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NOCTURNAL CULTURE NIGHT 2009 – TAG 3

Ort: Deutzen - Kulturpark

Datum: 06.09.2009

Nach zwei langen durchfeierten Nächten fiel es uns am Sonntagmorgen noch schwerer, so “früh” morgens zu starten, dass wir keine Band verpassten. Punkt 12 Uhr ging es an der großen Bühne los mit dem niederländischen Projekt DEATHGRESSION, welches im Jahre 2006 von Rinze Wouda unter dem Namen Transgressor gegründet worden war. In Zusammenarbeit mit Len Lemeire (IMPLANT, 32CRASH, ANNE CLARK) entstand das bisher noch nicht erschienene Album „Battlefield Ethics“. Und aus diesem bekamen wir die volle Breitseite Battlefield-Electro auf die Ohren. Darunter Songs wie „Tote Helden“ oder „The End of Reason“, welche musikalisch überzeugten. Der verzerrte, kreischende Gesang wirkte jedoch zu dieser frühen Uhrzeit eher anstrengend auf mich.

Setlist DEATHGRESSION
Degenerated
Opposites Attack
Over the Top
Tote Helden
Deathshock
The way of the Blood
End of Reason
Sugar Crash

Opener auf der kleinen Bühne waren die Leipziger CAMPING IM KELLER. Das Projekt setzt sich aus derMatt (Vocals, Texte und Musik) und Ron (Musik, Programming und Vocals) zusammen. Viele Live-Auftritte hatte das Duo noch nicht hinter sich. Dafür lieferten sie aber eine tolle Wachmacher-Show für Kopf und Beine ab. Aus dem Debüt-Album „Am Puls der Zeit“ sahen und hörten wir unter anderem „Stolz“ und „Baby, Ich lieb Dich“. Kleine elektronische Ohrwürmer weckten das Interesse der Fans von EBM und Electro im allgemeinen.

Setlist CAMPING IM KELLER
Intro
M
Stolz
Mut zum Ich
Baby, ich lieb dich
Weg

Gitarrenlastiger ging es an der großen Bühne weiter mit den Dresdnern von BATTLE SCREAM. Sänger Alex, die Gitarristen René und Toni, sowie Simon an den Keys und Heiko an den Drums hatten allesamt weiße Farbstreifen im Gesicht, sowie Spritzer auf der Kleidung und Sänger Alex toppte das noch durch seinen rot verschmierten Kunstblutmund. Das was nun folgte, konnte sich wirklich hören lassen. Der druckvolle, experimentelle Elektrosound mit Gitarrenriffs machte ordentlich Stimmung. Vom aktuellen Album „Suffering“ hörten wir den energiegeladenen Ohrwurm „Child of Fire“ mit genialem Gitarensolo. Leider ging der Auftritt der Dark Elektro-Rocker viel zu schnell vorbei. Also auf jeden Fall im Hinterkopf behalten!

Setlist BATTLE SCREAM
Intro
Suffering
Mother Russia
Secret Invasion
Child Of Fire
Ghost In The Machine
Pray – Outro

Aus meiner Heimatstadt Rostock blieb es ganz EBM-lastig auf der kleinen Bühne. JÄGER 90 brachten uns ihre selbstbetitelte „körperbetonte deutsche Tanzmusik“ nah. Thoralf und Vigo wollen nicht im Trend sein, sondern einfach nur pure, energiereiche und harte Electronic Body Music im alten Stile machen. Kein Platz für Schnick Schnack. Treibende Songs mit kraftvollem, parolenartigem Gesang gab es aus den Alben „Muskeln & Küsse“ und dem brandneu erschienen „Drischne Skasal“. Thoralf mit Sonnenbrille stand im Vordergrund meist in viel Nebel gehüllt, während Vigo hinten die Drums bearbeitete und für den restlichen Sound sorgte.

Es wurde quirlig auf der großen Bühne mit den 7 Frankfurtern von NACHTGESCHREI und ihrem modernem Mittelalter-Rock. Holger, Joachim, Dominik, Sanedin, Tilman, Oliver und Stefan spielten hauptsächlich Stücke vom aktuellen Album „Am Rande der Welt“. Darunter „Muspilli“ oder „Niob“. Vielfältige Instrumente, wie Dudelsack, Drehleiern oder Flöten mischten sich unter rockige Gitarrenklänge. Die schnörkellosen, handgemachten und zeitlosen Klänge nahmen wir jedoch zum Anlass, um uns gemütlich sitzend zu stärken für den weiteren Verlauf des Tages.

Setlist NACHTGESCHREI
Fiur
Muspilli
Herz
Räuber
Niob
Fernweh
Windstill
Glut
Meister

Ganz kurzfristig wurden die Berliner Dark Rocker SCREAM SILENCE für das NCN 4 angekündigt, deren Auftritte immer etwas ganz Besonderes sind. Gerade zurückgekehrt von der Tour mit ZEROMANCER eröffneten Hardy Fieting (Gesang), Heiko Wolf (Drums), Robert Klausch (Gitarre), Hagen Schneevoigt (Bass) und Renße Gödde (Gitarre) mit dem rockigen „The Vitriol“ das Set. Durch und durch ging mir wieder mal die samtige Stimme des Fronters. Der Funke auf das Publikum sprang durch das wilde Treiben auf der engen Bühne und die ausgestrahlte Sympathie schnell über. Auch das folgende „The Harvest“ kam gut an und rockte. Vom Album „Apathy“ ließ uns der gleichnamige Song ein wenig Verschnaufen und die tolle Atmosphäre genießen. Einer meiner Lieblingsstücke ist und bleibt „Creed“ und auch im Publikum wurde gejubelt bei den bekannten Klängen. Das melancholische und wunderschöne „My Eyes“ beendete den Auftritt, der im Fluge vorbeiging.

Setlist SCREAM SILENCE
The vitriol
Harvest
Kerosene
Apathy
Creed
Above and within
Athanasia
My eyes

Die Newcomer des letzten Jahres KLOQ erfreuten sich auch in Deutzen großer Beliebtheit, was deutlich anhand der vielen Zuschauer im Amphi-Theater zu merken war. Das Wetter passte auch und so stand einem explosiven Auftritt der Engländer nichts mehr im Wege, die direkt mit dem Kracher “Ibiza” (Coverversion des Dance Acts AMNESIA) begannen. Gründer der Band Oz Morsley hinter den Keys sowie Tim Jackson an der Bassgitarre und Steve Wilson an den Drums blieben während des gesamten Stücks allein auf der Bühne. Erst beim folgenden Stück “We’re just physical” kam Sänger Greg Cumbers zu seinen Kollegen auf die Bühne, im schicken Hut und kariertem Hemd. Im Original von keinem geringeren als Douglas McCarthy (NITZER EBB) persönlich eingesungen. Der Mix aus EBM, Synth Pop und Club-Sound zündete beim Publikum und es wurde gefeiert und getanzt. Greg tanzte auf der halbrunden Bühne stetig hin- und her. “Push it” heizte uns nochmal richtig ein, bevor das nagelneue und unbekannte Stück “Going electric” vom kommenden Album live präsentiert wurde. Da können wir uns wieder auf etwas Großartiges freuen!

Setlist KLOQ
Ibiza
We’re just physical
You never know
I never said
Move forward
Push it
Going electric

Für alle Dark Wave Fans folgte mit den Urgesteinen ESCAPE WITH ROMEO ein echtes Highlight. Seit 20 Jahren ist das Trio um Gründer Thomas Elbern mit seinen vielen Klassikern nicht mehr wegzudenken. An den Keyboards erlebten wir Martin „Potti“ Pott, am Schlagzeug Frenzy und am Bass Ralf in Action. Nach den unbekannten Klängen des Intros bekamen wir eine bunte Mischung aller bisherigen Hits, wie zum Beispiel „Glitter on the Snow“ oder den Wave Klassiker „Somebody“, der schon fast so alt ist, wie die Band besteht. Gemeinschaftliches Klatschen, Tanzen und überall um uns herum sahen wir erfreute Gesichter. Die Kölner Band ließ uns den gesamten Auftritt über in Erinnerungen schwelgen und strahlte Harmonie und Spielfreude aus. Das balladeske „Here comes the night“ kam dabei genauso gut an, wie die typisch melodischen und tanzbaren Songs, wie „Anteroom for your love“. So gingen die 60 Minuten wie eine kurze Reise durch die Zeit mit vielen stimmungsvollen Momenten viel zu schnell vorbei!

Setlist ESCAPE WITH ROMEO
Intro
Helicopters
Something underground
Glitter on the snow
Here comes the night
Somebody
If seeing is believing
Anteroom for Your Love
It’s loneliness
Skeletons
White room

Schon Ewigkeiten war es her, dass ich FUNKER VOGT live gesehen hatte, dabei waren die Liveauftritte jedesmal besonders stimmungsgeladen. Statt zu viert betraten an diesem Abend nur Gründer Gerrit Thomas (Keyboard), Live-Gitarrist Thomas Kroll und natürlich Sänger Jens Kästel die Bühne. Der sonst so „lustig bemalte“ Björn Böttcher fehlte aus mir unbekannten Gründen. Gleich der erste Song “Date of Expiration” schlug ein wie eine Bombe und im mittleren Bereich der Bühne hüpfte und tanzte die Meute wild umher. In 15 Jahren musikalischen Schaffens hatte man sich einen respektablen Platz an der Spitze der deutschen und internationalen Electro-Szene erarbeitet. Konsequent stehen die Themen Militär, Krieg und das martialische Image im Vordergrund. Zum Schwarz-orange verkleideten Keyboard, passte auch die Tarnfarben-Kleidung des Trios und wie immer war Sänger Jens ein echter Hingucker. Zu brachialen Beats tanzte er über die Bühne und animierte das begeisterte Publikum. Sichtlich angetan und gerührt vom Zuspruch trank er, aus einer ihm angebotenen Weinflasche und klatschte regelmäßig die Hände der ersten Reihen ab. Ein Hit jagte den nächsten, darunter waren beispielsweise “Black Hole”, “White Trash” oder “Tragic Hero”, welcher den Abschluss des Auftritts bildete. Das Publikum war jedoch in Feierlaune und verlangte lautschreiend nach Zugabe, die in Form von “Words of Power” gewährt wurde.

Setlist FUNKER VOGT
Intro
Date of Expiration
Child Soldier
Final Thrill
Take Care
City of Darkness
Killing Fields
Black Hole
Fallen Hero
Gunman
Maschine Zeit
White Trash
Thanatophobia
Funker Vogt 2nd Unit
Tragic Hero
Navigator

Words of Power

Mittlerweile ist der Name 32CRASH wohl den meisten ein Begriff und im zweiten Atemzug fällt der Name Jean Luc de Meyer (FRONT 242), welcher zusammen mit Len Lemeire (IMPLANT) und Jan D´Hooge (IMPLANT und ex VIVE LA FETE) das Projekt im Jahre 2007 gründete. Im Gegensatz zu FRONT 242 fallen die Stücke des Nebenprojekts ruhiger aus und können als Electro Wave bezeichnet werden. Richtggehend melancholisch mit cleanem Gesang hörten wir “Slow Crash”. Mehr in Richtung Synthiepop ging “Propaganda” und für die Fans der härteren Klänge gab es “Ismodia”, “NTT” oder das abschließende “Fast Crash”. Die mächtige Aura, Stimme und Science Fiction-Geschichten des Herrn De Meyer wirkten sichtlich beeindruckend auf das Publikum, welches vor der kleinen Bühne eine Party feierte. Schließlich war dies an dieser Stelle der letzte Act des Festivals im Jahre 2009.

Setlist 32CRASH
Intro
Merlin´s Gun
Porcupine
Slow Crash
Spaceman
Dust a drought
Lone Ranger
Beware
NTT
Fibers, Carbon and Germs
I remember
The Creature
Plutonian breeders
Let me enjoy
Propaganda
Humanity
Isomodia
Fast crash

Als allerletzte Band und Abschluss des Festivals konnte man mit CREMATORY eine der erfolgreichsten deutschen Gothic Metal Bands nach Deutzen holen. In bereits vollständiger Dunkelheit und recht niedrigen Temperaturen kamen Keyboarderin Katrin Jülich, Drummer Markus Jülich, Gitarrist Matthias Hechler, Bassist Harald Heine und Sänger Felix Stass auf die Bühne. Eine tolle Lichtshow und viel Nebel umhüllten die Akteure, während sie mit brachialen Krachern wie “Tick Tack” oder “Greed” und fetten Gitarrenriffs aufwarteten. So ganz nüchtern schien da niemand auf der Bühne gewesen zu sein und die unzähligen Bierflaschen unterstützten den Eindruck noch. Felix war sehr redselig und immer wieder wurde in den Songpausen die Cocktailbar auf rechter Seite angesprochen, die dann sogar noch frische Drinks bis zur Bühne lieferte. Vom aktuellen Album “Pray” gab es “Left the Ground” und den gleichnamigen Titelsound, wo sich Felix tiefer mit Matthias cleanem Gesang abwechselten. Es war schon weitaus leerer vor der Bühne, als noch vor einigen Stunden. Das mag an der Tatsache gelegen haben, dass weniger Metal- als Electroheads anwesend waren oder einfach, weil Sonntag war und viele bereits am Montag wieder arbeiten mussten. Die restlichen Anwesenden aber und auch die Band hatten Spaß und spielten auf Wunsch mit “Temple of Love” ein SISTERS OF MERCY Cover und die wunderbare Ballade “Perils of the Wind”.

Setlist CREMATORY
Intro
Remember
Fly
Tick Tack
Greed
Pray
Höllenbrand
Tears of Time
Revolution
Left the Ground
The Fallen

I never die
Temple of Love
Perils of the Wind 

Das letzte mal war ich vor zwei Jahren (2007) beim Nocturnal Culture Night-Festival und abschließend hatte ich zusammenfassend folgende Beschreibung genutzt: unkonventionell, anders, gemütlich, intim und mit ganz eigenem Charme. Das kann ich auch für dieses Jahr nur so unterschreiben. Hinzu kommt noch, dass man den reibungslosen Ablauf und eine besonders sympathische Moderatorin positiv erwähnen muss und trotz des wechselhaften Wetters hatten Bands und Publikum eine Menge Spaß. Wir kommen gerne wieder!

Copyright Fotos: Cathie Niemann ausser DEATHGRESSION (Dani Vorndran)

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