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OLLI SCHULZ

Ort: Münster - Gleis 22

Datum: 15.12.2010

Eigentlich wollte OLLI SCHULZ dieses Jahr gar nicht mehr auf Tour gehen, doch dann galt es das Rheinkultur-Festival mit einer Benefiz-Veranstaltung zu retten und wenn man schon von Berlin auf dem Weg nach Bonn ist, kann man ja auch mal im westfälischen Münster Halt machen. Zwar wurde die „Rheinkultur Benefiz Show“ aufgrund enttäuschend mieser Vorverkaufszahlen abgesagt (womit weiterhin fraglich bleibt, ob es im Sommer noch einmal das seit 27 Jahren kostenlose Open Air in den Bonner Rheinauen geben wird), aber Olli gibt sein eigenes Retter-Konzert im kuscheligen BLA und feierte zudem seinen 32. Geburtstag in trauter Runde mit etwa 200 Fans, die zum großen Erstaunen des großgewachsenen Barden den Weg ins Gleis 22 gefunden hatten.

Statt eines vollen Hauses hatte Herr Schulz nur mit 50 Zuschauern gerechnet, aber in einer Studentenstadt wie Münster ist die Anhängerschaft natürlich deutlich größer. Entsprechend hing das Auditorium auch an den Lippen ihres Idols, das am Abend zuvor noch mit BELA B. dessen 48. Geburtstag gefeiert hatte, sein eigenes Wiegenfest jedoch mit keiner Silbe erwähnte. Dafür quatsche der gutgelaunte Wahl-Hauptstädter umso ausgelassener über Gott und die Welt, wenn er nicht gerade alte und neue Songs zum Vortrag brachte. Zunächst agierte Olli noch allein und berichtete, dass es im nächsten Jahr eine neue Platte geben würde, für die schon LP-Titel wie „Zuhause ist da, wo man sich aufhängt“ oder „Menschenskind, es ist ein Hundesohn“ diskutiert wurden und auch das inzwischen fast sagenumwobene Buch, aus dessen Manuskript in der Vergangenheit immer mal wieder vorgelesen wurde, soll im April in die Läden kommen. Zu „All You Can Eat“ vom letztjährigen Album „Es brennt so schön“ enterte jedoch Ole Kollat (ex-TAPE) die Stage und nahm seine Position hinter der Schießbude ein. Angeblich haben die beiden nur zweimal zusammen geprobt, dafür klappte das Zusammenspiel hervorragend und ganz offensichtlich hatte der glatzköpfige Drummer gewaltigen Spaß am Gelaber seines Kollegen, der aber auch bestens aufgelegt war. So durften wir viel von und über die neue Langrille hören, für die Jugendlieben, Spielerfrauen (in diesem Zusammenhang berichtete Schulz über seinen LKW-Fahrerinnen-Fetisch) und besser wissende Indie-Interviewerinnen erfahren, denen der Herr Musiker ein genervtes „Halt die Fresse, krieg ein Kind!“ vor den Latz knallte, womit auch gleich der Name für ein neues Lied gefunden war. Derweil war OLLI SCHULZ sichtlich begeistert, wie gut das Publikum mitging. Beispielsweise klappte der Stöhn-Refrain beim Michael-Ammer-Gedächtnis-Partysong mithilfe der gar nicht sturen Westfalen einwandfrei und auch der Country-Style ging bei „Die Ankunft der Marsianer“ vermittels der Zuschauerschaft problemlos klar. Die neuen Nummern machten durchweg Spaß, aber natürlich durften auch die alten Highlights nicht fehlen. Etwa das knackige „Dann schlägt dein Herz“ vom zweiten Longplayer mit dem HUND MARIE, das 2005 unter der Bezeichnung „Das beige Album“ das Neonlicht der Plattenläden erblickte und seinen Protagonisten erste größere Erfolge bescherte. Als Konserve ist Olli allerdings nur halber Kram, so richtig geil ist der gebürtige Hamburger auf der Bühne. Wenn er ohne Punkt und Komma sabbelt, sich über die BÖHSEn ONKELS aufregt, RAMMSTEIN veralbert, Tiere-im-Wald-Witze erzählt und filmenden Konzertbesuchern die Kamera wegnimmt, weil er nicht sehen kann, wie der Typ mit der Haltung eines Sack Schraubens vor ihm steht. Dann positioniert er das Objektiv doch lieber eigenhändig mit dem Fokus auf seine Wenigkeit am Bühnenrand und erinnert sich an die filmenden Demonstranten und Polizisten, die sich inzwischen am 1. Mai in seinem Kreuzberger Viertel gegenüberstehen, ehe Ollis altes Auto demoliert wird. Dazwischen gab’s selbstverständlich Grönemeyer-, U2- und Classic-Rock-Medleys nach Art eines OLLI SCHULZ und natürlich seine sinnfreien Reime, über die er sich so manches Mal selbst wunderte.

Bleibt eigentlich nur noch abzuwarten, wann es neben „Halt die Fresse, krieg ein Kind“-T-Shirts bei Tausend-Mark-Andre am Merch-Stand auch OLLI-SCHULZ-Salben und Blutkapseln geben wird. Für beides gibt es bereits Überlegungen; vorher kommen aber hoffentlich das lang und sehnsüchtig erwartete Buch und die neue Platte. Damit hätte der gute Olli auch wieder einen erstklassigen Grund, durch die Republik zu tingeln und ich bin mir sicher, dass nicht nur im Gleis 22 die Bude voll wäre. Hier gab’s nach knapp zwei Stunden zwar nicht mehr wie anfangs angekündigt und versprochen eine Weihnachtsgeschichte, für die Decken verteilt werden sollten, damit man sich auch gemütlich hinlegen könnte, während Olli vorliest, aber immerhin doch noch einen Weihnachtssong in bester OLLI-SCHULZ-Manier, dessen Textzeile „Merry Christmas ist, wenn Du mich küsst, an den Stellen deiner Wahl“ ich zu meinem Sinnspruch für das nahe Fest der Liebe erkoren habe. In diesem Sinne: Lieber Olli, noch mal alles Gute zum Geburtstag und wir sehen uns hoffentlich in einem fantastischen Jahr 2011!

Setlist
Unten mit dem King
Irgendwas fehlt dir und ich glaube, das bin ich
Spielerfrau
Halt die Fresse, krieg ein Kind
„Party-Song“
Spooky Girlfriend
All You Can Eat
Dann schlägt dein Herz
Wenn es gut ist, wird es schön sein und ein Leben lang
Ich dachte, du bist es
Wenn die Music nicht so laut wär’
Die Ankunft der Marsianer
So lange einsam
America-Ibiza Connection
Der kleine Bär
Weil die Zeit sich so beeilt

Bettmensch
Elefanten
Merry Christmas

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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