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ORPHANED LAND – MYRATH – ARKAN

Ort: Essen - Turock

Datum: 24.11.2011

Der sogenannte Oriental Metal ist auf dem Vormarsch, das ist kein Geheimnis mehr. Spätestens nachdem die Israelis von ORPHANED LAND nach ihrem letzten Album „The Neverending Way of OrwarriOR“ in aller Munde und längst kein Geheimtipp mehr sind sowieso. Im letzten Jahr waren sie noch als Support zusammen mit AMORPHIS auf Tour und in diesem Jahr war es an der Zeit für eine Headliner-Gastspielreise. Dieses Mal hatte man zwar kein neues Album im Gepäck, dafür konnte man aber die erst vor kurzem erschienene Live DVD „The Road to OR-Shalem“ (Or-Shalem bedeutet so viel wie „vollkommenes Licht“ und ist außerdem einer der vielen Namen für Jerusalem) feiern. Dazu hatte man ein besonderes Bandpaket zusammengestellt: Mit dabei waren ARTWEG aus Frankreich, MYRATH aus Tunesien und ARKAN, ebenfalls aus Frankreich (mit Musikern aus Algerien) sowie für den Headliner eine libanesische Bauchtänzerin. Gerade in Zeiten des Umschwungs im Nahen Osten setzt man damit ein Zeichen – so unpolitisch Metal auch ist und vielleicht sein sollte: Hier stehen Bands aus verschiedenen Ländern auf einer Bühne, die sich politisch gesehen „hassen“ sollten. Genug von der Politik, los geht’s.

Den Anfang machten ARTWEG, die musikalisch in diesem Paket wohl am meisten aus dem Rahmen fielen und die wir, aufgrund leicht verspäteter Ankunft im Turock, leider verpassten. Es war schön zu sehen, dass sich eine erfreulich große Anzahl von Metalheads eingefunden hatte – man hört von etwa 200 Karten im Vorverkauf. Die Zahl mag klein scheinen, jedoch standen hier keine Mainstream Bands auf der Bühne und somit war es umso toller zu sehen, dass diese so viele Nasen unter der Woche nach Essen ziehen konnten. Die Metalszene scheint also bereit zu sein für ein wenig frischen Wind.

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann an der Zeit für MYRATH aus Tunesien. Ihr Power metallischer Prog Metal kam sehr gut bei den Anwesenden an, die erfreulicherweise das Material auch größtenteils zu kennen schienen. Die Band strahlte eine unheimliche Spielfreude aus, die den Funken schnell auf das Publikum überspringen ließ – Sänger Zaher Zogati tänzelte zwischendurch über die Bühne und auch davor war ordentlich Bewegung. Im Gepäck hatten sie ihr neuestes Album „Tales of the Sands“ und natürlich auch die beiden Vorgängerscheiben. Im Nachhinein betrachtet waren MYRATH die Überraschung des Abends und konnten eine Menge Sympathiepunkte einheimsen. Selten habe ich den Funken bei einer Support Band so schnell überspringen sehen.

ARKAN waren als nächste an der Reihe und präsentierten völlig andere Musik, die aber nicht minder gut ankam. Hier werden Klänge aus Algerien und Marokko mit melodischem Death Metal vermischt. Growls von Florent Jannier trafen auf die klare Stimme von Sängerin Sarah Layssac – eine tolle Kombination. Gründer Foued Moukid dürfte Einigen bereits als Drummer der leider aufgelösten THE OLD DEAD TREE, ebenfalls aus Frankreich, bekannt sein. Los ging es mit „Origins“ und „Tied Fates“ und auch hier dauerte es nicht lange, bis das Publikum auf die dargebotene Mixtur ansprang. Schade nur, dass ARKAN zum Song „Deus Vult“ nicht Kobi Farhi von ORPHANED LAND auf die Bühne holten, denn dieser hatte dazu auf der aktuellen CD „Salam“ die Guest Vocals beigesteuert und es wäre sicherlich eine tolle Sache gewesen, dies live auch gemeinsam vorzutragen, wenn beide Bands schon zusammen spielen! So oder so kamen Stücke wie „Beyond Sacred Rules“ und das wunderbare „Salam“ (Friede) als Rausschmeißer gut an. Beide Formationen hätten an diesem Abend gerne länger spielen dürfen.

Setlist ARKAN
Origins
Tied Fates
Innerslaves
Deus Vult
Beyond Sacred Rules
Salam

Es schien noch ein wenig voller zu werden und vor der Bühne war nun kaum noch Platz zum Fotografieren (es gab keinen Fotograben). Der letzte Umbau des Abends ging zügig von Statten und es war Zeit für ORPHANED LAND, die dieses Mal die Veröffentlichung ihrer ersten Live DVD „The Road to OrShalem“ feiern konnten. Im Hintergrund wurde eine Projektion abgespielt, die das Konzert optisch abrundete. Die Band legte, wie alle anderen dieses Abends eine mitreißende Spielfreude an den Tag, zeigte sich gewohnt perfekt eingespielt und so war es ihnen ein Leichtes, das Publikum mit „From Broken Vessels“, „Birth of the Three“, „Vayehi Or“ und „A Neverending Way“ (nebst textsicheren Fans) mitzureißen. „Sapari“ hat sich zu einem der Livekracher schlechthin gemausert und wurde auch dieses Mal begleitet von einer Bauchtänzerin vorgetragen. Nach einem absolut überzeugenden Auftritt, wollte niemand im Turock die Band ohne Zugabe von der Bühne lassen. Dem Wunsch kamen OL nach und gaben drei weitere Songs zum Besten. Natürlich durfte in der Zugabe das wunderbare „Norra El Norra“ nicht fehlen. Schade, dass Mitsingen aufgrund der Sprache wohl für die meisten wegfällt, aber das trübte die Stimmungen ansonsten keineswegs. Bleibt nur zu hoffen, dass der Erfolg weiterhin anhält und es irgendwann vielleicht sogar einmal möglich ist, die Band mitsamt Gastsängerin Shlomit Levi, die für die female vocals verantwortlich ist und weiteren Gastmusikern auf den hiesigen Bühnen zu erleben. So könnte die Band, wie man es bereits von der Live DVD kennt, mit der ganzen Fülle an Instrumenten auch live auftreten.

Das Fazit des Abends: Eine tolle musikalische Mischung, eine Menge, die offen war für diese Musik und Bands, die richtig Spaß hatten. Wie Sänger Kobi treffend nach dem Gig meinte: „The world needs more Oriental Metal“: Solche Touren darf es gerne öfter geben, denn allzu oft hat man besonders die Support Bands hier noch nicht gesehen und ein wenig frischer Wind ist nie verkehrt!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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