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OLLI SCHULZ

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 21.01.2010

OLLI SCHULZ kommt viel rum. Glücklicherweise verschlägt es ihn auch immer wieder in terrorrelevantes Gebiet und so konnten wir schon über verschiedene Konzerte in unterschiedlicher Besetzung und Machart berichten. Mal war er mit der Band DER HUND MARIE unterwegs, dann mit Kollegen wie WALTER SCHREIFELS, GISBERT ZU KNYPHAUSEN oder Rasmus Engler, auch mit den Jungs von HOME OF THE LAME durften wir ihn schon akustisch und elektrifiziert musizierend oder auch lesend erleben. Jetzt war Osnabrück die zweite Station seiner aktuellen Akustiktour, bei der es zudem ein Wiedersehen mit FELIX GEBHARD (HOME OF THE LAME) gab.

Eigentlich sollte der Abend ja mit einem Film über die Reunion der legendären Bibi-McBenson-Band beginnen, doch die Technik hatte Olli übel mitgespielt und so wurde der Beitrag über sein alter ego an das Konzertende verlegt, weil die DVD erst noch gebrannt werden musste, bevor sie gezeigt werden konnte. Stattdessen gab es zunächst einen bunten Abriss aus der OLLI-SCHULZ-Disocpgrafie und wie könnte es anders sein: natürlich wurde auch ausführlich aus dem Nähkästchen geplaudert. Ganz wie im Hause Schulz üblich und wie es die zahlreich erschienenen Fans wünschten. So durften wir ein wenig am Leben des 31-jährigen teilhaben, der auch gern einmal wildfremde Passanten anspricht und sich in deren Gespräch einmischt, um ihnen mitzuteilen, dass die Enten, die ihnen gerade vielleicht so schnurstracks entgegenlaufen, keineswegs reinkarnierte Verwandte sind, die jetzt als Enten leben, sondern vielmehr diese in den beiden Menschen Teile ihrer Entenfamilie wiedererkennen, die nach ihrem Tod als Homo Sapiens wiedergeboren wurden. Wer weiß? Mit solchen Sprüchen macht man sich natürlich nicht nur Freunde, weshalb Olli sich schon früh den „Death Kick“ drauf geschafft hat, den er auch gleich an einem Zuschauer andeutete. Dass er ein wenig verpeilt durchs Leben ginge, ließ er uns wissen. Und dass er schon im Grundschulalter ahnte, dass im das noch Ärger einbrächte- Ist aber auch doof, wenn man beim morgendlichen Müllrausbringen auf dem Weg zur Schule mehr als einmal den Turnbeutel in die Tonne wirft und den Müllsack mit zum Sportunterricht bringt. Ein Standard eines jeden Abends mit OLLI SCHULZ scheint inzwischen die „Rumänenstory“ zu sein. Um seine Zuschauer nicht zu langweilen, fragt der großgewachsene Musiker und Entertainer mittlerweile schon, wer die Geschichte noch nicht kennt, aber sie wird wohl so gern gehört, dass der Großteil des Auditoriums zumindest vorgab, nicht im Bilde zu sein. Daneben wurden „Tiere-im-Wald“-Witze (die Olli sammelt!) erzählt und auch die Flughafen-Anekdote durfte passender Weise nicht fehlen. Tags zuvor hatte es gerade eine Sicherheitspanne am Münchner Airport gegeben und nun beschrieb Olli launig, wie er sich einst mit einem Mitarbeiter beim Durchleuchten seines Handgepäcks angelegt hatte. Natürlich durften auch Anmerkungen zu „Mach den Bibo“ nicht fehlen. Die Nummer hatte im vergangenen Jahr die Indie-Gemeinde gespalten, denn die „Indie-Nazis“ (O-Ton Olli) fanden es gar nicht lustig, wie sich Olli auf seine ihm eigene Art über das Ballermann-Liedgut lustig machte. Auf jeden Fall brachte ihm der Track Medienpräsenz, sogar „Das perfekte Promi-Dinner“ hatte bei ihm angefragt und zumindest für eine Sendung hatte er eine eigene Talkshow auf N3.

Neben der sehr kurzweiligen Unterhaltung mit dem Publikum (es wurde gleich mal eine Marktforschungsstudie angefertigt, welche Musik OLLI-SCHULZ-Fans außerdem gern hören, welche Serien sie sich im Fernsehen anschauen und wer nur seines Freundes/seiner Freundin zuliebe in die Kleine Freiheit gekommen war), gab es natürlich auch Musik. Zu diesem Zweck enterte nach einigen Songs auch FELIX GEBHARD die Stage und begleitete Olli gekonnt vermittels E-Gitarre und Mundharmonika, während der inzwischen recht langhaarige Exil-Hamburger den akustischen Sechssaiter bearbeitete. Auch zur Mucke gab’s eine Fülle von Infos. So weiß der Osnabrücker spätestens seit gestern, dass der typische OLLI-SCHULZ-Gitarrenanschlag im Grunde nur dessen limitierten Fähigkeiten an diesem Instrument geschuldet ist, inzwischen jedoch zum Trademark geworden ist und deshalb auch auf jeder Platte vertreten ist. Von jeder seiner drei Silberlinge hatte er Stücke auf seiner nicht existierenden Setlist und selbstverständlich bekam das studentische Auditorium auch neue Lieder zu hören. So wie das groovende „Nachts wenn der Affi schreit“, mit dem er sicherlich die besagten „Indie-Nazis“ wieder auf den Plan rufen wird, welches jedoch durchaus zu unterhalten wusste. Oder das flotte „Irgendwas fehlt dir so sehr“ mit Mörder-Reimen, an denen sich der Verfasser nach eigenem Bekunden ebenso aufgeilt wie BUSHIDO an seinen Gangster-Rap-Versen. Seine charmante „Selbstverliebtheit“ spiegelte sich dann auch in „Das letzte Königskind“ – einer Hymne an seine eigene Person oder in Sprüchen wie „Bei meinen Konzerten geht keiner ungefickt nach Hause, weil ich es euch mit meiner Gitarre besorge!“, bei dem er dann doch selbst lachen musste. Musikalische Highlights waren einmal mehr das countryeske „Die Ankunft der Marsianer“ im Highspeed-Modus sowie der Klassiker „Dann schlägt Dein Herz“ und insbesondere unter dem Aspekt der ausufernden Improvisation natürlich „Wenn die Music nicht so laut wär’“, bei dem in schöner Tradition verschiedene deutsche Songs und Musiker „verwurstet“ werden. In der ehemaligen Bahnkantine hatte es vor allem HERBERT GRÖNEMEYER erwischt, aber auch RAMMSTEIN waren erneut Ziel des Spottes. So verging die Zeit wie im Flug und es waren 100 Minuten vergangen als sich der Gastgeber für die bemerkenswerte Aufmerksamkeit des Osnabrücker Publikums bedankte, das er sich nicht schön saufen musste (im Gegensatz zu Karl Dall, der bei einer TV-Comedy-Veranstaltung selbiges wohl mit großen Mengen Rotweins gemacht hat) und darüber sinnierte, ob er denn den angekündigten Film wirklich noch zeigen sollte, da er doch von sehr zweifelhafter Qualität sei. Nach zwei Stunden Spielzeit hatte er sich dann doch dazu durchgerungen und verabschiedete sich mit vielen Entschuldigungen wegen des Machwerks und der Überlegung, arroganter werden zu müssen, von seinen restlos begeisterten Fans.

Angesichts der vorgerückten Stunde (inzwischen war es 23.20 Uhr) leerte sich die Konzertstätte im Verlauf des dann folgenden ca. 30minütigen Films doch Zusehens. Weitere Protagonisten des Streifens waren neben OLLI SCHULZ als Bibi McBenson übrigens Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt (MUFF POTTER), Dennis Becker (TOMTE) und Rasmus Engler, der zudem auch die laufende Tour begleitet. Es wäre sicher besser gewesen, wenn der schräge Kurzfilm den Anwesenden die Zeit vor dem Konzert verkürzt hätte, aber das sollte halt nicht sein. Bleiben mir nur noch Ollis Worte, die er der Presse mit auf den Weg gegeben hat: „OLLI SCHULZ zeigte sich natural und präsentierte sich in allerbester Spiellaune.“ Danke Herr Schulz und gern jederzeit wieder!

Setlist
Elefanten
Der Moment
Irgendwas fehlt Dir so sehr
Isabell
Das letzte Königskind
Vorführeffekt
Nachts wenn der Affi schreit
Rückspiegel
Schritt für Schritt
Weil die Zeit sich so beeilt
Aufguss in Langwitz
Was macht man bloß mit diesem Jungen?
Ankunft der Marsianer
Wenn die Music nicht so laut wär’
Wenn die Sonne wieder scheint

Dann schlägt dein Herz
Wie sie
Du bist so lange einsam bis du lernst allein zu sein

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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