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OOMPH! – ALL ENDS – MINA HARKER

Ort: Rostock - Mau-Club

Datum: 10.11.2008

Trotz eines Montagabends betraten wir gegen 20 Uhr einen schon sehr gut gefüllten M.A.U.-Club mit hauptsächlich älterem Publikum. Auf der Bühne hatte trotz früher Stunde schon die erste Supportband MINA HARKER mit ihrem Set begonnen. Die kleine und zierliche Sängerin Mina wählte Band- und Künstlernamen nach einer Romanfigur aus Bram Stokers „Dracula“. Mit ihr zusammen auf der Bühne bezogen OOMPH!-Schlagzeuger Leó und Bandmitglied Alexander Gorodezki an der Gitarre Stellung. Fast alle Songs des Debütalbums „Tiefer“, die man in die Stilrichtung Gothic-Rock einsortieren kann, wurden kraftvoll und leidenschaftlich präsentiert. Darunter der Titelsong und mein absoluter Favorit „Tränen“, bei dem auch besonders Alexanders harter Gitarrensound glänzte. Minas wandelbare Stimme beherrschte es perfekt, die unterschiedlichen Aussagen der immer düster und geheimnisvoll wirkenden Songs zu transportieren. Mal härter, mal weicher sang sie und schaffte es damit, das Rostocker Publikum aus der Reserve zu locken. Offensichtlich war, dass Fans in den ersten Reihen das Material entweder kannten oder bereits schon andere Konzerte der Tour besucht hatten.

Mit so gut vorbereiteter Stimmung konnte im Anschluss die zweite Band des Abends ALL ENDS aus Göteborg, Schweden beginnen. Gleich zwei nett anzuschauende Frontfrauen namens Emma Gelotte und Tinna Karlsdotter, sowie die beiden Gitarristen Fredrik Johansson, Peter „Texas“ Mårdklint und Drummer Joseph Skansås betraten die Bühne, die sogleich auch recht voll erschien. Tinna und Emma wechselten sich beim Singen ab und zogen eine exzellente Show mit ganz viel Körpereinsatz ab. Emmas Stimme klang tiefer und je nach Song übernahm eine der beiden Passagen oder sie sangen im Doppelpack. Die Songs des selbstbetitelten Albums werden von Gitarrenrock, poppigen Einflüssen und eben den zwei tollen Stimmen dominiert. Sehr eingängig und tanzbar waren zum Beispiel „Wasting Life“ oder die wirklich grandios umarrangierte Coverversion von „Apologize“ (TIMBALAND FEAT. ONE REPUBLIC) die mir sofort im Ohr hängen blieb. Den Anwesenden im Club gefiel es auf alle Fälle, was die heftige Bewegung im Publikum belegte.

Nach dem Auftritt war es dann endlich soweit und meine alten Helden OOMPH!, die ich zu früheren Zeiten abgöttisch liebte, enterten die Bühne. Die Braunschweiger muss man wahrscheinlich nicht mehr vorstellen, denn bereits im Jahre 1989 gegründet, stehen sie kurz vor ihrem 20-jährigen Bandjubiläum. In alter Besetzung bestehend aus Dero (Gesang), Flux (Gitarre) und Crap (Gitarre) sind live schon seit Jahren mit dabei an den Drums Leó und am Bass Hagen. Mit neuem Album namens „Monster“ kam das Trio auch im neuen Outfit daher, was mir persönlich wieder mehr gefiel als weiße Kittel. Mit vielen Schnallen und eher dunkel gehalten wirkten die Drei frisch ohne großartige Zeichen der vergangenen Zeit. Da die Tour auch als „Monster“-Tour betitelt wurde, ging es sogleich mit dem Song daraus „Beim Ersten Mal Tut’s Immer Weh“ los. Noch schien das Publikum etwas verhalten, obwohl Dero und Co. ab der ersten Minute aufdrehten. Die Erfolgs- und Bundesvision-Songcontest-Gewinnersingle „Träumst Du“ schloss sich an und danach kam ich in den Genuss einen geliebten alten Song namens „Unsere Rettung“ zu hören. Sicherlich könnte man da ins Streiten geraten, ob diesbezüglich früher alles besser war oder ob Weiterentwicklung wichtiger ist. Für mich war in diesem Moment einfach die Erinnerung an eine Zeit da, in der ich in dieser Musik aufgegangen bin. Die neueren Sachen berühren mich einfach nicht mehr so sehr, was keine Wertung sein soll. Das Publikum schien da auch viel neutraler und tanzte wirklich zu allen Songs gut gehend ab. Ein Besucher nahm das wohl ein bisschen zu ernst und nachdem dieser ständig die Leute anrempelte und rumpöbelte, versuchte Dero ihn persönlich zu beruhigen, zuerst mit Worten und dann mit Auszügen aus dem BEATLES-Song „All you need is love“. Wir sangen beherzt im Chor mit, aber das schien den Störenfried auch nicht zu beruhigen, so dass er von zwei Ordnern abgeführt werden musste. Es ging weiter im Set mit der damaligen Hitsingle „Fieber“ aus dem Jahre 1999, die im Duett mit Nina Hagen aufgenommen wurde und zum Durchbruch der Band führte. An diesem Abend halfen wir Dero beim Singen. Nach weiteren neuen Songs und Deros typischer Mimik und Gestik, die er konsequent auch bei neueren Songs anwendet, folgte auch noch „Das weiße Licht“ und mit „Sex“ ein besonderer Leckerbissen aus deren Crossover-Zeit im Jahre 1994. Nach einem kurzen Schwenk in die „Defekt“-Ära mit „Mitten ins Herz“ folgte ein wunderschönes Duett mit Mina Harker und dem Song „Bis zum Schluss“. Die Bühne wurde in violettes Licht getaucht und Dero und Mina harmonierten perfekt. Tosender Applaus belohnte sie, bevor es mit „Revolution“ politisch wurde. Kein bisschen müde rockte das Trio den Club und nach etlichen weiteren Stücken folgte auch mein Favorit „Niemand“ von der „Ego“-VÖ aus dem Jahre 2001. Auf Deros Anregung hin sprangen wir im Takt und verausgabten uns völlig. Wie früher hatte er auch dieses Mal zweimal den Weg ins Publikum gefunden und ließ sich auf Händen tragen. Die Band bedankte sich danach überschwänglich. Weiterhin ganz glücklich machte die Oldschool-Fans eine kurze Version von „Gekreuzigt“. Die erste „Monster“-Single „Labyrinth“ beendete den Hauptblock des Konzertes mit lauten „Links, Rechts, Geradeaus …“-Sprechchören.

Jedoch holten laute „Oomph! Oomph! Oomph! ..“-Schreie die Band ganz schnell wieder zurück. „Gott ist ein Popstar“ und der größte Hitsong ihrer Karriere „Augen Auf!“ bildeten die erste Zugabe. Der Club brodelte, währenddessen und die Hitze stieg. Daher war auch schnell klar, dass eine zweite Zugabe her musste, die aus „Menschsein“ und „Die Leiter“ bestand. Nach Verabschiedung und Verbeugung, sowie Abklatschen der ersten Reihen stieg die Neugier (zumindest bei mir) nach Deros traditionellem a capella Abschiedssong. Anstelle von „Mein Herz“ gab es „The Power of Love“ (FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD) und eines muss man Dero lassen, seine Stimme ist grandios wie eh und je und auch zu diesem Zeitpunkt schaffte sie es mir eine Gänsehaut über den Körper zu jagen.

Weiterentwicklung ist für jeden wichtig. OOMPH! haben sich während ihrer ganzen Karriere weiterentwickelt und bleiben ihrem Stil treu, nämlich dem sich der Kritik zu stellen und zu dem zu stehen, was sie tun. Auch wenn sie wegen meiner (vermutlich) eigenen Weiterentwicklung nicht mehr 100 Prozentig zu meinen Favoriten gehören, werde ich sie mir aufgrund der einzigartigen Stimmung, der Energie und Leidenschaft, die ihre Konzerte bringen, immer wieder live ansehen!

Setlist OOMPH!
Beim ersten Mal tut’s immer weh
Träumst Du
Unsere Rettung
Fieber
Wer schön sein will muss leiden
Du willst es doch auch
Wach auf
Das letzte Streichholz
Das weiße Licht
Sex
Mitten ins Herz
Bis zum Schluss (Duett mit Mina Harker)
Revolution
Sex hat keine Macht
Mein Schatz
Lass mich raus
Die Schlinge
Niemand
Gekreuzigt
Labyrinth

Gott ist ein Popstar
Augen auf!

Menschsein
Die Leiter
Power of Love (a capella)

Copyright Fotos: Cath Niemann

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