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OCEANSIZE

Ort: Osnabrück - Glanz & Gloria

Datum: 04.04.2008

Offensichtlich mausert sich das Glanz & Gloria am Neuen Graben immer mehr zur beachtenswerten Konzertstätte. Nachdem in der vergangenen Woche OLLI SCHULZ und GISBERT ZU KNYPHAUSEN die Kapazitäten im Keller unter dem alten Kreishaus gesprengt hatten, wurde es heute abermals voll. OCEANSIZE, die aktuell COHEED & CAMBRIA auf Deutschland-Tour begleiten, hatten ihr Kommen angekündigt und zahlreiche Osnabrücker unterschiedlichen Alters aus ihren Löchern gelockt.

Um 21.30 Uhr wurde es dunkel im ex-Unicum und aus den Boxen erschall ein Intro mit Herzschlag-Beat, allerlei Werkzeuggeklapper und Donnergrollen, zu dem Gambler (guitar/ keys), Steve Durose (guitar/ backing vocals), Mark Heron (drums), Steven Hodson (bass/keys) und Mike Vennart (lead vocals/ guitar) die pickepackevolle Bühne betraten. Neben den fünf Musikern mussten ja noch Instrumente, Verstärker, Monitorboxen und vor allem jede Menge Effektgeräte untergebracht werden. Böse Zungen haben mal behauptet, OCEANSIZE hätten von Letzterem mehr, als sie Fans ihr Eigen nennen könnten, aber diese Zeiten dürften schon eine Weile vorbei sein. Auf jeden Fall haben die Jungs aus Manchester keine Zeit verloren und mit „Unfamiliar“ vom 2007er „Frames“-Album gleich einen imposanten Start hingelegt, der allen Anwesenden erst einmal die Ohren freipustete. So sehr sie musikalisch auch nach vorne preschten, auf der Bühne gaben sie sich fast ein bisschen schüchtern. Steven schien mit seinem Platz hinten rechts ganz zufrieden und spielte eher vom Publikum abgewandt seinen Bass, war dafür aber völlig in sich versunken und auch der Rest der Truppe drehte sich zwischendurch gern mal Richtung Schlagzeug, vermutlich wurden so die positiven Vibes, welche Mike im Raum wahrnahm, besser kanalisiert und aufgenommen. Geschadet hat es in keinem Fall. Gleich mit dem folgenden „One Day All This Could Be Yours“ vom Debüt-Longplayer „Effloresce“ aus 2003 schickten OZEANSIZE fette Gitarrenriffs ins Publikum, die einen wahrhaft psychotischen Sound lieferten, während es Mark hinter seiner Schießbude ordentlich krachen ließ. Für „Trail of Fire“ nahm Gambler am Keyboard Platz, es wurde ein wenig ruhiger, zumindest was die Grundstimmung des Songs anging. Das Stück wäre nicht von OCEANSIZE, wenn nicht wieder grandiose Gitarrengewitter auf die Fans niedergegangen wären. Die dankten es mit viel Applaus und ausgiebigem Kopfnicken, das langsam heftiger wurde, was in „Sleeping Dogs And Dead Lions“ begründet gewesen sein könnte. Es ist schon ein Hammer, was das Quintett aus drei fast schon schmerzhaft jaulenden Gitarren und lärmendem Schreigesang machen. Bass und Drums sorgen mal eben für einen stoischen Rhythmus und plötzlich bekommt das Ganze eine packende Melodie, die einem nur so um die Ohren gepfeffert wird. „Music For A Nurse“, das 2005 auf der „Everyone In Position“ erschienen ist, ließ es da etwas gemächlicher angehen. Dazu nahm diesmal Steven an den Keys Platz, bevor die Herrschaften auf der Bühne total in ihren „Progessive Death Indie“ versanken. Eigentlich unnötig, zu erwähnen, dass in diesem Zusammenhang „gemächlicher“ relativ zu sehen ist. Auch hier ging es energiegeladen zur Sache, was jedoch von „Catalyst“ noch getoppt werden sollte. Eine Steigerung erlebten die Anwesenden bei „A Homage To Shame“. Es wurden Stakkato-Akkorde mit derben Beats verwoben, an allen Ecken und Enden krachte und grummelte es. Hier und da blitzte gar ein Jazzelement auf, während Mike seine beiden Mikros (mit unterschiedlichen Effekten) abwechselnd nutzte. Besonders gelungen waren jedoch die Instrumentalpassagen, bei denen OCEANSIZE ihre wahre Größe und Virtuosität zeigten und die von den Zuschauern begeistert aufgenommen wurden. So wie bereits die ersten Töne von „Only Twin“, bei dem die Langäxte scheinbar ohne jeden Zusammenhang zur Rhythmusfraktion vor sich hingniedelten, während das Schlagzeug deutlich mehr Tempo machte. Dazu hämmerte Gambler auf die Tasten ein, fehlte nur noch der Mikes monotoner Gesang. Irgendwann näherten sich die Tempi aller Beteiligten an, auch die Vocals wurden melodiöser, was letztlich in einem hymnischen Endspurt gipfelte. Da wollte „Remember Where You are“ nicht hinten anstehen und gefiel mit heftigen Drums und satten Gitarrenwänden. Wie kurzweilig knapp 90 Minuten ausfallen können, zeigte sich bei Mikes Ansage des letzten Liedes. Tatsächlich war es fast 23.00 Uhr als „Ornament/The Last Wrongs“ die Bedeutung des Bandnamens demonstrierte. Das Stück transportierte regelrecht die Weite eines Ozeans ins Glanz & Gloria. Anfangs nur ein sanftes Plätschern, schlugen später heftige Wellen dem Auditorium entgegen, die sich zuletzt in einem infernalen Sturm entluden. Derart aufgepeitscht konnten OCEANSIZE ihre Fans natürlich nicht zurücklassen. Frenetische Zugaberufe holten den Fünfer nach einem kurzen Break nochmals auf die Stage zurück, wo sie sich mit „Women Who Love Men Who Loves Drugs“ noch mal um Kopf und Kragen spielten, bevor ein letztes Donnergrollen den endgültigen Abgang der Prog Rocker manifestierte.

Wahrlich keine leichte Kost, aber umso mehr ein absoluter Genuss! OZEANSIZE haben einmal mehr imposante akustische Gemälde geschaffen, die zu keiner Sekunde Langeweile aufkommen ließen und gefangen nahmen. Wie sagte Steve Durose so schön: „Wir werfen unsere Lieblingsplatten in einen großen Topf, rühren um, spucken rein – und heraus kommt ein wilder Bastard, der zum Glück mit keiner Zutat verwechselbar ist.“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Setlist
Intro
Unfamiliar
One Day All This Could Be Yours
Trail of Fire
Sleeping Dogs And Dead Lions
Music For A Nurse
Catalyst
A Homage To A Shame
Only Twin
Remember Where You Are
Ornament/The Last Wrongs

Women Who Love Men Who Love Drugs

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