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ONE OF THOSE MOMENTS – NEBELNACHT – DEAD HORIZON – SEPARATED – TRÄUMEN VON AURORA

Ort: Bielefeld - Mamre-Patmos-Schule

Datum: 14.06.2008

Von Zeit zu Zeit ist es mehr als nur erfrischend, einen Blick auf den Metal-Nachwuchs zu werfen. Da sind Gigs wie der „Mamre-Moshpit“ natürlich eine willkommene Gelegenheit, inbesondere wenn die Show auf einen Samstag fällt. So fanden sich locker 50 Leutchen ein, womit man die Besucherzahlen von so manch renommierter Band heutzutage schon beinahe übertraf.

Den Start markierten TRÄUMEN VON AURORA, dem Nebenprojekt dreier NEBELNACHT-Mitglieder. Mit nur 2 Songs in Petto (davon eine Coverversion) konnten die Bielefelder mit ihrem Avantgarde Black Metal schon einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Mit einer Mischung aus tiefgehenden, melancholischen Passagen und harschen Ausbrüchen bewies die junge Band mit ihrem eigenen Song „Ewiglich“ und der Coverversion von HIMs „Join me (in Death)“ schon gute Ansätze sowohl im Songwriting wie auch in der Umsetzung und sogar das Posing saß schon recht gut. Ungewöhnlich – setzen doch Nachwuchs-Bands sonst zu Beginn mehr auf das reine Nacheifern ihrer Vorbilder – aber durchaus positiv einzuordnen.

Nach dieser kurzen Einleitung und einer noch kürzeren Umbau-Pause betraten SEPARATED die Bühne des Schul-Forums. Im Gegensatz zum Opener gehen die Songs dieses jungen Quintetts schneller auf den Punkt und zeugen von deutlichem Einfluss des modernen Death Metal, sowie diversen Grind und Black Metal-Anleihen. Tracks wie das pumpende „Betrayal“ oder auch das derbe „Insane“ zeigen gute Ansätze in ihrer Kombination aus Groove-Passagen und härteren Einlagen. Besonders der Lead-Gitarrist überzeugte durch hörbares Talent und führte seine Band zusammen mit dem sowohl beim Growlen wie beim Screamen recht amtlich auftretenden Fronter durch ein kurzweiliges Set, welches man mit einer sehr ordentlichen Version des AS I LAY DYING-Knallers „94 hours“ beendete. So geben auch SEPARATED schon zum frühen Zeitpunkt ihrer „Karriere“ Anlass, positiv in die Zukunft zu blicken, wobei allerdings der Schlagwerker noch stärker an sich arbeiten sollte, um nicht den Anschluss an seine Kollegen zu verlieren, wie an diesem Abend das ein oder andere Mal passiert. Das spürbar nervöse Acting, besonders beim Fronter, ist in dieser Phase der Band-Laufbahn natürlich mehr als normal. Allerdings sollte der junge Mann trotz amtlicher Vocals noch an seiner Technik arbeiten, sonst dürfte er bei verstärkter Live-Aktivität schnell heiser werden.

Die Grind/ Death-Kapelle DEAD HORIZON bestritt an diesem Abend angeblich erst ihre 4. Show und das ist um so überraschender, beobachtet man die Bielefelder Band auf der Bühne. So stürmte das Quintett mit spürbarer Energie die Bretter und machte von Beginn an keine Gefangenen. Da flogen die Haare auf und vor Bühne, Basser Benedict sprang fast permanent durch die Gegend und Shouter Philip hing phasenweise mehr mit in der ersten Moshreihe, als auf der Bühne zu bleiben. Musikalisch boten DEAD HORIZON einen gekonnten Mix aus brachialen Grind/ Death-Attacken und groovigen Ausflügen mit sehr ordentlichen Melodien. Hierbei überzeugte besonders Gitarrist Marek, der mit seinen technisch sehr versierten Soli und den schlüssigen Melodien so manch alten Gitarren-Hasen ohne Frage alt aussehen lassen dürfte. Und der junge Mann soll gerade mal um die 15 Jahre alt sein, alle Achtung! Aber auch der ebenfalls technisch gute Basser Benedict und der in Screams und Growls überzeugende Philip präsentierten sich als wahre Talente ihres Bereichs. Alleine Drummer Carsten konnte den vielseitigen Steilvorlagen wie „Free Philosopher“, „[misunderstood]“ oder dem einfach „unser Black Metal-Lied“ benannten Song nur mit einigen Schwierigkeiten folgen. Dennoch zweifellos eine Band, die man in Zukunft im Auge haben sollte.

Nach diesen beiden Frontalangriffen wurde es nun wieder nachdenklicher im Forum der Betheler Schule. Schon zu Beginn hatten drei NEBELNACHT-Mitglieder (darunter Fronter Patrick) als TRÄUMEN VON AURORA ihren Hang zum Avantgarde Black Metal präsentiert und führten zusammen mit ihren Band-Kollegen dies nun weiter aus. So bieten die langen Songs wie „Stille, mehr Stille“ oder das von einigen Fans geforderte „zum Leben“ melancholischen Tiefgang, harsche Black Metal-Ausbrüche und atmosphärische Melodien. Sänger Patrick wechselt dabei gekonnt von ruhigen cleanen Vocals zu derben Shouts und überrascht schon in jungen Jahren mit nachdenklichen Texten und einem durchdacht wirkenden inhaltlichen lyrischen Konzept. Das dazu passende Acting des Fronters sowie des Drummers strahlt dazu eine leichte, evtl. gewollte, Arroganz aus. Ein solches Auftreten kennt man ja bereits von den musikalisch vergleichbaren und sicherlich auch als Einfluss anzuführenden NOCTE OBDUCTA und DORNENREICH. Es dürfte zweifellos interessant sein, den Werdegang von NEBELNACHT zu verfolgen, haben doch eben die genannten Bands im Bereich des Avantgarde Black Metal etwas Platz für neue Bands gemacht.

Das Finale des „Mamre-Moshpit“ bildeten die Bielefelder Spass-Grinder ONE OF THOSE MOMENTS. Diese erst kürzlich mit einem vielversprechendem Demo angetretene Band bestritt an diesem Abend ihren Abschieds-Gig, trennt sich die junge Band doch nach nur 4 Jahren Existenz in aller Freundschaft. Und dass es da kein böses Blut gibt, zeigten die Westfalen auch schon vor dem eigentlichen Auftritt, raunte doch einleitend schon der ein oder andere witzige Spruch von Sänger Chris durch die Boxen. Und so legten OOTM los, als würden sie gerade erst ihre Karriere starten wollen. Mit Piraten-Look und Deutschland-Fahne bewaffnet wuselte der Fronter über die Bühne, während Basser Jonas und Gitarrist Hinnerk wie die wahnsinnigen umhersprangen, moshten und dabei noch für ordentlich Druck durch ihre Instrumente sorgten. Drummer Kevin brillierte besonders bei seinem Drum-Solo und sorgte auch sonst für den amtlichen Wumms in den Songs. Etwas zurückhaltender dagegen agierte Gitarrist und Hauptsongwriter Simon, besann er sich doch lieber mehr auf sein Spiel. So sorgten brachiale Groove-Brocken wie „Search“, „No Regrets“ oder „Sonnenstrahl“ nochmal für ordentlich Bewegung unter den Metalfans und in dieser Form ist es wirklich bedauerlich, dass ONE OF THOSE MOMENTS nun zu Grabe getragen werden.

So kann man als Fazit nur sagen, dass sich dieser Einblick in die lokale Nachwuchs-Szene zweifellos gelohnt hat, präsentierten sich an diesem Abend gleich 4 (OOTM lösen sich ja auf) hoffnungsvolle Bands, welche schon im Alter von 15 – 19 Jahren ein zum Teil erstaunliches spielerisches Können aufweisen und mit ihren schon sehr zielstrebigen und gut arrangierten Songs aufhorchen lassen. Dazu sollten sich so einige etablierte Bands ein Beispiel in Sachen Sound nehmen. So boten alle Bands trotz sehr kurzer Umbaupausen, einem kleinen 6 Kanal-Mischpult und einer sicherlich nicht auf Metal ausgelegten Anlage einen sehr amtlichen Sound. So braucht man sich zumindest im Bielefelder Raum keine Sorge um die metallische Zukunft machen.

Copyright Fotos: Michael Werneke

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