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OCEANSIZE – VESSELS

Ort: Hamburg – Logo

Datum: 14.10.2010

Man stelle sich folgende Situation vor: Es ist Donnerstag, früher Abend, der Wettergott hat den Herbst ausgerufen und der Gerufene ist in einem Höllentempo herbeigeeilt. Und…. OCEANSIZE sind in der Stadt! Für den Rezensenten bedeutet dies ein deutlich gesteigertes Maß an Euphorie, obwohl (Nein, WEIL!!!) er bereits das dritte Mal einem solchen Ereignis beiwohnen darf. Und es sollte ein besonderer Abend werden…

Der erste triftige Grund hierfür kommt aus Leeds und ist eine bis dato weitgehend unbekannte Band namens VESSELS. Man darf wohl vermuten, dass auch sie einen denkwürdigen Abend erlebten, denn als Support Act im ausverkauften Logo eine Spielzeit von einer vollen Stunde beigemessen zu bekommen und noch dazu bereits beim dritten Song Applaus auf offener Szene zu kassieren, fällt wohl kaum unter die Rubrik „Selbstverständlichkeit“. Derart überzeugen konnten die Herren, die im Übrigen während des Konzerts fleißig ihre Instrumente untereinander tauschten, so dass das Drumset auch schon mal von zwei Leuten malträtiert wurde, mit einer weitgehend von ambienten Spannungsbögen getragenen Mixtur aus Postrock, Shoegaze und mehr oder minder dezenten Prog Rock-Ausflügen. Dankenswerterweise wurde ein Großteil des Repertoires instrumental vorgetragen. Dankenswert war dies erstens, weil solche Musik nicht wirklich einen Sänger benötigt, und zweitens, weil sich genau dort deutliche Schwächen in der ansonsten tadellosen Leistung bemerkbar machten. Also: eigentlich alles richtig gemacht. Daumen hoch und um eine neue interessante Entdeckung reicher.

OCEANSIZE starteten nach einer etwa 20-minütigen Umbaupause dann mit einem erdbebenartig vibrierenden Fußboden und einer verteufelt bösartigen Doom-Walze, die einen glauben machen wollte, man befände sich fälschlicherweise auf einem Gastspiel von UFOMAMMUT oder A STORM OF LIGHT, und stellten damit (mal wieder) gleich zu Beginn klar, dass man bei einem OCEANSIZE-Konzert eben stets das Unerwartete erwarten sollte. Das heißt allerdings keinesfalls, dass die Herren um Frontmann Mike Vennart die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnten, ganz im Gegenteil, sie konnten sie (ein weiteres Mal) übertreffen. Es gab die erwartete Mischung aus Songs vom neuen Album „Self Preserved While The Bodies Float Up“ und älteren Kalibern, von denen einige mittlerweile zu richtigen Hits mit Setlist-Stammplatzgarantie avanciert sind (das immer wieder spannende „Unfamiliar“ oder der sehr intensiv vorgetragene Gänsehaut-Garant „Music For A Nurse“ zum Beispiel), das ganze in der erwartet hohen Qualität dargeboten von einer erwartet zurückhaltenden und fast schüchternen, sympathischen Band. So weit so gut, was jedoch auch an diesem Abend den Unterschied zu so manch anderen Vertretern ähnlicher Klänge ausmachte, ist zum einen der immer spürbare Perfektionismus der Herren Musiker, der in einer beeindruckenden spielerischen Präzision gipfelt, vom Songwriting ganz zu schweigen. Zum zweiten ist es diese schwer beschreibbare Form von musikalischer Hysterie, in die sich Post-Prog-Hymnen zuweilen hineinsteigerten, über die OCEANSIZE jedoch zu keiner Sekunde die Kontrolle verloren. Die Fab Five aus Manchester schafften es immer wieder, in ihren versponnenen und manchmal sperrigen Songstrukturen Räume von der Größe der sieben Weltmeere zu erschaffen, die das begeisterte Publikum unweigerlich in ihren Bann zogen. Diese manchmal träumerische, manchmal bedrohlich brodelnde Atmosphäre konnten auch leichte technische Probleme mit der Gesangsanlage nicht ihrer Dichte berauben. Letztere fand ihren Höhepunkt in dem obligatorischen und wunderbar schwelgerischen „Ornament/ The Last Wrongs“ als Schlusspunkt des regulären Sets. Und weil das Hamburger Publikum sich nicht so schnell vertreiben ließ gab es dann auch zur Belohnung noch das großartige „Women Who Love Men Who Love Drugs“ vom Debüt „Effloresce“ als Zugabe um die offenen Münder im Auditorium endgültig zu stopfen. Pünktlich um Mitternacht nach insgesamt etwa 95 Minuten war der Spuk dann endgültig vorbei und es blieb auch dieses Mal nichts hinzuzufügen außer „das nächste Mal bitte wieder“… Großartig!

Setlist OCEANSIZE
Part Cardiac
Build Us A Rocket Then
Unfamiliar
New Pin
Music For A Nurse
It’s My Tail And I’ll Chase It If I Want To
Silent / Transparent
SuperImposer
Pine
Paper Champion
Trail Of Fire
Ornament / The Last Wrongs
Women Who Love Men Who Love Drugs

Copyright Fotos: Wiebke Tamke

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