Konzert Filter

NOCTURNAL CULTURE NIGHT 5

Ort: Deutzen - Kulturpark

Datum: 03.09.2010 - 05.09.2010

Wenn ein kleines, aber sehr feines Festival mit entsprechendem Line-Up für Neugier sorgt, darf der Terrorverlag natürlich nicht fehlen. Also machte sich ein kleines Terrorteam aus der Hauptstadt in Richtung Sachsen auf, um im idyllischen Deutzen bei Leipzig der 5. Nocturnal Culture Night (NCN) beizuwohnen. Da es für den BerichterstattER das erste Mal in den Kulturpark ging und der BerichterstattERIN bereits das dritte NCN bevorstand, war eine Mischung aus Neugier und Vorfreude auf Bewährtes garantiert.

Freitag 03.09.2010

TENEK

Unsere Jobs und die Anreise führten leider dazu, den sehr guten Auftritt von TENEK nur teilweise erleben zu können. Noch auf dem Parkplatz konnte man aus einiger Entfernung das musikalische Können erahnen welches geboten wurde. Im allgemeinen „Ankommen“ und Begrüßen vieler Bekannter ging das Set von TENEK bei uns leider etwas unter. Der wirklich ansprechende Gesang von Geoff Pinckney (ehemals MESH) und Peter Steer überzeugte. Die eingängigen Melodien und klassischen Electronummern besitzen hohen Wiedererkennungswert. Ein sympathischer Auftritt der Beiden, noch dazu von hoher musikalischer Qualität.

PATENBRIGADE:WOLFF

Eine Mischung aus Baustellenatmosphäre, Musiktheater und glasklarem Electro sind die Shows von PATENBRIGADE:WOLFF und so wurde man auch dieses Mal Zeuge eines soliden Auftritts. Für Lacher und Schmunzler sorgten die als Mickey Mouse-Stimme verzehrten Durchsagen von Brigadeleiter Lance Murdoch, der zusammen mit Brigadier Wolff noch Andre Hartung und Antje Dieckmann zur gesanglichen Unterstützung dabei hatte. Im Vordergrund des Sets stand das aktuelle und sehr empfehlenswerte Album „Baustoff“. Alte Klassiker durften auch nicht fehlen und kamen aufgrund der begrenzten Zeit aus meiner Sicht aber etwas zu kurz. Die sonst teilweise anarchistische Stimmung konnte leider nicht immer erzeugt werden, wenn aber in Zukunft auch mal wieder eine Keyboard zerstört wird, werden hoffentlich noch viele PATENBRIGADE:WOLFF-Auftritte folgen. Unkonventionell bzw. originell ist und bleibt es allemal.

Setlist PATENBRIGADE:WOLFF
Stalinallee
Feind hört mit
Gefahrstoffe
Popmusik für Rohrleger
Voyage
Das Kraftfeld
Abrissbude
Schusswechsel
Maurerradio
Demokratischer Sektor

IRIS

Da uns THE HOUSE OF USHER eher weniger interessierte, wurde auf dem Mittelaltermarkt erstmal die eine und andere Stärkung zu sich genommen, um für IRIS pünktlich wieder an der kleinen Bühne zu sein. IRIS sind bekanntermaßen die beiden Amerikaner Andrew Sega und RJ (Reagan Jones), die mit diversen Stilmitteln eine ganz eigene Interpretation von Synth-Pop bieten. Der mit einem übergroßen Kopfhörer ausgestatte Jones trug die Songs gesanglich auf einem absoluten Topniveau vor. Wesentliche Unterschiede zu Studioarbeiten waren lediglich der Anlage vor Ort geschuldet. IRIS erschufen mit ihren Stücken sofort eine angenehme, melancholische Stimmung, welche sich schnell auf die vielen „musikalischen Feinschmecker“ vor der Bühne übertrug. Für uns eine absolute Entdeckung an einem noch frühen Festivalabend.

Setlist IRIS
Disintegrate
Lands of fire
Xwires
Sentimental scar
It generates
Red right return
Nobody wins
Stop breaking your own heart
Closer to real
Sorrow expert
New invaders
Panic rev

DIE ART

Dass der Abend mit einem so beeindruckenden Auftritt von DIE ART weitergehen würde, war nicht zu erwarten. Der Berichterstatter hatte vor gefühlten 10 Jahren mal im Erfurter Unikum Club das „Vergnügen“, konnte damals mit der Musik der Leipziger aber eher weniger anfangen. Gealtert, gereift und einige Jahre später wurde er eines Besseren belehrt. Der charismatische Frontmann Holger „Makarios“ Oley sagte jeden Song voller Stolz und Inbrunst an und DIE ART spielten einen Kracher nach dem anderen in den kühlen Deutzener Abend hinaus. Das Publikum ging richtig gut mit. Die sichtlich berührte Band gab dies mit einem gefühl- und kraftvollen Set zurück. In bemerkenswerter Weise wurde das nicht unbedingt aus Gitarrenrock und Wave-Jüngern bestehende Auditorium (mich inbegriffen) zum Mitklatschen und Mitsingen angeregt. Ein Auftritt, der einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen hat und ohne Übertreibung zum besten gehörte, was ich je gesehen und gehört habe. Schön, dass man auch noch etwas „Neuentdecken“ kann, was schon so einen langen Bestand hat. Wow!

Setlist DIE ART
Other Side (Intro)
Endlos
Heimatlied
Alles Was Dein Herz Begehrt
Paradise
Obsession Is Sad Passion
In The Gallery
Heer Litz
Eternal Fall
Wide Wide World
Black Dust
Ozean
Das Schiff
Samtmarie

VOMITO NEGRO

Nicht weniger Erfahrung als DIE ART bringt die EBM und Industrialformation von VOMITO NEGRO mit. So blicken die Belgier doch auch schon auf eine 27-jährige Geschichte zurück. Nichts desto trotz gab es in diesem Jahr mit „Skull & Bones“ eine bemerkenswerte Veröffentlichung. Sänger Gin Devo wurde an den Keys von Borg begleitet und hauchte durch seine mystisch-charismatische Art dem gesamten Set eine besondere Atmosphäre ein. Dass Show und Musik zeitgemäß sind, zeigte ein dauerhaft tanzendes Publikum aus Jung und Alt.

IN THE NURSERY

Schon etwas angeschlagen und müde verfolgte man das Set von IN THE NURSERY, die an diesem Freitagabend den Headliner auf der großen Bühne darstellten. Wie schon die beiden Vorgängerbands können auch die Engländer von IN THE NURSERY auf ein langjähriges Bestehen (gegründet 1983) zurückblicken. Die beiden Brüder Klive und Nigel Humberstone, sowie Dolores Marguerite C und David Electrik beeindruckten erstmal durch ein tolles Drumset mit Pauken und Trommeln aller Art, die entsprechend positioniert wurden. Weniger beeindruckend war der doch eher unaufgeregte Gesang von Dolores, der Berichterstatterin und Berichterstatter dann doch früher als erwartet in Richtung Hotelbettchen trieb.

Samstag 04.09.2010

Nach einem guten und amüsanten Frühstück („Wer trinkt schon Pfefferminztee?“) ging es nach kurzer Autofahrt wieder zurück zum Ort des Geschehens: den Kulturpark Deutzen. Das Line-Up versprach Einiges, also war die Vorfreude riesig. Noch ein schnelles Bierchen und es konnte losgehen.

CHROM

Es ist immer recht undankbar, als erster Act den zweiten Festivaltag zu eröffnen, doch das traf weder bei den anwesenden CHROM-Fans, den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern, noch bei der Band selbst zu. Das komplette Set wurde durchgefeiert (trotz einsetzenden Regens) und das Auditorium klatschte und tanzte eifrig mit. Songs des gelungenen Debüt-Albums „Electroscope“ bestimmten das Set und die beiden „CHROMis“ überraschten auf der Bühne. Wer die Möglichkeit hat, sollte es nicht verpassen, diese sympathische Band einmal live zu erleben. Für mich war es definitiv eines der Festivalhighlights. Schade nur, dass die Uhrzeit dazu beitrug, dass nicht all zu viele Zeugen davon wurden. Ein Auftritt zur späteren Stunde sollte demnächst drin sein.

Setlist CHROM
The Worst Day
New Impression
Salvation
Blame you
My Desire
Morbid Mind

SENSORY GATE

Bester Beweis für die angenehme familiäre Stimmung des gesamten Festivals war der Auftritt von SENSORY GATE, welche eine eingeschworene kleine Fangemeinde vor der Bühne versammeln konnte. Dass es sich dabei um Familie und Freunde handelte, wurde dem ahnungslosen Berichterstatter ins Ohr geflüstert. Alles sehr sympathisch, auch das Sänger Max Iannuzelli unverhohlen „zugab“, dass dies der erste Live-Auftritt wäre. Dafür wurde das Set allerdings beeindruckend, fehlerfrei und routiniert vorgetragen. Die selbstgebaute, liebevolle Bühnen-Deko, bestand aus Dominosteinen (nicht die aus Schokolade) und trug ebenfalls zum sympathischen Eindruck des Duos bei. Hinter den Keys wurde Max von Andrea Pozzi begleitet. Stilistisch ging es ganz schön hin und her. Mal gab es harte Lyrics, mal sanften Synthie-Pop. Mir persönlich gefielen die härten Sachen besser und passten irgendwie auch besser zum Habitus von Sänger Max. Fazit: Weiter so Jungs. Sympathisch, freundlich, liebenswert.

Setlist SENSORY GATE
Crowd
Laying Hopes
Slash
Hallowed
Domino Effect
New Dawn

GECKO SECTOR

GECKO SECTOR ist das neue Nebenprojekt von FUNKER VOGT Soundbastler Gerrit Thomas und Sänger Stefan Winkel. Überraschend weiß und mit leuchtender Geckoapplikation versehen, wirkte die Kleidung der Musikanten und das Banner der Band auf ungewöhnliche Art und Weise. Ein weiterer Keyboarder verstärkte das frisch gegründete Duo. Abgesehen vom „Corporate Design“ dieser Formation, welches mich eher an Berlin-Neukölln-Gangsterkids erinnerte, kam der Auftritt doch recht sympathisch rüber, was besonders am freundlich wirkenden Frontmann Winkel lag. Die teilweise techno-lastigen Stücke sprachen das Tanzbein an, was hier und da auch auf das Publikum übersprang.

KLIMT 1918

Italienischer Alternative Rock erwartete uns nun auf der kleinen Bühne. Wir kamen etwas zu spät, da das schöne Wetter einen auf den Sonnen-Sitzplätzen des Amphitheaters zurückhielt. Das Quartett um Sänger Marco Soellner und seinem Bruder, dem Schlagzeuger Paolo Soellner, hatte bereits begonnen. Zusätzlich standen noch Fancesco Conte an der Gitarre und Davide Pesola am Bass auf der Bühne. Da die Formation bisher an mir vorbeiging, packte ich sie beim Hören der ersten Songs erstmal in die EDITORS-Schublade. Diese sind ja momentan auch heiß begehrt und das erklärte die große Masse an Leuten vor der kleinen Bühne. Ganz schön gitarrenlastig, mit einer Portion 80iger Touch und tollem Gesang. Vor allem Songs des letzten Albums „Soundtrack für the Cassette Generation“ wurden zum Besten gegeben und den Zuschauern gefiel’s.

Setlist KLIMT 1918

The Breathtaking
Passive
Just in Case
The Graduate
Skygazer
Ghost
Snow of `85
They were wed

LOLA ANGST

Da ich etwas voreingenommen war (großer LOLA ANGST Fan), muss die Meinung der eher skeptischen Begleiterin herhalten und diese sprach anschließend von der persönlich größten positiven Überraschung des gesamten Festivals. Und so war es auch. Denn nach unzähligen Auftritten, die ich bisher erleben durfte, zählte jener in Deutzen wohl zu einem der Besten. Und das unter den Umständen, dass auf die bewährten Live-Drums aufgrund von Krankheit verzichtet werden musste. Dafür kam Kirchen-Orgel Lola wieder zum vollen Einsatz und der gelernte Organist Goldmann entlockte ihr einige Töne. Zu diesem Zeitpunkt tauchte die Sonne alles in ein warmes Licht und sorgte zusätzlich für gute Laune. Die Entertainer-Qualitäten des LOLA-Masterminds taten ihr Übriges. Neben den alten Bekannten wurden auch Songs aus dem aktuellen Album zum Besten gegeben. Als Sänger Goldmann noch einen kleinen Jungen verdutzt aus dem Publikum auf die Bühne holte, war das Eis endgültig gebrochen. Ein erfrischender Auftritt fernab aller Konventionen und Szene-Allüren. Viva La Lola!!!

Setlist LOLA ANGST
Deutschlandlied (Intro)
Hello Happiness
Just Slaves
Dear Enemy
I love myself
Daddy Daddy
Strange beautiful tear
Mr Trisex
Cold hearted bitch
King of the mad
Final War
Dead Mans Song
Am i dead?

DIORAMA

Da DIORAMA wohl unbestritten zum musikalisch Anspruchvollsten gehören, was die „Szene“ zu bieten hat, freuten sich die bereits lange mit dem DIORAMA-Virus infizierte Berichterstatterin wie auch ich mich (als „Neufan“) sehr auf diesen Auftritt und wurden nicht enttäuscht. Die treuesten aller Treuen, die DIORAMA-Lemminge, standen schon in der ersten Reihe. So konnte das Set mit Klassikern und viel neuem Material des Albums „Cubed“ beginnen. Gitarrist Sash in großer Spiellaune, stürzte unglücklich und wohl auch schmerzhaft über eine Montitorbox und konnte dennoch Sänger Thorben Wendt bei der Akustikversion von „HLA“ gewohnt sicher begleiten. Auf diesem Wege gute Besserung. Apropos Monitor: Dieser war wie es aussah anfänglich auch nicht den Wünschen des Sängers entsprechend eingestellt. Einziger Wermutstropfen war die Abwesenheit von Keyboarder Felix Marc, der durch den KLANGSTABIL-Sänger Boris May würdig vertreten wurde, aber dennoch irgendwie fehlte. Das gut gefüllte Amphitheater ließ sich ordentlich zum Mitmachen anregen. Jedoch konnte die uns bekannte Intensität von Clubkonzerten dieses Mal nicht erzeugt werden. Nichts desto trotz DIORAMA begeisterte und überzeugte durch die authentische Art voll und ganz.

Setlist DIORAMA
Child of Entertainment
Acid Trip
Howland Road
Prozac Junkies
Erase Me
Why
Hla (Akustik)
Refugee
Ignite
The Girls
Advance
Synthesize Me

MEGAHERZ

Einen Auftritt voller Pathos lieferten nach einem doch länger dauernden Soundcheck MEGAHERZ ab. Aus meiner Sicht etwas „too much“ Pathos und so hat man sich schnell an eine Mischung aus UNHEILIG und EISBRECHER erinnert gefühlt. Trotz der Bemühungen von Frontmann Lex ließ sich das Publikum auch nicht wirklich dauerhaft mitreißen. Den guten Eindruck vom Zita Rock Festival in Berlin konnten MEGAHERZ nicht wiederholen und ließen uns doch etwas enttäuscht und ratlos zurück.

Setlist MEGAHERZ
Das Tier
Beiss Mich
Herzblut
Ebenbild
Fauler Zauber
Kaltes Grab
5. März
Kopfschuss
Alles nur Lüge
Heuchler
Gott Sein

Miststück

SPETSNAZ

Stimmungstechnisch ganz großes Kino sind die Auftritte der beiden Schweden von SPETSNAZ, so auch dieses mal. Das liegt vor allem an dem ausschweifend tanzenden Publikum, welches sich fast ausschließlich aus der härteren Ecke rekrutierte und so verfolgten wird das „bunte“ Treiben mit etwas Sicherheitsabstand. Es gab musikalisch ordentlich auf die Ohren und für den einen oder anderen in der pogenden Mitte wohl auch auf die Knochen. Sänger Pontus gab richtig Gas, so dass kein Tanzbein ruhig stand. Auch wenn es das dankbare und ausgelassene Publikum nicht nötig hatte, wurde es durch die krafvollen Lyrics mehr und mehr aufgeheizt. Hardcore Hooligans. Aus meiner Sicht ein bisschen komisch wirkten die E-Drum-Einlagen von Stefan, die der Härte und Kraft des ganzen Sets irgendwie konträr entgegenstanden und mich schmunzeln ließen. Sorry… Das störte aber sonst niemanden und die beiden hauten alles raus, was zu einem SPETSNAZ-Abend dazugehört.

SUICIDE COMMANDO

Von anfänglichen Problemen mit dem Headset, sowie einem nichtfunktionierenden Effektgerät, welches Sänger und Mastermind Johan van Roy beim ersten Song mit sich trug, begleitet, begann das Set von SUICIDE COMMANDO. Partner des Belgiers waren Infacted-Labelchef Thorben Schmidt an den Keys sowie an den Drums Mario Vaerewijck. Insbesondere die „echten“ Drums verleihen den Auftritten von SUICIDE COMMANDO richtige Durchschlagskraft und lassen andere Acts mit E-Drums wie einen „musikalischen Kindergarten“ erscheinen. Die wie immer sehr spektakulären Videos im Hintergrund waren nach unserem Geschmack etwas zu sehr auf Titten und Ärsche reduziert. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch, denn es wurde im gesamten Zuschauerbereich ordentlich mitgefeiert.

Sonntag 05.09.2010

ADDICTED DREAMS

Als „Ersatzact“ für VANESSA sprangen kurzfristig ADDICTED DREAMS ein. Hut ab für die schnelle Reaktion von Veranstalter und Band, die damit einen freien Slot füllten und dem frühzeitig erschienenden Publikum am Sonntagmorgen eine positive Überraschung bescherten. Rene, Alex und Stephan nutzten also die Chance, die noch wenigen und sichtlich müden Zuhörerinnen und Zuhörer von ihrer soften Synth-Pop Interpretation zu überzeugen. Sänger Rene, im eleganten Popper Outfit, forderte immer wieder zum Mitmachen auf und so wurde es ein kurzweiliger Einstieg in einen noch langen dritten Festivaltag.

Setlist ADDICTED DREAMS
Play with me
That I can live
Sweet like an Angel
Take my Heart
Dark Loneliness
Always wanted
My Head
Beautiful Day
You don´t believe

SLAVE REPUBLIC

Bereits zum dritten Mal wurden wir dieses Jahr Zeuge eines SLAVE REPUBLIC- Auftritts. Dass die Szene am dritten Festivaltag noch müder als üblich in den Tag startete, tat der Spiellust von Alec Fu und Alex Alice keinen Abbruch. Eingängiger und moderner Indie-Pop mit hohem Wiedererkennungswert, dafür stehen SLAVE REPUBLIC. Ein kurzer Playback-Ausfall zeigte ganz deutlich, dass die beiden Jungs ihr Handwerk verstehen. Davon unbeirrt wurden Bass und Gitarre einfach weiter gespielt und der Gesang von Alec konnte sich schließlich auch sehen lassen. Hut ab dafür, andere Vertreter wären an dieser Stelle hoffnungslos aufgeflogen. Eine kleine aber feine Fangruppe sorgte in der Mitte des Amphitheaters wenigstens für den mehr als angebrachten Applaus und feierte ein wenig, wenn auch im Sitzen. Schade, dass sich viele andere Zuseher/innen nicht einmal zum Klatschen bewegen ließen. SLAVE REPUBLIC haben definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient, ein echter Geheimtipp!

Setlist SLAVE REPUBLIC
The Driver
Hadron Collider
Number Three
Electric
Less of Me
Choking / Drowning
My Maker

SOLAR FAKE

Wieder zurück an der kleinen Bühne spielten SOLAR FAKE bereits den ersten Song. Das Nebenprojekt von ZERAPHINE und DREADFUL SHADOWS Sänger Sven Friedrich gibt Einblicke in die elektronische, Future-Pop-lastige Seite des musikalischen Tausendsassas. Die doch sehr prägnante Stimme Friedrichs gibt dem gesamten Set einen sehr vertrauten Eindruck. Stimmungstechnisch empfand ich es überraschend lebhaft. Mein persönliches Highlight des Sets war dann eine Coverversion des IAMX-Hits „Spit it out“. Toll umgesetzt, Hut ab.

Setlist SOLAR FAKE
The Shield
Resigned
Stigmata Rain
Here I Stand
Sometimes
Radical
Hiding Memories From The Sun
Spit It Out (IAMX Cover)
Lies

STAR INDUSTRY

Für Gothic-Rock-Fans kamen nun die Belgier STAR INDUSTRY auf die Bühne, die mir bis dahin auch noch unbekannt waren. Peter Becker sang mit Cowboyhut und Sonnenbrille bekleidet, neben seinen Mitstreitern Xavier (Gitarre), Stijn (Bass) Kurt, (Drums) und Peter (Drums). Von den bereits 3 erschienenen Alben gab es Kostproben zu Hören, wobei der wohl bekannteste Track „Nineties“ nicht fehlen durfte. Ein bisschen Wave, treibende Drums, eingängige Melodien und Gitarren, dennoch kam keine wirklich gute Stimmung auf. Die Zuschauer schienen ihre Energie für nachfolgende Bands aufzusparen. Das große Raten begann bei meinen Begleitern und mir, als die Coverversion „Kids“ von MGMT präsentiert wurde. Man wusste, dass Stück ist nicht von STAR INDUSTRY, aber drauf kamen wir erst, als jemand die Setlist ergatterte.

Setlist STAR INDUSTRY
Be Real
Spirits Wiithin
Ceremonial
Pray
City Of Light
Kids
Lost Generation
Nineties

XOTOX

Was soll man groß über einen Auftritt schreiben, den man persönlich eher als Krach empfindet? Wenn der Soundmann dann auch noch der Aufforderung von XOTOX Leader Andreas Davids folge leistet und das Ganze auch noch lautstärkemäßig an die Schmerzgrenze dreht, macht es die Sache für einen „Nichtfan“ nicht leichter. Die Anwesenden, die technoide, harte Beats mit Samplefeuerwerk lieben, kamen voll auf ihre Kosten. Absoluter Hingucker war eine Art Nebeltrommel mit der Andreas Frau enorme Ringe in die Umgebung feuerte. Wirklich genial anzusehen.

GIRLS UNDER GLASS

Auf die Hamburger GIRLS UNDER GLASS freute ich mich ganz besonders, denn erstens sind sie nicht häufig live zu sehen und zweitens habe ich den genialen Jubiläums-Auftritt auf dem M’era Luna 2006 noch im Hinterkopf, der mich damals sehr beeindruckte. Zu dritt kamen Volker Zacharias, Axel Ermes und Gitarrist Lars Baumgart auf die Bühne. Ganz entspannt durchs Publikum und begrüßten die Fotografen mit einem „Guten Tach“. Bei 20 Jahren Bandgeschichte ist die Auswahl der Songs nicht einfach, aber mein Geschmack wurde mit den ersten Titeln „In die Einsamkeit“ und „Die Zeit“ vollends getroffen. Leider ohne Peter Spilles gab es „Ohne Dich“, das Stück schien auch dem Publikum zu gefallen, welches leicht tänzelnd vor der Bühne stand. Die Band hatte sichtlich gute Laune, die noch besser wurde, als der „gewünschte“ australische Rotwein prompt an die Bühne gebracht wurde. Auch wieder im Set folgte später das MADONNA-Cover „Frozen“, worauf es mit „Feuerengel“ dann noch mal schneller wurde. Sympathisch und spielfreudig kam die Band rüber. Besonders die Witzeleien untereinander machten Spaß und ließen uns als Beobachter öfter mal schmunzeln. Mit „Erinnerung“ und „Humus“ endete der Auftritt, welcher am Sonntag definitiv zu meinen Highlights gehörte.

Setlist GIRLS UNDER GLASS
In die Einsamkeit
Die Zeit
Ohne Dich
Never Go
Du bist das Licht
Frozen
When I Think About You
Burning Eyes
Feuerengel
Erinnerung
Humus

MODCOM

Mit etwas Verspätung, aber durch die Flexibilität des Veranstalters und der anderen Künstler gestützt, betrat ein gut gelaunter Ronan Harris im legeren Freizeitlook die Bühne und gab sich dann mit seinem Sideproject MODCOM die Ehre. Clubtauglich durch und durch feuerte Mister Harris hier alles durch Macbook und Synthies, was tanzbar war. Dies übertrug sich hier und da auch aufs Publikum. Für mich persönlich gehört das gerne in einen Club, auf einer Open Air-Bühne springt der Funke nicht so Recht über. Fazit: Gib Ronan ein Mikro und lass ihn wieder über die Bühne wirbeln, denn so lieben wir ihn alle!

NACHTMAHR

Tagelange laute Musik, hoher Bierkonsum und wenig Schlaf gehen an die Substanz und gehören irgendwie zu einem Festival dazu. Das dies bei einem Auftritt von NACHTMAHR allerdings für eine der beiden Statistinnen auf der Bühne in einen Zusammenbruch gipfelte, ist dann doch eher seltener zu beobachten. Die skurrile Situation wurde nur noch durch das Desinteresse des Musikanten Rainer getoppt, der ohne mit der Wimper zu zucken im Set weitermachte. Nach wie vor wurde an der Zusammengebrochenen, die weiterhin auf der Bühne lag herumgedoktert. Über Sinn und Unsinn solcher Showeinlagen will ich an dieser Stelle lieber nicht eingehen. Meine Eindrücke aus vergangenen Gigs wurde allerdings voll und ganz bestätigt: Das braucht kein Mensch und wer das „Mädchen in Uniform“ ist, wurde eindrucksvoll bewiesen.

LEAETHER STRIP

Dass der äußerst sympathische LEAETHER STRIP Hüne Claus Larsen schon am Freitag auf dem Festivalgelände unterwegs war und auch selbst am Merch-Stand für Fotos oder Schwätzchen bereit stand, zeigt sein Interesse an einer Szene, die er nicht unwesentlich mitgeprägt hat. Passend dazu verkroch er sich wenige Minuten vor seinem Set nicht im Backstage-Bereich, sondern stand bereitwillig zwischen seinen Fans und alberte mit Ronan Harris (VNV NATION und MODCOM) und seinen Fans rum. Genial. Die Setlist war unterhaltsam und liebevoll ausgewählt. So gab es beispielsweise ein eigens für das NCN kreiertes Intro. Trotz der anstrengenden 3 Tage mobilisierten die Zuschauer noch mal ihre letzten Kräfte und feierten bei jedem Song. Der Stimmungshöhepunkt wurde aber, wie schon beim WGT und E-Tropolis mit „Japanese Bodies“ erreicht.

Setlist LEAETHER STRIP
Deutzen Noir (Intro)
Battlemind
Desert Storm
Hate me
Introvert
Japanese Bodies
Strap Me Down
Don’t Tame Your Soul
Evil Speaks
Civil Disobedience
Adrenalin Rush
No Entry No Exit
Body Machine Body
Crash Flight 232
Battleground (Dessau Version)

Da für das Berichtserstatter-Duo am Montag wieder ein Arbeitstag vor der Tür stand, wurde auf den Auftritt von SALTATIO MORTIS verzichtet und man machte sich müde aber zufrieden auf den Rückweg. Die 5. Auflage des NCN war ein absolutes Highlight im Festival-Jahr 2010. Insbesondere die Mischung aus Newcomern und Topacts der Szene haben voll ins Schwarze getroffen. Die familiäre und dadurch sehr unkommerzielle Stimmung sind wohl einmalig und machen ein Wiederkommen zur Pflicht. Ein sehenswerter Mittelaltermarkt, ein vielfältiges kulinarisches Angebot (fernab übler Asia-Pfannen/ Hamburgerverbrechen) und preiswerte, aber gepflegte Getränke sind also doch möglich. Den Veranstaltern an dieser Stelle ein großes Dankeschön für die tolle Organisation. Wir kommen, wie hoffentlich viele der 1.500 BesucherInnen wieder!!!

Copyright Fotos: Cathie Niemann

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ADDICTED DREAMS auf terrorverlag.com

Mehr zu CHROM auf terrorverlag.com

Mehr zu DIE ART auf terrorverlag.com

Mehr zu DIORAMA auf terrorverlag.com

Mehr zu GECKO SEKTOR auf terrorverlag.com

Mehr zu GIRLS UNDER GLASS auf terrorverlag.com

Mehr zu IN THE NURSERY auf terrorverlag.com

Mehr zu IRIS auf terrorverlag.com

Mehr zu KLIMT 1819 auf terrorverlag.com

Mehr zu LEÆTHER STRIP auf terrorverlag.com

Mehr zu LOLA ANGST auf terrorverlag.com

Mehr zu MEGAHERZ auf terrorverlag.com

Mehr zu MODCOM auf terrorverlag.com

Mehr zu NACHTMAHR auf terrorverlag.com

Mehr zu PATENBRIGADE: WOLFF auf terrorverlag.com

Mehr zu SENSORY GATE auf terrorverlag.com

Mehr zu SLAVE REPUBLIC auf terrorverlag.com

Mehr zu SOLAR FAKE auf terrorverlag.com

Mehr zu SPETSNAZ auf terrorverlag.com

Mehr zu STAR INDUSTRY auf terrorverlag.com

Mehr zu SUICIDE COMMANDO auf terrorverlag.com

Mehr zu VOMITO NEGRO auf terrorverlag.com

Mehr zu XOTOX auf terrorverlag.com