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NITZER EBB – MOTOR

Ort: Frankfurt - Batschkapp

Datum: 01.11.2006

In meiner Funktion als Kriegsberichterstatter möchte ich von den Ereignissen am 01.11.2006 berichten, die sich in dem hessischen Ort Frankfurt abspielten. Die Örtlichkeit „Batschkapp“ diente als zweiter Kriegsschauplatz der deutschen Vernichtungstour der Knüppel-Elektriker NITZER EBB, die dank Steckbriefen als Mitbegründer des EBM identifiziert werden konnten. Dank gut vorbereiteter Spitzelarbeiten konnten wir ein Versagen des ersten Angriffziels „München“ ermitteln, sie gaben anscheinend Ihr Bestes, leider war das Publikum anscheinend kein würdiger Gegner sonder deklassierte sich eher als Gaffer des Geschehens, 400 Leute wollten dem Treiben wohl nur zuschauen.

Na gut, nun mal im Ernst, es war anscheinend kein gelungener Auftakt in München, dies sind aber nur mehrere Zeugenaussagen, da ich nicht da war, werde ich es einfach mal so zur Kenntnis nehmen. Die Geschichte sah in Frankfurt schon ganz anders aus, denn unsere beiden Engländer Douglas McCarthy und Bon Harris waren dadurch automatisch auf befreundetem Territorium und dies bewies uns das Batschkapp mehr als deutlich, es war ausverkauft und platzte aus allen Nähten. Die Bude war voll gestopft mit EBM-Rentnern (ich zähl mich auch dazu), die mit ein wenig Glück trotz des hohen Alters noch genügend Haare für einen schönen Flat besaßen. Davon gab es zum Glück noch ein paar Wunderschöne, der Rest gab auf und trug nur noch Glatze, tja, der Zahn der Zeit, und es gab für uns alten Herren nicht einmal Sitzplätze, wäre aber auch völlig unmöglich gewesen, es war nur ein unmenschliches Gequetsche, kein Wunder bei 600 bis 800 Leuten.

FIXMER hatten wir leider verpasst, dafür bekamen wir ein Highlight präsentiert, dass ich so nie vermutet hätte. Die Gruppe MOTOR präsentierte sich auf der Bühne angezogen wie die Jungs von Clockwork Orange und die durchgeknallten Elektroniker produzierten eine musikalische Mischung aus EBM, Techno und „Weiß der Teufel“, erinnerte mich ein wenig an INSEKT. Auf jeden Fall zwickte es im Kleinhirn gewaltig, die abgefahrene minimalistische Elektromucke wurde durch das extravagante Auftreten unterstützt und hinterließ ein Publikum mit geteilter Meinung, entweder fand man es zu freakig/ verspielt oder es passte einfach alles. Für eine unbekannte Band konnten sie aber selbst einige NITZER EBB Fanatiker überzeugen, ich gehöre auch dazu und bestellte mir daheim angelangt gleich die CD.

Nun kam es zu dem lang ersehnten Auftritt von NITZER EBB und da wir nicht viel Platz hatten, kam einer der wichtigsten EBM-Regeln zum Einsatz: „Wenn Du keinen Platz zum tanzen hast, dann organisier dir einfach einen“. Mit diesem Motto begannen wir das Gemetzel zu den Klängen von „Getting Closer“ und mir wurde auch wieder schlagartig klar, warum ich vor Frankfurt immer einen Heidenrespekt hatte, ich kenne keine härtere Gemeinschaft in der Szene wie diese Pogoexperten, groß, stark und gnadenlos muss man sich einen Frankfurter EBMler vorstellen, und ich werde hier nichts schönreden, ich kenne diese Gesellen schon seit über 10 Jahren, und diese alten „Raubauken“ haben nichts von ihrem Geschäft vergessen. Die Band gab auch ihr Bestes um die Euphorie am köcheln zu lassen, es kam kein Moment der Langeweile auf und es wurden sozusagen die bekanntesten Hits gespielt, egal ob „Let your body learn“, „Join in the chant“, „Captivate“ oder „Shame“, es kam so ziemlich alles, was zum anheizen taugte, ich persönlich vermisste nur „Kick it“ von dem Flop-Album „Big Hit“, aber man besann sich halt eher der elektronischen Herkunft und das war auch vom Publikum so gewünscht. Es kam nur zu einer Zugabe, wo NE dann noch „Fun to be had“ und die geilste Version von „I give to you“ spielten, die ich jemals gehört habe. Nun war der Spaß auch schon wieder vorbei und die Heimfahrt war angesagt, jedoch fühlte ich mich durchgeschwitzt und aufgepuscht wie in meinen Anfangstagen. Ich weiß, warum die Jungs für mich bis heute immer noch mit Abstand meine Lieblingsband sind, eigentlich hätte damals DEPECHE MODE die Vorgruppe von NITZER EBB sein müssen. In diesem Sinne, aus der Demilitarisierten Zone verabschiedet sich euer Harry Hirsch.

Copyright Fotos: Sylvette Handl

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