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THE NOTWIST

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 25.02.2014

Sechs Jahre hat es gedauert, bis die Indie-Noise-Tüftler von THE NOTWIST Ende Januar ihr achtes Studio-Album „Close To The Glass“ in die Plattenläden gebracht haben. Keine Frage, dass die Jungs aus dem oberbayerischen Weilheim die neuen Songs ebenso wie ältere Schmankerl, die in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben wurden, unbedingt auch live vortragen mussten. Zu diesem Zwecke machten sie mit reichlich Equipment im gut gefüllten Bielefelder Forum Station, wo den Support ALOA INPUT übernahmen, die ich leider verpasst habe. Ich habe mir jedoch sagen lassen, dass die Bajuwaren es den Fotografen auf einer nahezu düsteren Bühne nicht leicht gemacht haben, jedoch eine interessante musikalische Darbietung boten, sodass ich wohl davon ausgehen muss, etwas verpasst zu haben.

Passend zur Umbaupause war ich dann aber doch vor Ort und konnte mir schon einmal ein Bild machen, dass für die nahe Zukunft mit allerlei Gefrickel zu rechnen war. Die Stage war praktisch voll mit allerlei Konsolen, Tasteninstrumenten, Drums, und Percussion-Einheiten wie beispielsweise einem Vibrafon. Daneben durfte natürlich auch der Stahlsaiter für Micha Acher nicht fehlen und für seinen Bruder Markus waren gleich zwei Mikros, Knöpfchenmodule und die Gitarre in Position gebracht worden. Der Live-Gitarrist Max Punktezahl bekam seinen Arbeitsplatz ebenfalls adäquat eingerichtet und nachdem alles verkabelt war, konnte es um 22.00 Uhr mit „Hands On Us“ vom 2008er „The Devil, You + Me“ losgehen. Vorab begrüßte Markus die Bielefelder mit einem Kurzen „Hallo, guten Abend“; viel mehr Kommunikation fand den Abend über nicht mehr statt. Was THE NOTWIST zu sagen hatten, teilten sie musikalisch mit und zwar unmissverständlich. In diesem Sinne schloss sich dann auch der Titeltrack des jüngsten Silberlings mit viel gewollter Dissonanz und fordernden Rhythmen an, für deren Gelingen Micha eine Hi-Hat bearbeitet, bevor er für die temperamentvolle Single-Auskopplung „Kong“ zum Bass griff. Mit „Boneless“ ging’s im Kopfnicker-Modus weiter, ehe zum leicht verträumten „Pick Up The Phone (2002 auf „Neon Golden“ erschienen) die Bühne in orangefarbenes Licht getaucht wurde. Der coole Song wurde zu Recht vom Auditorium kräftig beklatscht, um im Anschluss dem dezent-schwurbeligen „Into Another Tune“ zu lauschen. Was langsam Tempo aufnahm, entwickelte sich zum fetten Grummler, der in einem eruptiven Finale gipfelte und beim Publikum bestens ankam. Flirrende Klänge eröffneten derweil „This Room“, die am Ende in wahren Sound-Gewittern endeten – ganz so wie man es von THE NOTWIST kennt und schätzt. Für „Gloomy Planets“ wechselte Martin Gretschmann von der linken Seite nach rechts außen, wo ebenfalls noch eine Menge Elektronik auf ihn wartete und gemeinsam erschuf der Sechser (neben dem Schlagzeuger Andi Haberl war noch ein mir unbekannter Perkussionist mit von der Partie) einen weiteren Growner, der es in sich hatte. „Neon Golden“ fraß sich gemächlich ins Hirn und nahtlos ging’s weiter mit dem treibenden „Pilot“, der Bewegung ins Forum brachte. Im roten Zwielicht durfte mit „Casino“ einen kurzen Moment durchgeschnauft werden, ehe „Gravity“ ins Bein ging und der präsente Tieftöner dem Stück besonderen Charme verlieh.

70 Minuten waren inzwischen wie im Fluge vergangenen und der frenetische Applaus der Ostwestfalen ließ keinen Zweifel daran, dass noch eine Zugabe gewünscht wurde. Die sollte es auch in umfassender Form auf die Ohren geben. Den Anfang machte hier mit allerlei Pling-Pling „Signals“, das sich als echtes Frickel-Monster erwies. Für das rockige „Seven Hour Drive“ verließ Martin die Stage, beim nach vorn drängenden „Run Run Run“ waren jedoch alle Beteiligten wieder am Start und nach einen weiteren kurzen Break ließen die Herrschaften mit „One With The Freak“ wahre Gitarren-Gewitter auf die Zuschauerschaft los. „Chemicals“ vom 98er „Shrink“ nahm sich da zunächst ein wenig ruhiger aus und lud abermals zum Tanzen ein, während es mit „Solitaire“ einmal mehr ans Eingemachte ging.

Für den finalen Nachschlag schalteten die Oberbayern dann jedoch zurück und verabschiedeten sich mit „Consequence“ und „Gone Gone Gone“ nach 115 Minuten vergleichsweise leise, aber nicht weniger intensiv von ihren Fans. THE NOTWIST waren, sind und bleiben einfach eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Indie-Umfeld und so war dann auch ein ganz besonderer Abend, der da im Forum zelebriert wurde.

Setlist (ohne Gewähr)
Hands On Us
Close To The Glass
Kong
Boneless
Pick Up The Phone
Into Another Tune
This Room
Gloomy Planets
Neon Golden
Pilot
Casino
Gravity

Signals
7 Hour Drive
Run Run Run

One With The Freaks
Chemicals
Solitaire

Consequence
Gone Gone Gone

Copyright Fotos: Holger Ebert

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