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OLLI SCHULZ & BAND

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 27.03.2014

OLLI SCHULZ ist wieder on the road. Und dank Pro Sieben hat der Singer/ Songwriter und Entertainer so viel Geld gescheffelt, dass er für diesen Zweck sogar eine Band engagieren konnte, die ihn jetzt auf der großen Frühlingstour einmal quer durch die Republik begleitet. Der zweite Club-Gig führte Olli und seine Mannen nach Gütersloh in die Weberei, die neuerdings von Tim Böning geführt wird, der nach Bekunden von Herrn Schulz jahrelang Tourbegleiter bei BUSHIDO war und nach Lehrjahren in Berlin in seiner alten Heimat sesshaft geworden ist. Auf jeden Fall hatte der Mann den richtigen Riecher, OLLI SCHULZ zu buchen, denn die kleine Weberei-Halle zeigte sich mit schätzungsweise 500 Besuchern sehr gut gefüllt. Dabei machte das Publikum nicht den Eindruck, von der Fernsehpräsenz des 40-jährigen angelockt worden zu sein, sondern wirkte unterschiedlichen Alters durchaus mit der Musik des Wahl-Berliners vertraut.

Der präsentierte mit „Die Ankunft der Marsianer“ pünktlich um 21.00 Uhr einen Klassiker vom zweiten Silberling „Das beige Album“ aus 2005 und überraschte nicht nur mit Goldflitter, der auf die Zuschauer in den ersten Reihen herabrieselte. Am Bass stand nämlich niemand geringerer als GISBERT ZU KNYPHAUSEN. Nun, so überraschend ist die Kollaboration der beiden eigentlich nicht, schließlich waren die Jungs 2008 schon mal gemeinsam auf Tour (wg. Steuerschulden) – damals allerdings mit kleinem Besteck. Da reichten zwei Gitarren und ein Auto, jetzt brauchte es für das Equipment von Ben „Benson“ Lauber (Drums), Arne Augustin (Keys) und Normen Goltz (Gitarre) schon ein wenig mehr Stauraum. Bis auf den Letztgenannten kennen sich die Herrschaften von diversen Plattenaufnahmen, insbesondere bei der letzten Full Length „SOS Save Olli Schulz“ haben die Musiker bereits gemeinsame Sache gemacht und ganz offensichtlich stimmt bei ihnen die Chemie. Alle hatten sichtlich Spaß, auf der Bühne zu stehen und selbstredend hatte Olli auch wieder eine Menge zu erzählen, auch wenn das Hauptaugenmerk klar auf der Musik lag. Ein erstes Highlight war diesbezüglich der Evergreen „Und dann schlägt dein Herz“, aber auch neue Songs hatte der gebürtige Hamburger als kleinen Ausblick auf die kommende Langrille vorbereitet. „So muss es beginnen“ war ein Lied über das universelle Thema Liebe, das mit einem leichten Calypso-Einschlag ordentlich groovte, beim Auditorium gut ankam und direkt ins Bein ging. Bei „Ich dachte, du bist es“ nahm die Liebe fiktive Formen an, auch wenn die Geschichte hinter dem Track tatsächlich passiert sein soll und von einer Frau in einer Hamburger Kneipe handelte, die ihr Geld damit verdiente, Touris Mehl als Koks anzudrehen und Olli einst zum Saufen einlud. Ein wenig nachdenklicher zeigte sich im Anschluss die Live-Weltpremiere „Unsichtbarer Vogel“ vom 2006er „Warten auf den Bumerang“, ehe zu „Was macht man bloß mit diesem Jungen?“ geswingt werden durfte. An dieser Stelle bewies der Ex-Roadie seine Hypnose-Fähigkeiten und verzauberte in bester BRUCE-SPRINGSTEEN-Manier ein Mädel namens Lena, das alsbald mit dem Mann auf der Stage tanzen durfte. Im Folgenden hatte die Band eine kleine Pause, denn Olli performte solo „Verhaftet wegen sexy“, das er selbst augenscheinlich ziemlich albern fand, welches aber insbesondere im Zusammenspiel mit BERND BEGEMANN äußert unterhaltsam sein kann. Im vergangenen Oktober hatten die beiden sich anlässlich der Shows zu Schulzens rundem Geburtstag zusammengetan und nicht nur bei dieser Nummer ganz großes Kino abgeliefert. Auf jeden Fall beendete Olli das Stück mit einem lachenden Kopfschütteln und legte mit „Saunaaufguss in Langwitz“ mitmach-kompatibel nach. Mit dem „Phosphormann“ kehrten nach und nach auch die übrigen Instrumentalisten zurück und gemeinsam gab man wieder richtig Gas. Nicht minder schön war „Rückspiegel“, das von der Rhythmusfraktion eröffnet wurde. Natürlich verging der Abend nicht wirklich ohne die wunderbaren kleinen Geschichten, die der Hauptprotagonist üblicherweise in petto hat. Deshalb erfuhr die Weberei beispielsweise von dem Auftritt, bei dem sich Olli selbst mit seiner Gitarre fast k.o. gehauen und nicht gemerkt hatte, dass ihm das Blut in Strömen übers Gesicht lief. Da war die kleine Schnittwunde, die er sich zuhause beim Brot schmieren fürs Töchterchen zugezogen hatte, noch harmlos, aber so eine Verletzung kann eine „Spielerfrau“ durchaus in die Verzweiflung treiben. Ob es beim nächsten Konzert wieder einen riesigen Luftballon geben wird, der an dieser Stelle in den Zuschauerraum gekickt wird, wage ich nicht zu prophezeien, so richtig schien dem Fronter diese Spielerei nicht gefallen zu haben. Gleiches galt wohl auch für die Gütersloher Einkaufsstraße – überhaupt hatte Schulz keine Erinnerungen an die Stadt, in der auch Miele und Bertelsmann zuhause sind. Angeblich war er mit Gisbert vor sechs Jahren schon mal in der Weberei, aber auch der konnte nur mit den Schultern zucken und den Worten aus dem Publikum glauben. Mit „Unten mit dem King“ vom 2003er Debüt „Brichst du mir das Herz, dann brech“ ich dir die Beine“ endete das reguläre Set absolut tight, aber selbstverständlich war es mit diesen 100 Minuten noch lange nicht getan.

Der Zugabenblock begann stattdessen nach einem kurzen Abgang von der Bühne mit einem schrägen Abzählreim über die BEATLES – wer hätte gedacht, dass die Kapelle mal aus zehn Leuten bestand? Sogar einen fetten Rap gab’s hier am Ende und auch die „Medikamenten-Freak“-Improvisation von OLLI SCHULZ deutete darauf hin, dass sich der Mann richtig warm gespielt hatte. Walzertakte und Akkordeonklänge sorgten beim brandneuen „Boogie Man“ für die passende Stimmung und am Ende schlug Benson noch einmal aufs Xylofon, ehe er für „Weil die Zeit sich so beeilt“ zur Mundharmonika griff und das Lied auf der Zielgeraden einen letzten ruhigen Moment lieferte. „Das letzte Königskind“ war eine Hymne, die Olli sich auf der ersten Platte selbst geschrieben hatte. „Wenn die Sonne wieder scheint“ (2009 auf „Es brennt so schön“ erschienen) hieß es schlussendlich und zauberte neben guter Laune auch ein wenig Melancholie ins alte Industriegemäuer, bevor sich der Fünfer nach 125 Minuten vor den begeisterten Fans verbeugte und endgültig im Off verschwand.

Schön war’s mit Olli & Konsorten. Die Truppe hatte Bock, das Publikum auch und die Mischung aus Musik und kleinen Geschichten passte einfach. Man darf gespannt sein auf die neue Platte und ich hoffe, dass die angekündigte Winter-Tour OLLI SCHULZ wieder in meine Nähe verschlägt. Auf jeden Fall hat es den Kollegen Schulz nicht verdorben, beim Fernsehen zu arbeiten. Dort kann er Quatsch machen und bekommt den Blödsinn sogar noch gut bezahlt und dass sein Herz für die Musik schlägt, war einmal mehr nicht zu übersehen und zu überhören. Gut so!

Setlist
Die Ankunft der Marsianer
All You Can Eat
Dann schlägt dein Herz
Schrecklich schöne Welt
So muss es beginnen
Ich dachte, du bist es
Unsichtbarer Vogel
Was macht man bloß mit diesem Jungen?
Solo: Verhaftet wg. sexy
Saunaaufguss in Langwitz
Phosphormann
Rückspiegel
Wenn es gut ist
Old Dirty Man
Spielerfrau
So lange einsam
Unten mit dem King

10 Beatles
Weil die Zeit sich so beeilt
Wenn die Sonne wieder scheint
Boogie Man
Das letzte Königskind

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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