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OLLI SCHULZ – LEE BUDDAH

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 16.04.2009

Bei seinem letzten Besuch in Osnabrück vor ziemlich genau einem Jahr lief im proppenvollen Glanz & Gloria beinahe das Wasser an den Wänden runter – zumindest floss der Schweiß ob des stickigen Gedränges in wahren Sturzbächen, da war es schlau, dass der Wahlberliner diesmal mit dem Rosenhof eine größere Location in Beschlag genommen hatte. Immerhin zeigte sich das ehemalige Kino am Rosenhof ordentlich gefüllt, auch wenn dies beim Support LEE BUDDAH zunächst etwas anders aussah. Vermutlich genossen die jungen Indie-Heerscharen noch die letzten, fast sommerlichen Sonnenstrahlen, bevor sie sich zu späterer Stunde in die Konzertstätte begaben, in der OLLI SCHULZ nicht nur Songs seines bisher erfolgreichsten Albums „Es brennt so schön“ präsentierte.

LEE BUDDAH (eigentlich Philip Stegers), der schon im Studio an dieser Platte mitgearbeitet hat, begleitet seinen Kumpel Olli jetzt auch auf Tour, deren Auftakt Tags zuvor in Flensburg gefeiert wurde. Wie es sich gehört, wurde der in Dortmund wohnende Musiker, der den meisten vermutlich mit seiner Musik zu Filmen wie „Kammerflimmern (gemeinsam mit BLACKMAIL), „Verschwende deine Jugend“, „Nichts bereuen“ und „Hardcover“ über den Weg gelaufen sein dürfte, vom Impressario des Abends persönlich angekündigt, bevor er um 20 20 Uhr mit seinem ersten Singer-/ Songwriter-Stück begann. Der Mann mit dem Strohhut, der sich nach dem Fußballspieler Reinhard Libuda benannt hat, unterhielt die Osnabrücker eine gute halbe Stunde lang allein mit seiner Gitarre und kleinen Geschichten, die mal mit und mal ohne musikalische Untermalung vorgetragen wurden. Erlebnisse wie beim Schulabschluss-Nachtreffen sind wohl keinem fremd (bei dem der Abschluss sagen wir mal wenigstens zehn Jahre her ist) und so fanden sich zumindest die Älteren bestimmt gedanklich bei „Abi 93“ wieder. Sehr unterhaltsam waren auch die Stories, warum LEE BUDDAH eine starke Affinität zum Dixieland Jazz hat (LSD und BMW sind hier wesentliche Faktoren) und wie seine „Musiker-Patenschaft“ zu den Schülern einer Dortmunder Gesamtschule verlaufen ist, die nach zwei Projekt-Stunden mit ihm, sozusagen zu einem LEE-BUDDAH-Konzert zwangsverpflichtet wurden (die Lehrer hatten wohl die Ausgänge abgeschlossen). Nicht nur, dass es die Kids kein Stück interessierte, was auf der Bühne passierte (seitdem kann Philip Gemurmel im Auditorium überhaupt nicht mehr stören), nein, im Nachgang sagte ihm auch noch ein kleiner, etwa 12-jähriger Möchtegern-Gangsta mit Migrationshintergrund, er rappe scheiße, was er dann ja irgendwann auch blieben ließ… Im Rosenhof zeigte sich das Publikum deutlich aufgeschlossener, sogar die Singspielchen klappten einigermaßen. Höhepunkt war der abschließende Kanon zum Kinderlied „Hejo spann den Wagen an“, bei dem sich die Zuschauerschaft erstaunlich textsicher zeigte, auch wenn zunächst die Mehrstimmigkeit des Kanons etwas auf der Strecke blieb.

Setlist LEE BUDDAH (unvollständig)
Im 80. Stockwerk (HILDEGARD-KNEF-Cover)
Drei Wünsche
Möbelhaus
Abi 93
Neues aus Uhlendorf

Inzwischen war es 21.15 Uhr und deutlich voller im Rosenhof. Zeit, um die Stage unter Nebelschwaden verschwinden zu lassen, um für einen dramatischen Auftritt des deutschen NICK CAVE (OLLI SCHULZ über OLLI SCHULZ) zu sorgen. Wer bislang noch nicht glauben wollte, dass der Exil-Hamburger inzwischen mitten im Rock angekommen ist, wurde umgehend mit „Wenn das Leben dich beißt“ vom 2006-er Album „Warten auf den Bumerang“ eines Besseren belehrt. Entscheidenden Anteil an diesem neuen, sehr gelungenen Sound hat Felix Gebhard (Gitarre & Gesang), der nicht nur Frontmann und Mastermind von HOME OF THE LAME ist, sondern seit einiger Zeit für die Lead-Gitarre bei Herrn Schulz zuständig ist, nachdem DER HUND MARIE – will sagen Max Schröder – mit TOMTE ausgelastet ist. Felix jagte die Akkorde durch den Verzerrer, spielte mit den Effekten und bot ganz einfach ganz großen Rock’N’Roll. Ebenfalls mit von der Partie waren außerdem die HOTL-Members Marcus Schneider (Gitarre & Keys), Alexander Böll (Bass) und Christian Hake (Drums), die bereits die letzte Lesetour von OLLI SCHULZ begleitet haben und jetzt gekonnt für den nötigen Drive beim OLLI-SCHULZ-Riff sorgte, den es nach Bekunden seines Erfinders auf jeder seiner Platten gibt, ganz einfach, weil er anfangs nicht besser Gitarre spielen konnte und der Style inzwischen zu einem Markenzeichen geworden ist. Genannt seien hier „Wenn die Music nicht so laut wär’“ und „Isabell“ (mit LEE BUDDAH am Banjo!), wobei es neben neuen Songs auch viele Klassiker zu hören gab. Dazu zählen natürlich Songs wie „Dann schlägt dein Herz“ vom „Beigen Album“ aus 2005), das wirklich wie der Teufel rockte oder das gefühlvolle „Weil die Zeit sich so beeilt“ vom 2003-er Debüt „Brichst du mir das Herz, brech’ ich dir die Beine“, für das Felix zum Mundharmonika und Christian zum Tamburin griff. Daneben dürfen bei einem OLLI-SCHULZ-Konzert natürlich auch seine wirren Erzählungen nicht fehlen. Wie es eigentlich zu dem improvisierten Song „Der Rumäne“ in Regensburg kam und welche Konsequenzen die Nummer einen Tag später in Leipzig hatte, hören die Fans immer wieder gern, genauso wie das Deutschrock-Medley, das zwingend zu „Song ohne Grund“ gehört. Wenn ich nichts vergessen habe, dürften es heuer JULI, TOKIO HOTEL, MIA, POLARKREIS 18, HERBERT GRÖNEMEYER, TOMTE, SILBERMOND und RAMMSTEIN gewesen sein, die ihr Fett wegbekommen haben. So wurde sogar das Gitarre stimmen unterhaltsam, nachdem Olli eine Saite gerissen war, denn er plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen und ließ verlauten, dass Mickie Krause angefragt habe, ob er „Mach den Bibo“ am Ballermann singe dürfe. Vorher hatte Olli bereits erklärt, warum er mit dem Lied überhaupt zu Stefan Raab und dessen Bundesvision Song Contest gegangen ist, was ihm in der Hasestadt aber auch niemand übel nahm. Stattdessen zeigte sich bei der letzten Zugabe, dass das studentische Volk (übrigens überwiegend weiblich) ordentlich geübt hatte und mit dem Tanz bestens vertraut war. Man darf also gespannt sein, wohin es mit „Bibo“ noch geht. Wenn sich Ollis sonstigen Pläne realisieren lassen, nimmt das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef, bei dem er seine ersten beiden Langrillen rausgebracht hat und bei dem Marcus Wiebusch, Reimer Bustorff (KETTCAR) und Thees Uhlmann (TOMTE) wesentlich beteiligt sind, übrigens KLAUS LAGE unter seine Fittiche und macht ihn größer als Grönemeyer und Gott zusammen. Okay… Dazwischen wurde natürlich auch Musik gemacht, auch wenn sich Felix Gebhard zwischenzeitlich schon mal hinsetzte, wohl wissend, dass die Reden des Fronters schon mal etwas länger dauern können. Der performte nicht nur seine zweite Singleauskopplung „Geheimdienst“ mit sportlichen Spagateinlagen, sondern holte sich zu „Was macht man bloß mit diesem Jungen“ auch ein Mädel zum Tanzen auf die Bühne, die er allerdings mit Blumen, Freibier und Backstage-Brötchen bestechen musste. Auch wenn der Sound nicht nur auf „Du brennst so schön“ und erst recht live rockiger geworden ist, so beherrscht Olli doch noch immer die leisen Töne, wie er mit der ersten Zugabe „Elefanten“ zu beweisen wusste. Wie üblich an dieser Stelle, befragte es die Anwesenden, welches Lied sie als nächstes hören wollten und spielte es dann allein, bevor die Band wieder auf die Stage kam, um zum fulminanten Finale anzusetzen.

Ob „Mach den Bibo“ tatsächlich nicht mehr auf der Setlist stand, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall lief die Rausschmeißer-Musik aus der Konserve bereits, ohne dass Ollis bisher größter Charterfolg (Platz 38) zu hören gewesen wäre. Das Publikum forderte vielleicht auch deshalb um 23.00 Uhr lautstark eine weitere Zugabe, die dann auch in Form des kommenden Sommerhits (?) mitsamt entsprechender Performance abgeliefert wurde. Alles in allem wieder ein rundum gelungener Abend mit OLLI SCHULZ, der musikalisch mit seiner Combo etwas andere Wege geht, was sich jedoch nicht als nachteilig herausstellte. Wer Gelegenheit dazu hat, sollte sich die Herrschaften auf jeden Fall selbst live ansehen! Bis Anfang Mai dauert noch die Clubtour, im Sommer sollen noch einige Festivaltermine folgen.

Setlist OLLI SCHULZ
Wenn das Leben dich beißt
All You Can Eat
Wie sie
Ab jetzt tut’s mir nur noch weh
Dann schlägt dein Herz
Wenn die Music nicht so laut wär’
Weil die Zeit sich so beeilt
Kaiserwetter (RAZZIA-Cover)
Rückspiegel
Unsichtbarer Vogel
So lange einsam
Geheimdienst
Was macht man bloß mit diesem Jungen?
Isabell
Die Ankunft der Marsianer

Elefanten
Song ohne Grund
Wenn die Sonne wieder scheint

Mach den Bibo

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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