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NITZER EBB – DIE KRUPPS – AUTODAFEH

Ort: Berlin - Postbahnhof

Datum: 29.04.2011

Join In The Rhythm Of Machines

Der Postbahnhof war ausverkauft, alles also bereit für das große Oldschool-Klassentreffen der EBM-Urgesteine schlechthin. Insgesamt bringen es, wenn auch mit einigen Auszeiten, NITZER EBB und DIE KRUPPS auf immerhin 60 Jahre Bandgeschichte. Und ohne Übertreibung kann man diese Künstler als die ganz Großen ihres Genres bezeichnen. Auch Oldschool und dementsprechend eher Ü-30 war dann auch der Großteil der erwartungsvollen Fangemeinde.

Um dem anspruchsvollen und erfahrenen Publikum auch vorab entsprechend Ohrenschmaus zukommen zu lassen, durften die Jungs von AUTODAFEH einige Songs zum Besten geben. Auch hier bewies der Veranstalter ein wahrlich goldenes Händchen. Während sich der Club nach und nach füllte, gaben die drei Jungs aus Schweden Einiges aus ihrem Repertoire zum Besten. Ein rundum tanzbares 30-minütiges Set lud zum Mitschwingen ein. Mika (Vocals) Anders (Keys) und Jesper (E-Drums) machten aus ihren Einflüssen keinen Hehl und präsentierten einen entspannten, nicht allzu aggressiven EBM-Style, der frisch und fröhlich wirkte. Das würdigten die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer auch mit dankbarem Applaus. Ganz lustig anzusehen war, dass die Drei durchaus stattlichen Herren ihre Instrumente irgendwie wie Spielzeug aussehen ließen. Jesper hätte beim Abschlusssong seine Shouts bestimmt noch besser rübergebracht, wenn ihn ein zu kurzes Mikrokabel nicht immer wieder hinter seine E-Drums zurückgezogen hätte. Insgesamt ein absolut würdiger Appetithappen eines Abends, der es noch in sich haben sollte.

Wie schon beim vorangegangenen Konzert in Dortmund legten in Berlin zuerst DIE KRUPPS mit ihrem Programm los. Die „Godfathers“ Engler (Gesang), Dörper (Keys) und Esch (Bass) begleitet von Marcel Zürcher (Gitarre) und Nook an den Drums ließen von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, wer heute Abend das Haus rocken sollte. Ein durchgängig hitgespicktes Set verlangte dem Publikum konditionell einiges ab und der eine oder andere musste aus der pogenden Mitte mal zur kurzen ärztlichen Versorgung zu den bei uns stehenden Sanitätern. Neben dem richtig gut abgehenden Engler und dem souverän und gelassen arbeitenden Dörper schaute fröhlich grinsend Kollege Esch hier und da mal am Bühnenrand vorbei. Gitarrist Zürcher dürfte für die geneigten weiblichen Fans ja eh ein Eyecatcher sein. Ein Highlight in einem Feuerwerk von Höhepunkten: „Der Amboss“, insbesondere der spektakulären Percussion Performance wegen. Hits wie „Germaniac“ und natürlich „To The Hilt“ und „Fatherland“ durften natürlich auch nicht fehlen, und als Zugabe wurde dann noch „Bloodsuckers“ zum Besten gegeben. Das nahm der eine oder andere Tanzfreund wohl all zu wörtlich, den komischerweise kam ein junger Mann dreimal mit blutender Nase an uns vorbei. Dann war Schluss. Ein ohrenbetäubender Jubel brach aus und Sänger Jürgen Engler war sichtlich angetan. Ich habe selten so einen Abgang eines Musikers gesehen. Die Freude über das Dargebotene und die Dankbarkeit dem feiernden Publikum gegenüber war einfach überwältigend. Er ließ sich dann noch kurz in das selbige Fallen und verließ winkend die Bühne. In meiner eigenen über 20-jährigen passiven Konzertgeschichte mit das Beste, was ich je gesehen habe.

Setlist DIE KRUPPS
Intro
Isolation
Crossfire
Black Beauty White Heat
Als wären wir für immer
Beyond
Blood Money (Nitzer Ebb Cover)
Der Amboss
The Great Divide
Germaniac
Dawning Of Doom
Metal Machine Music
To The Hilt
Fatherland

Bloodsuckers

Nach kurzer Umbaupause ging es dann mit den nicht sehr viel weniger einflussreichen EBM-Veteranen NITZER EBB weiter. Douglas McCarthy kam als Letzter in gewohnt elegantem Aufzug auf die Bühne. Während Kollege Bon Harris mit seiner Schiebermütze und Jason Payne im zwanziger Jahre Hurts-Look sich vorab eher unauffällig hinter ihren Geräten platzierten. Das gesamte Set war, sehr zu meiner Freude, zu gut einem Viertel von dem aktuellen Album „Industrial Complex“ geprägt. Es machte sich über die gesamte Laufzeit allerdings bemerkbar, dass die Masse des Publikums eher den älteren Sachen zugeneigt war und die Stimmung insbesondere bei den neuen Songs etwas abflaute. Irgendwann legte Rampensau McCarthy dann das Sacko ab und es kam mehr und mehr Bewegung ins Publikum. Irgendwie kam mir das Ganze aber doch zu statisch vor. Die Performance wirkte einstudiert und nicht wirklich spontan. Negativer Stimmungshöhepunkt „I Am Undone“ welches ja eh eher ein langsameres Stück ist. Man nutzte diesen Song, um nochmal Kraft für die folgenden Brecher „Control I’m Here“ und „I Give To You“ zu tanken.

Der krönende Abschluss dieses Abends war dann das gemeinsam mit den KRUPPS vorgetragene „Machineries of Joy“. Engler und Dörper kamen nochmals auf die Bühne und performten die gemeinsame Zugabe. Auch hier waren DIE KRUPPS der wohl aktivere Part des Ganzen. Beim dankbaren Publikum kam dieses Ende mehr als gut an und wurde frenetisch gefeiert.

Setlist NITZER EBB
Intro
Getting Closer
Down On Your Knees
Shame
Hearts And Minds
Let Your Body Learn
Once You Say
Lightning Man
Hit You Back
High Tech Low Life (Die Krupps cover)
Payroll
Godhead
I Am Undone
Join in the Chant
Control I’m Here
I Give To You

Machineries of Joy (mit Die Krupps)

Ein absolut perfekter Abend mit grandiosen Bands. Wir werden auch AUTODAFEH nicht aus den Augen verlieren. Das Highlight aus unserer Sicht ganz klar DIE KRUPPS und wir hoffen auf zukünftig wieder mehr Power bei McCarthy und Co. Der Ton war im Übrigen für den Postbahnhof erstaunlich gut, die Lautstärke ausreichend und nicht wie so oft im Schmerzbereich. Es war zwar anstrengend aber durchaus sehens- und erlebenswert bei zwei solchen Größen dabei gewesen zu sein. Wir gingen dann mehr als beeindruckt in die Berliner Nacht hinaus.

Copyright Fotos: Cathie Niemann

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