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NORTHER (TOURREPORT 2007)

Ort: diverse

Datum: 14.10.2007 - 02.11.2007

Schon viele Jahre lang mussten nicht-finnische NORTHER Fans darauf warten, ihre Lieblinge endlich mal wieder live on Stage zu sehen, denn die Jungs hatten lange keine Auftritte außerhalb Finnlands geplant. 2007 sollte das Warten endlich ein Ende haben, zuerst waren die Herren auf einigen Festivals zu sehen und dann wurde eine Headliner-Tour (die erste außerhalb Finnlands) mit den Landsmännern AMORAL und den Metal Battle Gewinnern DRONE für den Oktober angekündigt – 2007 sollten also die Fan Herzen höher schlagen. So machte ich auch erstmal einen Luftsprung, als ich von der Tour erfuhr und sorgte schon mal dafür, die Jungs auf einem Teil ihrer Gastspielreise begleiten zu können.

EINDHOVEN – DYNAMO

Gesagt, getan, am 14.10.2007 klingelte viel zu früh morgens mein Wecker und riss mich aus meinen Träumen, nun ja, hilft ja alles nix, heute stand der erste Gig auf dem Plan und der war mit dem holländischen Eindhoven schon ein paar Kilometer entfernt, so dass ich mich wenn auch noch leicht widerwillig aus meinem Bett ins Auto bequemte und erstmal quer durch den Pott steuerte, bis wir dann die Truppe komplettiert hatten. Mit dem etwas zickigen Navigationssystem „Janina“ wurden wir erst mal durch die Pampa gejagt, bis Alex, der ja bekanntlich ein Frauen-Versteher ist, das Problem mit Janina löste und wir uns wenig später auf der Autobahn und dann in Eindhoven wieder fanden. Hier gab es allerdings den „Running-Gag“ des Tages – im wahrsten Sinne des Wortes – überall, wohin Janina uns lotste, liefen Menschen rum und die Straßen waren gesperrt… Hier war ein wahres Volksfest mit einem Marathon im Gange. Nach ca. 1 Stunde planloser Umherirrerei hatten wir die Schnauze voll und beschlossen, den Rest zum Dynamo zu laufen. Dort stellten wir auch erstmal fest, dass es unmöglich gewesen wäre, direkt dahin zu fahren, da das Ziel des Marathon genau vor der Toren des Dynamo lag. Nun ja, immerhin waren wir jetzt erstmal da. Ein Grieche direkt um die Ecke lud erstmal zum Mittagessen ein, wo sich dann auch das erste Nordlicht in Form eines Geistes… ähm… des Keyboarders Tuomas Planman von NORTHER zu uns gesellte und uns von dem sehr freundlichen Empfang am frühen Morgen berichtete, wo die armen Jungs mit Pauken und Trompeten (im wahrsten Sinne des Wortes) geweckt wurden und verschlafen mitten in ein Volksfest torkelten. Dagegen waren meine Eichhörnchen als Weckton noch harmlos… Nach dem Essen war dann noch etwas Zeit für einen kleinen Stadtbummel, wo sich herausstellte, dass das Volksfest immer noch im vollem Gange war… Also schnell zurück zum Dynamo und dort gemütlich einen Kaffee (oder Tee!) trinken.

Um 19 Uhr gingen dort dann die Türen auf und wir betraten zu unserer Überraschung nicht den kleinen Keller, wo wir den Auftritt zuerst vermutet hatten, sondern die größere Halle auf der Eingangsebene, die auf den ersten Blick sehr gut aussah. Auch die Lichtanlage versprach für uns Fotografiersüchtige Meute nur das Beste. Es muss um die 20 Uhr gewesen sein, als mit DRONE die erste Band des Paketes die Bretter des Dynamos betrat. Man könnte denken, dass die Jungs, die ja noch nicht allzu lange im Rampenlicht stehen, noch etwas unsicher und schüchtern wären, aber wer so etwas glaubte, lag damit völlig falsch – selbst und siegessicher betraten die Jungs auch Celle die Bühne und schleuderten der holländischen Menge ihre Songs entgegen. Diese brauchte eine kurze Aufwärmphase, dann war aber der erste amtliche Moshpit zu vermelden und hier und da flogen Haare durch die Gegend. Noch war der Club nicht wirklich voll, was sich aber lediglich darauf auswirkte, dass der leere Platz für einen Circle Pit in Anspruch genommen wurde. Den Jungs schien es zu gefallen und Sänger Mutz stachelte das Publikum immer weiter an. Nach 45 Minuten verließen die Jungs zufrieden die Bühne und machten Platz für die beiden finnischen Combos.

Von denen war AMORAL die nächste, die auf die Bühne geschickt wurde. Beim Umbau stellten wir aber erstmal fasziniert gewisse Ähnlichkeiten des langhaarigen Gitarristen mit dem WINTERSUN Seitenquäler fest. Des Weiteren sah der Drummer aus wie eine Mischung aus Petri und Tuomas von NORTHER. Ja ja, was man nicht so alles entdeckt… Auf AMORAL war ich sehr gespannt, hatte ich sie bisher nicht wirklich bewusst gehört und wusste kaum etwas über sie. Umso erstaunter war ich, als ein scheinbar nicht zu bremsender Sänger und zwei um die Wette posende Gitarreros keine Sekunde still standen und Death Metal vom feinsten in die Menge schleuderten. Sänger Niko scheint echt Hummeln im Hintern zu haben – ich habe selten einen aktiveren Frontmann gesehen, der so stark mit dem Publikum auf Tuchfühlung geht und es schafft, die Menge von der ersten bis zu letzten Sekunde zum Ausrasten zu bringen. Bei dieser Band konnte man mal Spielfreude in seiner extremsten Form sehen. Was Song-technisch geboten wurde, konnte ich an diesem Abend mangels Songkenntnisse noch nicht sagen, aber das, was es zu hören gab, machte mächtig Spaß, so dass man nach 45 Minuten gern noch mehr gehabt hätte. Nun ja, gab es aber leider nicht, dafür sollte der eigentliche Grund unseres Kommens ja noch auf die Bretter geschickt werden.

So gab es wieder eine kleine Umbaupause, bei der sich die komplette Band bereits auf der Bühne zeigte und euphorisch begrüßt wurde. Als Tuomas dann zu seinem Keyboard ging und dort einen Schalter umlegte, war das das Zeichen, dass es nun losgehen würde. Für diejenigen, die die Jungs noch nie live gesehen hatten, stand nun aber erstmal ein kleiner Kulturschock in Form eines T.A.T.U. Intros auf dem Plan – unsereins machte sich aber einen Spaß draus und performte komische Tanzschritte dazu – ein bisschen Spaß muss sein. Dann erschienen die 5 Nordmänner endlich auf der Bühne und legten gleich mit „Blackhearted“ los. Das von AMORAL amtlich aufgewärmte Publikum ging auch von der ersten Sekunde aus mit, so dass Sänger Petri Lindross sich ein Grinsen im Gesicht nicht verkneifen konnte. Weiter ging’s mit „Throwing my life away“, „Midnight Walker“ und „Deep Inside“, die jeweils kurz angekündigt wurden. Bei dem Klassiker „Omen“ übernahm Gitarrist Kristian Ranta den cleanen Gesang. Von Unsicherheit in der Stimme war hier nix zu hören, er hat wohl wirklich etwas an seiner Stimme getan. Dieser Song sorgte auch erstmal für allgemeine Gänsehaut-Stimmung, die nur von „Frozen Angel“ übertroffen wurde. Spätestens bei „C.U.S.“ war die beachtlich angewachsene Menge dermaßen am kochen, dass auch der letzte in Mitleidenschaft einen Pits gezogen wurde – hehe wie gut, dass ich mich rechtzeitig auf die Galerie verzogen hatte, wo ich in Ruhe meinen Nacken massakrieren konnte. Die Stunde Spielzeit war mal wieder viel zu schnell vorbei, und leider wurden die erklingenden „Zugabe!“ Rufe nicht erhört und so war der Gig nach einer Stunde wirklich vorbei. Dennoch war er durchaus gelungen.

ESSEN – TUROCK

Wir verabschiedeten uns an diesem Abend sehr schnell, da Arbeit/ Schule/ Uni am nächsten Tag auf uns warteten, aber bereits am Nachmittag ging es direkt wieder nach Essen, wo die Tour am 15.10. Station machen sollte. Für mich ging es mit einer gehörigen Verspätung von Münster aus los – mir steckte die letzte Nacht mit viel zu wenig Schlaf – ich hatte ja von allen den weitesten Weg – noch ziemlich in den Knochen, und danach 5 Stunden arbeiten, war auch nicht unbedingt lustig, aber was tut man nicht alles… So fand ich mich gerade pünktlich zur ersten Band im Essener Turock wieder, welches aber mal verdammt leer aussah. DRONE wurden heute von AMORAL Sänger Niko, der mit Cowboyhut und Latexhose auf die Bühne kam, angesagt und freuten sich scheinbar, dass sie hier wieder in ihrer Muttersprache reden konnten… irgendwie kamen mir die Ansagen heute auch etwas länger vor…. Leider schien die Menge heute noch zu schlafen, es passierte nicht viel außer ein paar fliegenden Haaren.

AMORAL wurden heute vom DRONE Frontgrowler Mutz, der sich schnell den Cowboyhut gekrallt hatte, angesagt, und auch ihnen gelang es heute nicht so einfach, das Essener Publikum für sich zu gewinnen. Gitarrist Ben hatte mit diversen technischen Problemen zu kämpfen, so dass er sogar von der Bühne runter musste, um sich eine andere Gitarre zu holen. Zum Ende der Show taute das Publikum aber langsam auf, und es wurde auch voller in der Halle, dennoch – kein Vergleich zu gestern.

Als letztes standen auch heute die NORTHER Jungs auf dem Plan – mittlerweile hatten sich doch etwas mehr als 100 Leute versammelt – weniger als gestern, aber immerhin. Kaum betraten die Finnen die Bühne, sollte ich die Stimmung im Publikum aber ändern – ich war überrascht, wie viel Lärm knapp über 100 Leute machen können – und wie viel Party!! Die vorhin noch halb schlafende Meute war erwacht und feierte mit der Band, als gäbe es kein Morgen. Von der Bar aus beobachteten die beiden anderen Combos das Treiben mit offenem Mund – mit so einem Wandel hätte wohl keiner mehr gerechnet. So gab es das selbe Set wie Gestern zu hören und alle waren zufrieden – bis auf und Fotografen – leider hab ich selten so schlechtes Licht gehabt und auch wenn Bassist Jukka sich alle Mühe gab, zu Posen wie ein Wilder und Tuomas mit mehr als einmal die Pommesgabel zeigte – heute war bei fast nur rotem und teilweise sehr schwachem Licht wenig zu reißen.

Nach der Show war dann erstmal Autogrammstunde angesagt, bis die freundliche Security des Turocks (*hust*) mal wieder alle nach draußen beförderte. Die meisten der Jungs hatten zu dem Zeitpunkt schon einen guten Pegel, und vor allem Niko und Mutz hatten heute schon das ein oder andere alkoholische Kaltgetränk zu viel erwischt. Die beiden demonstrierten uns auch sehr anschaulich, dass sie sich sehr gern haben und knutschten in bester „Männer allein unterwegs“ Manier erstmal rum – ja ja so ist das eben, wenn man die Herren der Schöpfung allein lässt. Es passierten noch allerhand witzige Dinge – angefangen mit der kleinen Diva Tuomas, der erstmal auf Nikos „ihr könnt ja mal mithelfen“ ein „wozu haben wir denn Supportbands?“ zurückgab (und dann nachher doch mithalf), diversen homosexuellen Andeutungen (O-Ton Gravi: Stop Gay – O – Rizing !!) , Deutsch sprechenden Finnen, finnisch sprechenden Deutsche… ganz normaler Tour Wahnsinn eben. So standen wir noch eine Weile mit der Bande herum, bis es dann nach Osnabrück bzw. für uns nach Hause ging, um morgen wieder zu dem Haufen zu stoßen.

OSNABRÜCK – BASTARD CLUB

Auch die nächste Nacht war mal wieder viel zu kurz, wenngleich es diesmal eine Stunde mehr gab und ich – Schlafmangel sein dank – sofort weg war – irgendwie wachte ich trotzdem wie gerädert wieder auf… Egal – ab ins Auto, zur Uni und direkt weiter nach Osnabrück, diesmal wirklich sehr spät… dank Stau (der trotz Stau Party nicht lustig war) verpassten wir diesmal DRONE und kamen direkt zum letzten Song in den sehr sehr leeren Bastard Club zu Osnabrück. Der Club an sich war eh so ne Sache für sich – sehr kleine Bühne, die da eher wie etwas Nebensächliches in einer Skatehalle stand. Voll war es auch nicht wirklich – geschätzte 70 Leute tummelten sich hier. Während AMORAL spielte, passierte heute mal so gut wie gar nichts – viele saßen noch in der Oberen Ebene bei der Bar – es kam kaum Stimmung auf und es blieb vor allem verdammt kalt in der Halle – was war denn hier los? Auch wenn Niko und der Rest der Bande mal wieder alles gaben – es kam diesmal kaum was zurück von der kleinen Menge. Trotzdem ließ man nichts anbrennen und gab bis zum letzten Song sein Bestes, ein paar tauten auch auf, aber der Funke sprang nicht ganz über. Ich selbst war immer noch irritiert von der komischen Location, in der der Sound trotzdem sehr gut war – irgendwie passte das alles nicht so ganz…

Als NORTHER die Bühne dann für sich umbauten stand auch nun fest, was ich den ganzen Abend schon vermutet hatte – die Devise des heutigen Abends würde heißen „bloß nicht bewegen“ – Kride hatte, wenn man großzügig ist, einen Bewegungsradius von einem halben Meter, da direkt hinter ihm Tuomas’ Keyboard stand, hinter dem auch der Tastenmann nur das Minimum an Platz hatte. Sänger Petri stand direkt von den Drums und konnte sich so auch nicht wirklich bewegen, einzig Bassist Jukka hatte ein wenig mehr Platz. Die Show versprach also schon allein deswegen sehr spannend zu werden. Lustig wäre auch noch zu erwähnen, dass Tuomas und Jukka sich bis ca. 5 Minunten vor der Show mit uns unterhalten hatten, dabei wohlgemerkt mitten im Publikum standen, sogar direkt vor der Bühne. Ich denke, das lässt schon sehr tief blicken, wie leer der Club war. So ging es also mal wieder los mit dem altbekannten Set und wir mussten bewundernd feststellen, dass die Platzprobleme auf der Bühne wohl halb so schlimm waren – Kride machte kurzerhand einen Ausflug von der Bühne zum Merch Stand, Jukka einmal quer durch die Menge zum Mischpult… der Mann vom Merch – diesmal leider nicht der uns allen bekannte Ilkka – versorgte die Jungs auf der Bühne mit Bier – man nahm die lichten Reihen also gelassen und versuchte das Beste draus zu machen. Auch wenn der Funke nicht ganz übersprang und die Reaktion der Menge in keinem Vergleich zu gestern stand – es wurden trotzdem brav die Köpfe geschüttelt und hier und da ergab sich kurzzeitig ein kleiner Pit. Immerhin – für die Menge an Leuten schon ok.

Nach der Show wieder dasselbe Spiel –Autogrammjäger hier und da.. Doch halt – wo sind die DRONE Jungs hin? Tuomas klärt uns schnell auf – die Dronen hatten sich wohl in die heimischen Betten verkrochen, so dasx der Bus nun komplett unter Finnischer Herrschaft stand und das sollte heute erst mal zünftig gefeiert werden – die finnische Flagge war schon gehisst. Man mag gespannt sein, was für eine Welcome-Back Überraschung die deutsche Band nach ihrem Ausflug in die Heimat erwarten würde… Aber zunächst musste alles abgebaut und in den Hänger geschleppt werden. Da heute nur eine Support Band anwesend war, mussten auch die NORTHER Jungs verstärkt mit anfassen (auch wenn sich ein Teil mehr oder weniger erfolgreich darum drückte). So verging auch dieser Abend mal wieder viel zu schnell – gegen halb 2 verabschiedeten wir uns gen Heimat.

FRANKFURT – NACHTLEBEN

Ein paar Day off Tage gingen ins Land und am 21.10. stießen wir in Frankfurt wieder zu der Truppe, die heute spät dran war und zum Teil mies verkatert aus der Wäsche schaute. Tourmanagerin Miriam schien die Jungs aber gut unter Kontrolle zu haben, denn diese parierten sofort, wenn die Order kam, mit anzupacken oder sich zu beeilen. Nun ja, bei solchen Saufköppen muss man sich auch durchsetzten können.

Von DRONE und AMORAL bekam ich heute nicht viel mit, ich zog es vor, einen Stadtbummel mit Tuomas zu machen und mir von den letzten 3 Tagen erzählen zu lassen. In Hamburg war der Sound wohl einzigartig genial, und Niko (AMORAL) soll sich wärmend der Show erstmal lang gemacht und trotzdem er auf dem Rücken lag, wie ein Käfer den Song zu Ende gesungen haben. In Hannover hatten die Drone Jungs ein Heimspiel und durften sogar ne Zugabe spielen, außerdem veranstalteten sie ne fette Grillparty für alle, na wenn das mal nix ist. Hier in Frankfurt hatte man mangels Duschen im Club ein Hotelzimmer für alle gemietet – auch mal ne Idee.

Zurück im Nachtleben waren AMORAL noch voll dabei. Ich wollte an sich nach vorne gehen und Fotos machen, aber erstens war das Licht so dermaßen mies, dass da mal gar nicht viel ging und zweitens konnte man den Jungs heute nicht zu nahe kommen, da ihre Stage Klamotten bestialisch stanken – kein Wunder – sie waren ja auch seit 8 Tagen mindestens nicht gewaschen worden und jeden Abend voll geschwitzt. Na lecker… Der Club war heute aber im Gegensatz zu Osnabrück bis auf das Licht ok und außerdem recht voll, die Stimmung konnte heute auch wieder wesentlich mehr als in Osnabrück – die Show war wie immer grandios – ich wunder mich nur immer noch, wie Niko das schafft, die ganze Zeit durchzuhalten… Diesmal schnappte ich mir den Herren direkt nach der Show, um endlich mal die komplette Setlist zu erfahren – die sah folgendermaßen aus:

Setlist AMORAL
Leave Your Dead Behind
Decrowning
Nervasion
Mute
Denial 101
Showdown
Snake Skin Saddle
Distract
Bleeder

Weiter ging’s dann nach kurzer Umbaupause mit NORTHER. Allen Jungs schien die gestrige Partynacht noch in den Knochen zu stecken – besonders Gitarrist Kride schien froh zu sein, dass er heute fast komplett im Dunkeln stand, zeigten sich unter seinen Augen die deutlichsten Ringe ab. Auch das sonst so fröhliche Rumhüpfen und die kleinen Fights zwischen ihm und Basser Jukka blieben heute komplett aus. Auch bei den NORTHER Jungs konnte man einen gewissen starken Geruch der Klamotten bemerken, wenn auch nicht ganz so extrem wie bei AMORAL – dafür zierte Petris Rock ein weißer Schweißrand… Da das Publikum die Jungs heute ganz schön abfeierte, wurde ein Song erstmal aus dem Set genommen und hinten als vermeintliche Zugabe drangehängt… immerhin – ich finde ein Headliner, der keine Zugabe spielt, gehört nicht auf die Headliner Position – aber das ist nur meiner Meinung, an sich mag ich NORTHER ja – aber dass sie bis Frankfurt nie eine Zugabe gegeben haben, stieß nicht nur bei mir sehr negativ auf. Der heutige Gig war meiner Meinung nach trotzdem etwas lahm – man war in etwa bei der Hälfte angekommen und morgen stand ein Day off an, an dem man neue Kraft sammeln konnte, was bei all den müden Gesichtern auch bitter nötig war.

Nach dem Auftritt wurden die Tore des Nachtlebens trotz Sonntag nicht direkt geschlossen, was wir für eine lustige Runde mit Tanzeinlagen (80er Jahre Musik rult!!) , diversen Spielereien mit Equipment und Diskussionen über die Dressierbarkeit von nach eigenem Leben riechenden Stage Klamotten nutzten („An sich müssten wir sie nur in eine Tüte packen – die kommen schon hinterher“ – „Hast du ihnen denn schon „Bei Fuß“ und „Platz“ beigebracht?“ – „Ja die wollen noch nicht so ganz, aber vielleicht versuch ich’s morgen noch mal“). Auch heute zog es uns recht schnell zurück gen Heimat – Urlaub wäre was Feines gewesen, wie blöd nur, dass die Semesterferien schon rum waren.

SALZBURG – ARGE

So vergingen 5 Tage, bis ich die Truppe wiedertraf, diesmal ohne meine sonst übliche Crew, aber mit einer Meute Ösis, glückliche Umstände hatten es möglich gemacht, dass ich den heutigen Gig in Salzburg in Österreich sehen konnte. Aber der Reihe nach.

Nach einer mehr oder weniger „mut-Zur-Lücken-Trouble-Woche“ landete ich Freitagabend in Linz (Tui Fly sei Dank hat mich der Spaß nicht mal 30,- gekostet) wo ich von einem Freund von mir eingesammelt werde, bei dem ich mich für das Wochenende einquartieren konnte. Abends wurden dann die Fragen für die beiden Interviews geschrieben, denn nachdem nun mehr als die Hälfte der Tour rum war, konnte man die Jungs auch mal dazu befragen. Der nächste Morgen kam zwar schnell, dennoch war ich diesmal komplett ausgeschlafen und voll da, als es kurz nach Mittag auf nach Salzburg ging. Dort angekommen fanden wir zweit Tourbusse und ein sehr geschäftiges Treiben vor – überall wurde Equipment ausgeladen und in die Halle geschleppt, aus der Venue ertönte lautstarke Techno Musik und einzelne Gestalten taumelten völlig verschlafen herum. Ich für meinen Teil freute mich, die Jungs von ONE MAN ARMY heute wieder zu treffen, waren sie mir doch letztes Jahr ständig über den Weg gelaufen.

Aber zurück zum Thema – ein Bericht über das komplette Halloween Metal Festival, in dessen Rahmen die drei Tourbands heute spielten, könnt ihr separat bei den Konzertberichten finden. Das „Red Car“ stand trotz geschäftigen Treibens noch recht still an seinem Platz – von den drei Bands war noch nicht so viel zu sehen. Ledigleich ein paar DRONE Jungs und der ein oder andere NORTHER Member waren zu sehen – der Rest lag wohl noch im Tiefschlaf. Wir beschlossen deswegen, erstmal den örtlichen MC Donalds zu testen, bis wir durch eine SMS informiert wurden, dass man seinen Rausch nun ausgeschlafen habe. Zurück am Ort des Geschehens musste ich das ein oder andere Mal ganz schön schmunzeln. Niko hatte sich wohl bei der gestrigen Party dermaßen aus dem Leben befördert, dass die ersten Worte, die er von sich gab, als Tourmanagerin Miriam mal anfragte, ob er nicht langsam mal aufstehen wolle, „Das leben ist kein Ponyhof“ waren. Das Hangover Opfer Frankfurts – NORTHERs Gitarrist Kride – kam dagegen grinsend aus dem Bus gehüpft mit den Worten „Heute bin ich frisch“ (ja, auf Deutsch!). Allerdings war die Stimmung nicht wirklich gut – es gab wohl einige Probleme mit den Veranstaltern, weswegen sich sehr schnell eine gewisse Genervtheit – vor allem in der Crew breit machte.

Wieder einmal war es Tommy, der uns in der Zeit, die noch bis zu den „Doors“ blieb, in die Innenstadt von Salzburg begleitete und über die Vorkommnisse auf Tour berichtete. Irgendjemand soll einen Umschnall Dildo gekauft haben und wie ich nachher noch von Videos erfuhr, können ein Haufen Männer sich mit so was scheinbar ewig lange beschäftigen. Keine Details an dieser Stelle – ich nehme an, dass die Videos und Fotos dazu niemals veröffentlicht werden – von daher werde ich lediglich erwähnen, dass ich vor Lachen gekniet und mich gleichzeitig gefragt habe, wie man auf solche Ideen kommen kann. Und nein, diesmal gab es keine Gay-Aktion. So soll sich der letzte Abend sehr amüsant gestaltet haben, Niko hatte es wohl vollkommen übertrieben und erstmal gekotzt – mitten im Bus versteht sich – oh je. Wieder in der Halle kam mir der besagte Sänger völlig neben der Spur entgegen und fragte mich, was ich von seinem neuen Stage – Outfit halten würde – dabei hielt er mir sein Vollgekotztes Shirt von gestern unter die Nase. Er kotze ja schließlich nicht umsonst. Der Kerl muss Nerven haben, wenn er das wirklich vor hat, dachte ich mir im Stillen und grinste nur.

Heute standen ein paar mehr Formationen auf dem Programm, DRONE legten aber trotzdem als erste los. Die Show war geil wie immer und auch der erste Pit war schnell zu vermelden. Leider mussten die Jungs wie die meisten Bands der beiden Touren, die hier aufeinander trafen, ihr Set verkürzen, so dass nach einer halben Stunde schon Schicht im Schacht war.

AMORAL spielten heute eine für eine absolute Hangover Show seitens Niko einen sehr guten Gig – allerdings hatte der Herr es sich wohl doch anders überlegt und trug nicht sein Special Outfit – wohl auch besser so – so oft wie er auf Tuchfühlung mit dem Salzburger Publikum ging, hätte das dem einen oder anderen sicher den Magen umgedreht. Irgendwie kam es mir so vor, als wäre Niko heute noch mehr auf das Publikum eingegangen als sonst – des öfteren hang er halb über der ersten Reihe, nahm ein Trinkhorn entgegen, das ihm hingehalten wurde und zog einen auf die Bühne geworfenen Mantel an (natürlich über seine vollgeschwitzten Klamotten, wie soll es auch anders sein).

Die NORTHER Jungs waren auch hier direkt nach Amoral dran, allerdings fehlte mir hier heute ein wenig der Druck, wenngleich die Menge das anders sah – die Halle war prall gefüllt und es wurde gebangt bis zum Umfallen. Auch sie mussten ihr Set um zwei Songs kürzen.

Nach dem auch ONE MAN ARMY dann mit ihrem Gig fertig waren, begab ich mich wieder zu den Jungs, um Kride und Tuomas von NORTHER und Ben und Niko von AMORAL mal ein paar Fragen zu stellen. Niko war allerdings schon gen Bus gewandert, nun ja, er war zuvor fast im Backstageraum eingeschlafen – daher wunderte mich das nicht. Der Gute sah auch einfach nur fertig aus. Die Stimmung hinter den Kulissen hielt sich aber in Grenzen – scheinbar war hier einiges falsch gelaufen. Einige bekämpften ihren Unmut mit Alkohol, andere zogen sich einfach zurück oder ließen ihrer Wut freien Lauf. So hatte ich mit dem NORTHER Interview mein bis dato Lustigstes aller Zeiten – es war außer Petri die gesamte Band anwesend, was immer wieder zu lustigen Zwischenkommentaren oder Aktionen führte. Das Ergebnis gibt es auch auf diesen Seiten zu lesen – ich will euch ja nichts vorenthalten.

Danach war dann auch endlich Ben wieder aufgetaucht, der irgendwohin verschwunden war – so hatte ich nun vor, ihm ohne Niko die Fragen zu stellen – doch Mutz von DRONE gesellte sich zu uns und übernahm quasi Nikos Part – nur viel genialer – ja, das Frage-Antwort Spielchen mit NORTHER war längste Zeit das Genialste gewesen – spätestens als die ganze NORTHER/ DRONE/ AMORAL Meute auf einmal auftauchte und die beiden Jungs zum Wodka trinken animierte, war’s vorbei mit Ernsthaftigkeit – wobei Ben bis zum Ende versuchte, seriös zu antworten – Hut ab. Auch das Ergebnis ist hier online. Leider war die Stimmung der Crew auch nicht durch provisorisch aufgetriebene Pizza und Alkoholika zu heben, so dass die gesamte Bande Salzburg schnellstmöglich verließ. So blieb auch für uns die Nacht recht kurz und die Party aus.

An sich sollte es das für mich gewesen sein, aber die Neugierde siegt dann am Ende doch – mir wurden die ganze Zeit über Ideen für die letzte Show erzählt, so dass ich es schließlich doch nicht lassen konnte, mir das ganze Spektakel anzusehen, Und ich muss sagen, ich habe es nicht bereut.

LÜBECK – RIDER’S

Am Freitag, 2.11. 2007 ging’s für mich direkt nach der Arbeit los gen Lübeck, wo passend zu meinem Eintreffen ein Mix aus DRONE und NORTHER Jungs sich auf den Weg in ein Einkaufszentrum machte, um die letzten Utensilien zu besorgen. Vom Spielzeugladen bis zum Supermarkt wurde jeder Laden nach brauchbarem Equipment inspiziert – leider fand sich der gesuchte Sex-Shop nicht da, wo er sein sollte, so beließ man es bei Schaumstoffbällen, Plastikbällen, Äpfeln und Kondomen. Mit allem Notwendigen im Gepäck und einem fetten Grinsen im Gesicht machte sich die gut gelaunte Meute wieder auf den Weg zurück. Ja, heute war keiner der Jungs schlecht gelaunt oder verkatert – überall sah man gemein gefährliche Grinsebacken – mir war klar, dass es heute Abend einiges zu sehen geben würde.

Als erstes waren mal wieder DRONE dran – und direkt bei Intro ging’s los – der Anfang war noch ihr normales „Fluch der Karibik“-Entrée. Dieses brach aber abrupt ab und wurde mit einem anderen Song weitergeführt. Mutz viel vor Lachen fast hin, ich weiß nicht, welcher Song es war, aber scheinbar eine Art Insider zwischen den Bands. Fürs erste gab es keine weiteren Gemeinheiten – dasd die NORTHER Jungs wie von Taranteln gestochen vor der Bühne rumsprangen und nen Höllen Pit verursachten, zähl ich mal nicht als Gemeinheit – auch wenn es schon extrem witzig aussah. Zum Ende hin hatte Drummer Felix dann so seine Probleme – Juffi und Heikki – die Drummer der anderen beiden Bands – begannen nämlich mitten im Song das Kit auseinander zu bauen…. Bei „Welcome to the Pit“, das mit eine Eye of the Tiger Riff begann, gab es einen Boxkampf zwischen Niko und Ben auf der Bühne. Silver war hierbei der Schiedsrichter und der Basser der Band kündigte als Frau verkleidet mit einem Schild an, dass es sich um die erste Runde handelte. Zu guter Letzt musste Mutz den letzten Song auf Knien zu Ende singen, da Petri ihm das Mikro Stück für Stück runterschraubte.

So hatte die erste Band ihre letzte Show „überstanden“. AMORAL waren als nächstes „fällig“. Die Jungs hatten aber Glück, es passierte hier nicht allzu viel – ok, Juffi musste sich mit wassergefüllten Kondomen auf seinen Drums rumschlagen, Das Drumkit wurde außerdem in Frischhaltefolie gewickelt, was beim Basser auch versucht wurde, aber nicht gelang. Außerdem flogen mit Wasser gefüllte Schaumstoffbälle und normale Plastikbälle auf die Bühne, und hin und wieder rollten Äpfel über den Boden. Kride und Pete machten sich allerdings einen Spaß daraus, Silvers und Bens Fußpedale zu verstellen, was die beiden Gitarristen aber nicht wirklich aus dem Konzept brachte. Niko hüpfte ungestört auf der Bühne rum – mit geschminktem blauen Auge vom Boxkampf – sah lustig aus. Bei „Snake Skin Saddle” wurde Mutz von DRONE auf die Bühne gebeten, der den Song zusammen mit Niko performte und genau wie dieser wie wild rumsprang. Mutz machte sich außerdem einen Spaß daraus, den armen Ben mitten im Solo auf seine Schultern zu nehmen – der Gesichtsausdruck war ein Bild für die Götter.

So hatte es nun auch die zweite Band überstanden. Die Headliner der Tour, NORTHER mussten nun als letzte ran – und gewaltig leiden – ihr T.A.T.U. Intro wurde durch Blasmusik ersetzt, so hatten gewisse Leute es schon zu Anfang schwer, nicht vor Lachen von der Bühne zu fallen. Apropos von der Bühne fallen – dass an diesem Abend niemand von selbiger polterte, wundert mich wirklich – NORTHER hatten nämlich kein Wasser sondern Wodka in ihren Flaschen, was nachher noch schön mit Absinth versetzt wurde – man war also recht schnell blau, da die meisten eh schon ordentlich was intus hatten. Ein paar Songs lang passierte nix, dann war Tuomas dran – völlig wehrlos mitten im Song kamen einige Mitglieder der anderen Bands mit Klopapier bewaffnet auf die Bühne und verwandelten ihn und auch Drumemr Heiki, der ebenfalls nicht weglaufen konnte, in Mumien. Der Geist wird zur Mumie – wer die Band etwas besser kennt, weiß, warum das Ganze einfach nur zu geil aussah – wer’s nicht tut, beachte mal die Bilder und nehme den kleinen Hinweis, dass Tommy als einziger nicht in festen Händen ist und das gern mal ausreizt, zur Kenntnis…! Als Kride dann auf der Flucht vor dem Klopapier einmal von der Bühne hüpfte und durch die Menge rannte, um auf der anderen Seite wieder drauf zu klettern, war da Publikum am grölen – wohl gemerkt MITTEN im Song… Was für eine Szene. Die nächste Attacke konnte Kride dann aber nicht wirklich abwehren – ich glaube, es war Silver, der auf die Bühne kann und über sein und Jukkas Mikro Socken stülpte. Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass diese Socken nicht gewaschen waren, sondern vermutlich zum Himmel stanken. Jedenfalls war dieses mitten im Titel „Omen“, kurz bevor Krides Gesangspart anfing. Der arme Kerl konnte nicht eine Zeile seines Textes singen, ohne sich kaputt zu lachen und das Gesicht zu verziehen. Volltreffer also – Jukka ging es wohl genauso – wobei der das Ganze etwas cooler nahm, nach dem Stück das Ding abzog, fragte, ob jemand ne Socke verloren habe und das Teil schließlich seinen Weg in die Menge fand. Nun fehlte noch Petri, der bisher alles belustigt beobachtet hatte. So kamen Felix und Ben auf die Bühne, stülpten Petris Rock um und tapeten ihn fest. Bei „C.U.S.“ kamen alle Gitarristen auf die Bühne und posten um die Wette.

Das Große Finale sollte allerdings noch kommen. Perti kündigte den letzten Song, „Frozen Angel“ an – die ersten Akkorde waren das Stichwort für Niko und den Basser von AMORAL, die als „Frozen Angel“ verkleidet auf die Bühne stürmten – gefolgt vom ganzen Rest der zwei anderen Combos, die mit Wunderkerzen für romantische Stimmung sorgten. Laut Tuomas sollte nun noch mal das T.A.T.U. Intro folgen, damit alle auf die Bühne kommen konnten – stattdessen ertönte aber Michael Jacksons „Heal the world“ alle musste erstmal lachen, dann aber nahmen sich alle in die Arme und sagen fröhlich mit – was ein herrliches Bild – nur leider war das das eindeutige Zeichen, das es nun wirklich vorbei war – sehr schade. Nachdem man zuerst Tränen gelacht hatte, wurde es nun doch wieder ernst. Alle Bands verabschiedeten sich und bedankten sich für die tolle Tour. Auch für mich war es sehr bald Zeit zu gehen, stand am nächsten Tag doch gleich wieder das nächste Konzert auf dem Plan.
Noch einmal von allen verabschieden und schon ging’s nach 6 Gigs, die ich auf dieser Tour mitgenommen hatte, gen Heimat.

Es war auf jeden Fall mal eine Erfahrung und es hat unendlich viel Spaß gemacht, mit den Jungs zu feiern und so ein Tourleben mal live mitzubekommen. Bleibt mir nur noch zu sagen: Heal the world!!!

Für alle die noch mehr lesen wollen:
Tourblog DRONE: dronemetal.wordpress.com/
Tourblog AMORAL: amoralontheroad.blogspot.com/

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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