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PAGANFEST 2008

Ort: Essen - Funbox Amalie

Datum: 05.04.2008

Für viele Pagan, Folk und Viking Metal-Fans sollte es die Tour des Jahres werden: wenn ENSIFERUM, KORPIKLAANI und MOONSORROW, neben TURISAS und FINNTROLL mit Sicherheit DIE Spitze der finnischen Folkszene, zusammen mit den Färingern TYR und den Schweizern ELUVEITIE zum kollektiven Tanzbeinschwingen rufen, kann das nur die Party des Jahres werden. Und sie wurde es auch, soweit man das zum derzeitigen Standpunkt beurteilen kann, wenn auch mit einigen Erschwernissen. So war die gesamte Organisation vor Ort doch ziemlich chaotisch, es gab nur einen Zugang über eine relativ enge Treppe runter in den eigentlichen Zuschauerraum, die Toilettensituation war katastrophal, zwischenzeitlich durfte man die stickige Halle nicht verlassen und das bei dem viel zu geringen gastronomischen Angebot. Doch bei einem Ticketpreis von unter 30 Euro für 8 Bands (zusätzlich zum normalen Billing sollten in Essen dann auch noch EQUILIBRIUM, HELRUNAR und die local Heros ADORNED BROOD spielen) durfte man sich eigentlich kaum beschweren.

Nachdem man es nach scheinbar ewig langem Warten vor der Funbox Amalie, einer Skatehalle, gegen 16 Uhr endlich nach drinnen geschafft hatte, stand schon die erste Überraschung bereit: aus 8 Bands wurden 7, denn HELRUNAR mussten, aus welchen Gründen auch immer (von Seiten der Orga gab es jedenfalls keine Informationen) absagen. So standen eine halbe Stunde später als geplant ADORNED BROOD auf der Bühne, was in Anbetracht der ca. 300-400 Leute, die immer noch auf Einlass warteten, sicher von Vorteil war, sonst hätte bestimmt der ein oder andere bei planmäßigem Start EQULIBRIUM verpasst. Zurück aber zu ADORNED BROOD, die sicher vor einer der größten Publikumszahl ihrer Bandgeschichte spielen durften. Schon jetzt war die Skatehalle gut gefüllt und die Menge bei guter Laune, so dass die Anheizerrolle leicht fiel. Da ich die Band genau drei Wochen zuvor bereits gesehen hatte, stellte sich ein gewisses Dejavu–Gefühl ein. Die Songs, eine Mischung aus Folk mit derberem Keifgeschrei, flutschen etwas höhepunktlos runter, der Mischer ist wohl noch nicht ganz auf Betriebstemperatur, denn die Querflöte piept zwischendurch lauter als es einem lieb ist im Ohr, über die modische Sünde eines weißen Mantels muss man einfach mal hinwegsehen, aber Trinklieder, die verfehlen in der Paganszene nie ihre Wirkung und so singen alle fröhlich „Was sollen wir trinken 7 Tage lang“ mit.

Dass bei EQUILIBRIUM trotz der noch frühen Stunde fast schon chaosartige Zustände ausbrechen würden, war ja irgendwie fast klar. Schon beim ersten Song gab die Absperrung bedenklich nach und wurde immer weiter nach vorne gedrückt, Dejavu Klappe die 2., denn das hab ich bei den Münchenern bestimmt bei jedem einzelnen ihrer Gigs erlebt. Die Security hatte nun alle Hände voll zu tun, aber Man(n) trainiert ja nicht umsonst seine Muskelchen. Der treppenartige Bühnenaufgang, der von Fotografenseite rege wegen der hohen Bühne, die eigentlich das Ende einer Skaterampe war und daher mit einem Sicherheitszaun versehen war, genutzt wurde, wackelte bedenklich, hielt aber stand. Zwischen all dem gab’s die üblichen Songs, „Wingthors Hammer“, „Unter der Eiche“, „Met“ (wie immer mit einer Flasche des Honigweines für die Fans) und die neuen Stücke „Blut im Auge“ und „Wurzelpeter“. Obwohl es vor allem durch die begrenzte Songauswahl seit langem nichts wirklich Neues von der Truppe gibt, feierten die Fans die Party ihres Lebens mit einem atemberaubenden Moshpit und ganz viel Gehüpfe. Zwischendurch musste Sänger Helge wie schon so oft zuvor die Fans auffordern, einen Gang runterzuschalten, jedoch ohne große Wirkung. Eins muss man ihnen lassen, live sind EQUILIBRIUM nur durch wenige Bands zu schlagen.

Warum die Running Order geändert wurde und nun ELUVEITIE vor TYR spielen sollten, blieb unklar. Auch wenn die Schweizer bis dato noch nicht allzu bekannt waren, hätten sie durchaus den späteren Spielplatz verdient gehabt, denn sie können live absolut überzeugen. Bei 8 Leuten auf der Bühne ist man erstmal einem wahren Eindrucksüberfluss ausgesetzt, man wusste man gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Besonders in Auge stachen jedoch die Zwillinge Sevan (Flöte und Dudelsack) und Rafi (Bass), die immer wieder wild über die Bühne über die Bühne sprangen und DIE Showmacher der Band sind. Da gibt’s nur noch Konkurrenz von Sänger Chrigel, der ähnlich wie Sevan immer wieder die Instrumente wechselt und so auch mal zusätzlich eine Flöte oder auch eine Mandola spielt. Authentizität wird bei den Schweizern groß geschrieben, denn sämtliche Folklore Melodien wurden auch von echten Folklore Intrumenten gespielt, so gab es zusätzlich eine Drehleier (wann bekommt man da schon mal in einer Metalband zu sehen) und die etwas weiter verbreitete Geige. Songtechnisch spielte man weitgehend Songs vom neuen Album „Slania“, u.a. „Slania’s Song“ (mit wunderschönen Gesang von Drehleiher-Spielerin Anna) und „The Somber Lay“ und zum Abschluss natürlich den Kracher „Tegernako“. Auch die Absperrung hielt nun, dank eines zweiten Wellenbrechers, der mal eben während des Gigs 10 Meter hinter dem ersten aufgebaut worden war.

Setlist ELUVEITIE
Inis Mona
Gray Sublime Archeon
Of Fire, Wind & Wisdom
Bloodstained Ground
The Somber Lay
Your Gaulish War
Tegernako

TYR konnte man in den letzten paar Jahren immer wieder auf Tour mit diversen Bands sehen, so dass man fast meinen könnte, sie verbrächten mehr Zeit im Tourbus als in ihrer Heimat, den Färöer-Inseln. Und da für Ende Mai die Veröffentlichung des 4. Albums „Land“ geplant ist, verwundert es kaum, das Quartett mal wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu sehen. Quartett ist hier jedoch nicht ganz richtig, denn Drummer Kari musste verletzungsbedingt zu Hause bleiben. Sein Ersatz machte die Sache zwar gut, jedoch auch nicht überaus kreativ. Irgendwie kam aber generell heute nicht so viel Stimmung wie sonst rüber, was vielleicht an den neuen Songs gelegen haben mag, die beim ersten Hören nicht gerade ins Ohr gingen. Ansonsten hatte sich heute auch Bassist Gunnar dem allgemeinem Bandtrend, auf T-Shirts zu verzichten, angepasst, wie man munkeln hörte, auf Anregen der ELUEVEITIE Zwillinge. Mutig, mutig, denn Strandfigur hatte der Gute allemal nicht. Ändern tut das an einem eher mäßigen Gig nichts.

MOONSORROW sind nicht immer leichte Kost im Paganzirkus, vor allem dann nicht, wenn ein Partysong wie „Kylän päässä“ fehlt und auch die sonst leichter verdaulichen „Ukkosenjumalan Poika“ oder „Sankarihauta“ nicht gespielt werden. Dafür haute man den Fans „Jotunheim“ und „Unodoksen Lapsi“ um die Ohren, was sicher für die selbige eine gewisse Herausforderung war. Immerhin zeigten die Finnen dann doch noch mit „Pakanajuhla“ (dt: Heidentanz) passend zum Tourmotto ihre Partyfähigkeit. Kenner der Band werden sicher überrascht gewesen sein, dass der sonst so tourscheue Gitarrist Henri mal mit von der Partie war. Da hätte ja nur noch die Hello Kitty-Gitarre gefehlt, die er spaßeshalber auf der Metal Elite Cruise gespielt hatte, um den Auftritt perfekt zu machen.

Der Auftakt zum Höhepunkt des Abends nahte: KORPIKLAANI und ENSIFERUM durften sicher als gleichwertige Headliner gelten, ein Stimmungsunterschied war da sicher nur subjektiv auszumachen. Die Humppa-Metaller um Jonne Jävela legten wie immer zu ihrem altbekannten Intro los, weiter ging es mit „Wooden Pints“ und „Cottages and Saunas“ and bereits jetzt bebte die Halle vor lauter tanzenden Gestalten. Da die Band gerade ihr 5. Album veröffentlicht hat, gab es neben den üblichen Verdächtigen auch Songs von „Korven Kuningas“, die live doch um einiges besser rüberkamen als auf der Platte. Während „Kipumylly“, einer der besagten neuen Songs, nahm Jonne ganz in Waldclan-Tradition auf einem Holzschemel platz und begleitete sich selbst auf einer Handtrommel. Frohnatur Calle, seines Zeichens Gitarrist, schien heute noch besserer Laune als sonst zu sein und suchte ganz untypisch immer wieder den Kontakt der Menge, indem er auf das Treppenpodest stieg. Dass die Finnen gutem Bier nicht abgeneigt sind, ist kein Geheimnis und bei der stickigen Luft in der Halle wurde man auch schnell durstig. Dies hatten die TYR Mannen Heri und Terji nur allzu richtig erkannt und schufen Abhilfe, indem sie während „Journey Man“ die Bühne stürmten und Jonne und Co. im wahrsten Sinne des Wortes Bier einflössten. Vielleicht sollte das auch dafür entschädigen, dass die übliche Bierdusche während „Beer Beer“ heute ausfallen musste, weil der Song nicht einmal gespielt wurde. Ein wohl fast schon historisches Ereignis in der Waldclan-Geschichte. Trotzdem hoch die Hörner für einen super Auftritt!

Setlist KORPIKLAANI
Wooden Pints
Cottages and Saunas
Tuuli Kokko
Kipumylly
Keep On Galopping
Pellonpekko
Journey Man
Paljon on Koskessa Kiviä
Happy Little Boozer
Li Lea Voibmi

ENSIFERUM führten die tolle Stimmung fort. Endlich haben die Herren ihre Setlist mal ein bisschen verändert und „Iron“ an erster Stelle gesetzt, ein super Stück, um die Menge gleich mal in Stimmung zu bringen (ich sag nur „döpdödödöööö“ – wer den Song kennt, was gemeint ist). Das Bühnendekor wurde indes mit Bannern und Schilden aufgepeppt, ganz im Zeichen des Wikingermotivs. Live-Keyboarderin Emmi hat außerdem der allgemeinen Finnenrockmode nachgegeben, auf das „oben ohne“ können die männlichen aber wohl vergebens warten. Die Herren ließen sich dies jedoch nicht nehmen, auch wenn man ihnen doch manchmal gern ein T-Shirt zuwerfen würde. Bandgründer Markus schien sich mal wieder in Kopf gesetzt zu haben, für jeden einzelnen Fotografen oder Fan mit Kamera die Zunge rauszustrecken, während Bassist Sami sein Bestes gab, um ja nicht mit Gesicht abgelichtet werden (sprich, dauerbangen). Die veränderte Setlist fiel eigentlich nur in einer Umstellung der Songreihenfolge aus, denn wie immer bekamen die Fans die üblichen Stücke zu hören. Lediglich eine Neuerung fand ihren Weg ins Set, nämlich ein „folklorisiertes“ Medley aus Klassikern, von denen ich jedoch nur „The Trooper“ erkannte (einige Bekannte meinen noch „The Mexican“ von Babe Ruth und die Titelmelodien von „Reich und Schön“ sowie „Airwolf“ gehört zu haben). Die nahende Ende des Auftritts wird wie so oft durch Sänger Petris typischen Spruch „Do you wanna hear some more?“ eingeleitet, woraufhin immer noch mindestens zwei Songs folgen. Heute waren es „Treacherous Gods“ und „Battle Song“, also langsam könnte man auch wieder „Into The Battle“ als Schlussstück spielen. Ein bisschen kurz war die Spielzeit ja schon, aber nach insgesamt 7 Bands wird hier sicher der ein oder andere auch froh drum gewesen sein, denn die Fans hatten einen anstrengenden Tag mit tollen Bands hinter sich. Nur die etwas chaotische Orga ließ doch zu wünschen übrig.

Setlist ENSIFERUM
Ad Victoriam (Intro)
Iron
One More Magic Potion
Ahti
Lai Lai Hei
Guardians of Fate
Dragonheads
Token of Time
Victory Song
Blood Is The Price Of Glory
Medley
Treacherous Gods
Battle Song

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