This little light of mine
Battle field

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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