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OPETH – SAMAEL – EDENBRIDGE – HOLLENTHON – DRACONIAN

Ort: Leipzig WGT Kohlrabizirkus

Datum: 30.05.2009

Nur kurz ist der Aufenthalt auf der Parkbühne, denn im Kohlrabizirkus hat sich die Metal-Prominenz angemeldet. Ob da die Schweden von DRACONIAN dazu gehören, müssen andere entscheiden. Auf meiner Geburtstagsfeier möchte ich sie nicht haben. Lahm und mächtig monoton schlabbert ihr Mix aus düsterem Doom und kitschigen Frauen-Gesang durch die schon jetzt ganz gut gefüllte Halle. Also für mich klingt das, als wenn die Schweden sich den Song „Gothic“ von PARADISE LOST einmal zu oft angehört haben, und davon dann ihren ganzen Stil abgeleitet haben. Wenn sowohl Sänger Anders (der sich seine Bühnepräsenz auch beim guten Nick Holmes abgeschaut zu haben scheint) als auch Sängerin Lisa der Musik Luft zum Atmen geben, dann wird das auch richtig gut. Doch dies ist leider die Ausnahme und so freuen wir uns doch einfach auf HOLLENTHON.

„Hallo Leipzig, wir sind HOLLENTHON aus Wien“. Die sympathischen Wiener Buben haben im letzten Jahr mit ihrem Werk „Opus Magnum“ nicht nur im Metal-Lager neue Freunde gefunden. Doch wenn auch Goths zu den Fans gehören, sind diese heut nicht hier. Die Halle lehrt sich etwas, was mich doch wieder zu der Erkenntnis kommen lässt, dass HOLLENTHON nicht so recht auf das WGT passen. Egal, mich freut’s und ab dafür. Mit „Fire Upon The Blade“ starten die Österreicher ein überraschend hartes Set. Denn wer dachte, die Jungs würden im Rahmen eines Grufti-Festivals etwas Härte aus ihren Songs nehmen, der sieht sich getäuscht. Bis auf „Son Of Perdition“ wird kräftig drauflos geholzt und alte Bolzen aus der Diskografie geballert. Bis auf das angesprochene „Son of Perdition“ und „Once We Were Kings“ beschränkt man sich auf die Alben „With Vilest Of Worms To Dwell“ und „Domus Mundi“. Voll auf die Fresse, herrlich!

Der heutige Abend entwickelt sich zu einer Achterbahnfahrt, denn auf jedes Highlight folgt ein Tiefpunkt. EDENBRIDGE sind an der Reihe. Ihr letztes Album „My Earthdream“ war ein Koloss. Ein hohler Koloss, der mit viel Bombast künstlich aufgeblasen wurde, aber inhaltlich leer und fad wie ein Luftballon war. Ob soviel heiße Luft auch auf die Bühne transportiert werden könnte. Klare Antwort, JA! Die Songs plätschern einfach vorbei und besitzen Null Ohrwurmpotenzial. Sängerin Sabine Edelsbacher kommt bieder und überraschend unrockig rüber. Mehr als ein paar musizierende Rocker und eine Träller-Else mit schwacher Ausstrahlung bekommen die Fans nicht geboten. Songs wie „Wild Chase“, „Paramount“ oder das abschließende „My Earth Dream“ konnten hier heute keinen hinterm Ofen hervorlocken.

Nun sollte es aber wieder aufwärts gehen. Mittlerweile ist die Halle prima gefüllt und wartet auf die Schweizer Gipfelstürmer vom SAMAEL. Ihr im März erschienenes Album „Above“ überraschte sowohl Fans als auch Kritiker. Ein brutaler Hassbatzen, der nur verbrannte Erde zurückließ. Wie schon bei HOLLENTHON bin ich von einem Gruft-freundlichen Set ausgegangen. Doch Pustekuchen! Zwar beginnen SAMAEL mit dem poppigen „Solar Soul“ und „Reign Of Light“, doch dann ist Schluss mit Kaspermucke. In der Folge rappelt es beängstigend von der Bühne. Hier hat jemand wieder Spaß an Krach. Mit „Illumination“ (und einem Gruß an den verstorbenen Quorthon von BATHORY) und „Black Hole“ wird auch das aktuelle Album leicht angeschnitten. Ansonsten hält man sich oft in der Vergangenheit auf und sorgt mit Songs wie „Rain“ und „Baphomet’s Throne“ für kreisende Köpfe. Ass Kicking vom allerfeinsten!

Seltsamerweise lehrt sich die Halle danach etwas. Anscheinend war für viele SAMAEL der heutige Headliner. Doch was jetzt folgt, ist wohl an Spielkunst nicht zu überbieten: OPETH. Mit „Watershed“ drangen die Schweden im letzten Jahr noch einmal in neue Dimensionen vor und dürfen nun das Wave Gotik Treffen headlinen (zumindest für die Hartwurst-Fraktion, alle anderen zappeln gerade bei VNV NATION). Dennoch muss gesagt werden, dass keine wirkliche Stimmung aufkommt. Viele genossen die Musik mit sehr seltsamen Ausdruckstänzen und gelegentlichem Luft-Gitarren-Spiel. Mit „Heir Apparant“ wird zu Beginn gleich ein Stück von „Watershed“ gespielt. Nicht das Einzige am heutigen Abend, denn mit „Hessian Peel“ und „The Lotus Eater“ folgen im weiteren Verlauf noch zwei weitere Stücke des erfolgreichsten OPETH-Albums. Die restlichen Songs teilen sich auf die alle weiteren Alben ab 2001 auf. Ab „Blackwater Park“ bekommt von jedem folgenden Album je ein Song die Chance, das Eis zu brechen. Und nein, heute wird kein Eis geschleckt. Zu groß scheint die Distanz zwischen Musiker und Publikum. Für mich bleibt OPETH einfach keine Festival-Band. Mit dem obligatorischen „Deliverance“ beenden die Schweden einen guten, wenn auch nicht überragenden Auftritt.

Setlist OPETH
Heir Apparant
Ghost Of Perdition
The Leper Affinity
Hessian Peel
Closure
The Lotus Eater

Deliverance

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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