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OPETH – CYNIC – THE OCEAN

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 12.12.2008

Aus der Markthalle werd ich nicht schlau: Manchmal treffen die Leute scheinbar unabhängig vom Billing kleckerhaft ein, manchmal findet man eine Riesenschlange, so dass man fast eine Stunde braucht, um reinzukommen. Manchmal muss man sich bei ausverkauftem Haus als Fotograf in der Menge rumschlagen, manchmal gibt es einen Graben. So wie heute, nur verstand sich dieser als Bühnengraben und das Betreten war den Fotografen laut Aussage der Crew verboten. Da soll mal einer draus schlau werden. Nach vehementerem Nachfragen nach den ersten 2 Bands wurde einem der Zutritt dann plötzlich doch gewährt, ja ja, Wunderwerk Kommunikation!

Nun zur Sache: Nach 2 Jahren Live-Abstinenz hierzulande hatten OPETH nun wieder zum Stelldichein geladen und wie schon auf der letzten Tour mit AMPLIFIER wieder tolle Supportbands mit im Gepäck. Die Markthalle bestach sogar bei allen drei Bands mit nahezu exzellentem Sound, beste Vorrausetzungen also.

Den Anfang machten THE OCEAN. Nach einem scheinbar endlosen instrumentalen Intro legte die normalerweise 10-köpfige Band, die für die Tour ihr Line-up auf 5 Leute beschränkt hatte, gleich voller Energie los. Obwohl die Alben der Multikulti-Truppe wohl eher der experimentellen Ecke zuzuordnen ist, boten sich hier live unerwartet doomige Einflüsse. Dementsprechend lauschten die Fans andächtig, auch der Applaus wurde eher anständig bis gutmütig gewährt, obwohl einige besonders treue Fans ihre Gunst lauthals kundtaten.

Nach 15 Jahren Bandpause starteten CYNIC letztes Jahr wieder durch und haben nun auch ein Nachfolgewerk für ihr zelebriertes Debütalbum am Start. Zugegebenermaßen liegt jenes Erstlingswerk vor meiner Zeit, doch die neuen Stücke, die sich hier meinen Ohren darboten, schienen wie eine Mischung aus PORCUPINE TREE und OPETH zu klingen, mit der Verspieltheit der ersten Band und der Härte der letztgenannten. Das passte natürlich hervorragend an diesem Abend und so zeigten sich hier die ersten, wenn auch noch zaghaften Stürmchen der Begeisterung. Immerhin war man bestens für die Headliner eingestimmt.

OPETH – Was soll man zu den Schweden noch sagen. Für große Shows sind sie ja nicht bekannt, doch wer den wohl humorvollsten Frontmann (im Conan-Shirt) schlechthin sein Eigen nennen und dazu ohne Frage mit Musik mit Tiefgang und einer grandiosen Komplexität aufwarten kann, braucht auch keine großen Extras. Die Fans fraßen Mikael Åkerfeldt eh bei jeglichem Kommentar aus der Hand, selbst wenn er nur sein Deutsch unter Beweis stellte („Hamburg, ich liebe dich“), woraufhin viele Fans gleich ganze schwedische Sätze Richtung Bühne riefen, aber auch, wenn er von seinem neuen Tattoo erzählte, ein „fm on my penis, for fick mich“. Der Mann kann aus den trivialsten Dingen noch Witze machen, doch der Plastikfolie um seinen Arm zu urteilen, darf man davon ausgehen, dass wohl wieder ein Familienbezogenes Tattoo (eventuell wieder das Geburtstagsdatum seiner 2. Tochter) entstanden ist. Nun aber mal zur eigentlichen Hauptsache des Abends: Mit „Heir Apparent“ vom letzten Album hat das Quintett den wohl genialsten Opener der Bandgeschichte geschrieben, bei den brechenden Riffs ist man gleich auf Hochtouren, da konnte auch das folgende „The Grand Conjuration“ nicht mithalten. Wie immer wurde ein Song von den jeweils letzten 6 Alben gespielt, lediglich von „Watershed“ hatte man wie zu erwarten mit „Lotus Eater“ noch ein zweites Stück im Gepäck. Doch zurück zu Herrn Åkerfeldt, der ließ nämlich verlauten, dass ihm „Deliverance“ (das Album) äußerst wichtig sei, und wenn man den gleichnamigen Song nicht mögen würde, sei man ein „retard und asshole“. Und selbst da jubeln die Fans noch. Wirklich witzig ging es wieder zur Sache, als er erzählte, dass der von nun an David Coverdale (WHITESNAKE/ DEEP PURPLE) genannt werden möchte, oder auch nur David oder Mr. C, aber auf gar keinen Fall Dave. AUF GAR KEINEN FALL! Sehr geehrter Mr. C, dann bedanken wir uns für den humorvollen und wieder einmal musikalisch orgasmischen Abend, es bleibt einzig zu wünschen, dass OPETH demnächst wieder längere Shows spielen, von vor 2 Jahren in Köln habe ich zwei volle Stunden statt nur knapp 90 min wie heute in Erinnerung!

Setlist OPETH
Heir Apparent
The Grand Conjuration
Godhead’s Lament
Lotus Eaters
Hope Leaves
Deliverance
Demon of the Fall
Drapery Falls

Copyright Fotos: Juliane John

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