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OLLI SCHULZ

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 08.11.2015

Anfang des Jahres ist mit „Feelings aus der Asche“ das bislang erfolgreichste Album von OLLI SCHULZ erschienen. Bis auf Platz 4 ging es für den Silberling und natürlich gab’s im Frühjahr auch eine Tour (u.a. mit einem Gig in Münster, von dem wir ebenfalls berichtet haben). Im Sommer folgten diverse Festivalauftritte (manche sprechen sogar davon, OLLI SCHULZ habe das diesjährige Hurricane gerettet) und für den Herbst hatte der Wahl-Berliner noch ein paar weitere Termine nachgelegt, weshalb jetzt auch einmal wieder Bielefeld in den Genuss eines Konzertabends kam. Wie angesagt der Sidekick von Joko und Klaas inzwischen dank seiner Medienpräsenz ist (Circus HalliGalli, Schulz in the Box) offenbarte bereits die Wahl der Location. Die Zeiten, in denen Olli mit dem Hund Marie den Kamp auf links gedreht hat, sind lange vorbei (leider auch die des Kamps), stattdessen sorgt der Hamburger Jung mittlerweile für eine wirklich gut gefüllte große Ringlokschuppen-Halle.

Dort ging’s unter Auslassung eines Support kurz nach 20.00 Uhr dann auch gleich mit „Ab jetzt tut’s nur noch weh“ sehr groovig los und wenig später stellte der Hauptprotagonist des Abends lakonisch fest: „Hier geht keiner ungefickt aus dem Saal, wir besorgen es euch mit unserer Musik!“. Das klappte mit dem rhythmusgetriebenen „So lange einsam“ vom 2009er „Es brennt so schön“ auch ebenso gut wie mit dem ‚erotischen Mystery-Thriller’ „Ich dachte du bist es“, der 2012 auf „SOS – Save Olli Schulz“ veröffentlicht wurde und trotz schlecht gestimmter Gitarre kräftig mitgeklatscht wurde. So eine Nichtigkeit wie eine leicht verstimmte Klampfe verzeiht man dem Mann mit Hang zum Palavern ja sowieso, denn letztlich ist es die Kombi aus seinen Ansagen und den Songs, die einen Gig mit Olli so besonders machen. Wenn der Herr Musiker dann auch noch vor der Show am Whiskey genippt hat und den Eindruck erweckt, schon leicht einen im Tee zu haben, macht dies das Ganze im Zweifel nur noch amüsanter. Dabei kann er durchaus auch nachdenklich sein, wie „Old Dirty Man“ im Anschluss bewies, bevor Herr Schulz die Gitarre zur Seite legte und für das swingende „Was macht man bloß mit diesem Jungen?“ die Bühne für die holde Weiblichkeit frei gab. Üblicherweise wird für die Performance zu dieser Nummer aus dem dritten OLLI-SCHULZ-&-DER-HUND-MARIE-Longplayer „Warten auf den Bumerang“ aus 2006 nur eine Dame ausgewählt, aber beim letzten Konzert der Tour durfte auch mal der Überschwang regieren. Deshalb wurde die Publikumsbeteiligung auch sogleich fortgesetzt und zwei Zuschauer durften ihre Promi-Kenntnisse und ihre Merkfähigkeit bei den zahlreichen Selfies unter Beweis stellen, die zum coolen „Ich kenn da einen“ über die große Leinwand flimmerten. Nachdem der Gewinner ermittelt war, konnte es mit „Dschungel“ druckvoll weitergehen, wohingegen „Boogieman“ von Pianoakkorden dominiert wurde und scheppernde Melodien mitbrachte. Emotionsgeladen übernahm „Als Musik noch richtig groß war“, das ebenfalls von der aktuellen Langrille stammte, was auch für das straighte „Phase“ galt, bei dem Olli seine TINA-TURNER-Stimm-Double-Qualitäten unter Beweis stellte. Mit denen war es allerdings wie zu erwarten nicht so weit her, aber KAT FRANKIE, die Dame an der zweiten Gitarre, wusste mit ihrem kraftvollen Organ nicht nur als TINA TURNER zu überzeugen, nein, die Australierin mit Wohnsitz an der Spree macht auch ganz eigenständig wunderbare Singer-Songwriter-Mucke, die aber heute nicht auf dem Programm stand. Stattdessen teilte sie sich zusammen mit Bassmann GISBERT ZU KNYPHAUSEN den Job am Background-Mikro, unterdessen der übermütige Gastgeber erste Papierkanonen zündete und das Auditorium bei „Spielerfrau“ zum Massenhüpfen animierte, unterdessen er inmitten der Zuschauerschaft auf Tuchfühlung ging. Aus der Rubrik „Songs mit Autos“ schloss sich „Rückspiegel“ an, bevor es mit meinem Alltime-Favoriten „Und dann schlägt Dein Herz“ satte zehn Jahre in der Diskografie zurück ging. Damals war Herr Schulz noch beim Grand Hotel van Cleef unter Vertrag und die Platte titelte schlicht „Das beige Album“. Ein Klassiker, den ich immer wieder gern höre, ebenso wie das temperamentvolle „Wenn die Music nicht so laut wär’“, das nach einer ausführlichen Bandvorstellung (der Vollständigkeit halber: Tasten: Arne Augustin, Drums: Ben „Benson“ Lauber, Gitarre: Dennis Becker und die bereits erwähnten Kat und Gisbert) nach rund 100 Minuten das Ende des regulären Sets bedeutete.

OLLI SCHULZ legte jedoch noch nach – zunächst im Alleingang und mit seinem Akustik-Sechssaiter im Anschlag. Das entspannte „Bettmensch“ stand dabei ebenso auf dem Zettel wie das schräge „Saunaaufguss in Langwitz“ und das schwermütige „Der kleine Bär“. Für den „Phosphormann“ kehrte schließlich die gesamte Mannschaft an ihre Plätze zurück und wer dachte „So muss es beginnen“ sei (inklusive Gothic-Tanzeinlage) ein geeignetes Finale für den grandiosen Abend, hatte die Rechnung ohne den Kollegen Schulz gemacht. Auf der Zielgeraden detonierten noch Konfetti-Böller und mitsamt ausladender Instrumental-Parts wurde der Titeltrack „Feelings aus der Asche“ gebührend gefeiert. Auf diese Weise waren zwischenzeitlich mehr als zwei Stunden vergangen und auch wenn ich noch einige Songs auf meiner persönlichen Wunschliste gehabt hätte, hieß es an dieser Stelle dann doch Abschied nehmen. Doch Olli hat versprochen, dass er an neuen Liedern arbeitet und demnächst wird es auch ein neues Format mit Jan Böhmermann geben. Leider wird’s von „Schulz in the Box“ keine Fortsetzung geben, aber das kann sich zu gegebener Zeit ja vielleicht auch noch ändern. Im Übrigen warte ich immer noch auf das schon vor Jahren angekündigte Buch über seine Zeit als Roadie. Wenn ich so drüber nachdenke: OLLI SCHULZ hat heute gar nicht so viel gesabbelt wie sonst schon mal. Gut, er hat in bester Armin-Maiwald-Manier erklärt, was sein weiblicher Gitarrenroadie gerade anstellte – sollte die Stelle bei der Sendung mit der Maus mal neu besetzt werden müssen, wüsste ich schon einen geeigneten Kandidaten, aber ansonsten wurde eigentlich verhältnismäßig wenig Quatsch gemacht. Wilde Cover gab’s nur ganz vereinzelt und vom legendären „Rumänen“, der lautstark von einem Zuschauer verlangt wurde, wollte der lebhafte Entertainer gar nichts wissen. Schön war’s trotzdem – sehr schön sogar!

Setlist
Ab jetzt tut’s nur noch weh
So lange einsam
Ich dachte du bist es
Old Dirty Man
Wenn es gut ist
Was macht man bloß mit diesem Jungen?
Ich kenn da einen
Dschungel
Boogieman
Als Musik noch richtig groß war
Phase
Spielerfrau
Rückspiegel
Dann schlägt dein Herz
Wenn die Music nicht so laut wär’

Bettmensch
Saunaaufguss in Langwitz
Der kleine Bär
Phosphormann
So muss es beginnen
Feelings aus der Asche

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