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ORCHID – BLUES PILLS – SCORPION CHILD

Ort: Hannover - Faust

Datum: 13.11.2013

Der Delorean war an diesem Abend in der 60er-Jahre-Halle des Kulturzentrums Faust in Hannover voll aufgetankt, um die Anwesenden zu einer Zeitreise in die späten 60er/ frühen 70er Jahre zu bringen, denn ORCHID, BLUES PILLS und SCORPION CHILD machten auf ihrer gemeinsamen Tour hier Station und packten die volle Retro-Kelle aus.

Um 20.30 Uhr, und somit eine halbe Stunde vor dem propagierten offiziellen Konzertbeginn betraten SCORPION CHILD die Bühne und rockten sofort los. Classic Rock mit überlebensgroßer LED ZEPPELIN-Schlagseite bestimmte das Bild ihres Auftrittes. Gerade der charismatische Sänger trat mit spielerischer Leichtigkeit das Erbe des großen Vorbildes an. Tänzelte hypnotisch über die Bühne, scherzte mit dem Publikum und ließ sich auch von dem recht großen leeren Raum vor der Bühne nicht verunsichern, sondern hielt einfach mal kurz cool den Mikroständer so weit in die Menge, bis der Freiraum überbrückt war. Überhaupt lebte der Auftritt von der unglaublichen Spielfreude der Band. Die Jungs hatten wirklich Spaß in den Backen und gaben alles, so dass es eigentlich eine Freude war, ihrer Darbietung beizuwohnen, wäre da nicht ein großes Manko. Die Musik der Band ist leider im Gegensatz zu ihrer Bühnenpräsenz alles andere als aufregend. Könnte aber auch daran liegen, dass der Verfasser dieser Zeilen nie ein großer ZEPPELIN-Fan war… Das Publikum honorierte die Bemühungen der Musiker mit höflicher, aber doch meist zurückhaltender Aufmerksamkeit, obwohl –oder auch weil – sie mit Sicherheit einige Fans dazu gewonnen haben dürften, und das coolste Merchandise des Abends am Start hatten. Mein Ding war es persönlich nicht, aber auf jeden Fall sind SCORPION CHILD eine verdammt geile Liveband!

BLUES PILLS begeisterten da schon eher. Der leere Raum vor der Bühne war verschwunden, was sicherlich nicht nur an ihrer hübschen Sängerin im Blümchenoutfit lag, die wie in Trance tanzte und unglaublich geil sang und performte, sondern am großartigen Songmaterial der Newcomer, die sich irgendwo zwischen THE DEVILS BLOOD, BLACK SABBATH, BLACK WIDOW, JEX THOTH und BLOOD CEREMONY bewegen und die hohen Erwartungen, die sie mit ihrer tollen „Devil Man“ EP geweckt haben komplett übertrafen. Elin Larssons Stimme thront einfach über allem, während sie verzückt über die Bühne tobt und wie hypnotisiert das Tamburine malträtiert. Aber auch der Rest der Band steht dem in nichts nach und schuf eine unvergleichliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen konnte. Die schweren Riffs, die hypnotischen Passagen, die sägend-schweren Doom-Guitars und das immer wieder betörende Solieren des jungen Gitarristen waren ebenfalls nicht von dieser Welt. Der gesamte Auftritt war wie ein einziger faszinierender Rausch! Von dieser Band wird man sicher noch hören. Daumen hoch für die sympathische Kapelle, die auch die Anwesenden restlos begeisterten.

ORCHID – was soll man sagen? Die Jungs aus San Francisco sind eine Hausnummer in Sachen Retro-Doom geworden und haben in den letzten Monaten einiges an Popularität dazugewonnen. Sympathisch, ehrlich und verdammt authentisch klingend zelebrieren sie ihren Sound und haben sich als einzig wahre Erben von BLACK SABBATH erwiesen. Als sie um ca. 22.30 Uhr ihren Set mit „Heretic“ starten, haben sie sofort gewonnen. So müssen die Sabbath-Konzerte in den späten 60ern ausgesehen haben, von denen mein Vater/ Schwiegervater immer wieder berichten. Aber ORCHID sind nicht nur die Anbeter einer Doom-Ikone, sie sind auch eine Klasse für sich, denn sie haben die Blaupause des großen Vorbildes genommen und für sich angepasst und schaffen so den Spagat zwischen Hommage und Eigenständigkeit spielend. Die Stimmung, die das schwere und irgendwie auch brutale Songmaterial der Doom Heroen verbreitet, ist kaum in Worte zu fassen. Leider sorgt die später Uhrzeit dafür, dass sich die Halle im Laufe der geschätzten 80 Minuten Spielzeit um ein Drittel der Anwesenden leert, aber was ORCHID an diesem Abend auf die Bretter legen, ist unbeschreiblich. Egal ob Hits wie „Capricorn“ und „He Who Walks Alone“, oder auch Material aus der zweiten Reihe, alles wird gnadenlos und bei tollem Sound, der in der Faust nicht selbstverständlich ist, abgefeiert. Zwar nerven zwei bescheuerte, besoffene Fans, die schön vor die Jackenabgabe kotzen und alles anrempeln, aber wenn sich eine Band buchstäblich vor den Fans in den Staub wirft und nach Konzertende noch mit ihren Anhängern feiert, kann ja nichts schief gehen, oder? ORCHID haben an diesem Abend wieder einmal alles richtig gemacht und eines der Konzerte des Jahres abgeliefert. Diese band wird noch größer!

Fazit: ein genialer Abend mit drei sympathischen Bands, aber mit leider viel zu hohen Merchandisepreisen.

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