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NO ANGELS – YEOMEN

Ort: Rietberg - Landesgartenschau

Datum: 12.06.2008

Dank eines äußerst breit aufgestellten Musikprogramms wird ein jeder Konzertbesucher auf der Landesgartenschau in Rietberg auf seine Kosten kommen. Für den heutigen Abend hatte es sich ein großes ortsansässiges Geldinstitut nicht nehmen lassen, Deutschlands erfolgreichste Girlgroup, die NO ANGELS zu verpflichten. Trotz Grand Prix Schlappe der Engel war die Volksbankarena mit über 2200 Besuchern ausverkauft, wozu sicherlich der moderate Eintrittspreis von 17 Euro beitrug. So sah man ganze Familien, deren Nachwuchs teilweise mit Plakaten bewaffnet erwartungsfroh dem Konzert entgegenfieberten, Mütter, die offensichtlich auch nicht ganz unfreiwillig mitgekommen waren und Väter, die den Abend am Bierstand zu einem Plausch mit Bekannten und Nachbarn nutzten. Das Wetter war zwar kühler als die Tage zuvor, aber trotz manch dunkler Wolke am Himmel blieb es trocken, was will man mehr.

Gegen 20 Uhr fuhren dann zwei Vans aufs Gelände und während sich die NO ANGELS mit einigen ausgewählten Fans und der Tagespresse zu einem Meet & Greet zurückzogen, eröffneten YEOMEN den Abend. Die 5 Jungs waren aus der Hauptstadt angereist, um ihre A-Cappella/ Beatbox-Performance unters Westfalenvolk zu bringen. Und die fiel um einiges fetziger aus, als man gemeinhin mit A-cappella-Formationen in Verbindung bringt, was sich allein schon aus dem Repertoire ergibt: „Last Resort“ von PAPA ROACH als Einstieg, da waren wir ja glatt auf terror-affinen Terrain. Am Beispiel von LENNY KRAVITZ „Fly away“ erklärten die Jungs, die sich eher als Band denn als Chor verstehen dann das Konzept ihrer Musik, die ohne jedes Instrument auskommt. Das Pfeifen von Philipp läutete RAMMSTEINs „Engel“ ein, dessen Textzeile „Weiß Gott ich will kein Engel sein“ natürlich eine Steilvorlage für Frotzeleien auf den Hauptact bot. Da verwies Philipp, auf dem Bandfoto als Gruftie, heute aber ohne Kajal und mit Ärzte-T-Shirt am Start lieber darauf, dass man bereits für die beste Band der Welt im Vorprogramm aufspielen durfte und „Halber Lovesong“ klang dann dank Sänger Absolom wirklich ÄRZTE-like. Die Fünf nahmen sich und ihren Auftritt nicht allzu ernst und hatte ihn im Web als therapeutische Grand-Prix-Aufarbeitung angekündigt, da durften Kalauer wie „Ich hab mich früher in der Schule über 14 Punkte gefreut“ natürlich nicht fehlen. Weiter ging’s im Wechsel zwischen Eigenkreationen und launigen Interpretationen bekannter Rock- und Popsongs wie z.B. CELINE DIONs Titanic-Schmuser „My heart will go on“, dem jeglicher Kitsch genommen wurde. Ansagen, Aufwärmspielchen wie eine Sitz-La-Ola und der Hauptgesangspart wurden intern von einem zum anderen gereicht, unter anderem auch an den mit Hippie-Haarpracht ausgestatteten Marek. Für „Summer of 69“ ging es dann mit Sebastian weiter, die vorherige Ansage von Philipp „Wir finden 69 okay“ hatten die Kids in der ersten Reihe hoffentlich noch nicht verstanden. Ein ordentliches Drumsolo darf eigentlich bei keinem Konzert fehlen und so rückte nun Tobias mit seinen Beatbox-Talenten ins Rampenlicht. Es folgte ein beeindruckendes Techno-Medley, an dem WESTBAM und SCOOTER sicherlich Freude gehabt hätten. Auf der Love-Parade hat das Quintett bereits 6 Stunden organischen Dauertechno geboten, heute mussten 6 Minuten reichen. „The bad touch“ der BLOODHOUND GANG diente als Plattform zur CD-Anpreisung und mit „Unrockbar“ wurde nochmals den ÄRZTEn gehuldigt, ehe die Fünf nach gut einer Stunde Spielzeit ihr reguläres Set mit dem JET-Kracher „Are you gonna be my girl“ beendeten. Schon verblüffend, was man allein mit der Stimme so alles anstellen kann. Das fand auch das restliche Publikum und forderte nach einer Zugabe, die mit einem NDW-Medley eingelöst wurde. YEOMEN hatten an diesem Abend so manchen Fan dazu gewonnen und wurden anschließend am Rande der Bühne noch lange dicht umlagert.

Setlist YEOMEN
Last Resort
Fly away
Engel
Halber Lovesong
Eine Frage
Life is life
My heart will g on
Summer of 69
Du nervst
Wer ich war
Drumsolo
Techno-Medley
The bad touch
Unrockbar
Are you gonna be my girl

NDW-Medley

Nach einmal Pommes rot-weiß ging es dann auch schon weiter mit den NO ANGELS, die mit einer 5-köpfigen Liveband angereist waren. Diese heizten nun schon mal mit bekannten ANGELS-Melodien ein, ehe Lucy, Sandy, Nadja und Jessica zu „Rivers of Joy“ die Bühne enterten. Alle Vier sehr ladylike in T-Shirts mit Goldapplikationen gewandet, bildeten jeweils Lucy und Sandy, sowie Nadja und Jessica ein optisches Doppelpack. „Send me flowers“ stammte ebenfalls vom Debütalbum „Elle’ments“, das 2001 Platz Eins der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Album Charts erreichte und die NO ANGELS zur erfolgreichsten Girlgroup Kontinentaleuropas machte. Natürlich wollte das Publikum gerne die alten Hits hören und so waren auch „Feelgood lies“, das EURYTHMICS Cover „There must be an angel“ und die Rumba „Still in love with you“ umjubelte Songs der Setlist, von den Damen jeweils mit dezenten Tanzchoreografien unterlegt. Einzig Lucy tanzte mit einem lässigen HipHop Stil gerne mal aus der Reihe und pflegt so wohl ihren eigenen (roten) Kopf. Nun gönnte sich das Quartett eine kurze Verschnaufpause, die ihre Band mit weiteren bekannten Melodien überbrückte. Mit dem groovigen „Let’s go to bed“ schlugen die Gewinnerinnen der ersten Popstars-Staffel dann einen Bogen zu ihrem aktuellen Album „Destiny“, aus dem nun sehr catchy „Been here before“ und „Maybe“ folgten. Das Comeback-Album ohne den fünften Engel Vanessa scheint wie bei „Make a chance“ mächtig durch R’n B-Knaller der Marke DESTINY’S CHILD inspiriert zu sein, stimmlich durchaus souverän vorgetragen. Sowieso scheint der Grand-Prix nicht allzu sehr am Selbstbewusstsein der Damen genagt zu haben, von „gefallenen Engeln“ keine Spur. Nicht zuletzt durch die Liveband im Rücken und den Verzicht auf dünne Kleidchen und Windmaschine wurde dem Publikum gesunder Radio-Pop geboten, da konnte selbst die Schreiberin manche Textzeile mitträllern (was der Chef gleich mit einem Suspension-androhenden Blick quittierte ;)). Die Bandhymne „No Angels“ stand nun als nächstes auf dem Programm, ehe mit „A reason“ und „Goodbye to yesterday“ nochmals neues Material geboten wurde, teilweise auf 4 Barhockern vorgetragen. Viel zu schnell war in den Augen der angereisten, teils sehr jungen Fans eine knappe Stunde wie im Fluge vergangen, doch noch fehlte ja DER ganz große erste Hit. Und so gab es nach dem WOMACK & WOMACK Cover „Teardrops“ als erste Zugabe natürlich auch noch „Daylight in your eyes“ ehe die vier Mädels den Abend zu ruhigen Tönen ausklingen ließen und wir bereits den Heimweg antraten. Denn nicht nur Schüler müssen morgens pünktlich aus den Federn. Also rasch ab ins Körbchen…

Setlist NO ANGELS
Rivers of joy
Send my flowers
?
Feelgood lies
There must be an angel
Still in love with you
Let’s go to bed
Been here before
Maybe
Make a chance
No Angel
A reason
Goodbye to yesterday

Teardrops
Daylight in your eyes
?

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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